Heute Morgen hatte ich einen Termin in der Bank. Es ging darum, dass ich nicht mehr möchte, dass mein Konto ein P Konto ist. P Konto bedeutet pfändungsfrei. Das war es nämlich die ganze Zeit über. Die Vodafone hatte versucht Geld bei mir zu pfänden. Inzwischen ist aber alles bezahlt - zähneknirschend - eigentlich wollte ich das nicht bezahlen, denn die haben mich hereingelegt. Nie wieder werde ich irgendetwas mit der Vodafone machen. Aber ich kann mein Café nicht eröffnen, wenn ich ein P Konto habe. So bekomme ich meine Unbedenklichkeitsbescheinigung nicht. Also biss ich in den sauren Apfel und bezahlte die restlichen 560 Euro (ächts). Es hat aber zunächst noch nicht geholfen. Die Vodafone hat weder mir noch der Bank bescheinigt, dass sie das Geld bekommen hat. Von daher war der Termin noch kein so rechter Erfolg. Als ich gerade losfahren wollte, begann es zu gewittern und ich verbrachte eine halbe Stunde unter dem Vordach meiner Bank, um den Regen abzuwarten.
Ich habe wieder Regenfotos gemacht. In der Straße dort kann man die Lichter der Autos bei Regen schon lange durch die Straße leuchten sehen, bevor das Auto selbst um die Kurve kommt. Ein schöner Anblick. Ich fuhr los, als ich glaubte, das Gewitter sei zu Ende, aber ich irrte mich. Da ich heute nur mit kurzen Hosen und ohne Jacke unterwegs war, störte es mich doch ein wenig, so nass zu werden und ich suchte Zuflucht im art-Ort bei Heinrich und Nadine, die, wie ich im Vorbeifahren bemerkte, anwesend waren. Wir tranken Kaffee zusammen und ich holte mir rasch ein belegtes Brötchen vom Bäcker, denn ich hatte noch gar nichts gesessen.
Wir klönten eine Weile, während Heinrich sich wieder ins hintere Büro verzog, um weiter zu arbeiten, aber dann mussten wir beiden doch auch mal weiter machen. Ich hatte noch einen Termin beim Arbeitsamt. Meine Sachbearbeiterin wollte noch eine alte EKS von mir. Ich düste also mit dem Dreirad los zum Arbeitsamt. Nach wie vor bin ich mit drei Rädern unterwegs. Die zwei Wochen Sportverbot nach der OP sind noch nicht um. Als ich dann beim Arbeitsamt ankam, brauchte meine Sachbearbeiterin die EKS gar nicht. Komisch. Wie konnte ich das denn so missverstehen? Ich hatte extra meinen Steuerberater darum gebeten, sie mir zu machen, was er nicht umsonst tut. Aber egal, was soll's. Immerhin brauchte sie eine Unterschrift von mir. Und ich bekam den Ordner zurück.
Anschließend war es schon halb 2 Uhr und um halb 3 Uhr war ich im Kino verabredet. Da lohnte es sich nicht, noch einmal wieder nach Haus zu fahren. Ich setzte mich ins Café Adler und gönnte mir einen Milchkaffee. Dabei kamen mir einige der Themen wieder in den Sinn, die ich inzwischen bei TED Talks gehört hatte. Ein Redner hatte die Entwicklung der Gesellschaft in Sandzeitalter eingeordnet und anhand der Veränderungen klassifiziert, die sich durch die Erfindung einiger sehr grundlegender Dinge erkennen lassen, die man aus Sand machen kann:
Lehmziegel - Glas bzw. Linsen für Teleskope - Mikrochips. Das Vierte hab ich leider vergessen.
Mit jeder dieser Erfindungen veränderte sich die Kultur. Die Ziegel führten zur Sesshaftigkeit, der Entwicklung von Städten und den entsprechenden gesellschaftlichen Verhaltensweisen. Die Teleskope führten zunächst zu einer Veränderung der Weltsicht (Ach! Die Sonne dreht sich doch nicht um die Erde und wir sind NICHT der Mittelpunkt des Universums?), was zum Aufblühen der Wissenschaft führte. Und was der Mikrochip veränderte, das haben wir ja alle selbst erlebt.
Was ich daran so spannend finde, ist die Sichtweise. Ich habe ja geschrieben, dass wir Menschen uns permanent entwickeln und dabei immer wieder dieselben 4 Schritte durchlaufen. Schritt drei davon ist das Erkennen und Akzeptieren eines neuen Elements in unserem Leben. Das haben jene TED Talk Redner natürlich auch bemerkt, aber sie blicken auf dieselbe Sache mit einer anderen Fragestellung. Ihre Frage lautet: Was veränderte sich durch das neue Element? Meine Fragestellung war bisher immer: Wodurch können wir eine Veränderung herbeiführen?
Aber es ist total spannend, auch einmal von der anderen Seite auf dieses Phänomen zu blicken. Okay, das neue Element ist also schon da, es ist der Lehnziegel. Was hat sich dadurch verändert. Es ist so vieles, was sich verändert hat, dass es mich ganz begeistert und optimistisch in Bezug auf die Wandlungsakzeptanz der Menschen macht. Betrachtet man nur den Einzelfall, einen einzelnen Menschen, der verzweifelt mit seinem neuen Element ringt, das er am liebsten gar nicht haben will, weil er viel liebet möchte, dass alles wieder so wird, wie es früher war, vor der Veränderung, dann sieht es so aus, als wäre das schrecklich, schrecklich schwer.
Betrachtet man aber die Menschheit insgesamt oder wenigstens einzelne Kulturen und Gesellschaften, dann erkennt man eine enorme Wandlungs- und Entwicklungsfähigkeit. Vom Nomaden zum Städter, vom Leibeigenen zum Wissenschaftler, vom Stehpult Schreiber zum Digital Native. Das sind weite Wege. Ich kann aber nicht anders, als diese Frage noch ein weiteres Mal herumzudrehen. Ich kann mich ja auch mal so rum fragen: Wenn ich die Wandlung xy erzeugen will (also bei mir selbst jetzt), welches neue Element müsste ich dafür ins Spiel bringen? Oder anders ausgedrückt etwa so: Wenn ich Heilung von einer tiefen, seelischen Wunde erreichen will, welches neue Element muss dafür ins Spiel kommen? Welches neue Element wird gebraucht?
Mit diesem Blickwinkel, könnte man vielleicht entsprechende neue Elemente direkt für den Fall erfinden, statt sich immer nur danach umzuschauen, was das Schicksal uns schenkt. Bestimmt gibt es Menschen, die das schon längst erkannt haben und es so nutzen. Also, wenn ich, Kim, zum Beispiel einen Weg finden möchte, um abzunehmen (und wir wissen bereits, dass die üblichen Wege nicht funktioniert haben), was für ein neues Element müsste erfunden, werden, damit es für mich klappt? Vielleicht eine neue Untersuchungsmethode, bei der man herausfinden kann, welcher Stoff meinem Körper fehlt? Oder eine neue Prozessmethode, mit der ich, was auch immer es ist. prozessieren kann?
Vielleicht eine neue Perspektive, aus der ich etwas sehen kann, was meine bisherigen Blickwinkel nicht zeigten?
Und wenn es um die Verletzungen aus unserer Vergangenheit geht, welches neue Element würde uns befähigen, sie heute zu heilen?
In diesem Sinne, ich war ja heute im Kino mit Elke verabredet. Wir sahen den Film "Die Hütte". Leute, wenn ihr euch den anschauen wollt, bringt Taschentücher mit. Wie konnte ich das vergessen, wo ich doch schon das Buch gelesen hab? Elke und ich haben echt um die Wette geweint. Ich hab meine Tränen immer mit meinen Blumenshirt abgewischt. Es waren aber keine Tränen der Trauer. Der Film ist gar nicht traurig, jedenfalls nicht so wie das Buch. Es waren die ganze Zeit über Tränen der Ergriffenheit.
Der Film handelt davon, wie Gott sich die Mühe macht, die Seele eines Mannes zu heilen, dessen tiefe seelische Wunden ihn verzweifeln lassen. Zuerst kann der Mann die Liebe Gottes weder annehmen, noch an sie glauben. Die große Kernfrage: Warum lässt Gott das alles zu? quält ihn so sehr. Aber Schrittchen für Schrittchen findet er den Weg, sein Leid mit anderen Augen zu betrachten, so dass es aus dem neuen Blickwinkel einen anderen Sinn ergeben kann. Wundervoll!
Der Film insgesamt ist erstaunlich schlicht. Das hat mich gewundert. Da war zum Beispiel eine Szene, die bei der wir beide am meisten geweint haben, da wurde ein schlichtes, nettes Liedchen im Hintergrund gespielt. Ich dachte bei mir, wenn jetzt hier an derselben Stelle ein Gospelsong gekommen wäre, hätte das die emotionale Wirkung verdreifacht. Und dann denke ich mir, dass der Regisseur das sicherlich wusste. Immerhin ist er ja der Regisseur eines Kinofilms. Offenbar wollte er keine solche Wirkung erzielen. Vielleicht wollte er, dass es ausschließlich die Botschaft des Films ist, die wirkt und keinerlei zusätzliche Effekte, nicht einmal durch Musik.
In Anbetracht der Tatsache, dass wir Zuschauer(innen?) bei so vielen Szenen geweint haben, scheint ihm das wohl außerordentlich gut gelungen zu sein. Er hat uns erreicht. Ziemlich cool, oder?
Anschließend tranken wir noch einen Kaffee zusammen in der Altmark Passage. Währenddessen fing es wieder gewaltig an zu regnen. Elke musste aber trotzdem dann irgendwann gehen, weil sie noch eine Telefonverabredung hatte. Ich trödelte noch ein wenig herum und hoffte, dass der Regen bald nachlassen würde. Schließlich bin ich aber dann doch losgefahren.
Zu meiner Freude war Selina zu Hause, als ich ankam. Ich bekomme sie zur Zeit kaum noch zu sehen. Bei diesem warmen Wetter ist sie quasi 24 Stunden am Tag aushäusig. Ich fütterte sie liebevoll. Sie fraß ein wenig und Schwupps war sie schon wieder unterwegs. Ich glaube, ich brauch noch ne Zweitkatze. Wer sitzt denn beim Fernsehen auf meinem Schoß, wenn Lienchen immer in der Weltgeschichte herum gondelt? Na ja, ich mein's nicht so. Sie soll sich ihren Lebens freuen, so intensiv sie nur irgend vermag. Ich bin jetzt auch fertig für heute. Zeit, mir eine kleine Auszeit zu gönnen. Bis bald dann.







































