Donnerstag, 8. Juni 2017

Das Baustellenchaos in Hochform

8.6.2017
Puh, was für ein Tag! Also heute fühle ich mich nicht unterfordert, sondern eher durch Arbeit erschöpft, was ein gutes Gefühl ist, für mich zumindest.
Heute Morgen habe ich ausgeschlafen, konnte aber so ab 20 Minuten vor 9 einfach nicht mehr länger liegen. Ich brauchte beim Frühstückskaffe einige Zeit, um mich aus dem Koma zu reißen, aber dann machte ich mir gleich einen Tagesplan, den ich inzwischen fast - nicht zur Gänze - abgearbeitet habe. Das ist nicht weiter überraschend für mich. Ich mache mir gern solche Pläne und nicht selten, unternehme ich dann am Tag doch völlig andere Dinge. Das ist egal, solange am Ende doch alles erledigt wird. Man kann ruhig dem Lustprinzip folgen. Aber es macht Spaß, sich solche Pläne zu  machen.

Nach dem Frühstückskaffee, noch vor dem Frühstück, habe ich auf meiner Laufmaschine trainiert. Ich habe mir einen neuen Trainingsplan gemacht. Das darf man sich jetzt aber nicht irgendwie taff und knallhart vorstellen. Ich bin eine ältere Lady mit Muskelproblemen und trainiere entsprechend. Ich habe im Laufe der Zeit, seit ich älter bin, festgestellt, dass hartes Training mir nicht gut tut. Ich baue dann ab statt auf und außerdem geht immer gleich etwas kaputt. Wenn ich wirklich härter trainiere, gehe ich mit Hexenschuss oder Muskelzerrung daraus hervor. Das bringt mir ja gar nichts.

Der Schlüssel ist sanftes Aufbautraining und das sieht an der Laufmaschine seit heute so aus: Ich jogge 1 Minute, nur eine einzige Minute, mit dem Handy in der Hand, so dass ich genau eine Minute abpassen kann. Eine Minute kann man joggen, ohne außer Atem zu geraten und ohne dass sich schon irgendwelche Muskelschmerzen einstellen oder eine Sauerstoff Unterversorgung in den Muskeln. Dann gehe ich zwei Minuten, bis ich mich völlig wieder regeneriert habe. Anschließend jogge ich wieder eine Minute und gehe wieder zwei, bis 15 Minuten herum sind. Das bedeutet, ich habe insgesamt dann fünf Minuten tatsächlich gejoggt und bin 10 Minuten auf dem Laufband gegangen. Das reicht erst mal. Ob und wie ich das steigere, werde ich noch herausfinden.

Der Trick ist hier auch, sich nicht so zu fordern, dass Demotivation entsteht. Wenn man vor dem Sport nur noch das Gefühl hat, jetzt kommt eine üble Quälerei auf einen zu, dann dauert es nicht lange, bis man das Training unter irgendwelchen Vorwänden aufgibt. Das muss man mit berücksichtigen, wenn es funktionieren soll. Schließlich sind wir alle Menschen.
Anschließend habe ich einen schönen Salat gefrühstückt mit Tunfisch und danach bin ich noch 30 Minuten auf das Trampolin gegangen. Trampolin ist noch viel leichter als Laufband, wenn man nicht hüpft, sondern nur schwingt, wie es sich für eine Elder Lady ziemt. Bringt aber doch Kalorienverbrauch, schließlich ist man in Bewegung.

Und dass das so leicht anmutende Schwingen auf dem Trampolin doch Muskeln aufbaut, merkt man spätestens dann, wenn man in der Anfangsphase nicht mit fünf Minuten beginnt, sondern ohne Vorbereitung gleich 30 Minuten machen will. Dann bekommt man nämlich so schwere Rückenprobleme, dass man unter Umständen zwei, drei Monate gar nicht mehr auf das Trampolin gehen kann. Aber ich habe wirklich mit fünf Minuten begonnen und mich langsam hochgearbeitet. Mein Bauch hat sich dabei auch hochgearbeitet. Statt wie früher an mir herunter zu hängen, steht er jetzt, der Schwerkraft trotzend, stolz von mir ab. Weg ist er aber noch nicht.

Nach dem Trampolin war Büroarbeit dran, wenigstens ein bisschen. Hab ich gemacht. Mein in Indien bestelltes Logo ist fertig. Es sind aber noch Rechtschreibfehler drin, die korrigiert werden müssen. Im Moment steht auf dem Logo noch Café Anhalt - das Kultur Caf. Und weiter unten noch: Gutter Kaffee. Ich habe versucht mit Mrs. Dewa via Fivrr zu kommunizieren, bin aber an der Technik gescheitert. Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass sich hier in diesem Kultur Caf jemand finden wird, der mir da helfend unter die Arme greift.

Ich hab auch den Schuldtitel für das Amtsgericht Dessau-Roßlau eingetütet und das Formular dazu ausgefüllt und ein paar Dinge auf meinem Schreibtisch von einer Ecke in die andere geräumt. Dann bin ich losgefahren, mit dem Dreirad, denn es gab heute einiges zu transportieren. Kurz bevor ich losfuhr, entdeckte ich: Holla! Ich kann wieder aus dem Fenster sehen! Die hintere Fassade des Hauses ist fertig abgestrahlt und abgespritzt und die Fenster wurden wieder entpackt. Juhuu. Meine Zitronengeranie war schon dabei sich ins Jenseits zu verabschieden, so ganz ohne Tageslicht.


Als erstes fuhr ich zu Jürschick, einem Laden in Salzwedel, der Telefone repariert. Mein Handy
signalisierte mit seit einiger Zeit, die SD Karte sei kaputt. Was eine SD Karte ist, das weiß ich eigentlich gar nicht, aber ich war zuversichtlich, dass Jürschick es wissen würde. Der junge Mann untersuchte mein Smart Phone kurz und bestätigte, dass die Karte defekt sei. Die SD Karte ist eine Speicherkarte, auf die zum Beispiel die Fotos aufgespeichert werden können, so dass man sie nicht andauernd löschen muss, um wieder Speicherplatz auf den Handy zu schaffen. Ich kaufte eine neue und fuhr weiter zu Kaufland - ja schon wieder.

Heute wollte ich jene Dinge kaufen, die im Fahrradkorb immer so viel Platz wegnehmen wie etwa Geschirrspülmaschinen Tabs, Safttüten, Milchtüten, Swiffer Nasswischlappen. Das alles hat ein großes Volumen und ich kriege es schlecht mit dem Zweirad rangeschafft. Danach fuhr ich noch schnell zu McGeiz und sah nach, ob es dort aufklebbare Buchstaben gibt. Gab es nicht bzw. nur in Gold und Glitzer. Ich wollte aber Schwarz, um meinen Namen damit ganz groß auf den Briefkasten schreiben zu können. Hier im Bahnhof gibt es alle möglichen Leute und wir alle haben die Hausnummer 7. Das muss die Briefträger ja verwirren.

Da ich noch etwas Zeit vor meinem nächsten Termin hatte, fuhr ich mit dem Einkauf zum Bahnhof, um schon mal alles auszuladen. Hier waren wieder einmal alle Eingänge unpassierbar. Ich versuchte mich mit meinen Tüten an dem großen Schuttanhänger vorbeizudrücken, der direkt vor der Haustür stand. Etwas widerwillig und übellaunig - eigentlich völlig gegen seine Gewohnheit - nahm der junge Maurer mit die Türen ab und schleppte sie sogar nach oben zu meiner Wohnung. Toll! Vier Milchtüten und vier Safttüten wiegen ganz schön. Keine Ahnung, welche Laus ihm über die Leber gelaufen ist, aber ich hörte ihn von Weitem rummaulen: "Diese Frauen, immer müssen sie alles so umständlich machen, Mann, Mann, Mann!" (Müsste es nicht eigentlich heißen: Frau, Frau, Frau?)

Dann war es Zeit für meinen Banktermin. Mein Konto musste aufgelöst und neu gegründet werden. Das war aus rechtlichen Gründen notwendig. Bei einem Geschäftskonto dauert so etwas richtig lange. Hinzu kommt, dass die Bank ja kürzlich auf ein neues System umgestiegen ist und die Sachbearbeiter noch nicht alles so vollkommen durchschauen. Auf jedem Tisch standen kleine Aufsteller herum, auf denen die Menschen um Geduld und Verständnis für die Verzögerungen gebeten wurden. Ich habe Geduld und Verständnis auch, kein Problem. Während mein Sachbearbeiter sich durch endlose Listen im Computer quälte, starrte ich eine Stunde lang Löcher in die Luft und überlegte, ob es wohl sehr unhöflich wirken würde, wenn ich solange mein Handy heraushole und ein paar Runden Solitär spiele.

Als er einmal den Raum verließ, holte ich wirklich mein Handy heraus. Der Sachbearbeiter machte eine freundliche und lustige Bemerkung darüber, als er wieder herein kam und das Spiel auf meinem Display entdeckte. Ich habe das Handy dann doch lieber eingepackt. Nachdem alles geregelt war, fuhr ich durch die Burgstraße zu MacPaper, wo ich auch in Sachen Klebebuchstaben fündig wurde. Von Weitem erblickte ich Sabine, die vor ihrem Laden stand und etwas zu organisieren schien. Wir winkten uns kurz zu, aber ich ging nicht rüber. Sicher war sie auch viel zu beschäftigt, um sich zu unterhalten.

Jetzt hatte ich tatsächlich alles erledigt, es war fast 17 Uhr und ich fühlte mich kaputt und bekam Kopfschmerzen. Das lag mit Sicherheit auch am Wetterumschwung. Den ganzen Tag über war es eher kühl, bedeckt und windig gewesen und auf einmal kam die Sonne heraus und es wurde schlagartig warm. Ich fuhr ins Jeetze Cafe und setzte mich draußen auf die Terrasse. Da den anderen Gästen der plötzliche Wetterumschwung noch gar nicht aufgefallen war, konnte ich hier ganz alleine sitzen, mich entspannen und die Sonne genießen.

Um 18 Uhr hätte ich eigentlich noch Trommeln gehabt, aber wegen der Kopfschmerzen entschied ich mich, heute nicht hinzugehen. Wenn Nadine gegangen wäre, hätte ich mich vermutlich trotz Kopfschmerzen angeschlossen, aber Heinrich hat heute eine Ausstellungseröffnung in Osterburg oder so. Schöne Sache. Die beiden sind natürlich heute dort und eröffnen. Heinrich stellt wieder die lachenden tibetischen Mönche aus, die ja schon eine richtige Berühmtheit erlangt haben.

Als ich so gegen 18 Uhr das Cafe verließ - sie machten gerade zu - und zum Bahnhof fuhr, traf ich noch Gottfried, den Fahrkartenverkäufer an. Er erzählte mir, dass seine Frau gleich ankommen würde und fragte, ob er sich wieder mein Fahrrad ausleihen könne. Ja klar. Wir fuhren es noch schnell in sein Kabäuschen und ich machte ein paar Aufnahmen davon, wie das Café zur Zeit aussieht. Jede Hausfrau weiß, wenn das Chaos sich dem Höhepunkt nähert, nähert sich auch das Ende der Arbeit.








 


Und hier noch ein süßes Bild von Selinchen, die sich hinter meinem Rücken auf den Schrank geschlichen hat und hier munter aus der Brekkis Dose nascht. Dabei hat sie einen ganzen Teller voll mit gutem Futter unten stehen, aber am schönsten schmeckt`s doch immer noich wenn man es stibitzt.






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