Dienstag, 30. Mai 2017

Tränen der Ergriffenheit

30.Mai 2017
Heute Morgen hatte ich einen Termin in der Bank. Es ging darum, dass ich nicht mehr möchte, dass mein Konto ein P Konto ist. P Konto bedeutet pfändungsfrei. Das war es nämlich die ganze Zeit über. Die Vodafone hatte versucht Geld bei mir zu pfänden. Inzwischen ist aber alles bezahlt - zähneknirschend - eigentlich wollte ich das nicht bezahlen, denn die haben mich hereingelegt. Nie wieder werde ich irgendetwas mit der Vodafone machen. Aber ich kann mein Café nicht eröffnen, wenn ich ein P Konto habe. So bekomme ich meine Unbedenklichkeitsbescheinigung nicht. Also biss ich in den sauren Apfel und bezahlte die restlichen 560 Euro (ächts). Es hat aber zunächst noch nicht geholfen. Die Vodafone hat weder mir noch der Bank bescheinigt, dass sie das Geld bekommen hat. Von daher war der Termin noch kein so rechter Erfolg. Als ich gerade losfahren wollte, begann es zu gewittern und ich verbrachte eine halbe Stunde unter dem Vordach meiner Bank, um den Regen abzuwarten.



Ich habe wieder Regenfotos gemacht. In der Straße dort kann man die Lichter der Autos bei Regen schon lange durch die Straße leuchten sehen, bevor das Auto selbst um die Kurve kommt. Ein schöner Anblick. Ich fuhr los, als ich glaubte, das Gewitter sei zu Ende, aber ich irrte mich. Da ich heute nur mit kurzen Hosen und ohne Jacke unterwegs war, störte es mich doch ein wenig, so nass zu werden und ich suchte Zuflucht im art-Ort bei Heinrich und Nadine, die, wie ich im Vorbeifahren bemerkte, anwesend waren. Wir tranken Kaffee zusammen und ich holte mir rasch ein belegtes Brötchen vom Bäcker, denn ich hatte noch gar nichts gesessen.


Wir klönten eine Weile, während Heinrich sich wieder ins hintere Büro verzog, um weiter zu arbeiten, aber dann mussten wir beiden doch auch mal weiter machen. Ich hatte noch einen Termin beim Arbeitsamt. Meine Sachbearbeiterin wollte noch eine alte EKS von mir. Ich düste also mit dem Dreirad los zum Arbeitsamt. Nach wie vor bin ich mit drei Rädern unterwegs. Die zwei Wochen Sportverbot nach der OP sind noch nicht um. Als ich dann beim Arbeitsamt ankam, brauchte meine Sachbearbeiterin die EKS gar nicht. Komisch. Wie konnte ich das denn so missverstehen? Ich hatte extra meinen Steuerberater darum gebeten, sie mir zu machen, was er nicht umsonst tut. Aber egal, was soll's. Immerhin brauchte sie eine Unterschrift von mir. Und ich bekam den Ordner zurück.

Anschließend war es schon halb 2 Uhr und um halb 3 Uhr war ich im Kino verabredet. Da lohnte es sich nicht, noch einmal wieder nach Haus zu fahren. Ich setzte mich ins Café Adler und gönnte mir einen Milchkaffee. Dabei kamen mir einige der Themen wieder in den Sinn, die ich inzwischen bei TED Talks gehört hatte. Ein Redner hatte die Entwicklung der Gesellschaft in Sandzeitalter eingeordnet und anhand der Veränderungen klassifiziert, die sich durch die Erfindung einiger sehr grundlegender Dinge erkennen lassen, die man aus Sand machen kann:
Lehmziegel - Glas bzw. Linsen für Teleskope - Mikrochips. Das Vierte hab ich leider vergessen.

Mit jeder dieser Erfindungen veränderte sich die Kultur. Die Ziegel führten zur Sesshaftigkeit, der Entwicklung von Städten und den entsprechenden gesellschaftlichen Verhaltensweisen. Die Teleskope führten zunächst zu einer Veränderung der Weltsicht (Ach! Die Sonne dreht sich doch nicht um die Erde und wir sind NICHT der Mittelpunkt des Universums?), was zum Aufblühen der Wissenschaft führte. Und was der Mikrochip veränderte, das haben wir ja alle selbst erlebt.

Was ich daran so spannend finde, ist die Sichtweise. Ich habe ja geschrieben, dass wir Menschen uns permanent entwickeln und dabei immer wieder dieselben 4 Schritte durchlaufen. Schritt drei davon ist das Erkennen und Akzeptieren eines neuen Elements in unserem Leben. Das haben jene TED Talk Redner natürlich auch bemerkt, aber sie blicken auf dieselbe Sache mit einer anderen Fragestellung. Ihre Frage lautet: Was veränderte sich durch das neue Element? Meine Fragestellung war bisher immer: Wodurch können wir eine Veränderung herbeiführen?

Aber es ist total spannend, auch einmal von der anderen Seite auf dieses Phänomen zu blicken. Okay, das neue Element ist also schon da, es ist der Lehnziegel. Was hat sich dadurch verändert. Es ist so vieles, was sich verändert hat, dass es mich ganz begeistert und optimistisch in Bezug auf die Wandlungsakzeptanz der Menschen macht. Betrachtet man nur den Einzelfall, einen einzelnen Menschen, der verzweifelt mit seinem neuen Element ringt, das er am liebsten gar nicht haben will, weil er viel liebet möchte, dass alles wieder so wird, wie es früher war, vor der Veränderung, dann sieht es so aus, als wäre das schrecklich, schrecklich schwer.

Betrachtet man aber die Menschheit insgesamt oder wenigstens einzelne Kulturen und Gesellschaften, dann erkennt man eine enorme Wandlungs- und Entwicklungsfähigkeit. Vom Nomaden zum Städter, vom Leibeigenen zum Wissenschaftler, vom Stehpult Schreiber zum Digital Native. Das sind weite Wege. Ich kann aber nicht anders, als diese Frage noch ein weiteres Mal herumzudrehen. Ich kann mich ja auch mal so rum fragen: Wenn ich die Wandlung xy erzeugen will (also bei mir selbst jetzt), welches neue Element müsste ich dafür ins Spiel bringen? Oder anders ausgedrückt etwa so: Wenn ich Heilung von einer tiefen, seelischen Wunde erreichen will, welches neue Element muss dafür ins Spiel kommen? Welches neue Element wird gebraucht?

Mit diesem Blickwinkel, könnte man vielleicht entsprechende neue Elemente direkt für den Fall erfinden, statt sich immer nur danach umzuschauen, was das Schicksal uns schenkt. Bestimmt gibt es Menschen, die das schon längst erkannt haben und es so nutzen. Also, wenn ich, Kim, zum Beispiel einen Weg finden möchte, um abzunehmen (und wir wissen bereits, dass die üblichen Wege nicht funktioniert haben), was für ein neues Element müsste erfunden, werden, damit es für mich klappt? Vielleicht eine neue Untersuchungsmethode, bei der man herausfinden kann, welcher Stoff meinem Körper fehlt? Oder eine neue Prozessmethode, mit der ich, was auch immer es ist. prozessieren kann?
Vielleicht eine neue Perspektive, aus der ich etwas sehen kann, was meine bisherigen Blickwinkel nicht zeigten?

Und wenn es um die Verletzungen aus unserer Vergangenheit geht, welches neue Element würde uns befähigen, sie heute zu heilen?
In diesem Sinne, ich war ja heute im Kino mit Elke verabredet. Wir sahen den Film "Die Hütte". Leute, wenn ihr euch den anschauen wollt, bringt Taschentücher mit. Wie konnte ich das vergessen, wo ich doch schon das Buch gelesen hab? Elke und ich haben echt um die Wette geweint. Ich hab meine Tränen immer mit meinen Blumenshirt abgewischt. Es waren aber keine Tränen der Trauer. Der Film ist gar nicht traurig, jedenfalls nicht so wie das Buch. Es waren die ganze Zeit über Tränen der Ergriffenheit.

Der Film handelt davon, wie Gott sich die Mühe macht, die Seele eines Mannes zu heilen, dessen tiefe seelische Wunden ihn verzweifeln lassen. Zuerst kann der Mann die Liebe Gottes weder annehmen, noch an sie glauben. Die große Kernfrage: Warum lässt Gott das alles zu? quält ihn so sehr. Aber Schrittchen für Schrittchen findet er den Weg, sein Leid mit anderen Augen zu betrachten, so dass es aus dem neuen Blickwinkel einen anderen Sinn ergeben kann. Wundervoll!

Der Film insgesamt ist erstaunlich schlicht. Das hat mich gewundert. Da war zum Beispiel eine Szene, die bei der wir beide am meisten geweint haben, da wurde ein schlichtes, nettes Liedchen im Hintergrund gespielt. Ich dachte bei mir, wenn jetzt hier an derselben Stelle ein Gospelsong gekommen wäre, hätte das die emotionale Wirkung verdreifacht. Und dann denke ich mir, dass der Regisseur das sicherlich wusste. Immerhin ist er ja der Regisseur eines Kinofilms. Offenbar wollte er keine solche Wirkung erzielen. Vielleicht wollte er, dass es ausschließlich die Botschaft des Films ist, die wirkt und keinerlei zusätzliche Effekte, nicht einmal durch Musik.

In Anbetracht der Tatsache, dass wir Zuschauer(innen?) bei so vielen Szenen geweint haben, scheint ihm das wohl außerordentlich gut gelungen zu sein. Er hat uns erreicht. Ziemlich cool, oder?
Anschließend tranken wir noch einen Kaffee zusammen in der Altmark Passage. Währenddessen fing es wieder gewaltig an zu regnen. Elke musste aber trotzdem dann irgendwann gehen, weil sie noch eine Telefonverabredung hatte. Ich trödelte noch ein wenig herum und hoffte, dass der Regen bald nachlassen würde. Schließlich bin ich aber dann doch losgefahren.

Zu meiner Freude war Selina zu Hause, als ich ankam. Ich bekomme sie zur Zeit kaum noch zu sehen. Bei diesem warmen Wetter ist sie quasi 24 Stunden am Tag aushäusig. Ich fütterte sie liebevoll. Sie fraß ein wenig und Schwupps war sie schon wieder unterwegs. Ich glaube, ich brauch noch ne Zweitkatze. Wer sitzt denn beim Fernsehen auf meinem Schoß, wenn Lienchen immer in der Weltgeschichte herum gondelt? Na ja, ich mein's nicht so. Sie soll sich ihren Lebens freuen, so intensiv sie nur irgend vermag. Ich bin jetzt auch fertig für heute. Zeit, mir eine kleine Auszeit zu gönnen. Bis bald dann.














Sonntag, 28. Mai 2017

Ted Talk ist toll

28.Mai 2017

In den letzten paar Tagen war das Wetter so schön, dass ich so oft, wie nur irgend möglich, auf meinem Dreirad unterwegs war. Fahrrad fahren darf ich ja noch nicht wegen der kürzlichen Operation, aber das hat mir auch ganz gut so gefallen. Normalerweise erlaube ich es mir ja gar nicht, so viel Dreirad zu fahren. Das Dreirad hat einen Elektromotor und tritt sich daher ganz leicht. Man kann nicht wirklich behaupten, etwas für seine Gesundheit oder gar Figur getan zu haben, wenn man nur Elektrodreirad gefahren ist. Es ist keine echte Ertüchtigung damit verbunden. Leider, leider bin aber ich doch so schrecklich dick. Durch die OP habe ich glatt noch 4 Kilo zugenommen. Dabei hab ich doch fast jeden Tag dort nur eine Mahlzeit pro Tag bekommen. Die anderen habe ich immer verpasst.
 

Das interessiert meinen Körper gar nicht. Jeder bekannten Realität spottend nimmt der glatt vier Kilo zu in einer Woche. Oh Menno, echt mal! Jetzt wiege ich also 94 Kilo. Da ist das Radfahren essentiell so wie jede andere Bewegung auch. Aber ich darf ja gerade nicht. hi hi.
Mit dem Dreirad Fahren ist nämlich unheimlich viel Fahrspaß.  Den hätte ich mir sonst nicht gestattet oder vielleicht nur einmal und all die anderen Fahrten hätte ich mit dem Zweirad gemacht. Es gibt aber anscheinend "höhere" Kräfte oder Gewalten, die da der Ansicht sind, Spaß haben sei für mich wichtiger, als ein paar Kilos zu vermeiden.
 
So bin ich mit dem Dreirad durch die Gegend gegurkt und habe das herrliche Wetter in vollen Zügen genossen. Hier gibt es viele schöne Wege, die man ausprobieren kann. Ich habe jetzt einen gefunden, den ich bei dem Raiffeisenmarkt beginne. Da kann ich auf den Radwanderweg gelangen. Dem folge ich eine Weile, bis er zu Ende ist. Dort fahre ich einfach noch weiter geradeaus. Irgendwann lotst mich der Weg dann um die Kurve und ich komme zunächst nach Klein Gerstedt und dann nach Groß Gerstedt (oder war es jetzt umgekehrt?). Von dort aus führt die Landstraße wieder zurück nach Salzwedel und irgendwann komme ich direkt bei Kaufland wieder vorbei. Der Weg ist 18 Kilometer lang, also etwa eine Stunde mit dem Dreirad. Weil mir das zu wenig war, bin ich Freitag die Tour zweimal hintereinander gefahren.
 
Gearbeitet habe ich aber schon auch. Ich habe mich mit Nadine getroffen und wir haben eine neue Liste gemacht, was alles erledigt werden muss. Die vorherige Liste habe ich bereits abgearbeitet. Es ist nun an der Zeit, sich Lieferanten zu suchen für Brötchen, Kuchen, Torte, Getränke, Süß Kram und so weiter. Das ist ein zeitraubendes Unterfangen, weil es im Internet so viele davon gibt. Man muss sich das so vorstellen: Da gibt es eine Liste mit Namen. Zu jedem Namen gehört eine Firma. Um mehr zu erfahren, muss man auf die Firma klicken. Dann öffnet sich deren Präsentation. Dann muss man sich da hindurch suchen, muss sich die Produkte anschauen (immer wieder klicken und warten, bis das Bild da ist), die Firmenphilosophie, die Preise und auch wo die Firma ansässig ist. Warum sollte ich eine Firma in Bayern auswählen und nicht eine aus Sachsen-Anhalt, wo ich doch schon mal hier bin?
 
 
Ich benötige doch mindestens, also mindestens 10 Minuten pro Firma für die erste Begutachtung. Das werden schnell Stunden. Nadine will mir zum Glück dabei helfen. Ich habe da nicht so viel Spaß dran, stundenlang im Internet herum zu gucken. Nach ein oder zwei Stunden bin ich meistens nicht mehr aufnahmebereit. Es fehlt aber noch so viel. Jana näht jetzt ein Holster Probeexemplar, damit wir sehen, wie wir damit aussehen und wie das so sitzt. Nadine äußerte die Bedenken, dass es vielleicht störend sein könnte, die Taschen so direkt an der Seite zu haben. Erst wenn wir das Probeholster erkundet haben, geht es weiter in Sachen hygienische Kleidung.
 
Gestern war ein Freund hier und hat weiter Tische und Stühle angestrichen. Ich habe ihm zwei Farben zur Probe gegeben, einmal Ziegelrot und Petrol Blau. Mein Favorit war ja eigentlich Alt Grün, aber das gibt es nicht zu kaufen. Es gibt so einige Grün Töne, die mir leider alle nicht gefallen. Dusty Green haben wir bereits ausprobiert und es war viel zu hell. Man könnte natürlich auch eine Farbe mischen, aber dann muss man gleich sehr viel mischen, um wirklich alles damit anmalen zu können. Ein zweites Mal bekommt man den Ton nicht wieder so hin. Petrol und Ziegelrot sehen beide gut aus und harmonieren auch mit einander. Damit könnte ich mir den Raum gut vorstellen. Einige Tische in Petrol und einige in Ziegelrot. Die farbige Wand auch in demselben Rot, die anderen Wände weiß. Da entsteht eine tolle Vision in mir.
 
Und schon beginnen Leute zu protestieren. Das nehme ich als gutes Zeichen. In meinem Haus habe ich ja sehr viele Räume farblich gestaltet (und jeden anders) und jedes Mal, aber wirklich jedes einzelne Mal haben vorher Leute Bedenken angemeldet. Als ich den Aufenthaltsraum in Weinrot gestrichen habe, meinten alle, das sei zu viel. Ich solle mich doch lieber nur auf eine rote Wand beschränken, ich würde das viele Rot bald satt haben. Ich folgte aber weiter meiner Vision, strich den kompletten Raum Weinrot und alle vier im Raum befindlichen Türen und die halbhohen Holzpaneele in Weiß. Das sah am Ende super aus und alle waren begeistert.

So war es jedes Mal. Meine Vision nur in Worte gefasst, löst bei den Menschen sofortige Bedenken aus. Ist Sie dann aber Wirklichkeit geworden, gefällt sie allen. Die Bedenken habe ich nun bereits gehört und schreite daher zur Tat. Einzig Nadines Bedenken nehme ich ernster. Sie hat einen tollen Stil und bedenkt immer Dinge, die tatsächlich wichtig sind und auf die ich selbst nicht gekommen bin.
 
Vor einiger Zeit erzählte meine Freundin Gitta mir von Ted Talk. Ich hatte keine Ahnung, was das war. Viele andere hier wissen das offenbar auch nicht. Diese Entwicklung ist hier an uns vorüber gegangen. Ted Talks sind etwa 10 minütige Vorträge zu interessanten Themen, Ideen und Erfahrungen. Ideen, die es wert sind, verbreitet zu werden, heißt es in der Erklärung. Offenbar hören sich in den Großstädten viele Menschen in ihrer Mittagspause gern mal einen Ted Talk aus dem Internet an. Ich hatte zwar gleich das Gefühl, dies könnte eine tolle Sache sein, bin aber erst heute Morgen dazu gekommen, mir meinen ersten Ted Talk anzuhören:
"Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" von Benedikt Fischer.
 
Ich hatte einfach 'Ted Talk, deutsch' bei Google eingegeben. Dann kam eine Liste und aus der Liste hab ich mir diesen Vortrag ausgesucht, weil mir das Thema interessant erschien.
Und das war es auch. Der Vortrag hat mir total gut gefallen. Daraufhin hörte ich gleich noch:
"Alles ist möglich, dem, der da sieht" von Franziska Pohlmann
"Hört! Mir! Zu! Warum wir gute Kommunikation lieben von Bert Helbig
"Eine Philosophie der Musik" von Robert Babicz und
"Die Neurologie des Erfolges" von Alexander Hartmann
 
Jeder Vortrag ein Treffer! Das ist ja eine großartige Bereicherung! Es gibt unzählige Ted Talks im Internet zu allen nur denkbaren Themen. Ich empfand die Vorträge als sehr inspirierend und bekam gleich Lust, aktiv zu werden und nicht länger herum zu hängen. Später, wenn das Café Anhalt eröffnet hat, will ich dort auch Ted Talk Veranstaltungen machen. Vielleicht an Sonntag Vormittagen oder so. Ich muss dafür Redner und Rednerinnen finden, möglichst erst einmal aus der Region, die Interessantes zu berichten haben. Da diese neue Form der gehobenen Unterhaltung hier noch eher unbekannt ist, muss ich die Leute behutsam da heranführen. Hoffentlich klappt das.
 
Ich selbst habe mir jetzt vorgenommen, mindestens einen Vortrag am Tag über meinen Lap Top zu hören. Das hält meinen Geist aktiv, versorgt mich mit neuen Ideen, inspiriert mein Schaffen und hält mich auf dem Laufenden. Dabei macht es auch noch Spaß. Ich neige nämlich dazu, mich sehr schnell zu langweilen, insbesondere bei Tutorials am Computer. Da könnte ich manchmal laut aufschreien, wenn derjenige, der mir da etwas beibringen will, erst mal die ganzen Allgemeinplätze runterleiert: "Kennen Sie das auch? Sie wollen xy machen und dann passiert auf ein mal zz..."Uoah! Nein!
 
Dieses ganze Blah Blah, mit dem der Zuhörer einbezogen werden soll, das ihm das Gefühl geben soll, wir reden von seinem Thema und so, das löst bei mir ADHS aus oder so Die Ted Talker sparen sich das einfach und fangen gleich mit ihrem Vortrag an. Er darf ja auch nur 10 Minuten lang sein. Das ist so wenig, dass für Füllmaterial kein Platz ist. Haut immer hin. Jetzt warte ich auf Synergien. Wo krieg ich die ersten Redner her? Hast du Lust? Und hast du eine interessante Idee zu berichten? Dann ruf mich einfach an. Hier mal meine Nummer: 03901 - 30 444 76
 
Ich hab auch noch ein paar Kaffeesprichworte gemacht. Hier mal eins davon:
Bis bald eure Kim aus dem Cafe Anhalt.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Mittwoch, 24. Mai 2017

Wenn's regnet ruft das Büro

24. Mai 2017
Heute hat es gar nicht geregnet, obwohl meine Wetter App das versprochen hatte. Dafür allerdings gestern vorzugsweise, als ich gerade unterwegs war. Ich war noch ganz schnell Katzenfutter holen bei Netto, als es so zu gießen anfing, dass ich in der Eingangsschleuse stehen blieb und abwartete, gefangen zwischen Grillkohle und Universaldünger. Mit mir warteten noch mehrere andere Kunden und wir unterhielten uns bis eine Bekannte auf mich aufmerksam wurde. Ich hatte sie gar nicht bemerkt. Sie hatte sich ebenfalls in den Netto geflüchtet und erkundigte sich freundlich nach meinen Heilungsfortschritten und begutachtete fachkundig meine Narbe am Hals.

Da es mir gestern schon viel besser ging, erledigte ich schon wieder allerlei. Ich brachte mein Antragsformular, mit dem ich einen Gewerbescheint beantrage erneut zum Bürgerhaus. Es war mir zurückgeschickt worden, weil ich vergessen hatte, die Gewerbeart anzugeben. Aber die Sachbearbeiterin war so nett, mir in dem Beibrief zu erklären, was ich da genauer hinschreiben könnte. Sie fragte mich, ob die Terrasse, die ich mit benutzen will, eigentlich zum Bahnhof oder zur Bahn gehört. Das wusste ich auch nicht. Ich schickte die Frage per Whatsapp an meinen Vermieter und er antwortete umgehend, noch während ich im Büro der Sachbearbeiterin weilte, dass es sein Grundstück sei und er mit einer Nutzung einverstanden sei.

Ich war auch bei meiner Ärztin um meine OP Narbe vorzustellen. Es dauerte ganz schön lange. Sie hatte alle Hände voll zu tun, ließ sich aber nicht aus der Ruhe bringen. Als sie den Befund las, in dem stand, es seien keine Krebszellen gefunden worden, war sie sehr erleichtert, faltete fröhlich das Papier zusammen und sagte: "So viel Angst gehabt". Hatte ich eigentlich gar nicht. Ich glaube, sie war es, die Angst um mich gehabt hatte. Wie lieb das von ihr ist!

Ich erledigte noch dies und das und machte mich dann auf die Fahrt nach Lüchow. Darauf hatte ich mich schon die ganze Zeit gefreut. Das Wetter war hervorragend und ich hatte richtig Sehnsucht danach, eine schöne Dreiradtour zu machen. Im Augenblick fahre ich mit dem Dreirad, weil die Schwester im Krankenhaus Sport für die nächsten zwei Wochen verboten hat. Die Bewegung fehlt mir, muss ich sagen, aber ich spüre auch, dass es richtig ist, diese Anweisung zu befolgen.

Es war eine reine Freude, mit dem Dreirad durch die sonnenbeschienene, schöne, altmärkische Landschaft zu fahren. Überall grüne Wiesen, Felder, Bäume und blühende Rapsfelder. Ich sang fast den ganzen Weg über vor mich hin. Es gibt einen Radweg von Salzwedel bis nach Lüchow, dem ich ununterbrochen folgen konnte und es dauert so ungefähr eine Stunde von hier nach dort. Unterwegs begegneten mir immer wieder kleine Grüppchen alter Leute, die mit Fahrrädern unterwegs  waren. Alle grüßten, als würden wir uns kennen.

In Lüchow folgte ich zunächst der langen Straße, die sich durch die kleine Stadt windet bis fast zum Ende. Dort liegt etwas versteckt das soziale Kaufhaus. Im Kaufhaus erstand ich einen alten Tisch, sieben alte Stühle und ein Bild für das Café. Die Vision in mir wächst. So langsam baut sich alles zusammen. Ich hab ganz schön Schwierigkeiten mit der Frage gehabt, wie ich es denn nun einrichte und was für einen Stil ich im Café vertreten will. Aber inzwischen bin ich klarer. Als Gitta mich vor einigen Tagen im Auto von Hamburg zurückfuhr, sprachen wir darüber, dass ich "spießig" bin. Gitta wollte wissen, warum ich das von mir denke und ich erzählte ihr, dass meine Mutter es über mich gesagt hatte, als ich gerade erst vierzehn war.

"Aber warum denn? Wie kam sie zu der Ansicht?"
"Es gab damals so ein Lied von Reinhard Mai - glaube ich - in dem gab es eine Zeile über Frau, die ihre Sofakissen ordentlich in der Mitte geknickt hatte. Und ich wollte in meinem Zimmer auch Sofakissen haben"
Gitta fand das nicht richtig. "Spießigkeit hat immer etwas mit Verlogenheit zu tun, damit dass jemand nicht sein wahres Ich lebt, sondern vor den Nachbarn etwas darzustellen versucht, was er nicht ist. Das trifft auf dich nicht zu. Du bist einfach eine Frau, die Retro liebt".
Da hat sie recht. Ich liebe Retro Sachen oder auch Vintage.

Im Grunde hat mich dieses Gespräch ermutigt, Vintage und Retro ins Café mit einzubringen. Erinnerst du dich, dass ich einmal schrieb "keiner schafft's allein"? So etwas ist damit gemeint, diese Synergien, die sich zwischen Menschen ergeben. Ein Gespräch mit Gitta löst bei mir ein Stückchen einer Vision für das Café aus und ermutigt mich, meinem eigenen Pfad zu folgen. Ich habe es doch schon immer gemocht, wenn Dinge ein klein wenig "altmodisch" sind. Das nennt man heutzutage Retro. Ich benutze sogar gelegentlich Retro Worte beim Sprechen oder sollte ich sie Vintage Worte nennen? Ich mag es, wenn sich in einen einfachen, schönen Satz gelegentlich verschnörkelte alte Ausdrücke einflechten. Oben gab es zum Beispiel so einen: "noch während ich im Büro der Sachbearbeiterin weilte".

Jetzt ist mir klar geworden, welchen Stil ich im Café haben will. Eine ganze Weile habe ich mir Kopf schüttelnd und Stirn runzelnd alle möglichen Bilder von Gastronomie Tischen angeschaut, die mir samt und sonders nicht gefielen. Aber nun ist es entschieden: Ich werde lauter verschiedene Tische haben und alle alt. Angestrichen natürlich, so dass sie schön aussehen. Jeder einzelne Tisch soll individuell sein und jeder einzelne soll eine Lieblingsecke werden. Was für eine schöne Idee das ist und wie viel Kreativität sie in mir auslöst! Eine Flut von Ideen wandelt mich an. So ganz richtig kann ich das erst später gestalten, wenn der Raum fertig ist, aber dann werde ich mit Blumen und Dekoration dafür sorgen, dass es im kleinen Café Anhalt nur Lieblingsecken gibt.

Es wird vielleicht ein wenig - nun ja nicht direkt bunt, eher vielfältig werden, aber so habe ich schon oft gewohnt und es hat den Menschen, die mich besuchten immer gefallen. In meinem letzten Haus war es ja auch nicht anders. Ich hatte dort jedes der 14 Zimmer selbst gestaltet und alle unterschiedlich. Daraus sind dann die vielen schönen Bilder entstanden, die ich für den Verkauf des Hauses online gestellt habe. Die neuen Besitzer des Hauses hatten sich in diese Bilder verliebt. Okay, nun ja, diese Liebe hat nicht lange gehalten. Inzwischen ist das ganze Haus umgestaltet worden, alles in Hellgrau, Altweis und dunklem Holz. Sieht super aus. Allerdings alle Zimmer in demselben Stil.

Ich finde, so schön es jetzt auch geworden ist, hat das Haus etwas an Lebendigkeit verloren. Diese überbordende Lebendigkeit, die so typisch für mich ist, werde ich im Café wieder aufleben lassen.
Ich habe auch schon angefangen, mir ein Vintage Logo zu suchen. Ich will so ein richtig schönes altmodisches Logo mit einer Schleife und einer dampfenden Tasse Kaffee, das wir dann auf unserer Kleidung tragen. Und hier kommt wiederum die Inspiration durch Jana ins Spiel. Ohne sie würde ich nämlich überhaupt nicht wissen, was Vintage ist. Sie war es, die mir das vor zwei Jahren erklärt hat.

Sie hat auch Fiverr gefunden, eine Seite, auf der man Logos für 5 Euro kaufen kann. Da habe ich heute ganz lange unter den Vintage Logos gestöbert und auch etwas gefunden. Ich brauche aber noch jemanden, der/ die sich das mit mir zusammen anschaut und mir weiterhilft. Jana hatte auch die Idee mit dem Schulterholster. So was von cool! Anstelle einer Weste können wir so ein Holster tragen. Da gibt es echt schmucke Teile. Darunter geht dann vermutlich einfach ein schwarzes T-Shirt. Mit der Idee experimentiere ich jetzt ein wenig.

Aber ich bin hier vom Wege abgekommen, sprich habe den Faden verloren. Hier sammle ich ihn wieder auf. Ich war also in Lüchow beim sozialen Kaufhaus. Obwohl dort ja alles billig ist und ich noch zusätzlich eine Bestätigung habe, dass ich vom Arbeitsamt gefördert werde, haben mich die Möbel plus Transport doch immerhin 120 Euro gekostet. Meine Mittel sind begrenzet. Ich muss gut aufpassen, was ich anschaffe. Anschließend bin ich noch zu Woolworth und habe dort nach Schürzen und Bettwäsche geschaut. Ich gönnte mir noch einen schönen Kaffee, bevor ich den Rückweg antrat und dabei begann es zu regnen.


Zuerst flüchtete ich mich unter das Dach der Tankstelle, die es am Anfang von Lüchow gibt. Ein anderer Radfahrer wartete ebenfalls dort auf das Ende des Schauers. Ab und zu wollte jemand tanken, dann mussten wir um die Zapfsäule herumfahren und auf der anderen Seite Platz nehmen. Der Schauer war aber schon nach 10 Minuten vorbei. Als ich dann durch die blühenden Landschaften zurückfuhr, war die Luft so geschwängert von all den Düften, die der Regen den trockenen Gräsern und Pflanzen entlockte, dass man sie fast nicht atmen konnte. Aber es war herrlich, herrlich, herrlich!

Wieder in Salzwedel angekommen, ließ ich noch schnell bei Obi die vier Schlüssel anfertigen, um die mein Vermieter gebeten hatte. Es ist ja wirklich entschieden einfacher, dass ich das mache. Sonst müsste Herr Schulz immer zu mir kommen, den Schlüssel ausleihen, die Schlüssel nachmachen lassen und mir meine Schlüssel zurückbringen. Hinzu kommt noch, dass er ja in Tangermünde wohnt und nicht hier. Deshalb finde ich es absolut in Ordnung, dass er mich immer darum bittet. Das Geld bekomme ich natürlich von ihm wieder.

Dann wollte ich noch schnell zu Netto und Futter für meine süße Selina holen. "Da gießet unendlicher Regen herab..." Der Himmel öffnete seine Schleusen. Ich blieb im Netto Eingang stehen und filmte den Regen, aber mein Computer übernimmt das Format nicht. Leider kann ich es hier nicht posten. Sommerregen ist schon etwas Wunderbares. Eigentlich sollte der Regen ja heute kommen und den heutigen Tag habe ich als Büro Tag dediziert. Trotz des ausgebliebenen Regens habe ich aber dennoch heute alles im Büro erledigt, was anstand. Für manches muss ich noch warten. Das Finanzamt hat eine Frage gestellt, aber heute ging dort niemand ran und morgen ist Herrentag, wie man es hier in der Altmark nennt. Den Anruf erledige ich dann gleich am Freitag.

Morgen treffe ich mich mit einer Frau, die evtl. für mich arbeiten will. Wir treffen uns erst mal im Café Adler, um uns kennen zu lernen und zu besprechen, was wir uns so wünschen und natürlich um herauszufinden, ob wir uns mögen. Nadine hat per Whatsapp gefragt, ob ich sie nicht als Teilzeitkraft einstellen will. Das ist eine bärenstarke Idee, vorausgesetzt, sie will nicht zu viel Geld haben. Sie und Heinrich sind aber gerade im Urlaub. Vielleicht kann ich mich mit ihr am Freitag treffen.

Als ich heute mit der Büroarbeit fertig war, fühlte ich mich plötzlich unendlich müde. Ich wollte dagegen angehen, aber auf mein Trampolin darf ich ja noch nicht. Ich wollte auch nach draußen und irgendetwas erledigen, aber ich habe schon alles gestern erledigt. Ich fragte noch Heike und Elke, ob sie Zeit hätten, sich mit mir zum Kaffee zu treffen, aber sie konnten beide nicht. Das war das Ende meiner Selbstrettungsversuche. Ich legte mich auf das Sofa "Nur ganz kurz. Ich stehe gleich wieder auf." Dabei war mir völlig klar, dass ich nicht wieder aufstehen würde, wenn kein Wunder geschah. In kürzester Zeit war ich eingeschlafen. Kein Tag für Wunder heute.

Als ich mich dann so um 17 Uhr wieder aufrappelte, war ich noch müder als vorher. Aber ich musste wirklich aufstehen,. Sonst kann ich in der Nacht nicht schlafen. Ich nahm 3 Transfer Faktoren, schlurfte zu meinem PC und spielte Solitär. Aber nach einiger Zeit wirkten die Transfer Faktoren und ich begann diesen Blog zu schreiben. Transfer Faktoren sind keine Drogen oder Hallo Wach Pillen oder so. Es handelt sich um Hartkapseln mit Kräutern und Kolostrum darin. Äußerst gesund also. Aber auf mich haben sie immer auch die wach machende Wirkung. Inzwischen habe ich diese ganzen vielen Seiten geschrieben. Es ist 21 Uhr 30 und es geht mir wieder gut. Ich mag diese Tiefenmüdigkeit überhaupt nicht.

Vielleicht hatte das ja doch auch noch mit der Operation vor einer Woche zu tun. Ich glaube, dass man ja doch etwas Blut dabei verliert. Vielleicht dauert es eine Woche, bis der Körper das wieder aufgebaut hat. War nur geraten. Ich weiß es nicht wirklich. Jetzt geht's mir wieder gut und Selina ist auch gerade Heim gekommen. Dann können wir uns ja zum Fernsehen hinsetzen.





Freitag, 19. Mai 2017

Entlassungstag


19. Mai 2017

So, allmählich habe ich es hinter mir. Heute Morgen habe ich einen Spaziergang durch die Anlagen gemacht. Das war wunderschön. Hier gibt es viel Grün, blühende Bäume und Eichhörnchen und Kaninchen, die ganz zahm an mir vorbei gelaufen sind. Die Patienten sitzen entspannt in der Sonne oder unterhalten sich angeregt. Alle wirken genesend. Ich genese auch, sehe aber besser aus, als ich mich fühle. Mein Rücken macht mir jetzt doch Probleme trotz E-Bett. Ich hatte gehofft, dass der Spaziergang hilft, war aber nicht so. Es fühlt sich die ganze Zeit über so an, als ob einer meiner Wirbel rausrutschen will. Ich muss mich immer wieder ganz gerade machen und tief einatmen.

Ach, was soll`s. Alle sind hier so tapfer und machen auf munter. Ich will auch keine Jammerliese sein. Nadine hat mich angerufen, um mir zu berichten, warum sie mir gestern kein Foto von Selina geschickt hat. Lienchen war nicht da, weder am Morgen noch am Abend. Es war klar, dass das passieren kann, so oft wie sie unterwegs ist, besonders bei diesem warmen Wetter. Nadine hat ihr dann Futter hingestellt und das alte Futter, das sie nicht angerührt hatte auch da gelassen. Heute war dann alles aufgefressen. Sie hat ihr dann auch gesagt, dass ich heute wieder zurück komme.

Ich habe hier einige Fotos gemacht, um zu zeigen, wie schön es ist und ich kaufe mir eine Merchandising Tasse, auf der Schön Klinik steht. Auch wenn das vielleicht etwas albern ist, aber ich stehe auf so was. Dies hier war ein guter Ort für mich und es gefällt mir, eine Erinnerung daran mit nach Haus zu nehmen.



Heute früh habe ich endlich richtig gegessen. Gestern konnte ich nicht viel runterkriegen. Es gab Brötchen. Jetzt sitze ich hier im Schatten auf der Terrasse und schreibe diesen Block. Meine Mitpatientinnen sind schon alle entlassen bis auf meine Zimmernachbarin. Ihr Mann kann erst am Nachmittag kommen. Ich warte hier auf Gitta. Als Nadine mich eben anrief, waren sie und Heinrich im Auto unterwegs zu einer Hochzeit. Sie haben gesehen, wie Gitta an ihnen vorbei fuhr. Witzig nicht wahr? Immerhin handelt es sich um unterschiedliche Städte, in denen wir leben und zu denen wir fahren. Sich da auf der Landstraße zu begegnen ist doch selten. Aber ich erinnere mich, dass uns das auch schon einmal bei Hamburg passiert ist, als wir alle zu Maike und Jana fuhren. Plötzlich war Manfred im Auto direkt hinter uns auf der Autobahn und der kam immerhin aus Bayern. Wer weiß? Vielleicht verbindet uns eine Kraft?

In einem der Schaukästen hier lag ein menschlicher Knochen. Ob der echt ist? Das Buch, das ich mir hier zum Lesen mitgebracht habe, ist echt witzig und gut. Es ist ein Schäferkrimi aus der Sicht der Schafe geschrieben. Die Schafe lösen so nach und nach den verworrenen Fall, wobei sie vieles missverstehen, auf schafhafte Weise. Willensstärke ist zum Beispiel Wollenstärke für sie und hat etwas mit viel Wolle zu tun. Wie niedlich ist das denn? Trotzdem kriegen sie es hin, den Fall zu lösen und ihre Schäferin zu beschützen, die natürlich meint, sie wäre es, die die Schafe beschützt.



Eben kam eine Frau hier an meinen Tisch, um mir noch einmal ganz explizit gute Besserung und eine gute Heimfahrt zu wünschen. Ich bin ganz gerührt davon. Ich denke nämlich ehrlich gesagt, dass ich es mit den nett Sein immer übertreibe. Es liegt mir so sehr im Blut und fällt mir daher so leicht. Aber vielleicht sollte ich statt so viel Rücksicht und Freundlichkeit lieber etwas mehr Würde zeigen. Etwas mehr Würde könnte ich schon gebrauchen. Ich sehe ja an den Reaktionen der anderen Menschen, dass sie meine Freundlichkeit übertrieben finden. Aber diese Frau eben fand das wohl nicht.





Inzwischen kann ich hoch gucken und meine Wunde tut dabei nicht mehr weh. Schon mal gut. Ich übe auf Würde. Mal sehen, wie weit ich da komme.

Der Tag nach meiner OP


18. Mai 2017

Ich sitze auf einer Terrasse, die zur Kantine des Krankenhauses gehört. Das Wetter ist mild und angenehm und es geht mir gar nicht so übel. Hier ist ja wirklich alles anders als im Salzwedeler Krankenhaus. Ich erinnere mich, wie aus meiner Mitte gerissen, isoliert und einsam ich mich da gefühlt hatte. Dort schien es gar keine Menschen außerhalb der Zimmer zu geben. Der Aufenthaltsraum und die Kantine waren verwaist. Ich brauchte so dringend eine menschliche Seele, fand aber keine. Alle verbarrikadierten sich schlecht gelaunt hinter ihrer Krankheit in ihren Zimmern.


Hier reden alle und lachen miteinander. Alle haben gute Laune und verbrüdern bzw. verschwestern sich miteinander. Heute Vormittag hatten alle Schilddrüsen Patienten eine gemeinsame Physiotherapie Sitzung. Danach blieben wir alle noch ein Weilchen sitzen und tauschten uns aus. Später begleitete ich einige Frauen hier hinunter in das Schön Cafe. Ich saß ganz lange hier und las in meinem Buch, bis ich mich auf einmal ganz erschöpft fühlte und in mein Bett zurück kehrte. Inzwischen habe ich schon wieder zwei Stunden geschlafen. Eine freundliche Ärztin weckte mich auf, um mir die Befunde mitzuteilen.


Mit dem Schilddrüsenlappen sind sie noch nicht ganz fertig, aber die entnommenen Lymphdrüsen waren alle frei von Tumoren. Schon mal gut. Morgen komme ich schon wieder nach Haus. Gitta kann mich nicht um 10 Uhr abholen, weil ihr etwas sehr Wichtiges dazwischen gekommen ist. Es geht sozusagen um einen anderen Kranken, der nicht so viel Glück hatte wie ich. Bei ihm wurde Krebs entdeckt. Sie wird mich gegen Mittag hier abholen. Das ist völlig okay. Ihc kann ja wieder hier lesen oder weiter an diesem Block schreiben.


Zum Prozessieren bin ich noch nicht gekommen. Dazu war ich zunächst dann doch zu krank. Ich habe gedacht, die Schilddrüse wird auch in minimal invasiver Weise entnommen, aber das ist nicht der Fall. Wir haben hier alle riesige Narben. Ich habe aber meine Meinung zum Thema Narkose verändert. Bei allen früheren Narkosen hatte ich hinterher schwere depressive Zustände und weinte eine ganze Woche lang. Mir wurde gesagt, das läge an der Narkose. Ich bin jetzt überzeugt davon, dass es eher an der Weise liegt, wie man behandelt wird.


Wenn ich krank bin (und gesund geht man ja nicht ins Krankenhaus), dann bin ich nicht in meiner Mitte, ich bin dann wie herausgeschubbst aus meiner Kraft und inneren Stabilität. Dann reagiere ich übersensibel auf alles. Die rabiate, bevormundende Art der Krankenschwestern, die abweisende Art der Ärzte, die einem keine Fragen beantworten, überhaupt dass man die meiste Zeit nicht weiß, was gerade los ist, das alles löst diese Gefühle in mir aus. Und wenn ich mich dann nach der OP schlecht und schwach fühle und kein Trost weit und breit, dann überkommen mich solche Zustände.

Hier ist das überaupt nicht der Fall. Mir geht es viel besser, als erwartet. Hier sind wirklich alle nett. Vor der Operation wurde mir bei jedem einzelnen Handgriff immer gesagt, was er bedeutet und warum das jetzt gemacht wird. „Ich lege ihnen jetzt eine Manschette an, um den Blutdruck zu messen...ich bin die OP Schwester und bereite sie nun auf die Anestesie vor...Zu keinem Zeitpunkt musste ich mich einsam, ratlos, ahnungslos oder unbeachtet fühlen. Ich empfehle die Schön Klinik jedem, der sich operieren lassen muss.


Den Erfolg merkt man den Patienten an. In so einem Klima und so wohl informiert gedeihen keine Ängste, Überängste und Besorgnisse. Hier gedeihen Menschen. Es gibt auch ein Krankenhaus Radio. Die Damen sitzen hier am Nebentisch und haben mich gefragt, ob sie später ein Lied für mich spielen dürfen. Sie machen das ehrenamtlich, so sagten sie. Ich wünschte mir ein Lied der Gruppe Circle of friends, aber das können sie nicht finden. Dann wünschte ich mit das Lied „Life ist life“. Das ist schön für Genesende.

Meine Wunde am Hals tut ein wenig weh, aber nicht so sehr, wie man erwarten würde. Und ich hatte überhaupt keine Nackenverspannung. Oh vielen Dank, du liebe Karin F. Dass du mich davor gewarnt hast. Ich habe es meiner Ärztin erzählt und sie haben mein Genick nicht überdehnt und überdreht. So gesehen wäre es durchaus vernünftig gewesen, schon damals vor 30 Jahren den Rat meines Arztes anzunehmen und mir die Schilddrüse entfernen zu lassen. Als junger Mensch übersteht man solche Strapazen viel besser und schlechte Betten und Kopfkissen sind auch kein Problem. Eben geht hier der schwarze Verkäufer der Kantine vorbei. Offenbar ist seine Schicht zuende. Er sieht so gesund aus. Schade, dass ich früher noch nicht wusste, wie man sich mit 60 Jahren fühlt, sonst hätte ich meine unbändige Gesundheit und Power viel besser zu würdigen gewusst.


Andererseits war ich früher nicht annähernd so glücklich wie heute. Es war ein langer Weg, all die Schmerzen und Verletzungen meiner Kindheit abzuschütteln. Jetzt liegt das alles hinter mir und mit der Schilddrüse und den riesigen Kalkknoten wurde mir der letzte verhärtete Rest davon entfernt. Ich kann ihn zwar nicht beerdigen, wie ich es geplant hatte. Die Ärzte konnten den Knoten nicht hergeben, weil er noch untersucht und dabei zerschnitten wird, aber ich glaube, nun ist alles Fremde und Fremdbestimmte aus mir heraus.


Ich bin jetzt ganz mit mir allein und vollkommen selbst verantwortlich für alles, was ich sage, glaube und mache. Das gefällt mir sehr. So bin ich. Ich will lieber meine eigenen Fehler machen, als im Namen anderer etwas richtig.

Der Tag vor meiner Schilddrüsenoperation 16.Mai 2017

16.5.17
Selina ist gestern den ganzen Tag nicht nach Hause gekommen, auch in der Nacht nicht. Das hat mich sehr beunruhigt. Ich konnte in der Nacht nicht gut schlafen, wachte immer wieder auf und musste sofort an sie denken. Gitta trudelte so gegen 22.30 Uhr bei mir ein. Wir sahen noch zusammen fern. Um 23 Uhr begann ein lustiger Film, den ich gern zu Ende gesehen hätte, aber wir wollten ja um 6 Uhr aufstehen. Deshalb brachen wir irgendwann ab, nachdem wir uns schon ein paar Mal kringelig gelacht hatten.

Ich wachte schon vor 6 Uhr auf, zog mich an und verließ leise die Wohnung. Dann ging ich nach unten, um zu überprüfen, ob mit der Katzenklappe im Keller alles in Ordnung war, denn Selina war nach wie vor nicht zurück. Die Klappe war herausgebrochen und lag auf dem Brett vor dem Katzenausgang. Was ist hier wohl los gewesen?

Ich erinnerte mich daran, dass es ja Selina gewesen war, die man aus keinem Zimmer heraushalten konnte egal, wie man es auch verrammelte. Sie hatte immer einen Weg gefunden herein zu gelangen, selbst durch winzige unmöglich kleine Löcher. Vielleicht war die Klappe irgendwie zu gesperrt, warum auch immer. Ein Streich der Bauarbeiter??? Und Selina hatte sie daraufhin einfach aufgebrochen. Das würde ihr schon ähnlich sehen.

Ich entdeckte sie dann direkt vor der Haustür und nahm sie unendlich erleichtert mit nach oben. Meine Güte, Engelchen, wo hast du denn nur gesteckt? Oben überprüfte ich die Katzenklappe zu meiner Wohnung und siehe da, auch zu. Welcher Blödmann war das denn? Bei einer Klappe glaube ich ja noch an Zufälle, aber bei beiden gleichzeitig? Das gibt‘s doch gar nicht.


Lienchen machte sich sofort hungrig über ihr Futter her. Sie begann schon aus der Brekkis Dose zu naschen, bevor ich ihr Futterpäckchen überhaupt öffnen konnte. Ich streichelte sie ein wenig und ging rasch ins Bad. Als ich zurück kam, da war sie doch tatsächlich schon weder weg! Ich konnte es nicht fassen. Was war denn das für eine kurze Stippvisite? Normalerweise leistet sie mir noch eine Viertelstunde bei meinem Frühstückskaffee Gesellschaft und haut sich dann aufs Ohr. Ich suchte die Wohnung nach ihr ab, aber tatsächlich, sie war schon wieder dem „Lockruf der Wildnis“ gefolgt. Eigentlich wollte ich mich doch noch richtig von ihr verabschieden und ihr einschärfen, nicht wegzulaufen und auf mich zu warten, weil ich in vier Tagen wieder da bin. Ja, ja, ich weiß, einige denken, ich spinne, aber glaubt mir, sie versteht wirklich jedes Wort.

Ich setzte eine Kanne Kaffee für Gitta und mich auf und Gitta schälte sich aus den Laken. Wir klönten ausgiebig bei unserem Kaffee und tranken wirklich die komplette Kanne leer. Damit hatte ich nicht gerechnet. Schließlich mussten wir ja auch los. Gepackt hatte ich ja im Wesentlichen schon, es fehlten nur noch die paar Kleinigkeiten, die ich noch außerhalb der Tasche benötigt hatte.

Als wir zum Parkplatz gingen, erwartete uns dort Selina, die direkt vor Gittas Auto saß. Diese Katze ist so schlau!!! So konnte ich mich doch noch verabschieden. Ich schärfte ihr noch einmal ein, auf sich Acht zu geben, nicht weg zu laufen und sich von Nadine füttern zu lassen. Zuerst versteckte sie sich unter Gittas Auto, aber als Gitta den Motor anließ, wurde es ihr doch zu bunt und sie verzog sich in ein sicheres Gebüsch.

Gitta und ich fuhren munter plaudernd und blödelnd nach Hamburg, wo sie mich an den Landungsbrücken absetzte. Janas Berufsschule war dort und ich wollte mich noch mit ihr treffen. Dazu war es aber erst einmal noch zu früh. Ich schlenderte zum Wasser hinunter und ging auf den Pontons spazieren. Als ich die grauen Fluten des Hamburger Hafens vor mir sah, überfluteten mich Glücksgefühle. Das alles hatte ich lange nicht gesehen.

Breit grinsend, unfähig meine Freude hanseatisch zu verbergen, schlenderte ich an den ganzen Buden entlang. Es gab hier viele Cafes und Restaurants, viele Buden, wo man Hafenrundfahrten buchen konnte und Andenkenläden. Das Wetter war eigentlich so richtig mies. Es regnete die ganze komplette Zeit, aber das störte mich gar nicht. Wie ein touristisches Landei stromerte ich durch die Andenkenläden. Ich war auf der Suche nach Mützen, denn tatsächlich habe ich es fertig gebracht, meine Mütze zu vergessen.


Das ist bestimmt nur wegen dem Regen passiert. Ich brauche nämlich meine Schirmmütze um meinen Augen zu verschatten. Bei dem trübgrauen Himmel unserer Abfahrt war genug Schatten da gewesen. In einer der Buden fand ich eine prima graue Mütze in dem einzigen Stil, den ich tragen kann. Der junge Verkäufer war sehr nett und duzte mich gleich. Er erklärte mir, dass es in Hamburg üblich sei, auch einen Pin an der Mütze zu tragen. Ich ließ mir das andrehen und kaufte einen Hamburg Pin, den er mir an der Mütze festmachte.


Schließlich waren ein ein halb Stunden einfach so verflogen, Zeit sich mit Jana zu treffen. Ich setze mich bein Nordsee Restaurant draußen hin und machte zwei Fotos für Jana, damit sie mich findet. Sie kam dann schon fast sofort. Offenbar kennt sie sich dort gut aus. Jana meinte, sie würde sich auch immer so gut am Wasser fühlen und manchmal einfach mal so mit der Fähre fahren, nur so zum Spaß.
 
 
Wir gingen dann wieder nach oben zur Straße und suchten nach der Bushaltestelle. (Kleine Zwischenbemerkung: Eben war ein älterer Arzt bei meiner Zimmernachbarin, die vorgestern operiert worden. Ihr macht euch keine Vorstellung, wie nett und zuvorkommend der war. Hier müssten die Ärzte aus dem Salzwedeler Krankenhaus mal ein Praktikum machen. Da könnten sie was lernen, die Schwestern sollten am besten gleich mitkommen)


Jana und ich fuhren dann zuerst in ein Fachgeschäft für Berufsbekleidung in Altona. Dort konnte ich zwei Schürzen anprobieren und feststellen, dass mir der Schnitt überhaupt nicht steht. Mit diesen langen, gerade Schürzen sehe ich immer aus wie ein Schlachter. Das geht gar nicht. Wir kamen an einem größeren Secondhand Kleiderladen vorbei und verirrten uns hinein. So eine Gelegenheit muss man doch wahrnehmen. Wir kauften uns dort jede ein langes schwarzes Kleid von der einfachen Sorte für ein paar Euro. Jana fand auch noch ein paar Oberteile, die ihr gut standen.

Da wir schon in Altona waren, gingen wir zu Ikea, den gibt es nämlich dort. Wir schnerkten durch die Abteilungen auf der Suche nach Schürzen, aber mein Rücken begann hier schon ernsthaft schlapp zu machen. Deshalb konnten wir nicht wirklich ausgiebig suchen. Wir setzten uns dann in das Restaurant bei Ikea und hier passierte mit etwas Eigenartiges. Es gab dort wundervolle Salate.

Ich wählte einen Salat mit Tunfisch, Tomaten, Oliven, Gurken und Ei, einfach alles, was ich im Salat liebe, und ein Stück Kuchen mit extra viel Schlagsahne. Am Tisch bestreute ich meinen Salat mit Salz. Das ist bei mir völlig normal. Aber als ich ihn dann essen wollte, war irgendwas ganz komisch. Ich konnte das Gefühl zuerst gar nicht einordnen. Es verwirrte mich. Dann wurde mir übel und mir wurde klar, dass ich hier etwas nicht vertrage. Ich dachte zuerst, es seien die Kräuter auf dem Salat, aber das war nur Petersilie.

Ich konnte den Salat wirklich nicht essen. Es ging nicht. Da war etwas dran, was ich absolut nicht vertragen konnte. Ich stellte ihn beiseite und wollte den Kuchen essen, aber das ging auch nicht. Plötzlich schmeckte alles nach Salz, auch das Besteck. Ich ging los und holte mir eine neue Kuchengabel, aber die schmeckte auch ganz intensiv nach Salz. Ich konnte den Kuchen nicht essen. Dabei habe ich doch noch nie ein Problem mit Salz gehabt, auch nicht mit Salat und schon erst recht nicht mit Schlagsahne. Ich habe dafür keine Erklärung.

Dann ging es weiter Richtung Schnelsen. Irgendwo auf dem halben Weg gab es ein weiteres Fachgeschäft für Berufsbekleidung. Die Frau dort war sehr nett und gab uns eine perfekte Beratung, aber so richtig fündig sind wir dort auch noch nicht geworden. Dann besuchten wir noch den großen Stoffladen ein paar Busstationen weiter. Der war toll! Ich kaufte mir zwei Stoffe, einen hellgrünen und einen in einem besonderen Blau. Der Grüne war sogar ganz billig, nur 7 Euro der Meter. Den legen wir erst mal auf Halde. Irgendwann kann Jana mir ein Kleid darus nähen, wenn sie mal Zeit hat. Für Jana kaufte ich auch drei Meter von dem Blauen, weil der ihr auch so gut gefiel. Sie will jetzt erst einmal eine Tunika für mich nähen.

Mein Rücken war jetzt echt alle. Da waren keine weiteren Wege mehr drin. Wir mussten aber auch nicht mehr weit gehen. Zwei, drei Häuser weiter gab es ein Kaffee. Hier setzten wir uns und bestellten und einen schönen Kaffee. Dann rief ich mir ein Taxi. Das war so zwar nicht geplant, aber mein Rücken konnte nicht mehr. Jana und ich verabschiedeten und und ein besonders freundlicher Taxifahrer brachte mich in die Schön Klinik direkt zum Haus sieben.

Ich bekam mein Zimmer und stellte mich meiner Zimmernachbarin vor. Da es sonst nichts für mich zu tun gab, ging ich noch für eine Stunde nach unten in die Kantine und las in dem Buch, das ich mir mitgebracht habe. Später begann ich dann an diesem Blog zu schreiben. Ich kam aber nicht weit, weil mein Rücken gegen den unbequemen Stuhl rebellierte. Im Bett spielte ich dann noch eine Weile Solitär. Ich wollte mich nicht zu früh zum schlafen hinlegen. Es fällt mir schwer, mit jemandem im Zimmer zu schlafen. Ich wollte meine Zimmer Nachbarin nicht damit stören, dass ich mich ewig unruhig herum und herum wälzte.

Als ich mich dann schließlich hinlegte, entdeckte ich mit Schrecken, dass ich ein fieses Bett bekommen hatte. Die Matratze war zu dünn, die unebene Unterfläche drückte durch. Direkt unter meiner mittleren Wirbelsäule gab es einen Huckel. Oh weia! Das geht gar nicht. Früher hätte ich mir da nichts draus gemacht, aber in meinem jetzigen Alter steckt mein Rücken das nicht weg. Wenn ich darauf schlafe, erwache ich morgen mit einem kompletten Hexenschuss. Und dann soll ich ja auch noch meine Narkose darauf ausschlafen. Wenn ich das mache, dann kann ich mich anschließend überhaupt nicht mehr bewegen.

Das machte mir ehrlich Angst. Ich konnte ja an meiner Zimmernachbarin sehen, dass nicht alles so super easy ist nach der OP. Sie hatte schon ihre Schmerzen und Probleme, hat auch fast die ganze Nacht nicht geschlafen, die Ärmste. Dazu dann noch Hexenschuss. Das ist zu viel. Damit komme ich nicht klar. Ohne besondere Hoffnung ging ich hinaus und erzähle das den Schwestern und erlebte wieder ein Wunder der Kundenfreundlichkeit: Die Schwestern holten mir ein gerade leer stehendes Pflegebett aus einem anderen Zimmer und tauschten es gegen meines aus.

Das war super. Die Matratzensituation war in diesem Bett ungleich besser. Leider hatte ich nicht schnell genug geschaltet und die Kissen ausgetauscht. Das Kissen in dem schlechten Bett war viel besser gewesen. Nun hatte ich ein klumpiges Kissen. Ich finde, jemand der reich ist und Lust hat, etwas Wohltätiges zu tun, sollte mal der Schön Klinik einen Satz neuer Betten und neuer Kissen spendieren.

Ich traute mich nicht, auch noch das Kissen bei den Schwestern zu monieren, aber es war schon schlecht. Von den harten Klumpen darin bekam ich die ganze Nacht über immer wieder partielle Kopfschmerzen und musste mich dann herumdrehen und eine andere Lage suchen. Am Morgen erwachte ich mit Nackenverspannungen. Ich hätte mein ergonomisches Kopfkissen mitbringen sollen, aber wie? Es war schon schwierig genug gewesen, den Rollkoffer durch die ganze Stadt hinter mit her zu ziehen.

Meine Zimmernachbarin bekommt gerade ihr Frühstück. Ich darf natürlich nichts essen. Mann ist das blöd, dass ich nun doch nicht um 7.20 Uhr operiert werde. Das hatte mir sehr gut in den Kram gepasst. In der Nacht kam aber eine Schwester zu mir und sagte, es sei jemand dazwischen gekommen, ich würde nun auf Platz 4 stehen. Vorher war ich auf Platz 1. Nun hänge ich hier herum ohne Frühstück, Kaffee bekomme ich natürlich auch nicht und ich kann noch nicht einmal in die Kantine gehen, weil ich nicht weiß, wann ich gerufen werde. Bis jetzt war noch niemand da.

Nadine schickte mir gestern ein Foto von Selina beim Fressen als Beweis, das sie da ist und es ihr gut geht. Das ist lieb von ihr. Also von Nadine, meine ich. Direkt neben unserem Fenster ist eine große Baustelle. Die Schön Klinik ist noch nicht fertig. Das mit der Baustelle ist witzig. Zuhause ist es ja auch nicht anders. Irgendwie leben wir alle gerade in und neben Baustellen.


















Samstag, 13. Mai 2017

Alles andere nur das nicht!

13. Mai 2017 Alles andere nur das nicht!

Auf dem Meldeamt hatte man mir Formulare zum Ausfüllen gegeben und ich habe sie eine Woche lang vor mir her geschoben. In der letzten Woche fühlte ich mich schwach, kränklich, abgeschlagen und überfordert. Wenn ich an all die Posten auf meiner Agenda dachte, dann konnte ich nur stöhnen und ich war mir nicht mehr sicher, ob ich das wirklich alles allein bewältigen kann. In den letzten Tagen habe ich zwar schon das eine oder andere erledigt und besorgt, aber von einer kraftvollen Attacke gegen die Arbeit kann gar nicht die Rede sein. Fast die ganze Zeit über wollte ich mich immer nur hinlegen, was ich allerdings nicht getan habe.

Erst gestern ist mir dann das Licht aufgegangen, wie dumm ich die ganze Zeit über war. Also manchmal sieht man ja wirklich den Wald vor lauter Bäumen nicht. Wenn ich meine "großartige" Einsicht, die ich am Freitag hatte, hier beschreibe, wirst du bestimmt lachen und denken: "Na hör mal, das war doch klar". Ich habe mich die ganze Woche über so schlecht gefühlt, auch körperlich. Meine Schulter tat so weh und mir war die ganze Zeit über ein wenig übel. Und auf einmal ging mir ein Licht auf:

Fast alle Punkte auf meiner Riesenliste machen mir eigentlich Spaß. Ich gehe gern einkaufen und besorge gern Dinge. Es ist schön, sich im Internet über Schürzen und Registrierkassen schlau zu machen. Ich führe gern Gespräche mit Menschen und organisiere auch gern. Eigentlich könnte ich fast meine ganze endlose Liste an Tätigkeiten richtig genießen. Habe ich aber nicht. Ich habe mich damit gequält und befürchtet, dass ich das alles gar nicht schaffe.

Der Grund dafür war einzig und allein, dass ich die Formulare so vor mir her geschoben habe. Darauf hatte ich nämlich wirklich so absolut rein gar keine Lust. Ich hatte richtig große innere Widerstände gegen diese grausliche Arbeit. Dadurch hatte ich aber die ganze Zeit über ein schlechtes Gewissen, und das schlechte Gewissen vermieste mit dann auch alle anderen Arbeiten und bewirkte, dass ich mich müde, krank und schlecht fühlte. Das, was ich gearbeitet habe, das habe ich schleppend und aus der Schwäche heraus gearbeitet, wie jemand, der immer wieder den Kopf unter Wasser kriegt.

Als mir das endlich auffiel, beschloss ich sofort, mir das nicht länger anzutun. Wie dumm ist das denn! Das war also gestern Abend. Am liebsten hätte ich gestern sofort mit den Formularen losgelegt, aber es war schon zu spät und ich war auch noch mit Nadine verabredet. Ich versprach mir selbst, es heute zu tun, gleich nach dem Frühstückskaffee. Nadine und ich trafen uns im Amadeus und besprachen verschiedene Dinge auch zum Thema Bahnhofs Café und zu Wagen und Winnen und so. sie wird sich auch um meine Selina kümmern, wenn ich im Krankenhaus bin.

Heute Morgen stand ich schon um 7 Uhr auf, trank meinen Kaffee und organisierte mich etwas.
Dann musste ich noch schnell zu Obi fahren und Lackfarbe, Nitroverdünner, Pinsel und Rollen besorgen, denn das Anmalen der Küchenzeile steht auch an. Gestern hatte ich es bereits bei Haagebau versucht, war aber nicht fündig geworden und dann war es zu spät gewesen, um noch weiter zu fahren. Aber dann legte ich los. Es war ein schwächliches Loslegen, schleppend und von Schwächegefühlen begleitet, aber ich war nicht bereit, diese ungeliebte Arbeit noch länger vor mir herzuschieben. Außerdem hatte ich den begründeten Verdacht, dass ich mich nach getaner Arbeit wieder gut fühlen würde. So war es dann auch.

Ich bemühte mich, mir ein paar gute Gedanken zu machen und schlurfte um den Schreibtisch herum, um die Papiere, die sich dort bereits stapelten, erst einmal zu sortieren. Ganz vieles konnte ich in den Müll werfen. Irgendwelche Werbungen und alte Seminarübungen. Von den Übungen behielt ich immer nur jeweils eine und warf die anderen weg, um mein Büro nicht so zuzumüllen. Dadurch wurde der Haufen schon merklich kleiner. Zwischendrin musste ich immer wieder hinunter gehen, weil unten ein Freund damit angefangen hatte, die Küchenzeile zu streichen, die später im Café aufgebaut werden soll. Der junge Mann brauchte immer mal wieder dies und das. Ich musste auch noch schnell zu Kaufland fahren, weil ich in der dortigen Apotheke meine Tabletten für die Schilddrüse bestellt hatte.

Mir fiel dabei auf, wie warm es geworden war. Gartenwetter! Leider hab ich keinen Garten mehr und noch nicht einmal einen Balkon. Das ist sehr schade. Selina war ständig unterwegs. Sie liebt es, bei warmen Wetter draußen herum zu stromern. Ich ließ mich aber nicht ablenken. Es zeigte sich, dass die Arbeit an den Formularen vom Gewerbeamt gar nicht so umfangreich sind, wie es mir vorgekommen war. Mir fiel auf, dass ich in den letzten vier Monaten keine Buchhaltung mehr gemacht hatte. Die Quittungen und Belege quollen aus dem Kästchen, in das ich sie immer lege.

Also machte ich das auch noch. Ich sortierte die ganzen Quittungen und Belege nach Monaten, markierte das jeweilige Datum, klebte jeden Beleg einzeln auf und beschriftete die Seite. Von Stunde zu Stunde ging es mir dabei besser. Ich hätte gern die komplette Buchhaltung gemacht, aber das ging nicht. Meine Bank stellt gerade ihr System um und ich konnte weder meine Kontoauszüge ausdrucken, noch Rechnungen bezahlen noch überhaupt Geld abheben. Bevor ich am Dienstag nach Hamburg zu meiner Operation fahre, muss ich aber noch irgendwie an Geld herankommen.

Ich machte zumindest die Barkasse fertig und heftete alles sauber ab. War gar kein Drama. Montag muss ich noch zwei Behörden anrufen und dort etwas beantragen. Montag liegt überhaupt so einiges an. Gitta kommt Montag Abend sehr spät zu mir, übernachtet bei mir und wir fahren dann am Dienstag schon sehr früh los nach Hamburg. Da werden noch gar keine Läden oder Banken geöffnet sein. Ich muss also alles, was jetzt noch vorher getan werden muss, am Montag erledigen.

Montag fahre ich auch mit Elke nach Altensalzwedel und hole mein kaputtes Fahrrad ab, das dort immer noch im Schuppen steht. Anschließend fahren wir zur Metro und schauen uns dort die Registrierkassen genauer an. Dann hole ich mir Geld, wenn das dann schon wieder geht. Ansonsten leihe ich mir etwas. So ganz ohne Geld in einer anderen Stadt, das ist keine gute Idee. Ich muss Nadine noch meinen Hausschlüssel vorbeibringen, damit sie in meiner Abwesenheit die Katze füttern kann. Vorhin habe ich schon mal eine Liste gemacht, was ich alles einpacken muss, damit ich sie dann morgen nur noch abhaken muss.

Letzte Woche habe ich mir übrigens auch einen gebrauchten Lap Top gekauft und dazu auch einen prepaid Internetstick. Den nehme ich mit ins Krankenhaus. So kann ich mich beschäftigen. Zum Glück habe ich einen Rollkoffer. Ein oder zwei Bücher brauche ich auch, obwohl ich ja wirklich nicht lange dort sein werde. Mittwoch werde ich operiert und am Freitag Mittag soll ich wieder entlassen werden. Ein bisschen Angst habe ich schon. Aber ich freue mich über die Fortschritte, die heute gemacht wurden. Etwa ein Drittel der Küchenmöbel sind jetzt schon cremeweiß angemalt. Sieht gut aus.

In Sachen Bürokratie habe ich alles gemacht, was heute an einem Samstag und bei einer Bankumstellung möglich war. Die Wohnung habe ich auch aufgeräumt, das Geschirr ist sauber und auch die Wäsche ist fertig gewaschen und trocknet auf dem Ständer. So kann man seine Wohnung für ein paar Tage verlassen. Katzenfutter habe ich besorgt, Nadine ist eingewiesen. Alles Klar für den Start in den OP in der Hamburger Schön Klinik.
Danach hörst du wieder von mir  - ähh, also das hoffe ich doch zumindest.













































Dienstag, 9. Mai 2017

Eine Registrierkasse

9. Mai 2017
Heute Morgen bin ich leider erst um 20 vor 9 Uhr aufgestanden. Das wollte ich eigentlich nicht, aber in der Nacht tat meine Schulter so weh, dass sie mich wachgehalten hat. Im Morgengrauen ging der Schmerz dann weg. Seltsam, nicht wahr? Der Schmerz kommt und geht ohne erkennbaren Grund. Na ja, zumindest habe ich überhaupt geschlafen. Selina lag auf meiner Bettdecke und wollte wieder nicht mit aufstehen. Na dann schlaf weiter, mein Engelchen.



Nach dem Frühstückskaffe machte ich mich sogleich an die Arbeit. Heute stehen vor allem so Sachen wie Büro aufräumen, Formulare ausfüllen, Telefonate erledigen und so etwas auf dem Programm. Trotz hoher Motivation lässt es sich doch nicht leugnen, dass es Tätigkeiten gibt, auf die ich viel weniger Lust habe als auf andere. Dieser ganze Büro- und Formular Kram gehört definitiv dazu. Ich erinnerte mich an einen Ratgeber für Studenten, den ich vor sehr langer Zeit gelesen habe. Darin wurden viele Tricks beschrieben, wie man sich die Arbeit erleichtert.

Ein Key Point war, man soll so viel Denkarbeit, wie nur möglich, in Laufarbeit verwandeln. Das passt hier auch ganz gut. Statt mir nur Registrierkassen online anzuschauen, kann ich zu Büro Complett rüberfahren und sie vor Ort betrachten.
Ich überlegte mir noch, dass ich immer eine Arbeit, auf die ich Lust habe und eine unlustige im Wechsel machen kann. Ich kann auch noch zwischen aktiven und sitzenden Tätigkeiten wechseln und zwischendrin Fitness einbauen. Das habe ich gestern auch schon so gemacht. Gestern Abend habe ich eine Stunde Trampolin Schwingen gemacht. (Springen kommt in meinem Alter nicht mehr in Frage, aber Schwingen macht auch Muskeln). Und zusätzlich dazu kann ich auch noch zwischen kreativen und administrativen Tätigkeiten hin und her wechseln. Gestern Abend habe ich mir bereits eine Reihe von Kaffee Sprichworten einfallen lassen. Hier ist mal eines davon:



Das gibt ein Chaos? Och, nicht wirklich. Ich habe ja meine lange to do Liste. Solange nur irgendwann alle Punkte darauf ausgestrichen sind, kommt es überhaupt nicht darauf an, wann genau ich die Dinge erledigt habe.
Ich habe also heute Morgen zuerst damit angefangen, meinen Schreibtisch aufzuräumen, aber nur zur Hälfte (okay, das sieht mir wirklich ähnlich). Dann habe ich gewechselt und habe auf Facebook eine Seite für das Projekt Café Anhalt erstellt. Ist übrigens gar nicht so leicht, eher unübersichtlich. Ich musste der Seite einen Namen geben, aber alle Namen, die ich wollte, wurden nicht zugelassen. Schließlich endete es mit Cafeanhalt@wieallesbegann

Ich stellte dort einen Link zu diesem Blog ein und einige Bilder. Auch auf dieser Facebook Seite soll der Fortgang dieses Projektes beschrieben werden.
Danach füllte ich das eine oder andere Formular aus und sortierte die Formulare vom Arbeitsamt. Dann telefonierte ich mit einem Herrn von der Hygiene. Es ging um das Thema Berufsbekleidung. Ich wollte wissen, ob Schürzen wirklich Pflicht sind. Der Herr war überaus freundlich und hilfreich. Ich weiß nun, dass Schürzen nur dann verpflichtend getragen werden müssen, wenn man darunter seine Alltagskleidung trägt.

Wenn wir Blusen oder so etwas tragen, die zum Café gehören und kein Teil unserer Alltagskleidung sind, dann muss man nicht unbedingt auch noch eine Schürze darüber binden. Die Blusen müssen aber sauber sein und es muss einen genügend großen Vorrat davon geben, so dass ich, falls ich mir mal versehentlich etwas auf die Bluse kleckere, die Möglichkeit habe, sofort wieder eine frische Bluse überzustreifen. Über das Material gibt es im Café auch keine Vorschriften, selbst wenn man die Blusen nur bei 30° waschen kann, reicht das aus, sofern sie sauber geworden sind. Das ist ja schon mal sehr gut. Möglicherweise lasse ich die Blusen von Jana nähen. Das muss ich aber erst noch sehen.

Anschließend rief ich bei Büro Complett an und fragte wegen der Registrierkasse nach. Der Verkäufer erzählte mir, dass er zufällig eine vor Ort habe, weil gerade jemand vom Kauf zurückgetreten war. Sonst gibt es eine Lieferfrist von bis zu vier Wochen. Ich könne mir die Kasse gleich einmal ansehen, wenn ich wollte. Oh, eine Gelegenheit sich vor der Büroarbeit zu drücken. Na die ergreife ich doch sofort.

Ich sprang gleich mal in meine Jacke, setzte mir die Mütze auf. Mit meinem tollen Akku Staubsauger staubsaugte ich noch ganz schnell die Küche und wischte sie, bevor ich losging. Das PVC trocknet immer sehr langsam. Da ist es am besten, man macht das, wenn man das Haus für einige Zeit verlässt. Danach bewegte ich mich durch die Baustelle zu dem kleinen Raum, in dem ich mein Fahrrad und mein Dreirad unterstellen darf. Für später hat sich der Vermieter eine andere Lösung ausgedacht, aber dafür müssen die Renovierungsarbeiten noch weiter vorangeschritten sein.

Ich entschied mich, das Dreirad zu nehmen, weil ich auch noch zu Kaufland muss, um den Wocheneinkauf zu tätigen. Das kann ich nicht alles mit dem Zweirad transportieren, jedenfalls nicht mit nur einer Fahrt. Eigentlich will ich alle kürzeren Fahrten aus gesundheitlichen Gründen immer mit dem Zweirad erledigen. Aber der Wocheneinkauf ist dafür zu groß. Allein schon die vier Tüten Milch und die drei Safttüten nehmen den ganzen Platz im Fahrradkorb weg.

Es war nicht ganz einfach, das Gebäude zu verlassen. Die Bahnhofshalle war voller Schutt und kleiner Steine. Ich musste das erst mal wegfegen. Dann liegt jetzt ein großer Stahlträger mitten in der Halle, so dass ich nicht mehr direkt zum Ausgang fahren kann. Und vor der Tür hingen mehrere Stromkabel quer in der Luft. Ich rangierte mich um den Stahlträger und fädelte mich zwischen den Kabeln hindurch.

Als erstes führte mich mein Weg zu Büro Complett, wo ich mir die Registrierkasse vorführen ließ. Ich machte kein Hehl aus meiner Unbeschlagenheit. Von mir aus kann der Verkäufer denken, was er will, solange er mir alles gut erklärt. Die Kasse ist ganz toll und ich will sie unbedingt haben. Was mich am meisten überzeugt, ist die enorme Einfachheit in der Bedienung. Also mit dem Ding umgehen kann wirklich jeder. Dazu kommt noch, dass in der Kasse kein Farbband und auch kein Toner gebraucht wird. Es funktioniert mit Thermopapier. Drei Rollen Papier kosten 6 Euro, informierte der Verkäufer mich.

Die Tasten werden von Büro Complett nach meinen Wünschen beschriftet und ich bekomme das Gerät fix und fertig. Der vom Finanzamt gewünschte Speicherchip ist da natürlich auch drin. Bei der Mehrwertsteuer fing der Verkäufer ein wenig an zu schummeln. Kann der hellsehen? Weiß der, dass ich unter Dyskalkulie leide? (Das ist wie Legasthenie nur im Rechnen) Mit der Rechnung hätte er mich zwar verwirren können, aber ha ha! Ich weiß ja, dass ich Dyskalkulie habe und rechne deshalb alles mit dem Taschenrechner nach. Die Kasse kostet mit Mehrwertsteuer nicht 650 Euro, wie er gemutmaßt hatte, sondern 720. Das ist schon ein kleiner Unterschied.

Trotzdem ist es weniger, als ich erwartet hatte. Ich dachte wir bewegen uns hier im vierstelligen Bereich. Im Café werde ich aber mit dieser Kasse kein Rechenproblem bekommen, denn die Kasse sagt mir immer, wie viel ich herausgeben muss. Ich habe die Kasse für mich reservieren lassen, denn - wie gesagt - sie gefällt mir sehr. Wenn jetzt nicht noch jemand mit einer eben so guten Kasse dazwischen kommt, die statt des langweiligen Schwarzes schöne bunte Farben hat, dann ist diese meine erste Wahl.

Anschließen fuhr ich zu Kaufland und erledigte den Wocheneinkauf. Es ist kalt heute. Das soll unser Mai sein? Fühlt sich ja an wie Februar. Ich brachte mir eine Tafel Schokolade mit, was ich nicht tun sollte, aber ich bin schwach. Es war fast noch schwerer ins Haus wieder hinein zu kommen, als es gewesen war, das Haus zu verlassen. Tatsächlich kriegte ich es nicht hin, das Dreirad durch den schmalen Türeingang zu schieben. Normalerweise fahre ich es hinein, aber das geht jetzt nicht wegen dem Stahlträger, der im Weg liegt.



Der freundliche und immer fröhliche Maurer, der schon seit Wochen hier arbeitet, erledigte das dann für mich. Es fällt mir schwer, meine ganzen Einkaufstüten die 26 Stufen zu meiner Wohnung hinauf zu tragen. Ich bin dreimal gegangen, habe das aber auch in meinem Handy als Trainingseinheit geloggt. Nachdem ich alles ausgepackt und eingeräumt hatte, machte ich mir einen Milchkaffee und wollte eigentlich eine Pause machen. Dafür war ich aber zu Energie geladen. Ich aß meine Schokolade, während ich ein weiteres Formular ausfüllte und meine to do Liste erweiterte.

Inzwischen sitze ich wieder hier und schreibe an diesem Blog. Während ich das mache, ertönt ein ums andere Mal der Tempelgong, der mir anzeigt, dass jemand mir eine Whatsapp geschickt hat. Das sind meine Freundinnen, Jana und Regina, die einen kreativen Flash bekommen haben, als sie meine Kaffeesprichworte gesehen haben. Jetzt dichten sie lauter Werbeslogans. Der hier kam eben gerade von Regina: "Zug verpasst? Café Anhalt - immer eine Verspätung wert." Oder der hier ist von Jana "Mein Akku ist gleich alle - Mit Kaffee wäre das nicht passiert."
Die Schokolade macht mich jetzt müde. Ich werde hier erst mal eine Pause machen und mich auf mein Trampolin begeben.


Inzwischen habe ich 45 Minuten Trampolin gemacht, eben so lange mit Jana telefoniert, weitere 6 Kaffeesprichwörter erfunden und auf Text Gram bearbeitet, ein wenig trommeln geübt und meine Trommelnoten sortiert. Nadine und ich machen nämlichen einen Trommelworkshop mit. Das macht mir echt viel Spaß, insbesondere die Bass Trommeln.
Jana und ich haben ausführlich über die Berufskleidung gesprochen. Wir sehen uns demnächst. Am 17. Mai werde ich in Hamburg Eilbek operiert. Ich habe einen vier Zentimeter großen Kalk Knödel in meiner Schilddrüse, der mir reichlich Schwierigkeiten macht. Der muss raus,

Zufällig muss Gitta am 16. Mai auch nach Hamburg. Sie kommt dann spät abends am 15. bei mir an, übernachtet hier und dann fahren wir morgens früh nach Hamburg. Jana hat früh Schluss und kann sich dann mit mir so gegen halb 12 Uhr an den Landungsbrücken treffen. Wir wollen dann zusammen in ein Geschäft für Berufsbekleidung gehen und in einen Stoffladen (immer wieder schön). Dann sehen wir, ob ich die Berufsbekleidung günstig und schön genug kaufen kann, oder ob ich sie bei Jana in Auftrag gebe.

Jana hat mir schon mehrere Kleider genäht. Sie könnte auch unsere Schürzen herstellen. Sie näht mir auch gerade eine Tunika. Na gut für heute bin ich fertig. Ein bedingt leistungsträchtiger Tag. Aber ich denke, es reicht. Jetzt werde ich es mir vor dem Fernseher gemütlich machen und auf meine süße Selina (wieder mal aushäusig) warten. Bis bald dann.