Heute hat es gar nicht geregnet, obwohl meine Wetter App das versprochen hatte. Dafür allerdings gestern vorzugsweise, als ich gerade unterwegs war. Ich war noch ganz schnell Katzenfutter holen bei Netto, als es so zu gießen anfing, dass ich in der Eingangsschleuse stehen blieb und abwartete, gefangen zwischen Grillkohle und Universaldünger. Mit mir warteten noch mehrere andere Kunden und wir unterhielten uns bis eine Bekannte auf mich aufmerksam wurde. Ich hatte sie gar nicht bemerkt. Sie hatte sich ebenfalls in den Netto geflüchtet und erkundigte sich freundlich nach meinen Heilungsfortschritten und begutachtete fachkundig meine Narbe am Hals.
Da es mir gestern schon viel besser ging, erledigte ich schon wieder allerlei. Ich brachte mein Antragsformular, mit dem ich einen Gewerbescheint beantrage erneut zum Bürgerhaus. Es war mir zurückgeschickt worden, weil ich vergessen hatte, die Gewerbeart anzugeben. Aber die Sachbearbeiterin war so nett, mir in dem Beibrief zu erklären, was ich da genauer hinschreiben könnte. Sie fragte mich, ob die Terrasse, die ich mit benutzen will, eigentlich zum Bahnhof oder zur Bahn gehört. Das wusste ich auch nicht. Ich schickte die Frage per Whatsapp an meinen Vermieter und er antwortete umgehend, noch während ich im Büro der Sachbearbeiterin weilte, dass es sein Grundstück sei und er mit einer Nutzung einverstanden sei.
Ich war auch bei meiner Ärztin um meine OP Narbe vorzustellen. Es dauerte ganz schön lange. Sie hatte alle Hände voll zu tun, ließ sich aber nicht aus der Ruhe bringen. Als sie den Befund las, in dem stand, es seien keine Krebszellen gefunden worden, war sie sehr erleichtert, faltete fröhlich das Papier zusammen und sagte: "So viel Angst gehabt". Hatte ich eigentlich gar nicht. Ich glaube, sie war es, die Angst um mich gehabt hatte. Wie lieb das von ihr ist!
Ich erledigte noch dies und das und machte mich dann auf die Fahrt nach Lüchow. Darauf hatte ich mich schon die ganze Zeit gefreut. Das Wetter war hervorragend und ich hatte richtig Sehnsucht danach, eine schöne Dreiradtour zu machen. Im Augenblick fahre ich mit dem Dreirad, weil die Schwester im Krankenhaus Sport für die nächsten zwei Wochen verboten hat. Die Bewegung fehlt mir, muss ich sagen, aber ich spüre auch, dass es richtig ist, diese Anweisung zu befolgen.
Es war eine reine Freude, mit dem Dreirad durch die sonnenbeschienene, schöne, altmärkische Landschaft zu fahren. Überall grüne Wiesen, Felder, Bäume und blühende Rapsfelder. Ich sang fast den ganzen Weg über vor mich hin. Es gibt einen Radweg von Salzwedel bis nach Lüchow, dem ich ununterbrochen folgen konnte und es dauert so ungefähr eine Stunde von hier nach dort. Unterwegs begegneten mir immer wieder kleine Grüppchen alter Leute, die mit Fahrrädern unterwegs waren. Alle grüßten, als würden wir uns kennen.
In Lüchow folgte ich zunächst der langen Straße, die sich durch die kleine Stadt windet bis fast zum Ende. Dort liegt etwas versteckt das soziale Kaufhaus. Im Kaufhaus erstand ich einen alten Tisch, sieben alte Stühle und ein Bild für das Café. Die Vision in mir wächst. So langsam baut sich alles zusammen. Ich hab ganz schön Schwierigkeiten mit der Frage gehabt, wie ich es denn nun einrichte und was für einen Stil ich im Café vertreten will. Aber inzwischen bin ich klarer. Als Gitta mich vor einigen Tagen im Auto von Hamburg zurückfuhr, sprachen wir darüber, dass ich "spießig" bin. Gitta wollte wissen, warum ich das von mir denke und ich erzählte ihr, dass meine Mutter es über mich gesagt hatte, als ich gerade erst vierzehn war.
"Aber warum denn? Wie kam sie zu der Ansicht?"
"Es gab damals so ein Lied von Reinhard Mai - glaube ich - in dem gab es eine Zeile über Frau, die ihre Sofakissen ordentlich in der Mitte geknickt hatte. Und ich wollte in meinem Zimmer auch Sofakissen haben"
Gitta fand das nicht richtig. "Spießigkeit hat immer etwas mit Verlogenheit zu tun, damit dass jemand nicht sein wahres Ich lebt, sondern vor den Nachbarn etwas darzustellen versucht, was er nicht ist. Das trifft auf dich nicht zu. Du bist einfach eine Frau, die Retro liebt".
Da hat sie recht. Ich liebe Retro Sachen oder auch Vintage.
Im Grunde hat mich dieses Gespräch ermutigt, Vintage und Retro ins Café mit einzubringen. Erinnerst du dich, dass ich einmal schrieb "keiner schafft's allein"? So etwas ist damit gemeint, diese Synergien, die sich zwischen Menschen ergeben. Ein Gespräch mit Gitta löst bei mir ein Stückchen einer Vision für das Café aus und ermutigt mich, meinem eigenen Pfad zu folgen. Ich habe es doch schon immer gemocht, wenn Dinge ein klein wenig "altmodisch" sind. Das nennt man heutzutage Retro. Ich benutze sogar gelegentlich Retro Worte beim Sprechen oder sollte ich sie Vintage Worte nennen? Ich mag es, wenn sich in einen einfachen, schönen Satz gelegentlich verschnörkelte alte Ausdrücke einflechten. Oben gab es zum Beispiel so einen: "noch während ich im Büro der Sachbearbeiterin weilte".
Jetzt ist mir klar geworden, welchen Stil ich im Café haben will. Eine ganze Weile habe ich mir Kopf schüttelnd und Stirn runzelnd alle möglichen Bilder von Gastronomie Tischen angeschaut, die mir samt und sonders nicht gefielen. Aber nun ist es entschieden: Ich werde lauter verschiedene Tische haben und alle alt. Angestrichen natürlich, so dass sie schön aussehen. Jeder einzelne Tisch soll individuell sein und jeder einzelne soll eine Lieblingsecke werden. Was für eine schöne Idee das ist und wie viel Kreativität sie in mir auslöst! Eine Flut von Ideen wandelt mich an. So ganz richtig kann ich das erst später gestalten, wenn der Raum fertig ist, aber dann werde ich mit Blumen und Dekoration dafür sorgen, dass es im kleinen Café Anhalt nur Lieblingsecken gibt.
Es wird vielleicht ein wenig - nun ja nicht direkt bunt, eher vielfältig werden, aber so habe ich schon oft gewohnt und es hat den Menschen, die mich besuchten immer gefallen. In meinem letzten Haus war es ja auch nicht anders. Ich hatte dort jedes der 14 Zimmer selbst gestaltet und alle unterschiedlich. Daraus sind dann die vielen schönen Bilder entstanden, die ich für den Verkauf des Hauses online gestellt habe. Die neuen Besitzer des Hauses hatten sich in diese Bilder verliebt. Okay, nun ja, diese Liebe hat nicht lange gehalten. Inzwischen ist das ganze Haus umgestaltet worden, alles in Hellgrau, Altweis und dunklem Holz. Sieht super aus. Allerdings alle Zimmer in demselben Stil.
Ich finde, so schön es jetzt auch geworden ist, hat das Haus etwas an Lebendigkeit verloren. Diese überbordende Lebendigkeit, die so typisch für mich ist, werde ich im Café wieder aufleben lassen.
Ich habe auch schon angefangen, mir ein Vintage Logo zu suchen. Ich will so ein richtig schönes altmodisches Logo mit einer Schleife und einer dampfenden Tasse Kaffee, das wir dann auf unserer Kleidung tragen. Und hier kommt wiederum die Inspiration durch Jana ins Spiel. Ohne sie würde ich nämlich überhaupt nicht wissen, was Vintage ist. Sie war es, die mir das vor zwei Jahren erklärt hat.
Sie hat auch Fiverr gefunden, eine Seite, auf der man Logos für 5 Euro kaufen kann. Da habe ich heute ganz lange unter den Vintage Logos gestöbert und auch etwas gefunden. Ich brauche aber noch jemanden, der/ die sich das mit mir zusammen anschaut und mir weiterhilft. Jana hatte auch die Idee mit dem Schulterholster. So was von cool! Anstelle einer Weste können wir so ein Holster tragen. Da gibt es echt schmucke Teile. Darunter geht dann vermutlich einfach ein schwarzes T-Shirt. Mit der Idee experimentiere ich jetzt ein wenig.
Aber ich bin hier vom Wege abgekommen, sprich habe den Faden verloren. Hier sammle ich ihn wieder auf. Ich war also in Lüchow beim sozialen Kaufhaus. Obwohl dort ja alles billig ist und ich noch zusätzlich eine Bestätigung habe, dass ich vom Arbeitsamt gefördert werde, haben mich die Möbel plus Transport doch immerhin 120 Euro gekostet. Meine Mittel sind begrenzet. Ich muss gut aufpassen, was ich anschaffe. Anschließend bin ich noch zu Woolworth und habe dort nach Schürzen und Bettwäsche geschaut. Ich gönnte mir noch einen schönen Kaffee, bevor ich den Rückweg antrat und dabei begann es zu regnen.
Zuerst flüchtete ich mich unter das Dach der Tankstelle, die es am Anfang von Lüchow gibt. Ein anderer Radfahrer wartete ebenfalls dort auf das Ende des Schauers. Ab und zu wollte jemand tanken, dann mussten wir um die Zapfsäule herumfahren und auf der anderen Seite Platz nehmen. Der Schauer war aber schon nach 10 Minuten vorbei. Als ich dann durch die blühenden Landschaften zurückfuhr, war die Luft so geschwängert von all den Düften, die der Regen den trockenen Gräsern und Pflanzen entlockte, dass man sie fast nicht atmen konnte. Aber es war herrlich, herrlich, herrlich!
Wieder in Salzwedel angekommen, ließ ich noch schnell bei Obi die vier Schlüssel anfertigen, um die mein Vermieter gebeten hatte. Es ist ja wirklich entschieden einfacher, dass ich das mache. Sonst müsste Herr Schulz immer zu mir kommen, den Schlüssel ausleihen, die Schlüssel nachmachen lassen und mir meine Schlüssel zurückbringen. Hinzu kommt noch, dass er ja in Tangermünde wohnt und nicht hier. Deshalb finde ich es absolut in Ordnung, dass er mich immer darum bittet. Das Geld bekomme ich natürlich von ihm wieder.
Dann wollte ich noch schnell zu Netto und Futter für meine süße Selina holen. "Da gießet unendlicher Regen herab..." Der Himmel öffnete seine Schleusen. Ich blieb im Netto Eingang stehen und filmte den Regen, aber mein Computer übernimmt das Format nicht. Leider kann ich es hier nicht posten. Sommerregen ist schon etwas Wunderbares. Eigentlich sollte der Regen ja heute kommen und den heutigen Tag habe ich als Büro Tag dediziert. Trotz des ausgebliebenen Regens habe ich aber dennoch heute alles im Büro erledigt, was anstand. Für manches muss ich noch warten. Das Finanzamt hat eine Frage gestellt, aber heute ging dort niemand ran und morgen ist Herrentag, wie man es hier in der Altmark nennt. Den Anruf erledige ich dann gleich am Freitag.
Morgen treffe ich mich mit einer Frau, die evtl. für mich arbeiten will. Wir treffen uns erst mal im Café Adler, um uns kennen zu lernen und zu besprechen, was wir uns so wünschen und natürlich um herauszufinden, ob wir uns mögen. Nadine hat per Whatsapp gefragt, ob ich sie nicht als Teilzeitkraft einstellen will. Das ist eine bärenstarke Idee, vorausgesetzt, sie will nicht zu viel Geld haben. Sie und Heinrich sind aber gerade im Urlaub. Vielleicht kann ich mich mit ihr am Freitag treffen.
Als ich heute mit der Büroarbeit fertig war, fühlte ich mich plötzlich unendlich müde. Ich wollte dagegen angehen, aber auf mein Trampolin darf ich ja noch nicht. Ich wollte auch nach draußen und irgendetwas erledigen, aber ich habe schon alles gestern erledigt. Ich fragte noch Heike und Elke, ob sie Zeit hätten, sich mit mir zum Kaffee zu treffen, aber sie konnten beide nicht. Das war das Ende meiner Selbstrettungsversuche. Ich legte mich auf das Sofa "Nur ganz kurz. Ich stehe gleich wieder auf." Dabei war mir völlig klar, dass ich nicht wieder aufstehen würde, wenn kein Wunder geschah. In kürzester Zeit war ich eingeschlafen. Kein Tag für Wunder heute.
Als ich mich dann so um 17 Uhr wieder aufrappelte, war ich noch müder als vorher. Aber ich musste wirklich aufstehen,. Sonst kann ich in der Nacht nicht schlafen. Ich nahm 3 Transfer Faktoren, schlurfte zu meinem PC und spielte Solitär. Aber nach einiger Zeit wirkten die Transfer Faktoren und ich begann diesen Blog zu schreiben. Transfer Faktoren sind keine Drogen oder Hallo Wach Pillen oder so. Es handelt sich um Hartkapseln mit Kräutern und Kolostrum darin. Äußerst gesund also. Aber auf mich haben sie immer auch die wach machende Wirkung. Inzwischen habe ich diese ganzen vielen Seiten geschrieben. Es ist 21 Uhr 30 und es geht mir wieder gut. Ich mag diese Tiefenmüdigkeit überhaupt nicht.
Vielleicht hatte das ja doch auch noch mit der Operation vor einer Woche zu tun. Ich glaube, dass man ja doch etwas Blut dabei verliert. Vielleicht dauert es eine Woche, bis der Körper das wieder aufgebaut hat. War nur geraten. Ich weiß es nicht wirklich. Jetzt geht's mir wieder gut und Selina ist auch gerade Heim gekommen. Dann können wir uns ja zum Fernsehen hinsetzen.



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