Selina
ist gestern den ganzen Tag nicht nach Hause gekommen, auch in der
Nacht nicht. Das hat mich sehr beunruhigt. Ich konnte in der Nacht
nicht gut schlafen, wachte immer wieder auf und musste sofort an sie
denken. Gitta trudelte so gegen 22.30 Uhr bei mir ein. Wir sahen noch
zusammen fern. Um 23 Uhr begann ein lustiger Film, den ich gern zu
Ende gesehen hätte, aber wir wollten ja um 6 Uhr aufstehen. Deshalb
brachen wir irgendwann ab, nachdem wir uns schon ein paar Mal
kringelig gelacht hatten.
Ich
wachte schon vor 6 Uhr auf, zog mich an und verließ leise die
Wohnung. Dann ging ich nach unten, um zu überprüfen, ob mit der
Katzenklappe im Keller alles in Ordnung war, denn Selina war nach wie
vor nicht zurück. Die Klappe war herausgebrochen und lag auf dem
Brett vor dem Katzenausgang. Was ist hier wohl los gewesen?
Ich
erinnerte mich daran, dass es ja Selina gewesen war, die man aus
keinem Zimmer heraushalten konnte egal, wie man es auch verrammelte.
Sie hatte immer einen Weg gefunden herein zu gelangen, selbst durch
winzige unmöglich kleine Löcher. Vielleicht war die Klappe
irgendwie zu gesperrt, warum auch immer. Ein Streich der
Bauarbeiter??? Und Selina hatte sie daraufhin einfach aufgebrochen.
Das würde ihr schon ähnlich sehen.
Ich entdeckte sie dann direkt vor der Haustür und nahm sie unendlich erleichtert mit nach oben. Meine Güte, Engelchen, wo hast du denn nur gesteckt? Oben überprüfte ich die Katzenklappe zu meiner Wohnung und siehe da, auch zu. Welcher Blödmann war das denn? Bei einer Klappe glaube ich ja noch an Zufälle, aber bei beiden gleichzeitig? Das gibt‘s doch gar nicht.
Lienchen machte sich sofort hungrig über ihr Futter her. Sie begann schon aus der Brekkis Dose zu naschen, bevor ich ihr Futterpäckchen überhaupt öffnen konnte. Ich streichelte sie ein wenig und ging rasch ins Bad. Als ich zurück kam, da war sie doch tatsächlich schon weder weg! Ich konnte es nicht fassen. Was war denn das für eine kurze Stippvisite? Normalerweise leistet sie mir noch eine Viertelstunde bei meinem Frühstückskaffee Gesellschaft und haut sich dann aufs Ohr. Ich suchte die Wohnung nach ihr ab, aber tatsächlich, sie war schon wieder dem „Lockruf der Wildnis“ gefolgt. Eigentlich wollte ich mich doch noch richtig von ihr verabschieden und ihr einschärfen, nicht wegzulaufen und auf mich zu warten, weil ich in vier Tagen wieder da bin. Ja, ja, ich weiß, einige denken, ich spinne, aber glaubt mir, sie versteht wirklich jedes Wort.
Ich
setzte eine Kanne Kaffee für Gitta und mich auf und Gitta schälte
sich aus den Laken. Wir klönten ausgiebig bei unserem Kaffee und
tranken wirklich die komplette Kanne leer. Damit hatte ich nicht
gerechnet. Schließlich mussten wir ja auch los. Gepackt hatte ich ja
im Wesentlichen schon, es fehlten nur noch die paar Kleinigkeiten,
die ich noch außerhalb der Tasche benötigt hatte.
Als
wir zum Parkplatz gingen, erwartete uns dort Selina, die direkt vor
Gittas Auto saß. Diese Katze ist so schlau!!! So konnte ich mich
doch noch verabschieden. Ich schärfte ihr noch einmal ein, auf sich
Acht zu geben, nicht weg zu laufen und sich von Nadine füttern zu
lassen. Zuerst versteckte sie sich unter Gittas Auto, aber als Gitta
den Motor anließ, wurde es ihr doch zu bunt und sie verzog sich in
ein sicheres Gebüsch.
Gitta und ich fuhren munter plaudernd und blödelnd nach Hamburg, wo sie mich an den Landungsbrücken absetzte. Janas Berufsschule war dort und ich wollte mich noch mit ihr treffen. Dazu war es aber erst einmal noch zu früh. Ich schlenderte zum Wasser hinunter und ging auf den Pontons spazieren. Als ich die grauen Fluten des Hamburger Hafens vor mir sah, überfluteten mich Glücksgefühle. Das alles hatte ich lange nicht gesehen.
Breit grinsend, unfähig meine Freude hanseatisch zu verbergen, schlenderte ich an den ganzen Buden entlang. Es gab hier viele Cafes und Restaurants, viele Buden, wo man Hafenrundfahrten buchen konnte und Andenkenläden. Das Wetter war eigentlich so richtig mies. Es regnete die ganze komplette Zeit, aber das störte mich gar nicht. Wie ein touristisches Landei stromerte ich durch die Andenkenläden. Ich war auf der Suche nach Mützen, denn tatsächlich habe ich es fertig gebracht, meine Mütze zu vergessen.
Das
ist bestimmt nur wegen dem Regen passiert. Ich brauche nämlich meine
Schirmmütze um meinen Augen zu verschatten. Bei dem trübgrauen
Himmel unserer Abfahrt war genug Schatten da gewesen. In einer der
Buden fand ich eine prima graue Mütze in dem einzigen Stil, den ich
tragen kann. Der junge Verkäufer war sehr nett und duzte mich
gleich. Er erklärte mir, dass es in Hamburg üblich sei, auch einen
Pin an der Mütze zu tragen. Ich ließ mir das andrehen und kaufte
einen Hamburg Pin, den er mir an der Mütze festmachte.
Schließlich
waren ein ein halb Stunden einfach so verflogen, Zeit sich mit Jana
zu treffen. Ich setze mich bein Nordsee Restaurant draußen hin und
machte zwei Fotos für Jana, damit sie mich findet. Sie kam dann
schon fast sofort. Offenbar kennt sie sich dort gut aus. Jana meinte,
sie würde sich auch immer so gut am Wasser fühlen und manchmal
einfach mal so mit der Fähre fahren, nur so zum Spaß.
Wir
gingen dann wieder nach oben zur Straße und suchten nach der
Bushaltestelle. (Kleine Zwischenbemerkung: Eben war ein älterer
Arzt bei meiner Zimmernachbarin, die vorgestern operiert worden. Ihr
macht euch keine Vorstellung, wie nett und zuvorkommend der war. Hier
müssten die Ärzte aus dem Salzwedeler Krankenhaus mal ein Praktikum
machen. Da könnten sie was lernen, die Schwestern sollten am besten
gleich mitkommen)
Jana
und ich fuhren dann zuerst in ein Fachgeschäft für Berufsbekleidung
in Altona. Dort konnte ich zwei Schürzen anprobieren und
feststellen, dass mir der Schnitt überhaupt nicht steht. Mit diesen
langen, gerade Schürzen sehe ich immer aus wie ein Schlachter. Das
geht gar nicht. Wir kamen an einem größeren Secondhand Kleiderladen
vorbei und verirrten uns hinein. So eine Gelegenheit muss man doch
wahrnehmen. Wir kauften uns dort jede ein langes schwarzes Kleid von
der einfachen Sorte für ein paar Euro. Jana fand auch noch ein paar
Oberteile, die ihr gut standen.
Da
wir schon in Altona waren, gingen wir zu Ikea, den gibt es nämlich
dort. Wir schnerkten durch die Abteilungen auf der Suche nach
Schürzen, aber mein Rücken begann hier schon ernsthaft schlapp zu
machen. Deshalb konnten wir nicht wirklich ausgiebig suchen. Wir
setzten uns dann in das Restaurant bei Ikea und hier passierte mit
etwas Eigenartiges. Es gab dort wundervolle Salate.
Ich
wählte einen Salat mit Tunfisch, Tomaten, Oliven, Gurken und Ei,
einfach alles, was ich im Salat liebe, und ein Stück Kuchen mit
extra viel Schlagsahne. Am Tisch bestreute ich meinen Salat mit Salz.
Das ist bei mir völlig normal. Aber als ich ihn dann essen wollte,
war irgendwas ganz komisch. Ich konnte das Gefühl zuerst gar nicht
einordnen. Es verwirrte mich. Dann wurde mir übel und mir wurde
klar, dass ich hier etwas nicht vertrage. Ich dachte zuerst, es seien
die Kräuter auf dem Salat, aber das war nur Petersilie.
Ich
konnte den Salat wirklich nicht essen. Es ging nicht. Da war etwas
dran, was ich absolut nicht vertragen konnte. Ich stellte ihn
beiseite und wollte den Kuchen essen, aber das ging auch nicht.
Plötzlich schmeckte alles nach Salz, auch das Besteck. Ich ging los
und holte mir eine neue Kuchengabel, aber die schmeckte auch ganz
intensiv nach Salz. Ich konnte den Kuchen nicht essen. Dabei habe ich
doch noch nie ein Problem mit Salz gehabt, auch nicht mit Salat und
schon erst recht nicht mit Schlagsahne. Ich habe dafür keine
Erklärung.
Dann
ging es weiter Richtung Schnelsen. Irgendwo auf dem halben Weg gab es
ein weiteres Fachgeschäft für Berufsbekleidung. Die Frau dort war
sehr nett und gab uns eine perfekte Beratung, aber so richtig fündig
sind wir dort auch noch nicht geworden. Dann besuchten wir noch den
großen Stoffladen ein paar Busstationen weiter. Der war toll! Ich
kaufte mir zwei Stoffe, einen hellgrünen und einen in einem
besonderen Blau. Der Grüne war sogar ganz billig, nur 7 Euro der
Meter. Den legen wir erst mal auf Halde. Irgendwann kann Jana mir ein
Kleid darus nähen, wenn sie mal Zeit hat. Für Jana kaufte ich auch
drei Meter von dem Blauen, weil der ihr auch so gut gefiel. Sie will
jetzt erst einmal eine Tunika für mich nähen.
Mein
Rücken war jetzt echt alle. Da waren keine weiteren Wege mehr drin.
Wir mussten aber auch nicht mehr weit gehen. Zwei, drei Häuser
weiter gab es ein Kaffee. Hier setzten wir uns und bestellten und
einen schönen Kaffee. Dann rief ich mir ein Taxi. Das war so zwar
nicht geplant, aber mein Rücken konnte nicht mehr. Jana und ich
verabschiedeten und und ein besonders freundlicher Taxifahrer brachte
mich in die Schön Klinik direkt zum Haus sieben.
Ich
bekam mein Zimmer und stellte mich meiner Zimmernachbarin vor. Da es
sonst nichts für mich zu tun gab, ging ich noch für eine Stunde
nach unten in die Kantine und las in dem Buch, das ich mir
mitgebracht habe. Später begann ich dann an diesem Blog zu
schreiben. Ich kam aber nicht weit, weil mein Rücken gegen den
unbequemen Stuhl rebellierte. Im Bett spielte ich dann noch eine
Weile Solitär. Ich wollte mich nicht zu früh zum schlafen hinlegen.
Es fällt mir schwer, mit jemandem im Zimmer zu schlafen. Ich wollte
meine Zimmer Nachbarin nicht damit stören, dass ich mich ewig
unruhig herum und herum wälzte.
Als
ich mich dann schließlich hinlegte, entdeckte ich mit Schrecken,
dass ich ein fieses Bett bekommen hatte. Die Matratze war zu dünn,
die unebene Unterfläche drückte durch. Direkt unter meiner
mittleren Wirbelsäule gab es einen Huckel. Oh weia! Das geht gar
nicht. Früher hätte ich mir da nichts draus gemacht, aber in meinem
jetzigen Alter steckt mein Rücken das nicht weg. Wenn ich darauf
schlafe, erwache ich morgen mit einem kompletten Hexenschuss. Und
dann soll ich ja auch noch meine Narkose darauf ausschlafen. Wenn ich
das mache, dann kann ich mich anschließend überhaupt nicht mehr
bewegen.
Das
machte mir ehrlich Angst. Ich konnte ja an meiner Zimmernachbarin
sehen, dass nicht alles so super easy ist nach der OP. Sie hatte
schon ihre Schmerzen und Probleme, hat auch fast die ganze Nacht
nicht geschlafen, die Ärmste. Dazu dann noch Hexenschuss. Das ist zu
viel. Damit komme ich nicht klar. Ohne besondere Hoffnung ging ich
hinaus und erzähle das den Schwestern und erlebte wieder ein Wunder
der Kundenfreundlichkeit: Die Schwestern holten mir ein gerade leer
stehendes Pflegebett aus einem anderen Zimmer und tauschten es gegen
meines aus.
Das
war super. Die Matratzensituation war in diesem Bett ungleich besser.
Leider hatte ich nicht schnell genug geschaltet und die Kissen
ausgetauscht. Das Kissen in dem schlechten Bett war viel besser
gewesen. Nun hatte ich ein klumpiges Kissen. Ich finde, jemand der
reich ist und Lust hat, etwas Wohltätiges zu tun, sollte mal der
Schön Klinik einen Satz neuer Betten und neuer Kissen spendieren.
Ich
traute mich nicht, auch noch das Kissen bei den Schwestern zu
monieren, aber es war schon schlecht. Von den harten Klumpen darin
bekam ich die ganze Nacht über immer wieder partielle Kopfschmerzen
und musste mich dann herumdrehen und eine andere Lage suchen. Am
Morgen erwachte ich mit Nackenverspannungen. Ich hätte mein
ergonomisches Kopfkissen mitbringen sollen, aber wie? Es war schon
schwierig genug gewesen, den Rollkoffer durch die ganze Stadt hinter
mit her zu ziehen.
Meine
Zimmernachbarin bekommt gerade ihr Frühstück. Ich darf natürlich
nichts essen. Mann ist das blöd, dass ich nun doch nicht um 7.20 Uhr
operiert werde. Das hatte mir sehr gut in den Kram gepasst. In der
Nacht kam aber eine Schwester zu mir und sagte, es sei jemand
dazwischen gekommen, ich würde nun auf Platz 4 stehen. Vorher war
ich auf Platz 1. Nun hänge ich hier herum ohne Frühstück, Kaffee
bekomme ich natürlich auch nicht und ich kann noch nicht einmal in
die Kantine gehen, weil ich nicht weiß, wann ich gerufen werde. Bis
jetzt war noch niemand da.
Nadine
schickte mir gestern ein Foto von Selina beim Fressen als Beweis, das
sie da ist und es ihr gut geht. Das ist lieb von ihr. Also von
Nadine, meine ich. Direkt neben unserem Fenster ist eine große
Baustelle. Die Schön Klinik ist noch nicht fertig. Das mit der
Baustelle ist witzig. Zuhause ist es ja auch nicht anders. Irgendwie
leben wir alle gerade in und neben Baustellen.









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