3.6.2017 auf der Kulturellen Landpartie
Jetzt habe ich zum ersten Mal, seit ich das Projekt Bahnhofs Café in Angriff genommen habe, echte Schwierigkeiten. Muss wohl auch mal sein. Bisher lief ja alles wie auf Schienen. Die Probleme kommen von der Vodafone. Ich hatte ja in einem der früheren Posts bereits geschrieben, dass es da noch eine alte offene Rechnung gab, derentwegen auf meinem Konto eine Pfändung lag. Ich habe die Rechnung jetzt bezahlt und mittlerweile (leider drei Tage zu spät) auch den Schuldtitel von der Vodafone gesandt bekommen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich dieses Dokument so spät erst bekommen würde. Als die Dame im Bürgerhaus besorgt fragte, ob ich das denn noch vor Ende des Monats bekommen würde, da sagte ich ganz entspannt: "Ja klar, das ist ja noch ewig Zeit." Leider hat sich die Vodafon diese ewige Zeit genommen.
Das ist vermutlich Karma, welches ich mir selbst dadurch erschaffen habe, dass ich selbst Jahre gewartet habe, um die Rechnung zu bezahlen. Am liebsten hätte ich sie gar nicht bezahlt, weil es nicht wirklich mit rechten Dingen dabei zugegangen ist. Aber nun ja, wer andere warten lässt, der muss auch akzeptieren, dass man ihn gelegentlich warten lässt. Der Schuldtitel ist erst nach Ende des Monats eingetroffen und zwar dieses Wochenende. Wir haben heute den 3. Juni und Samstag. Morgen ist Sonntag und Montag ist Pfingsten. Ich kann also erst am Dienstag, den 6. Juni zum Amtsgericht, um eine Löschung des Schufa Eintrages zu beantragen.
Der eine Monat Frist, beginnt erst, wenn ich alle Dokumente zusammen und abgegeben habe. Damit ist schon mal klar, dass ich nicht am 2. Juli eröffnen kann. Hätte ich aber wohl sowieso nicht, denn die Renovierungen im Café sind auch noch nicht so recht vom Fleck gekommen. Das ist allerdings nicht das ganze Problem. Da ist noch etwas. Die Dame von der Risk and Collect sagte mir am Telefon, da sei noch eine Summe zu zahlen, es würde sich um einen zweiten Handy Vertrag handeln. Das ist echt übel, denn das kann überhaupt nicht sein. Das ist absolut unmöglich. Angeblich ist der zweite Vertrag aus dem Jahr 2013. Ich bin innerlich schon so lange mit der Vodafone auf Kriegsfuß. Nie und nimmer hätte ich mich da auf einen Handyvertrag eingelassen.
Hier müsste ich im Grunde mit einem Anwalt kommen und dagegen vorgehen. Es kann sich hier nur um einen Schwindel handeln. Ich erinnere mich sehr gut an das eine Mal, wo ich so dumm war, mir von einer Vodafone Vertreterin einen Vertrag andrehen zu lassen. Etwas, das ich lange bereuen durfte. Es ist doch völlig absurd, dass ich dann nur sechs Monate später, wo diese Geschichte ja schon am Laufen war, denselben Fehler noch einmal gemacht haben soll. Ich bin ja nicht senil.
Leider habe ich nicht die Zeit mit einem Anwalt dagegen vorzugehen. Ich benötige meine Unbedenklichkeitsbescheinigung jetzt sofort, sonst kann ich das Café erst nächstes Jahr oder so aufmachen. Das ist blöd, oder?
Ich schreibe die Vodafone noch einmal an und bitte um Erläuterung des Vorgangs. Mal sehen, was dabei herauskommt. Das hat mich sehr geärgert.
In der Nacht hatte ich dann folgenden Traum:
Ich war ein Teenager in der Schule. Ich war frech, fordernd, egoistisch und die Bedürfnisse der anderen waren mir völlig egal. Der Schuldirektor bemühte sich darum, mir diese Dinge begreiflich zu machen, aber ich wollte es nicht begreifen. Auf einmal kam eine Kugel auf mich zu geflogen. Sie war fast durchsichtig und wie aus einer anderen Dimension. Sie flog direkt in mich hinein und sofort begann ich, mich völlig schwarz zu färben. Die Verfärbung begann bei meinen Füßen und ging dann sehr rasch nach oben. Ich sah, wie sich zuerst meine Füße pechschwarz färbten, dann mein Kleid. Ich dachte noch: "Oh, Oh, das ist keine Veränderung zum Guten." Die Schwarzfärbung passierte innerhalb von Sekunden. Als sich mein Gesicht schwarz färbte, schrien alle Umstehenden vor Schreck laut auf.
Dann ging die Schwärze auch in meine Seele. Ich fühlte, wie ich abgetrennt wurde von meinem weiten Bewusstsein und ein anderes Bewusstsein bekam. Und dann war ich die schwarze Frau der Schule, eine Art Poltergeist oder Schreckgestalt. Ich hatte jetzt auch Fähigkeiten. Ich konnte mich ganz groß machen, mindestens vier Meter groß. Ich konnte mich sichtbar oder unsichtbar machen. Meine Aufgabe war es, durch die Schule zu spuken. Ich legte auch sofort los. Ich schwebte durch die Schule und kam an einer Gruppe kleiner Jungen vorbei, die an einem Geländer saßen. Ich bewirkte magisch, dass sie alle buntes Konfetti kotzten. Es quoll ihnen plötzlich aus den Mündern. Dabei hörte ich einen der Jungen beeindruckt sagen: "Boa coool."
Ich rief Gitta an und wir bearbeiteten den Traum gemeinsam. Gitta fand es sehr wichtig, die schwarze Frau nicht zu verurteilen. Sie verkörpert Qualitäten, die ich vielleicht schon seit langer Zeit an mir selbst so verurteile, dass sie sich nie zeigen konnten. Das Teenager Mädchen war fordernd, frech und blickte stur auf ihre eigenen Bedürfnisse. Das kann auch etwas Gutes und Wichtiges sein. In der Art, wie Teenager mitunter fordern, liegt eine große Kraft, auch wenn sie einem manchmal den letzten Nerv rauben können. Die schwarze Frau verkörperte eine Rolle, eine Aufgabe sozusagen. Um diese Aufgabe ausüben zu können, ist es wichtig, dass sie nicht "gut" ist, nicht moralisch, politisch korrekt oder edel.
Wir fanden schließlich heraus, dass sich hier eine Kraft im mir zeigen will, eine lange verleugnete Kraft, die ich wohl benötige, um mit der Vodafone Geschichte fertig zu werden. Was das genau für mich bedeutet, weiß ich noch nicht, aber es fühlte sich interessant an. Deshalb habe ich mir gestern und heute auch eine schwarze Bluse angezogen. Ich trage sonst nie Schwarz. Dafür trägt es mein Bruder, Jan, immer. Nadine meinte vorhin, dass Jan ja vielleicht heute plötzlich ein Hawaii Hemd an hat. Ich habe Heike eine Whatsapp geschickt und gefragt, ob Jan heute ein Hawaii Hemd trägt. Sie schrieb zurück, er würde auch heute wieder in Schwarz gewandet sein, hätte aber kürzlich einmal einen Pullover mit einem orangenen Rand getragen und neulich eine dunkelblaue Jacke.
Ich whatsappte noch zurück, sie möge ihm ausrichten, dass ich heute mal die Bürde trüge, die dunkle Seite unserer Familie zu verkörpern, so dass er frei habe. Nadine, Regina und ich waren heute bei der kulturellen Landpartie in Salderatzen und später in Lübeln. In Salderatzen gab es unter vielem anderen einen Schmuckstand, der unglaublich schöne Stücke hatte. Der Schmuckhersteller erklärte mir, dass sein Vater einen Dreh gefunden habe, Labradorite (mein persönlicher Lieblingsstein) so zu schleifen, dass das blaue Schimmern sehr intensiv hervortritt und von allen Seiten sichtbar wird. Das war vielleicht schön!
Da gab es Halsketten, Ohrringe und Fingerringe, wunderschön gefasst und ausgestattet mit den schönsten, unglaublichsten Labradoriten, die ich je gesehen habe. Am liebsten hätte ich mir sofort so eine Halskette gekauft, aber ein paar Hundert Euro waren einfach zu viel. Gerard hat mir ja nicht das Darlehen gegeben, um es für Schmuck zum Fenster raus zu werfen. Immerhin hat mich der Anblick tief beeindruckt. Es gab noch einen Haufen anderer schöner Dinge zu sehen, viel Keramik auch, aber auch Skulpturen, Bilder und Filzobjekte. Nichts, was mich so inspirierte hätte, dass ich es hätte haben wollen. Aber es ist immer total schön, sich all diese Dinge anzuschauen, besonders auch mit Regina, die immer so gute Laune hat. Nadine kaufte sich eine upcycling Handtasche.
Upcycling finde ich ja auch ganz toll. Da werden alte Dinge genommen, die sonst in den Müll gekommen wären, wie Zeltplanen, Jutesäcke, mitunter Autoreifen und Ähnliches, und dann machen die Leute wieder etwas Schönes und Edles daraus. Das finde ich richtig super. Aber der spezielle Stil jener Künstlerin war nicht so mein Ding.
Dann kann man natürlich auch überall Kaffee trinken und etwas essen umringt von all der ländlichen Schönheit, was wir auch reichlich taten. Kaum zu glauben, wie viel Regina essen kann. Und natürlich - wie könnte es anders sein - sie ist nicht dick.
Eigentlich wollte ich gern noch etwas mit dem Dreirad herumfahren, nachdem wir wieder hier angelandet sind, aber ich hatte einfach keine Idee, wo ich hinfahren könnte. Es macht nicht so wahnsinnig viel Spaß dreimal hintereinander die Tour über Klein- und Groß Gerstedt zu machen. Es ist auch nicht der Super Hit, immer wieder nach Lüchow zu fahren, einen Kaffee zu trinken und wieder zurück zu kommen. Und meine dritte Tour geht nach Prezier in den Eisladen von Elke. Da brauche ich heut auch nicht hinzufahren. Bei gutem Wetter stehen die Leute da Schlange und sie hat alle Hände voll zu tun und keine Zeit für mich. Schließlich blieb ich hier und entscheid mich, statt dessen diesen Block zu schreiben.
Morgen, am Sonntag, fahre ich vielleicht noch einmal nach Cheine, wenn das Wetter sich hält. Ich könnte auch nochmal zur KLP. Vermutlich gibt es doch auch mindestens einen Wunderpunkt nahe Lüchow. Endlose Strecken schafft mein Elektrodreirad natürlich nicht. Ich muss das schon vorher berechnen. Sonst bleibe ich auf halber Strecke liegen.
Montag werden Nadine und ich vier Stunden Büroarbeit zusammen machen. Ich mache die Buchhaltung, die neuen Formulare und die Vodafone Geschichte, sie sucht uns Lieferanten heraus und bestellt vielleicht auch das Logo, das ich mir ausgesucht habe.
Vorher frühstücken wir noch gemütlich zusammen und dann stürzen wir uns in die Arbeit.
Jana hat inzwischen das Probeholster fertig und wohl auch schon zur Post gebracht. Vielleicht kommt es ja am Montag schon an. Dann können wir es gleich mal ausprobieren. Wenn es uns gefällt, bestelle ich für jeden von uns eines bei Jana. Sie will sich extra deswegen wieder teilselbständig machen. Im Moment macht sie ja ihre Schneiderlehre, aber ihre Chefin hat nichts dagegen, sondern findet es sogar toll, wenn Jana das macht.
Ich denke eingehend über einen TED Talk nach, den ich gehört habe. Er war von Uwe Lübbermann, einem Hersteller von Cola im Hamburg, der nach einem radikal demokratischen Ansatz arbeitet. Alle verdienen bei ihm denselben Lohn, er selbst auch. Es gibt keinen Gewinn. Sollten sich Gewinne ergeben, wird der Preis gesenkt. Alle Entscheidungen werden mit allen Beteiligten zusammen besprochen und ausdiskutiert, auch lange, wenn es sein muss. Das finde ich sehr spannend. Zuerst habe ich ihm eine E-Mail geschrieben, habe aber keine Antwort bekommen. Dann habe ich seine Website gefunden und dort gesehen, dass er Workshops macht.
Daraufhin habe ich erneut geschrieben, diesmal an eine "Reglerin", wie er das nennt. Die Regler, sind die Leute, die Dinge regeln. Da habe ich aber auch keine Antwort bekommen. Vielleicht finden sie es zu blöd, dass ich lauter Fragen stelle, deren Antwort auf der Website zu finden ist. Kann ich sogar verstehen. Aber ich bin keine Digital Native, sondern eine Elder Lady. Ich finde mich da auf der Website nicht zurecht. Diese ganzen vielen Abkürzungen und so, das verwirrt mich.
So ein demokratische Ansatz würde mir für das Café auch gefallen. Der Gedanke, dass wir alle dasselbe verdienen, gefällt mir schon sehr. Ich möchte aber gern auch Gewinne machen, falls das denn möglich ist. Wahrscheinlich sehe ich das hier ganz falsch und verstehe nur die Hälfte von dem Konzept, aber sei's drum. Wenn wir Gewinne hätten, könnte man die doch zum Beispiel in einen Fond tun und sich da ansammeln lassen. Und die Mitglieder des Teams können per formlosen, mündlichen Antrag dann Geld daraus bekommen für z.B. Zahnersatz, Brillen oder auch Workshops und Seminare. Und bei Seminaren soll es ganz egal sein, zu welchem Thema auch immer die sind.
Seminare und Workshops sind Inspiration und Input, eigentlich ein Grundrecht. Jeder sollte die Möglichkeit haben, zu den Seminaren zu fahren, die ihn oder sie interessieren, egal wo die sind. Wäre es nicht cool, wenn das Cafe das abwerfen würde? Natürlich weiß ich nicht, ob wir überhaupt Gewinne machen können. Und dann müssen die ja auch so groß sein, dass die Steuer sie nicht vollständig wieder wegfrisst. Geht das überhaupt? Müsste man das mit dem Fond ganz anders angehen? Ich weiß es nicht. Vielleicht schaffe ich es ja doch noch mal bei einem Workshop von Uwe Lübbermann zu landen. Vielleicht weiß der mehr darüber. Wenn ja, werde ich davon zu berichten wissen.












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