Samstag, 13. Mai 2017

Alles andere nur das nicht!

13. Mai 2017 Alles andere nur das nicht!

Auf dem Meldeamt hatte man mir Formulare zum Ausfüllen gegeben und ich habe sie eine Woche lang vor mir her geschoben. In der letzten Woche fühlte ich mich schwach, kränklich, abgeschlagen und überfordert. Wenn ich an all die Posten auf meiner Agenda dachte, dann konnte ich nur stöhnen und ich war mir nicht mehr sicher, ob ich das wirklich alles allein bewältigen kann. In den letzten Tagen habe ich zwar schon das eine oder andere erledigt und besorgt, aber von einer kraftvollen Attacke gegen die Arbeit kann gar nicht die Rede sein. Fast die ganze Zeit über wollte ich mich immer nur hinlegen, was ich allerdings nicht getan habe.

Erst gestern ist mir dann das Licht aufgegangen, wie dumm ich die ganze Zeit über war. Also manchmal sieht man ja wirklich den Wald vor lauter Bäumen nicht. Wenn ich meine "großartige" Einsicht, die ich am Freitag hatte, hier beschreibe, wirst du bestimmt lachen und denken: "Na hör mal, das war doch klar". Ich habe mich die ganze Woche über so schlecht gefühlt, auch körperlich. Meine Schulter tat so weh und mir war die ganze Zeit über ein wenig übel. Und auf einmal ging mir ein Licht auf:

Fast alle Punkte auf meiner Riesenliste machen mir eigentlich Spaß. Ich gehe gern einkaufen und besorge gern Dinge. Es ist schön, sich im Internet über Schürzen und Registrierkassen schlau zu machen. Ich führe gern Gespräche mit Menschen und organisiere auch gern. Eigentlich könnte ich fast meine ganze endlose Liste an Tätigkeiten richtig genießen. Habe ich aber nicht. Ich habe mich damit gequält und befürchtet, dass ich das alles gar nicht schaffe.

Der Grund dafür war einzig und allein, dass ich die Formulare so vor mir her geschoben habe. Darauf hatte ich nämlich wirklich so absolut rein gar keine Lust. Ich hatte richtig große innere Widerstände gegen diese grausliche Arbeit. Dadurch hatte ich aber die ganze Zeit über ein schlechtes Gewissen, und das schlechte Gewissen vermieste mit dann auch alle anderen Arbeiten und bewirkte, dass ich mich müde, krank und schlecht fühlte. Das, was ich gearbeitet habe, das habe ich schleppend und aus der Schwäche heraus gearbeitet, wie jemand, der immer wieder den Kopf unter Wasser kriegt.

Als mir das endlich auffiel, beschloss ich sofort, mir das nicht länger anzutun. Wie dumm ist das denn! Das war also gestern Abend. Am liebsten hätte ich gestern sofort mit den Formularen losgelegt, aber es war schon zu spät und ich war auch noch mit Nadine verabredet. Ich versprach mir selbst, es heute zu tun, gleich nach dem Frühstückskaffee. Nadine und ich trafen uns im Amadeus und besprachen verschiedene Dinge auch zum Thema Bahnhofs Café und zu Wagen und Winnen und so. sie wird sich auch um meine Selina kümmern, wenn ich im Krankenhaus bin.

Heute Morgen stand ich schon um 7 Uhr auf, trank meinen Kaffee und organisierte mich etwas.
Dann musste ich noch schnell zu Obi fahren und Lackfarbe, Nitroverdünner, Pinsel und Rollen besorgen, denn das Anmalen der Küchenzeile steht auch an. Gestern hatte ich es bereits bei Haagebau versucht, war aber nicht fündig geworden und dann war es zu spät gewesen, um noch weiter zu fahren. Aber dann legte ich los. Es war ein schwächliches Loslegen, schleppend und von Schwächegefühlen begleitet, aber ich war nicht bereit, diese ungeliebte Arbeit noch länger vor mir herzuschieben. Außerdem hatte ich den begründeten Verdacht, dass ich mich nach getaner Arbeit wieder gut fühlen würde. So war es dann auch.

Ich bemühte mich, mir ein paar gute Gedanken zu machen und schlurfte um den Schreibtisch herum, um die Papiere, die sich dort bereits stapelten, erst einmal zu sortieren. Ganz vieles konnte ich in den Müll werfen. Irgendwelche Werbungen und alte Seminarübungen. Von den Übungen behielt ich immer nur jeweils eine und warf die anderen weg, um mein Büro nicht so zuzumüllen. Dadurch wurde der Haufen schon merklich kleiner. Zwischendrin musste ich immer wieder hinunter gehen, weil unten ein Freund damit angefangen hatte, die Küchenzeile zu streichen, die später im Café aufgebaut werden soll. Der junge Mann brauchte immer mal wieder dies und das. Ich musste auch noch schnell zu Kaufland fahren, weil ich in der dortigen Apotheke meine Tabletten für die Schilddrüse bestellt hatte.

Mir fiel dabei auf, wie warm es geworden war. Gartenwetter! Leider hab ich keinen Garten mehr und noch nicht einmal einen Balkon. Das ist sehr schade. Selina war ständig unterwegs. Sie liebt es, bei warmen Wetter draußen herum zu stromern. Ich ließ mich aber nicht ablenken. Es zeigte sich, dass die Arbeit an den Formularen vom Gewerbeamt gar nicht so umfangreich sind, wie es mir vorgekommen war. Mir fiel auf, dass ich in den letzten vier Monaten keine Buchhaltung mehr gemacht hatte. Die Quittungen und Belege quollen aus dem Kästchen, in das ich sie immer lege.

Also machte ich das auch noch. Ich sortierte die ganzen Quittungen und Belege nach Monaten, markierte das jeweilige Datum, klebte jeden Beleg einzeln auf und beschriftete die Seite. Von Stunde zu Stunde ging es mir dabei besser. Ich hätte gern die komplette Buchhaltung gemacht, aber das ging nicht. Meine Bank stellt gerade ihr System um und ich konnte weder meine Kontoauszüge ausdrucken, noch Rechnungen bezahlen noch überhaupt Geld abheben. Bevor ich am Dienstag nach Hamburg zu meiner Operation fahre, muss ich aber noch irgendwie an Geld herankommen.

Ich machte zumindest die Barkasse fertig und heftete alles sauber ab. War gar kein Drama. Montag muss ich noch zwei Behörden anrufen und dort etwas beantragen. Montag liegt überhaupt so einiges an. Gitta kommt Montag Abend sehr spät zu mir, übernachtet bei mir und wir fahren dann am Dienstag schon sehr früh los nach Hamburg. Da werden noch gar keine Läden oder Banken geöffnet sein. Ich muss also alles, was jetzt noch vorher getan werden muss, am Montag erledigen.

Montag fahre ich auch mit Elke nach Altensalzwedel und hole mein kaputtes Fahrrad ab, das dort immer noch im Schuppen steht. Anschließend fahren wir zur Metro und schauen uns dort die Registrierkassen genauer an. Dann hole ich mir Geld, wenn das dann schon wieder geht. Ansonsten leihe ich mir etwas. So ganz ohne Geld in einer anderen Stadt, das ist keine gute Idee. Ich muss Nadine noch meinen Hausschlüssel vorbeibringen, damit sie in meiner Abwesenheit die Katze füttern kann. Vorhin habe ich schon mal eine Liste gemacht, was ich alles einpacken muss, damit ich sie dann morgen nur noch abhaken muss.

Letzte Woche habe ich mir übrigens auch einen gebrauchten Lap Top gekauft und dazu auch einen prepaid Internetstick. Den nehme ich mit ins Krankenhaus. So kann ich mich beschäftigen. Zum Glück habe ich einen Rollkoffer. Ein oder zwei Bücher brauche ich auch, obwohl ich ja wirklich nicht lange dort sein werde. Mittwoch werde ich operiert und am Freitag Mittag soll ich wieder entlassen werden. Ein bisschen Angst habe ich schon. Aber ich freue mich über die Fortschritte, die heute gemacht wurden. Etwa ein Drittel der Küchenmöbel sind jetzt schon cremeweiß angemalt. Sieht gut aus.

In Sachen Bürokratie habe ich alles gemacht, was heute an einem Samstag und bei einer Bankumstellung möglich war. Die Wohnung habe ich auch aufgeräumt, das Geschirr ist sauber und auch die Wäsche ist fertig gewaschen und trocknet auf dem Ständer. So kann man seine Wohnung für ein paar Tage verlassen. Katzenfutter habe ich besorgt, Nadine ist eingewiesen. Alles Klar für den Start in den OP in der Hamburger Schön Klinik.
Danach hörst du wieder von mir  - ähh, also das hoffe ich doch zumindest.













































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