Freitag, 19. Mai 2017

Der Tag vor meiner Schilddrüsenoperation 16.Mai 2017

16.5.17
Selina ist gestern den ganzen Tag nicht nach Hause gekommen, auch in der Nacht nicht. Das hat mich sehr beunruhigt. Ich konnte in der Nacht nicht gut schlafen, wachte immer wieder auf und musste sofort an sie denken. Gitta trudelte so gegen 22.30 Uhr bei mir ein. Wir sahen noch zusammen fern. Um 23 Uhr begann ein lustiger Film, den ich gern zu Ende gesehen hätte, aber wir wollten ja um 6 Uhr aufstehen. Deshalb brachen wir irgendwann ab, nachdem wir uns schon ein paar Mal kringelig gelacht hatten.

Ich wachte schon vor 6 Uhr auf, zog mich an und verließ leise die Wohnung. Dann ging ich nach unten, um zu überprüfen, ob mit der Katzenklappe im Keller alles in Ordnung war, denn Selina war nach wie vor nicht zurück. Die Klappe war herausgebrochen und lag auf dem Brett vor dem Katzenausgang. Was ist hier wohl los gewesen?

Ich erinnerte mich daran, dass es ja Selina gewesen war, die man aus keinem Zimmer heraushalten konnte egal, wie man es auch verrammelte. Sie hatte immer einen Weg gefunden herein zu gelangen, selbst durch winzige unmöglich kleine Löcher. Vielleicht war die Klappe irgendwie zu gesperrt, warum auch immer. Ein Streich der Bauarbeiter??? Und Selina hatte sie daraufhin einfach aufgebrochen. Das würde ihr schon ähnlich sehen.

Ich entdeckte sie dann direkt vor der Haustür und nahm sie unendlich erleichtert mit nach oben. Meine Güte, Engelchen, wo hast du denn nur gesteckt? Oben überprüfte ich die Katzenklappe zu meiner Wohnung und siehe da, auch zu. Welcher Blödmann war das denn? Bei einer Klappe glaube ich ja noch an Zufälle, aber bei beiden gleichzeitig? Das gibt‘s doch gar nicht.


Lienchen machte sich sofort hungrig über ihr Futter her. Sie begann schon aus der Brekkis Dose zu naschen, bevor ich ihr Futterpäckchen überhaupt öffnen konnte. Ich streichelte sie ein wenig und ging rasch ins Bad. Als ich zurück kam, da war sie doch tatsächlich schon weder weg! Ich konnte es nicht fassen. Was war denn das für eine kurze Stippvisite? Normalerweise leistet sie mir noch eine Viertelstunde bei meinem Frühstückskaffee Gesellschaft und haut sich dann aufs Ohr. Ich suchte die Wohnung nach ihr ab, aber tatsächlich, sie war schon wieder dem „Lockruf der Wildnis“ gefolgt. Eigentlich wollte ich mich doch noch richtig von ihr verabschieden und ihr einschärfen, nicht wegzulaufen und auf mich zu warten, weil ich in vier Tagen wieder da bin. Ja, ja, ich weiß, einige denken, ich spinne, aber glaubt mir, sie versteht wirklich jedes Wort.

Ich setzte eine Kanne Kaffee für Gitta und mich auf und Gitta schälte sich aus den Laken. Wir klönten ausgiebig bei unserem Kaffee und tranken wirklich die komplette Kanne leer. Damit hatte ich nicht gerechnet. Schließlich mussten wir ja auch los. Gepackt hatte ich ja im Wesentlichen schon, es fehlten nur noch die paar Kleinigkeiten, die ich noch außerhalb der Tasche benötigt hatte.

Als wir zum Parkplatz gingen, erwartete uns dort Selina, die direkt vor Gittas Auto saß. Diese Katze ist so schlau!!! So konnte ich mich doch noch verabschieden. Ich schärfte ihr noch einmal ein, auf sich Acht zu geben, nicht weg zu laufen und sich von Nadine füttern zu lassen. Zuerst versteckte sie sich unter Gittas Auto, aber als Gitta den Motor anließ, wurde es ihr doch zu bunt und sie verzog sich in ein sicheres Gebüsch.

Gitta und ich fuhren munter plaudernd und blödelnd nach Hamburg, wo sie mich an den Landungsbrücken absetzte. Janas Berufsschule war dort und ich wollte mich noch mit ihr treffen. Dazu war es aber erst einmal noch zu früh. Ich schlenderte zum Wasser hinunter und ging auf den Pontons spazieren. Als ich die grauen Fluten des Hamburger Hafens vor mir sah, überfluteten mich Glücksgefühle. Das alles hatte ich lange nicht gesehen.

Breit grinsend, unfähig meine Freude hanseatisch zu verbergen, schlenderte ich an den ganzen Buden entlang. Es gab hier viele Cafes und Restaurants, viele Buden, wo man Hafenrundfahrten buchen konnte und Andenkenläden. Das Wetter war eigentlich so richtig mies. Es regnete die ganze komplette Zeit, aber das störte mich gar nicht. Wie ein touristisches Landei stromerte ich durch die Andenkenläden. Ich war auf der Suche nach Mützen, denn tatsächlich habe ich es fertig gebracht, meine Mütze zu vergessen.


Das ist bestimmt nur wegen dem Regen passiert. Ich brauche nämlich meine Schirmmütze um meinen Augen zu verschatten. Bei dem trübgrauen Himmel unserer Abfahrt war genug Schatten da gewesen. In einer der Buden fand ich eine prima graue Mütze in dem einzigen Stil, den ich tragen kann. Der junge Verkäufer war sehr nett und duzte mich gleich. Er erklärte mir, dass es in Hamburg üblich sei, auch einen Pin an der Mütze zu tragen. Ich ließ mir das andrehen und kaufte einen Hamburg Pin, den er mir an der Mütze festmachte.


Schließlich waren ein ein halb Stunden einfach so verflogen, Zeit sich mit Jana zu treffen. Ich setze mich bein Nordsee Restaurant draußen hin und machte zwei Fotos für Jana, damit sie mich findet. Sie kam dann schon fast sofort. Offenbar kennt sie sich dort gut aus. Jana meinte, sie würde sich auch immer so gut am Wasser fühlen und manchmal einfach mal so mit der Fähre fahren, nur so zum Spaß.
 
 
Wir gingen dann wieder nach oben zur Straße und suchten nach der Bushaltestelle. (Kleine Zwischenbemerkung: Eben war ein älterer Arzt bei meiner Zimmernachbarin, die vorgestern operiert worden. Ihr macht euch keine Vorstellung, wie nett und zuvorkommend der war. Hier müssten die Ärzte aus dem Salzwedeler Krankenhaus mal ein Praktikum machen. Da könnten sie was lernen, die Schwestern sollten am besten gleich mitkommen)


Jana und ich fuhren dann zuerst in ein Fachgeschäft für Berufsbekleidung in Altona. Dort konnte ich zwei Schürzen anprobieren und feststellen, dass mir der Schnitt überhaupt nicht steht. Mit diesen langen, gerade Schürzen sehe ich immer aus wie ein Schlachter. Das geht gar nicht. Wir kamen an einem größeren Secondhand Kleiderladen vorbei und verirrten uns hinein. So eine Gelegenheit muss man doch wahrnehmen. Wir kauften uns dort jede ein langes schwarzes Kleid von der einfachen Sorte für ein paar Euro. Jana fand auch noch ein paar Oberteile, die ihr gut standen.

Da wir schon in Altona waren, gingen wir zu Ikea, den gibt es nämlich dort. Wir schnerkten durch die Abteilungen auf der Suche nach Schürzen, aber mein Rücken begann hier schon ernsthaft schlapp zu machen. Deshalb konnten wir nicht wirklich ausgiebig suchen. Wir setzten uns dann in das Restaurant bei Ikea und hier passierte mit etwas Eigenartiges. Es gab dort wundervolle Salate.

Ich wählte einen Salat mit Tunfisch, Tomaten, Oliven, Gurken und Ei, einfach alles, was ich im Salat liebe, und ein Stück Kuchen mit extra viel Schlagsahne. Am Tisch bestreute ich meinen Salat mit Salz. Das ist bei mir völlig normal. Aber als ich ihn dann essen wollte, war irgendwas ganz komisch. Ich konnte das Gefühl zuerst gar nicht einordnen. Es verwirrte mich. Dann wurde mir übel und mir wurde klar, dass ich hier etwas nicht vertrage. Ich dachte zuerst, es seien die Kräuter auf dem Salat, aber das war nur Petersilie.

Ich konnte den Salat wirklich nicht essen. Es ging nicht. Da war etwas dran, was ich absolut nicht vertragen konnte. Ich stellte ihn beiseite und wollte den Kuchen essen, aber das ging auch nicht. Plötzlich schmeckte alles nach Salz, auch das Besteck. Ich ging los und holte mir eine neue Kuchengabel, aber die schmeckte auch ganz intensiv nach Salz. Ich konnte den Kuchen nicht essen. Dabei habe ich doch noch nie ein Problem mit Salz gehabt, auch nicht mit Salat und schon erst recht nicht mit Schlagsahne. Ich habe dafür keine Erklärung.

Dann ging es weiter Richtung Schnelsen. Irgendwo auf dem halben Weg gab es ein weiteres Fachgeschäft für Berufsbekleidung. Die Frau dort war sehr nett und gab uns eine perfekte Beratung, aber so richtig fündig sind wir dort auch noch nicht geworden. Dann besuchten wir noch den großen Stoffladen ein paar Busstationen weiter. Der war toll! Ich kaufte mir zwei Stoffe, einen hellgrünen und einen in einem besonderen Blau. Der Grüne war sogar ganz billig, nur 7 Euro der Meter. Den legen wir erst mal auf Halde. Irgendwann kann Jana mir ein Kleid darus nähen, wenn sie mal Zeit hat. Für Jana kaufte ich auch drei Meter von dem Blauen, weil der ihr auch so gut gefiel. Sie will jetzt erst einmal eine Tunika für mich nähen.

Mein Rücken war jetzt echt alle. Da waren keine weiteren Wege mehr drin. Wir mussten aber auch nicht mehr weit gehen. Zwei, drei Häuser weiter gab es ein Kaffee. Hier setzten wir uns und bestellten und einen schönen Kaffee. Dann rief ich mir ein Taxi. Das war so zwar nicht geplant, aber mein Rücken konnte nicht mehr. Jana und ich verabschiedeten und und ein besonders freundlicher Taxifahrer brachte mich in die Schön Klinik direkt zum Haus sieben.

Ich bekam mein Zimmer und stellte mich meiner Zimmernachbarin vor. Da es sonst nichts für mich zu tun gab, ging ich noch für eine Stunde nach unten in die Kantine und las in dem Buch, das ich mir mitgebracht habe. Später begann ich dann an diesem Blog zu schreiben. Ich kam aber nicht weit, weil mein Rücken gegen den unbequemen Stuhl rebellierte. Im Bett spielte ich dann noch eine Weile Solitär. Ich wollte mich nicht zu früh zum schlafen hinlegen. Es fällt mir schwer, mit jemandem im Zimmer zu schlafen. Ich wollte meine Zimmer Nachbarin nicht damit stören, dass ich mich ewig unruhig herum und herum wälzte.

Als ich mich dann schließlich hinlegte, entdeckte ich mit Schrecken, dass ich ein fieses Bett bekommen hatte. Die Matratze war zu dünn, die unebene Unterfläche drückte durch. Direkt unter meiner mittleren Wirbelsäule gab es einen Huckel. Oh weia! Das geht gar nicht. Früher hätte ich mir da nichts draus gemacht, aber in meinem jetzigen Alter steckt mein Rücken das nicht weg. Wenn ich darauf schlafe, erwache ich morgen mit einem kompletten Hexenschuss. Und dann soll ich ja auch noch meine Narkose darauf ausschlafen. Wenn ich das mache, dann kann ich mich anschließend überhaupt nicht mehr bewegen.

Das machte mir ehrlich Angst. Ich konnte ja an meiner Zimmernachbarin sehen, dass nicht alles so super easy ist nach der OP. Sie hatte schon ihre Schmerzen und Probleme, hat auch fast die ganze Nacht nicht geschlafen, die Ärmste. Dazu dann noch Hexenschuss. Das ist zu viel. Damit komme ich nicht klar. Ohne besondere Hoffnung ging ich hinaus und erzähle das den Schwestern und erlebte wieder ein Wunder der Kundenfreundlichkeit: Die Schwestern holten mir ein gerade leer stehendes Pflegebett aus einem anderen Zimmer und tauschten es gegen meines aus.

Das war super. Die Matratzensituation war in diesem Bett ungleich besser. Leider hatte ich nicht schnell genug geschaltet und die Kissen ausgetauscht. Das Kissen in dem schlechten Bett war viel besser gewesen. Nun hatte ich ein klumpiges Kissen. Ich finde, jemand der reich ist und Lust hat, etwas Wohltätiges zu tun, sollte mal der Schön Klinik einen Satz neuer Betten und neuer Kissen spendieren.

Ich traute mich nicht, auch noch das Kissen bei den Schwestern zu monieren, aber es war schon schlecht. Von den harten Klumpen darin bekam ich die ganze Nacht über immer wieder partielle Kopfschmerzen und musste mich dann herumdrehen und eine andere Lage suchen. Am Morgen erwachte ich mit Nackenverspannungen. Ich hätte mein ergonomisches Kopfkissen mitbringen sollen, aber wie? Es war schon schwierig genug gewesen, den Rollkoffer durch die ganze Stadt hinter mit her zu ziehen.

Meine Zimmernachbarin bekommt gerade ihr Frühstück. Ich darf natürlich nichts essen. Mann ist das blöd, dass ich nun doch nicht um 7.20 Uhr operiert werde. Das hatte mir sehr gut in den Kram gepasst. In der Nacht kam aber eine Schwester zu mir und sagte, es sei jemand dazwischen gekommen, ich würde nun auf Platz 4 stehen. Vorher war ich auf Platz 1. Nun hänge ich hier herum ohne Frühstück, Kaffee bekomme ich natürlich auch nicht und ich kann noch nicht einmal in die Kantine gehen, weil ich nicht weiß, wann ich gerufen werde. Bis jetzt war noch niemand da.

Nadine schickte mir gestern ein Foto von Selina beim Fressen als Beweis, das sie da ist und es ihr gut geht. Das ist lieb von ihr. Also von Nadine, meine ich. Direkt neben unserem Fenster ist eine große Baustelle. Die Schön Klinik ist noch nicht fertig. Das mit der Baustelle ist witzig. Zuhause ist es ja auch nicht anders. Irgendwie leben wir alle gerade in und neben Baustellen.


















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