Sonntag war ich erst einmal wieder in Hamburg. Ich habe da noch eine kleine private Gruppe zum Thema Persönlichkeitswachstum. Wir treffen uns einmal im Monat und machen Übungen und bearbeiten Entwicklungsthemen. Das war gestern. Ich muss immer den Zug nehmen, der schon um 7.14 Uhr hier im Bahnhof abfährt (immer noch bin ich froh, im Bahnhof zu wohnen). Der nächste Zug führt schon wieder viel zu spät.
Als ich um 6 Uhr morgens aufstand, war von Selina nichts zu sehen. Auch in der Nacht hatte sie mich nicht in meinem Schlafzimmer besucht. Das beunruhigte mich sehr. Es ist zwar normal, dass sie lange draußen herumstreunt, aber die Vorstellung, nach Hamburg fahren zu müssen, ohne mich zuvor davon überzeugt zu haben, dass es ihr gut geht, die behagte mir absolut nicht. Oh, mein Lienchen, wo steckst du denn jetzt?
So gegen 7 Uhr, als ich mir gerade die Zähle putzte, sah ich sie vom Badezimmerfenster aus eilig auf das Haus zustreben. Welche Erleichterung. Es geht ihr gut. Sie trödelte dann aber noch eine Weile im haus unten herum und kam erst zu mir hoch, als ich praktisch schon los musste. Dann wollte sie mit mir spielen, aber ich hatte keine Zeit mehr. Ich knuddelte sie einmal ganz doll und küsste sie ein paar Mal ab. Dann musste ich aber wirklich zum Zug. sie lief mir hinterher, aber glücklicherweise nicht bis auf das Gleis.
Die Zugfahrt verlief entspannt. In Uelzen auf dem Hundertwasserbahnhof musste ich umsteigen.
In Hamburg am Hauptbahnhof kaufte ich mir erst einmal ein Brötchen, ich hatte noch gar nichts gegessen. Anschließend fuhr ich mit dem fünfer Bus vom Hauptbahnhof nach Burgwedel in Hamburg, wo Jana wohnt. Louis und Felix, die beiden Söhne von Jana holten mich wie üblich an der Bushaltestelle ab.
Jana hatte Pizza für uns alle im Ofen. Wir klönten ein wenig, aber wegen der beiden Jungs, die entweder lautstark mit mir reden wollten oder andere Störgeräusche im Raum verursachten, wie etwa Trommeln oder eine Pet Flasche wieder und wieder einknicken und zurück schneppen lassen, blieben unsere Gespräche im Oberflächlichen stecken. Gegen 12.30 Uhr wurden wir abgeholt und zu unserem Treffen mitgenommen. Wie immer war es sehr schön und wir hatten viel Spaß miteinander. wir machten die "Kritik Übung", die viel lustiger ist, als der Name es vermuten ließe und die "Respekt Runde", die immer sehr beliebt ist.
Marion, die Frau, in deren Physiotherapie Praxis wir uns bisher immer getroffen hatten, eröffnete uns, dass wir diese Räume demnächst nicht mehr benutzen können. Gleichzeitig schlugen Christian und Silke vor, uns in Zukunft bei ihnen zu treffen. Na passt ja super!
Der Rückweg wurde etwas, aber nur etwas beschwerlicher. Im Hauptbahnhof war mein eigentlicher Zug ausgefallen. Ich musste den Zug eine Stunde später nehmen. Der Bahnsteig war voller Menschen, die die Schaffner belagerten und sich nach ihren Anschlusszügen erkundigten. Offensichtlich war nicht nur mein Zug ausgefallen, sondern noch mehrere anderen ebenfalls.
Die Schaffner gaben entspannt lächelnd sehr freundlich allen Auskunft. Der Zug war dann aber sehr voll, weil wir Reisenden des letzten, ausgefallenen Zuges uns auch noch hineinquetschen mussten. Die normalen Sitzplätze waren alle belegt, aber ich ergatterte noch einen Platz im Gepäckbereich zwischen Rollstühlen, Koffern und lieben Hunden.
Ich kam so gegen 20 Uhr wieder zu Hause an und hatte dann keine große Lust mehr, noch irgendetwas zu arbeiten. Selina war schon wieder aushäusig. Ich habe sie dann gestern auch nicht mehr gesehen. Erst heute Morgen so gegen 5 Uhr kam sie leise in mein Schlafzimmer und legte sich mit ganz behutsamen vorsichtigen Bewegungen, so als wollte sie mich nicht aufwecken, zu mir ins Bett. Leider bin ich keine gute Bettgenossin für eine Katze. Ich habe eine so genannt Kalkschulter. Das heißt, winzige Bröckchen Kalk sind in meine Schulter gewandert und verursachen dort üble Schmerzen. Deshalb bin ich eine "Kampfschläferin". Ich wache ständig auf und muss die Position wechseln, um die Schmerzen erträglicher zu machen. Das hält keine Katze lange aus. Am Morgen lag sie auf dem Fußboden neben meinem Bett auf meiner Wolldecke.
Sie war so erschöpft von ihrem langen nächtlichen Ausflug, dass sie nicht mit mir zusammen aufstand und auch kein Frühstück einforderte, sondern einfach liegen blieb. Ich zog den Vorhang für sie zu. Ich selbst bevorzuge es bei geöffnetem Vorhang zu schlafen, damit es morgens nicht so dunkel im Schlafzimmer ist. Das Licht weckt mich auf und sorgt dafür, dass ich auch aufstehe und den Tag nicht verschlafe. Ab demnächst, wenn das Café eröffnete ist, fällt lange Schlafen ja eh aus. Aber warum soll mein Lienchen es nicht besser haben?





Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen