Mittwoch, 21. Juni 2017

Cafe Anhalt hält nicht an

21.6.2017
Vor einiger Zeit habe ich einen Kleiderschrank von Nadine bekommen. Inzwischen ist er auch schon bei mir zu Hause, liegt aber in Einzelteilen auf dem Matratzenstapel im Wohnzimmer herum. Außerdem ist ja kürzlich durch die Vibration der Presslufthammer im Haus die Gardinenstange im Schlafzimmer von der Decke gekommen. Hinzu kommt auch noch, dass ich die Möbel, die ich schon für das Café habe, umlagern muss. Das war so nicht vorgesehen, lässt sich aber jetzt auch nicht mehr vermeiden. Ich brauche jemanden, der mir hilft. Deshalb habe ich bei Kaufland und Edeka Zettel aufgehängt, auf denen steht, dass eine ältere Dame jemanden sucht, der einen Schrank zusammenbauen kann.

Es hat auch jemand angerufen. Morgen Nachmittag nach der Arbeit will er hierher kommen und gleich mal den Schrank aufbauen. Das ist gut, denn ich habe inzwischen die Gardinen aus dem Schlafzimmer gewaschen. Die waren ja total eingestaubt, weil ich vergessen hatte, das Fenster zu schließen, während draußen an der Hausfassade der Putz aus den Ziegelsteinen herausgefräst wurde. Der Staub war so extrem, da hätte ein einfaches Ausschütteln nicht mehr genügt. Nun kann ich die Gardinen aber nicht aufhängen, also lasse ich sie bis morgen in der Maschine. Gardinen hängt man am besten gleich nach dem Waschen wieder auf und lässt sie so trocknen. Dann gibt es keine Falten.

Heute war einer der Zulieferer da, um mir seine Ware vorzustellen und er hat vier Kartons mit Brötchen bzw. Kuchen mitgebracht und dann auch da gelassen. Jeannette kam ebenfalls. Nadine hatte keine Zeit. Der Mann war sehr nett und entspannt. Das Gespräch war nicht im geringsten anstrengend. Wir haben immer nur ein Stückchen von jedem Teil abgeschnitten und gekostet, aber am Ende ist man trotzdem total voll. Jeannette und ich haben dann noch zusammen Brötchen für die Handwerker unten geschmiert und sie ihnen nach unten gebracht. Sie haben trotz anfänglicher Proteste alles aufgegessen.

Dann habe ich Nadine und Heinrich zum Mittagessen eingeladen, denn vier Kartons, das ist echt viel. Die beiden kamen mit ziemlicher Verspätung. Das hat aber nichts gemacht. Ich habe solange Trommeln geübt. Uri hat mir gestern bei der Probe zwei neue Dinge gezeigt, die ich erst noch ausführlich üben muss. Als die beiden dann mit einer Stunde Verspätung eintrudelten, ließen wir es uns erst mal gut gehen. Anschließend habe ich die übrig gebliebenen Kuchen noch hinunter zu Gottfried, dem Fahrkarten Verkäufer gebracht, der sich darüber richtig doll gefreut hat. Mir ist nun etwas übel. Das habe ich kommen sehen.

So langsam steige ich nämlich dahinter, worauf ich eigentlich allergisch bin. Ganz sicher bin ich mir noch nicht, aber meine gegenwärtige Theorie ist, dass ich nicht nur auf Gluten, sondern überhaupt auf Getreide, einschließlich Reis allergisch bin. Das mit dem Reis ist sehr selten. Es läuft aber nicht so, dass ich irgendwelche Beschwerden bekommen, sobald ich etwas davon esse. Es stellen sich erst Beschwerden ein, wenn ich drei, vier Tage hintereinander Getreide gegessen habe. Das ist ja einerseits gut. So kann ich, wenn ich mal irgendwo zum Frühstück eingeladen bin, ruhig Brötchen essen und bekomme nicht gleich einen allergischen Schub. Die zwei Brötchen stecke ich glatt weg.

Aber auf diese Weise ist es so schwierig überhaupt herauszufinden, worauf ich denn nun eigentlich allergisch bin. Aber am Sonntag war hier in Salzwedel Stadt Picknick. Da habe ich ein und ein halbes Brötchen gegessen. Montag bin ich wieder mal aus Versehen ohne Frühstück losgefahren und bekam dann beim Einkaufen schrecklichen Hunger. Da habe ich ein Brötchen bei Kaufland gegessen. Dienstag hatte ich Vormittags einen Zahnarzt Termin und konnte vorher noch nichts herunter kriegen. Später, als der große Hunger kam, habe ich wieder unterwegs ein Brötchen gesessen und nun heute schon wieder. Na, zumindest ist das eine gute Teststrecke.

Das Gespräch mit dem Händler hat mir auch wieder einige neue Informationen gebracht. Die Händler kennen sich nicht nur mit ihren Brötchen aus, sondern auch mir der fachgerechten Lagerung und den entsprechenden Öfen. Mir wurde klar, dass ich die Anordnung von Ofen und anderen Küchengeräten noch einmal überdenken muss. Unten werkelten die Elektriker herum. Die waren nicht erbaut, als ich ihnen das erzählte. Sie hatten alles mitgebracht, was sie für den ursprünglichen Entwurf benötigten und nun kam ich und warf alles wieder über den Haufen. "Dann können wir ja für heute gleich einpacken", maulte der eine von beiden. Die für sie beschmierten Brötchen und die von mir rasch nachgereichten Infos über die Amper Zahlen und die benötigten Anschlussarten (??!!) versetzten ihn dann aber schnell wieder in den Frieden zurück. Alles nicht so tragisch.

Zum Glück wusste der Händler diese Dinge. Der war nämlich schon weg. Ich habe ihn dann auf seinem Handy schnell angerufen und er konnte mir sagen, was für Anschlüsse und dergleichen für so einen Ofen gebraucht werden. Man lernt und lernt und lernt. Jeden Tag lerne ich etwas Neues über dieses Café Projekt. Ich lerne aber auch bei den Takadimis. Gestern war unsere erste offizielle Probe mit der Gruppe. Ich muss sagen, dass ich das als ziemlichen Stress empfunden habe. Das liegt aber nicht an den Leuten von der Gruppe. Die sind wirklich sehr nett und freundlich. Nö, das liegt ausschließlich an mir.

Für mich ist hier eine völlig neue Situation entstanden, die es so fast noch nie in meinem Leben, eigentlich gar noch nie gegeben hat. Okay, als Kind bin ich mehrfach in neue Schulen gekommen und einmal kam ich neu in meinen Judo Verein. Das waren auch Situationen, in denen ich in bereits vorhandene Gruppen hineinkam und mich dort integrieren musste. Aber hier liegt ja noch etwas anderes vor. Hier ist es erstmalig passiert, dass jemand mit meinen Qualitäten in Resonanz gegangen ist. In den Schulen mussten sie mich ja unbesehen nehmen und beim Judo war es nicht anders, Jeder darf rein. Das ist bei den Takadimis aber durchaus nicht so. Uri hat sich für mich entscheiden.
 
Und wenngleich mich das einerseits auch ganz doll freut, so mache ich mir andererseits doch auch Stress damit, weil ich sein Vertrauen in meine Fähigkeiten und mein Wesen nicht enttäuschen will. Mehr noch, ich sehe das auch als eine ganz tolle Chance auf neue Erfahrungen. Wie gesagt, es ist ja zuvor niemals passiert, dass irgendjemand in dieser (wollt` schon sagen in this fucking world) in dieser großen, weiten Welt in Resonanz mit meinen Qualitäten gegangen ist. Ich wünschte wirklich, ich wüsste, wodurch das auf einmal möglich geworden ist.

Ich kann mich gut daran erinnern, wie oft ich mich darüber gewundert habe, dass die Welt so wenig auf mich reagiert. Ich habe massenhaft Texte geschrieben und sie in verschiedenen Zeitschriften oder an anderer Stelle im Internet publiziert, ich habe sechs Bücher veröffentlich und drei weitere Bücher von anderen Autoren haben mir je ein Kapitel gewidmet, ich habe unzählige öffentliche Vorträge gehalten, habe öffentliche Veranstaltungen gegeben, mich auf Märkten und Messen präsentiert, habe Liedertexte geschrieben, 200 zumeist kostenlose Webinare abgehalten, Videos gemacht und veröffentlich, habe auch so noch alle möglichen, mich in die Öffentlichkeit bringenden Nebenprojekte durchgeführt und war mindestens 12 Mal im Fernsehen. Die Reaktion auf all dies war so verblüffend minimal. Das widerspricht allen gängigen Marketing Thesen. Die sagen immer: "Machen, machen, machen - dann kannst du nicht verlieren."

Ich bin echt eine Macherin, aber verloren habe ich trotzdem.
Das konnte mir auch kein anderer erklären. Ich verstehe es selbst auch nicht, aber ich kann erkennen, dass da etwas bei mir blockiert war. An der Welt kann es ja nicht liegen. Die Welt ist einfach die Welt und Menschen sind immer Menschen. Die sind halt so, wie sie sind. Es muss durch irgendetwas verhindert worden sein, dass Menschen mit mir in Resonanz gehen konnten. Ich weiß nicht, wodurch und ich weiß nicht, wieso das jetzt zumindest ein Mal anders war. Aber ich würde es schrecklich gern wissen. Vielleicht bekomme ich es noch heraus. Ich würde mich dann in der Takadimi Gruppe etwas sicherer fühlen.

Aber ich kann es akzeptieren, dass hier etwas Neues für mich läuft, für das ich Skills entwickeln muss, die ich entweder noch gar nicht habe, oder die schon so lange nicht mehr benutzt wurden, dass ich sie wieder neu entwickeln muss. Ich meinen eigenen Seminaren war das ja anders. Da kamen die Leute zu mir. Ich hatte die Leitung und sorgte dafür, dass es allen gut ging und alle möglichst gute Entwicklungsfortschritte machen konnten. Als die Verantwortliche brauchte ich natürlich auch bestimmte soziale Skills, aber das sind eben nicht dieselben, die ich jetzt brauche. Spannend! Aber schon auch anstrengend.

Ich bin zum Glück ziemlich Rhythmus sicher und kann einen neuen Trommelschlag meistens sofort nachspielen, zumindest wenn er nicht zu schwierig ist. Mit den komplizierten Sambarhythmen ist das für mich dann nicht so einfach. Aber diese angeborene rhythmische Fähigkeit sorgt dafür, dass ich in der Gruppe nicht nur Mist baue. Ich habe nämlich Schwierigkeiten, mir die Breaks, die Einstiege und Ausstiege so schnell zu merken. Ehrlich gesagt, ich verstehe auch nicht immer, was die anderen sagen, weil es so schnell geht. Das geht dann immer so: "Okay du bist dann mit dem Dadapp Dudapp Dudappda dran, dann komm ich nach der Blockage mit dem Rapptidapp Zam Bam rein und dann kommt Kim mit dem Dudappti dapti rein." Und Kim denkt: "Hääää?" Aber nur in Gedanken natürlich.

Eigentlich müsste ich sagen, dass ich kein Wort verstanden habe, aber das mache ich nicht, weil ich die Gruppe nicht mit meiner Unfähigkeit aufhalten will. Ich hoffe dann, dass ich im Stück noch mit bekomme, worum es geht. Gestern haben wir ein Stück geübt und ich habe wirklich absolut jeden Einsatz verpasst und es gibt mehrere in dem Stück. Nicht, dass ich das nicht könnte, aber ich habe es nicht begriffen, wann ich wie reinkommen und was dann genau machen soll. Wenn das Stück bereits läuft und die anderen ihre Rhythmen trommeln, ist es mir dann leicht die 1 herauszuhören und auf 1 einzusetzen. Ich hoffe, das wird noch besser, weil mir das soviel Stress macht. Aber immerhin bei einem Lied habe ich es schon heraus. Ein Lied haben wir gespielt, auch mit mehreren Breaks und ich habe jeden Einsatz richtig gemacht. Ein Lied von sechs ist schon mal ein Anfang besonders für die erste Probe, oder?

Selina ist mal wieder ausgegangen um Freud in dieser schönen Sommerzeit zu suchen, nachdem sie den halben Tag lang platt und erschöpft im Wohnzimmersessel geschlafen hat. Sie liebt die warmen Sommertage und kommt mittlerweile auch nachts nicht mehr nach Haus. Wenn sie dann zurück kommt, ist sie leicht verwildert und fremdelt etwas. Aber dann kommt sie auch wieder zu mir und will exzessiv schmusen. Das kriegt man eben nicht in Wald und Feld bzw. auf dem Bahnhofsparkplatz.






Montag, 19. Juni 2017

Selbst ist die Frau (auf dem Bau)

19.6.2017
Mittlerweile liegt der Termin mit dem Auftritt hinter mir. Die Takadimis sind auf einer Geburtstagsfeier in Benkendorf aufgetreten. Ich war vorher noch nie auf jenem Hof. Es ist eine Art Hofprojekt. Die Besitzerin hat sich da ein kleines Paradies erschaffen. Ab und zu finden dort Veranstaltungen statt, bei denen sie integrativ die Dorfbewohner mit einbezieht. Alle waren total freundlich, fröhlich und entspannt (und einige ein bisschen betrunken, aber das darf auf einem Geburtstag auch so sein).

Ich fuhr mit meinem Dreirad dorthin. Es waren etwas mehr als 15 Kilometer. Eine schöne Tour. Uri baute, als ich eintraf, schon alle seine Geräte und Gerätschaften auf und nahm sich dann noch kurz Zeit, sich mit mir abzusprechen, denn ich hatte ein paar Dinge nicht so ganz auf die Reihe bekommen. Einer der Takadimis, ich weiß seinen Namen noch nicht, hatte Zweifel, ob ich es denn auch hinkriegen würde, die Rhythmen zu spielen und zwar auch so schnell und so lange wie erforderlich. Daran hatte ich selbst keinen Zweifel. Das hatte ich ja ausführlich geübt. Ich sah mein Problem eher in den Wechseln und Breaks. Es war mir nicht möglich gewesen, alle Sequenzen anhand der Aufnahmen, die mir zur Verfügung standen, zu durchschauen.

Uri war aufgeregt und sagte mir zwar auf die Schnelle ein paar Dinge, aber die hab ich dann sofort wieder vergessen. Ich war nämlich auch ganz aufgeregt. Ich wollte das in mich gesetzte Vertrauen auf keinen Fall enttäuschen. Als es dann losging, war ich sehr gespannt und hochkonzentriert. Die ersten Stücke hab ich gut hingekriegt. Uri hat es mir auch leicht gemacht. Das waren einfache Rhythmen, logisch. Ich bin ja noch Anfängerin. Beim vorletzten Lied war ich verwirrt und beim letzten, dem das wir neu abgesprochen hatten, hab ich alles durcheinander gebracht. Es war aber nicht so schlimm, dass das Publikum es bemerkt hätte. Ich habe zum Beispiel die falsche Glocke gespielt.

Uri ist dann während des Stückes trommelnd zu mir hingewandert und hat auf die Metallglocke gezeigt. Hi hi. Ab da hab ich dann richtig weiter gemacht. Also: Metallglocke bei den Sambas, alles klar, weiß ich jetzt. Insgesamt war es ganz toll und hat riesigen Spaß gemacht. Jener alte Teil in mir, der immer auf Anti Haltung ist, hat sich gefürchtet, schon auf dem Hinweg, war aber bereit, sich auf das Abenteuer einzulassen. Später fuhr ich dann mit dem Dreirad wieder zurück nach Salzwedel und machte diese schöne Aufnahme dabei.

Beim Losfahren entdeckte ich, dass das Dreirad ein Rücklicht verloren hatte. Deshalb fuhr ich ein wenig mit der Dunkelheit um die Wette. Inzwischen war ich schon bei Fahrrad Rossi, und habe mir zwei neue Rücklichter anmontieren lassen. Das war ganz schön teuer! Aber dafür habe ich jetzt richtig gute Rücklichter, die auch gut montiert sind. Die anderen hatte ich ganz billig für 1,90 € gekauft und mit Isolierband befestigt. Das hat übrigens gehalten. Das Isolierband ist noch dran, die Lampe ist einfach oberhalb des Isolierbandes abgebrochen. Aber das noch verbliebene Rücklicht ist so eine Funzel. Es gibt eher Dunkelheit als Licht ab. Sicherheit in der Dunkelheit ist wichtig.

Heute war ich im Bürgerhaus und habe nachgefragt, was mir denn eigentlich zu meiner Gewerbeanmeldung noch fehlt. Ich hatte ehrlich gesagt, den Überblick verloren. Das passiert mir schnell mal, wenn es sich um Formularkram und so etwas handelt. Zum Glück ist Frau Spiegel eine unheimlich nette Frau. Sie hatte Verständnis und hat mir noch einmal erklärt, was jetzt noch fehlt und wo ich das her bekomme. Ich wollte mich dann gleich drum kümmern, aber das Amtsgericht Stendal und auch das Amtsgericht Dessau-Roßlau hatten schon geschlossen. Dann aber gleich morgen nach meinem Zahnarzt Termin.

Eben rief mich der Fensterbauer an und sagte, er würde am Mittwoch kommen und das erste Fenster in meiner Wohnung auswechseln. Na das kann ja was geben. Er sagte aber, die rückwärtigen Fenster würden alle drei an einem Tag ausgetauscht werden. Das muss auch so sein, denn da steht ja ein Baugerüst überall ums ganze Haus herum. Ich bin zwar absolut kein ängstlicher Typ, aber ohne Fenster zu schlafen, während ein Baugerüst alle etwaigen Neugierigen dazu einlädt, mal zu schauen, was ich so in meiner Wohnung habe, das ist vielleicht doch ein wenig zu viel Abenteuer, oder?

Mittlerweile sind die Handwerker an der Vorderfront des Hauses beschäftigt. Vor drei Tagen war dies der Ausblick aus meinem Wohnzimmerfenster:
Ich habe gemerkt, dass ich damit nicht leben konnte. Mein Gehirn wollte einfach nicht mitmachen. Ich stand morgens auf und konnte nicht ins Diesseits gelangen, nicht denken, nicht planen, mich nicht organisieren. Irgendwas in mir, in meinem Gehirn, spielte da einfach nicht mit. Ich ging erst mal einkaufen und erledigte einige Dinge. Als sich dann aufgewacht zurückkehrte in mein komplett verhangenes Wohnzimmer, blockierte mein Gehirn sofort wieder. Die Handwerker waren gar nicht an meinem Fenster beschäftigt, sondern viel weiter hinten. Der Bahnhof ist ja ein großes Gebäude. Ich fragte mich, warum muss ich jetzt womöglich mehrere Wochen im Dunkeln ohne Aussicht sitzen?
 

Da kein Handwerker in Sichtweite zu sein schien, beschloss ich, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Ich legte Band und eine Schere in meine Handtasche und hängte sie mir um. Vom Fester aus auf das Gerüst zu klettern, war mir nicht so gut möglich, weil das Baugerüst doch recht weit von der Wand entfernt ist. Das wäre ein zu großer Schritt für mich. Den schaffe ich höchstens, wenn zufällig das Haus gerade abbrennt. Also ging ich nach unten und draußen. An der Giebelseite des Hauses war eine Gerüstleiter, die bis nach unten oder doch fast bis nach unten reichte. Hier begann ich meinen Aufstieg.
 
Als ich zwei Etagen höher war, konnte ich um die Ecke biegen auf das Gerüst an der Vorderfront. Ich dachte, ich wäre schon oben, aber das erwies sich als Irrtum. Es fehlte noch eine Gerüstetage. Mir war etwas mulmig, weil ich mir dachte, dass es vermutlich verboten ist, auf das Gerüst zu klettern. Jeden Augenblick erwartete ich, dass mich jemand ansprach bzw. anrief und sagte: "He sie da, was machen sie denn da?" Das geschah aber nicht. Ich war wie unsichtbar am helllichten Tag. Ich musste auch zwei Abgründe überqueren. Abgründe sind die Löcher, wo die Leitern nach oben kommen. Da sind an der Stelle natürlich keine Bohlen drüber. Man muss am Rand auf der schmalen Schiene entlang gehen.
 
 
Weder Heinrich noch Nadine wollte diese Leistung anerkennen. "Ich habe in einer Baugerüstfirma gearbeitet", sagte Nadine und Heinrich: "Ich hab ein Gerüst im Garten. Da war ich schon öfter drauf." Na ja gut, bitteschön. Heinrich ist sowieso ein Mann, denen macht das nichts aus, auf Gerüsten ´rumzuklettern und Nadine ist zwanzig Jahre jünger als ich. Zu ihrem Sechzigsten schenke ich ihr dann einen Gutschein für einmal Baugerüst Klettern. Ich fand es schon ein wenig abenteuerlich und je höher ich kam, desto gruseliger. Vor meinem Wohnzimmerfenster angekommen, wickelte ich die Plane hoch und band sie mit Haushaltsband fest, so dass ich wenigsten durch eines der beiden Fenster Licht und Aussicht haben konnte. Dann trat ich den Rückweg an.
 
Als ich wieder in meiner Wohnung angekommen war, sah ich die Handwerker unten stehen und verwirrt nach oben blicken. Jetzt sahen sie es offenbar.
Am anderen Tag wollte mein Vermieter nach Salzwedel kommen. Ich bat ihn per Whatsapp doch bitte mit den Handwerkern zu sprechen und sie darum zu bitten, dass sie nach Feierabend und am Wochenende die Plane vor meinen Fenstern wieder hochrollen. Ich hätte das auch selbst machen können, aber jedes Mal, wenn ich mit den Handwerkern sprechen will, sind sie gerade unauffindbar. Herr Schulz ist der Besitzer. Das ist etwas anderes. Da laufen sie nicht weg, sondern kommen herbei.
Herr Schulz kümmerte sich und schon am Freitag sah ich die Handwerker die Plane vor dem Fenster hochrollen, aber der nächste Ärger war schon im Anmarsch.
 
Möglicherweise um mir schneller wieder freie Fenster zu gewährleisten, vielleicht aber auch rein zufällig war an diesem Tag meine Fensterfront damit dran, abgeschliffen zu werden, was eine katastrophal staubige Angelegenheit ist. Und ich habe nicht bemerkt, dass ich das Fenster im Schlafzimmer auf Kipp offen gelassen hatte. Die jungen Männer sind auch nicht auf die Idee gekommen, mal kurz ans Fenster zu klopfen und mir bescheid zu sagen. Sie taten einfach ihre Arbeit. Ich bemerkte das ganze erst spät abends, als ich ins Bett gehen wollte. Eine riesige Menge Feinstaub, die beim Abschleifen entstanden war, hatte den Weg ins Zimmer gefunden und alles lag unter einer dichten Staubschicht: Telefon (ist nämlich leider im Schlafzimmer), Lampe, Bett, Teppich, meine ganzen Kleider.
 
Ich habe zur Zeit noch keinen Kleiderschrank, obwohl der jetzt schon in Einzelteilen auf dem Matratzenstapel im Wohnzimmer liegt. Zur Zeit habe ich nur Kleiderstangen, auf denen alles hängt. Und es war alles unfassbar eingestaubt. Da hätte man sich glatt ne Staublunge holen können. Außerdem ist von der Vibration der Maschinen meine Gardinenstange runtergekommen. Es war ne ziemliche Angelegenheit, alles zu reinigen, zu wischen, zu staubsaugen und zu waschen. Die Vorhänge sind immer noch in der Waschmaschine. Ich hab noch keinen, der mir die Gardinenstange wieder anbringt und den Schrank aufbaut.
 
Zu diesem Zwecke habe ich einen kleinen Aushang geschrieben, den ich nachher im Kaufland und im Edeka an der dafür vorgesehenen Pinnwand anbringen will. Vielleicht findet sich ja ein junger Mann, der das für mich macht. Der könnte sich auch gleich als Möbelpacker betätigen, denn der Vermieter hatte ja gesagt, ich muss alle Möbel für das Café umlagern. In dem Raum, wo ich alles aufbewahre, soll nun die Decke gemacht werden. Da sind die Sachen im Weg. Der Vermieter hat vorgeschlagen die Möbel in den Keller oder auf den Dachboden zu bringen. Das habe ich am Samstag vor. Da bin ich mit zwei Freunden verabredet.
 
Ich befürchte nur, die beiden werden nicht das ganze Zeug transportieren, sondern schon nach wenigen Teilen die Motivation verlieren. Da wäre ein tatkräftiger weiterer Helfer schon gut. Wir nehmen auf alle Fälle den Keller. Da müssen die Jungs nur 18 Stufen nach unten und nicht zwei Mal 26 Stufen nach oben. Ich selbst kann da nicht viel mithelfen. Bisher hat das mit den Aushängen aber immer gut funktioniert. So habe ich auch Jeannette gefunden, die als Vollzeitkraft mit mir zusammenarbeiten wird. Sie sah den Aushang bei Edeka und fühlte sich sofort zutiefst berufen. Deshalb hat sie den Aushang auch gleich einfach abgemacht. Inzwischen haben wir mehrere Treffen gehabt und ich habe ihr fest zugesagt.
 
Selina genießt das warme Wetter. Sie war jetzt zwei Tage und Nächte verschwunden. Ich habe draußen nach ihr gesucht und gerufen, aber sie kam nicht, war auch nicht auf dem Parkplatz, wo ich sie sonst immer finde. Ich hatte schon Angst, sie sei weg, aber heute morgen, als ich aufstand, lag sie völlig erschöpft im Wohnzimmersessel und schlief sich nach all ihren Abenteuern aus. Da liegt sie jetzt immer noch, obwohl es inzwischen schon halb vier ist. Ich werde jetzt zu Kaufland und Edeka fahren und meine Aushänge anbringen. Weiter also im nächsten Post.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


















Samstag, 17. Juni 2017

Heureka, ich hab's begriffen.

17.6.2017
Eben gerade habe ich beim Frühstückskaffee prozessiert, soll heißen, mich innerlich mit einem Thema auseinandergesetzt, dass mich seit einigen Wochen schon begleitet. Dabei habe ich etwas so Grundlegendes erkannt, dass ich es hier niederschreiben möchte, damit es mir nicht wieder verloren geht. Eigentlich wollte ich meine Freundin Gitta anrufen und es ihr erzählen, aber sie ist nicht da. Sie kann ja schließlich auch nicht immer da sein. Aufschreiben ist auch gut. Es geht um die Fake Müdigkeit, von der ich schon zuvor berichtet habe, jene Müdigkeit, die mich überfällt, wenn ich allein bin und die einfach unecht ist. Fake ist übrigens englisch und bedeutet soviel wie unecht, nachgemacht. Wenn ich mich hier deutsch ausdrücken würde und sie nachgemachte Müdigkeit nennen würde, klänge das nicht so prägnant  nicht so auf den Punkt gebracht wie Fake.

Die Fake Müdigkeit begleitet mich schon mein ganzes Leben und sie tritt nur ein, wenn ich allein bin, was der Hauptgrund dafür ist, dass ich ihr nicht vertraue. Echte Müdigkeit und Erschöpfung tritt ein, wenn man erschöpft ist und das kann durchaus auch in Gesellschaft oder am Arbeitsplatz sein. Aber ich erlebe es täglich, dass ich voll hoher Energie und Lebensfreude von draußen hereinkomme und Bäm! Haut's mich um. Da stimmt doch was nicht. Es erfordert kein Psychologie Studium, um zu erkennen, das hier was faul ist. Im wahrsten Sinne des Wortes faul. Etwas in mir will sich dann einfach hinlegen, will schlafen und sich um nichts mehr kümmern. Zugleich ist das aber kein schöner, entspannter oder angenehmer Zustand. Das sollte ich vielleicht mal all denen sagen, die mir immer raten, ich solle den Zustand zulassen. Das fühlt sich Scheiße an!!! Genau so gut könnt ihr mir sagen: "Ach Kim, nun lass doch mal deine Hand auf der heißen Herdplatte, erforsche diese Erfahrung".

Nein danke, macht das doch selbst. Es reicht ja, wenn ihr das erforscht. Ich halte mich dann später an eure Ergebnisse.
Ein zweites Phänomen, das mich auch mein ganzes Leben lang begleitet hat, war dieser Überschuss an Zeit. Ich bin aber nie auf die Idee gekommen, die beiden in Zusammenhang zu setzen, erst heute Morgen. Wirklich, wo die anderen immer klagen, sie hätten zu wenig Zeit, konnte ich nur die Schultern zucken, denn ich hatte die meiste Zeit meines Lebens über zu viel davon. Und diese überschüssige Zeit war stets gefüllt mit Langeweile. Es war Zeit, die ich irgendwie nicht zu nutzen wusste. Ich wollte wohl, das kann ich beschwören, aber mir fiel um's Verrecken nichts ein, was ich hätte tun können.

Jetzt möchte sicher jemand einwenden: "Aber es gibt doch so viel, was du tun könntest, mach mal dies, das und jenes..." Aber das geht nicht. Schon vor sehr langer Zeit habe ich entdeckt, dass es nur zwei Motivationen gibt, die uns Menschen dazu bringen, etwas zu tun: Wollen und Müssen. Alle anderen Motivationen lassen sich unter diese beiden unterordnen. Wir tun Dinge, weil wir sie tun wollen, oder weil wir sie tun müssen. Dabei reicht es natürlich aus, wenn wir lediglich denken, dass wir sie tun müssen. Das ist dasselbe wie müssen. In meinem Leben gab es vermutlich genau so viel Müssen wie in den Leben anderer Menschen auch. Ich bin ja nicht als reiches Kind geboren, dass nie zu arbeiten hatte. Aber es gab irgendwie nicht genügend Wollen.

Ein paar Dinge wollte ich schon und die habe ich auch immer getan. Sie konnten aber nicht die ganze Zeit ausfüllen. Aber wenn man etwas nicht tun will und auch nicht muss, dass bringt man einfach nicht die Kraft auf, es zu tun. Wer mir nicht glaubt, kann es ja mal ausprobieren. Versuche mal zum Beispiel einen Aufsatz zu schreiben, den du  nicht schreiben musst und den du auch nicht schreiben willst. Probiere das mal aus und erlebe, was der Versuch mit dir macht. Ich würde mal raten, dass die allermeisten Menschen nicht imstande sind, diesen Aufsatz zu beenden. So war ich auch nicht  imstande, einfach irgendetwas zu tun, um die Zeit zu füllen. Mann, was habe ich an diesem Phänomen herumgedoktert, gearbeitet und prozessiert!

Ich habe gelernt, die Zeit mit Arbeit zu füllen, was sich ja immer anbietet, wenn man selbständig ist. Wenn ich mich eher schwach fühlte, dann konnte ich immer noch Dinge tun, die mir Kraft geben, wie Rasen Mähen, Schreiben, etwas Neues für mein Projekt entwickeln. Hier war mir aber die Fake Müdigkeit ein beständiger Gegner. Kaum zu glauben, dass ich erst heute Morgen zum ersten Mal einen Zusammenhang zwischen den beiden Phänomenen gesucht habe. Jetzt sehe ich, wie die beiden immer schon Hand in Hand gearbeitet haben.

Während ich hier beständig einen Schritt nach dem anderen tue, um das Café Projekt fertig vorzubereiten, habe ich mir gedacht, dass das auch die Lösung für meine Probleme sein würde. Solange ich im Café arbeite, bin ich nicht allein, also erlebe ich dort auch keine Fake Müdigkeit. Außerdem wird mich das in Arbeit bringen, was die Zeit ausfüllt. Im Hinterkopf blieb die Erkenntnis, dass ich wieder vor dem Problem stehen werde, sobald ich zu alt geworden bin, um zu arbeiten, aber ich habe insgeheim gehofft, dass ich dann einfach schmerzlos tot umfalle.
Dann hat Gerard hier einen Stein ins Rollen gebracht.

In unseren Telefonat vor einigen Wochen sagte er voller Verständnis und Mitgefühl zu mir, er könne spüren, wie es für mich als Kind gewesen ist. Da war die kleine Kim, so voller Kraft, Talent und Lebendigkeit und niemand ist in Resonanz mit all dieser Kraft gegangen.
Dieses Wort - Resonanz - traf mich ganz tief in jenem Gespräch. Es berührte etwas in mir. Ich hätte sofort los weinen können, beherrschte mich aber bis nach dem Telefonat. Dann ging ich dem Thema nach. Er hatte absolut Recht. Niemand war auch nur im Ansatz in Resonanz mit meinen Qualitäten gegangen. Ich habe schon als kleines Kind angefangen zu schreiben. Ich schrieb Gedichte und Geschichten. Aber niemand hat sie je gelesen. Mein etwas ausgeufertes Märchen hat meine Klassenlehrerin vor der Klasse zerrissen. In meinen Aufsätzen zählten nur die Fehler. Damit sind sie allerdings alle in Resonanz gegangen. Ich war hochmusikalisch, bekam aber keinen Musikunterricht. Ich war fasziniert von den antiken Dramen und Theaterstücken, aber niemand redete mit mir darüber. Im Gegenteil, ich musste sie an den Sonntag Morgenden heimlich im Fernsehen sehen, weil mir fernsehen verboten war.

Auch das Lesen von Kinderbüchern, das meine Phantasie beflügelte, war mir strickt verboten. Ich las sie dennoch, aber heimlich und allein. Ich war auch immer sehr tanzbegabt, durfte aber nicht zum Ballett. In all den Jahren hatte ich es immer so gesehen, dass mich halt niemand gefördert hat. Gerard zeigte mir eine ganz andere Facette: Es geht nicht immer nur um Förderung, um Ausbeutung eines Talentes, es geht auch um Freude.
Es hat sich niemand an mir erfreut.
Ich schreibe dies hier ohne Vorwurf, denn es geht mir nicht darum, meinen Eltern irgendetwas vorzuwerfen. Sie waren Kinder ihrer Zeit, Kriegskinder. Sie hatten es verdammt schwer, vor allem mein Vater, der auf der Flucht mit seiner Mutter Dinge erlebt hat, die so unfassbar schrecklich waren, dass ich kaum weiß, wie seine Seele das überstehen konnte.

Es geht nicht darum, dass sie etwas falsch gemacht haben. Mir geht es hier nur darum, was genau mit mir passiert ist. Heute Morgen erst habe ich das begriffen.
In den letzten Wochen seit dem Telefonat mit Gerard habe ich fleißig (oh wie typisch) daran gearbeitet, mich an mir selbst zu erfreuen. Ich wollte einfach nachholen, was versäumt worden war. Dann ist eine kleine, aber mich faszinierende Sache passiert. Nadine und ich, wir haben ja zusammen einen kleinen Volkshochschul Kurs im Trommeln bei Uri gemacht. Es waren sechs Stunden, in denen wir die Grundlagen lernten. Wir hatten beide viel Spaß daran und erwiesen und beide als ziemlich talentiert. Eigentlich waren wir zu dritt, aber die dritte Frau scheint leider abgesprungen zu sein. Schade.

Uri war anfangs völlig überrumpelt von unserem Talent. Offenbar hat er in seinen vergangenen Kursen wohl einige echt unbegabte Teilnehmer erlebt. Gleich in der ersten Stunde waren wir schon nach zwanzig Minuten mit dem Programm fertig, weil wir sofort konnten, was er langwierig mit uns zu üben vorgehabt hatte. Das wiederholte sich jedes Mal. Ich hab schon gedacht, er schummelt und sagt das nur, um uns zu motivieren. Dann war der Kurs zu Ende und wir gingen in einen seiner anderen Kurse, wo ich aber nur ein einziges Mal war. Dann habe ich dreimal hintereinander gefehlt, einmal, weil ich in Hamburg operiert wurde, dann weil ich noch rekonvaleszent war und beim dritten Mal hatte ich Kopfschmerzen. Dann hatte Uris Trommelband einen Auftritt auf der KLP.

Heinrich ist in der Gruppe, sie heißt "Die Takadimis". KLP ist immer schön, deshalb fuhren Nadine und ich mit. Vor dem Auftritt trafen sich einige Mitglieder der Takadimis um zusammen zu üben und sie luden uns ein, mit zu machen. Dann kam der Auftritt der Gruppe und eine Stunde später gleich noch ein spontaner Auftritt. Nadine und ich wurden von der Gruppe gefragt, ob wir nicht mit trommeln wollten. Das kam tatsächlich von der Gruppe, nicht von Uri. Ich sah, dass er eher schmerzlich das Gesucht verzog. Er will, dass die Takadimis professionell rüberkommen und nicht wie eine marode Truppe von Losern. Aber er widersprach auch nicht und so machten Nadine und ich einfach ein wenig mit.

Wir kannten ja eigentlich die Lieder nicht so richtig. Wir kannten zwar die meisten der Trommelschläge, aber die ganzen Breaks und den Aufbau kannten wir nicht. Ich saß direkt neben Heinrich und Nadine neben mir. Er gab uns immer Zeichen, was sehr hilfreich war. Wir beobachteten die anderen und trommelten es ihnen nach und überall, wo wir unsicher waren, da ließen wir unsere Trommeln lieber ruhen, um keine Fehler zu machen. Es hat Spaß gemacht.
Dann, am letzten Mittwoch bekam ich eine Whatsapp von Uri, ob ich abends zum Trommeln kommen kann. Mittwoch war eigentlich nicht als Trommeltag geplant, aber ich hatte Zeit (wie immer) und sagte zu.

Es entpuppte sich als Einzelstunde, in der mir Uri auf die Schnelle so viel wie möglich auf den Bass Trommeln beibringen wollte, damit ich am Samstag - das ist heute - bei einem Auftritt in Benkendorf die Basstrommel übernehmen kann. Das kam wirklich überraschend, zumal es mit mir gar nicht abgesprochen war. Einfach mal eben so bin ich plötzlich Mitglied der Takadimis. Nadine war ebenfalls zu dieser Stunde eingeladen gewesen, aber sie konnte nicht kommen, weil der Wagen und Winnen Verein am selben Abend tagte. Es hat viel Spaß gemacht. Anschließend hat Uri noch drei Trommeln zu mir nach Haus gebracht, damit ich üben kann. Es sind zwar nicht die eigentlich richtigen Trommeln, aber sie reichen als Übungsobjekte aus.

Nur so ganz nebenbei bemerkt zu einem ganz anderen Thema: Damit hat sich alles verwirklicht, was ich am Karfreitag "hellgesehen" habe. Ich bin keine Hellseherin und strebe auch nicht danach, eine zu sein, aber letzten Karfreitag waren die Wände zwischen den Dimensionen plötzlich ganz dünn, so dass ich Zugang hatte zu Informationen, die meine Zukunft betrafen. Nichts Wichtiges, nur sah ich, dass Nadine wieder in das Café Projekt zurückkehren wird - was sie inzwischen getan hat und dass mir Trommeln zum Üben zur Verfügung stehen werden, wenn ich sie brauche.

Donnerstag konnte ich erst mal nicht üben, weil es zu viele Termine an dem Tag gab, aber gestern habe ich den ganzen Tag geübt und heute werde ich noch weiter damit machen. Der Auftritt in Benkendorf ist erst heute Abend um 20 Uhr. Als ich gestern mit dem Fahrrad vom Zahnarzt kam und meine Gedanken zu diesen Ereignissen wanderte, da erkannte ich plötzlich:
Uri und die Takadimis sind in Resonanz mit meiner musikalischen Qualität gegangen!!!!!!
Wow! So fühlt sich das also an. Ist ja echt interessant. Es ist anders, als wenn man für seine Leistung gelobt wird. Es ist nicht nur einfach, dass jemand sagt:" Das machst du toll." Ein Lob ist halt ein Lob und ein Kompliment ist ein Kompliment. Das aber sind nur Momentaufnahmen.

In Resonanz gehen ist mehr als das. Es bedeutet, jemand, der selbst eine Qualität besitzt und sie auslebt, erkennt deine Qualität und will gern mit dir zusammen etwas machen, will die Qualität gemeinsam praktizieren, um etwas Schönes zu erleben. Darin liegt Förderung, Anerkennung, Zuwendung, soziale Betätigung, Gemeinschaft, Vertrauen.
Es ist der Hammer, was alles darin verborgen liegt und sich dadurch entfaltet.
Das ist viel mehr, als wenn deine Eltern lediglich dein Talent erkennen und dich deshalb alleine zum Klavierunterricht schicken oder in die Ballettschule. Selbst wenn die Mutter dabei bleibt und der Ballettstunde beiwohnt, ist es nicht dasselbe. Es ist anders, als wenn dir nur immer wieder gesagt, wird, wie gut du bist. Mir wurde später, als ich erwachsen war, sehr oft gesagt, wie gut ich sei und ich habe mich immer gewundert, wie wenig das in mir auslöst.

Von mir aus, ohne jenen Satz von Gerard, wäre ich nie auf die Idee mit der Resonanz gekommen, weil meine erbärmliche Kindheit mich da einfach zu bescheiden gemacht hat. Ich bin so weit gekommen, immerhin zu bejammern, dass ich nicht gefördert, sondern gebremst wurde. Aber zu erwarten, dass sich jemand an mir erfreut und dann sogar noch einen Schritt weiter, dass jemand mit mir in Resonanz geht, das war so unglaublich weit von meinem Planeten entfernt, dass ich das nie hätte denken können. Deshalb hat es auch zunächst Traurigkeit in mit ausgelöst, die mindestens drei Tage anhielt.

Zu erkennen, dass ich diese kleine, unglaublich lebendige Kim gewesen bin, dieser Wonneproppen angefüllt mir Kreativität und Kraft und der aufsaugenden Neugier eines Schwammes in der Wüste und dass keiner sich daran erfreuen konnte, dass all diese Qualität immer nur als Fehler, als Störfaktor gesehen und behandelt werden konnte, dass hat erst einmal echt weh getan. Und es hat jenen Teil in mir stimuliert, der alles kaputt machen will. Ich habe mich dann dieses Teiles in mir angenommen und versucht ihm zu zeigen, dass das Leben schön sein kann. In den letzten Tages war ich richtig schwach, ich meine physisch schwach. Obwohl ich doch andauernd auf meinem Trampolin herumhopse, empfand ich es plötzlich als so anstrengend, ebenso das Fahrrad Fahren.

Das liegt daran, dass jener Teil in mit, der zuvor nicht integriert war, sondern nur als Partisanenkämpfer gelegentlich aus der Deckung schoss, um etwas zu torpedieren, nun auf einmal mit von der Partie war. Ich bemühe mich, ihn zu integrieren. Heute Morgen, als ich aufstand, da hatte ich den Gedanken im Kopf: "Verdammte Trommelei! Das ist doch nur wieder ein neuer Stressfaktor in meinem Leben. Soll ich jetzt ewig trommeln üben nur wegen dieser bescheuerten Auftritte?"
Mit meinem Frühstückskaffe und meiner Selina setzte ich mich hin, um das zu prozessieren. Und da hat sich das Puzzle auf einmal zusammengesetzt. Fake Müdigkeit und Zeit Überschuss entstammen derselben Quelle!

Ich habe mir vorgestellt, wie es gewesen wäre, wenn zum Beispiel jemand, irgendjemand, Mutter, Oma, Tante, Lehrerin mit der schriftstellerischen Qualität in mir in Resonanz gegangen wäre. Am besten eine Person, die selber schreibt. Dann hätten wir Zeit miteinander verbracht, hätten uns gegenseitig etwas vorgelesen, hätten darüber gesprochen, hätten mehr darüber gelernt. Jene erwachsene Person hätte mich auch gefördert, vielleicht hier und da zu einem Schreibwettbewerb angemeldet. Oh, das hätte mich zutiefst inspiriert! Als Kind war ich so extrem insprierbar. Ich hätte mir ganz viel Mühe gegeben, etwas besonders Schönes und Tolles zu schreiben, wobei jede geschriebene Minute angefüllt gewesen wäre mit der reinen Freude und Begeisterung am Schreiben.

Ich hätte mich auf die Treffen mit jener Person gefreut, mich darauf vorbereitet. Meine Fähigkeiten hätten sich entwickelt. Wir hätten all das praktiziert, was ich weiter oben schon beschrieben habe: Förderung, Anerkennung, Zuwendung, soziale Betätigung, Gemeinschaft, Vertrauen und noch mehr, nämlich Freude und Begeisterung. Und all das hätte Zeit in Anspruch genommen. ZEIT
Deswegen hatte ich immer so viel Zeit über, weil das eben alles nie passiert ist. Klar habe ich auch allein geschrieben, aber längst nicht so lange und so viel. Und ich bin nie über die Hürde gekommen. Wenn du als Kind einen längeren Text beginnst und absolut keiner will es lesen, interessiert sich auch nur einen Deut dafür, sondern alles sagen dir immer das sei Schwachsinn, (dir werden deswegen sogar Schläge angedroht) dann ist es recht schwer, über die Hürden zu kommen, die sich unweigerlich bei jeder Tätigkeit, die Entwicklungspotenzial hat, ab und an aufstellen.

Wie viel Trotz, Wut und Gegenkraft kann denn in so einem sonnigen Gemüt stecken? Das, was ich da zu bieten hatte, wurde aufgebraucht für die Pflicht. Mit meinem Trotz und meiner Wut habe ich mich vorangetrieben, um die Schule zu schaffen und zu lernen. Ich glaube auch nicht, das das zusammen geht: Freude und Trotz.
Es wäre dasselbe gewesen, wenn jemand mein musikalisches Talent bemerkt hätte und damit in Resonanz gegangen wäre. Dann hätten wir damit Zeit verbracht. Ich hätte ein Instrument gelernt und die Freude an der Musik. Wir hätten zusammen musiziert, zuerst die einfachen, dann auch schwerere Stücke. Irgendwann wäre ich in eine Gruppe oder Band gekommen und wir hätten dort zusammen musiziert und komponiert. Meine Fähigkeit zu texten wäre hier auch wieder ins Spiel gekommen.

Ich kann das nämlich sehr gut. Ich habe fast alle Texte auf der CD "One night" der Gruppe "Circle of friends" geschrieben. Du findest die Lieder übrigens auf You Tube unter meinem Namen, Kim Barkmann. Wenn sogar beides passiert wäre, dann hätte ich wohl gar keine Zeit gehabt, mich zu langweilen. Wow, was Gerard mit diesem einzigen Satz alles geöffnet hat. Das Gespräch war übrigens Pfingsten. Ich sagte ihm schon da, dass er offenbar eine Ausschüttung des heiligen Geistes verkörpert habe und das meinte ich auch so. Aber inzwischen habe ich erst begriffen, was sich alles dahinter auftut. Jetzt, nach fast 60 Lebensjahren, ist das Geheimnis um meinen mysteriösen Zeit Überschuss, den niemand teilen oder verstehen konnte, gelüftet.

Gelüftet ja, aber noch nicht ganz gelöst. Dennoch bin ich zuversichtlich, dass ich da noch weiterkomme. Jene aggressive Stimme in mir, die nach ihrer Bequemlichkeit schreit und sich nicht mit Trommeln echauffieren will, die verstehe ich gut. So fühlt man sich eben, wenn man es nie erlebt hat, dass andere in Resonanz mit den eigenen Qualitäten gegangen sind. Wenn die Erlebnisse von Freude, Inspiration, Gemeinschaft und Gemeinsamkeit nie da waren, um einen zu beflügeln, um einem zu zeigen, wie wunderschön das Leben sein kann - ja dann muss man ja das Gefühl haben, das Leben ist einfach nur Scheiße. Passt alles zusammen nicht wahr?

Ich lasse diesen Teil von mir jetzt leben und mit dabei sein. Dann kann dieser Aspekt meiner Seele sich solange mit Freude auftanken, bis auch ihm das Leben wunderbar erscheint. Das machen wir bereits jetzt in diesem Augenblick, denn ich schreibe nun einmal sehr gern. Und wenn ich hier fertig bin, dann werde ich wieder trommeln. Und heute Abend haben wir den Auftritt. Ich werde bestimmt so einige Fehler machen, aber zumindest ich finde das gar nicht so schlimm. Ich konnte mir doch nicht alles merken, was Uri mir in jener einen Stunde beigebracht hat. Er hat mir auch einen Stick mitgegeben, auf dem der komplette Auftritt, alle Stücke drauf sind. Aber einige Breaks und Einsätze konnte ich nicht erkennen und es war mir auch nicht immer möglich genau zu identifizieren, was der Basstrommler spielt.

Ich denke, ich werde das schon ganz ordentlich hinkriegen. Bei so kurzer Vorbereitungszeit werden vermutlich ja auch keine Wunder von mir erwartet. Aber es füllt meine Zeit mit Freude an, das merke ich. Das ist ja so toll! Endlich habe ich verstanden, was man mit all der Zeit machen soll. Und ich habe den zumindest begründeten Verdacht, dass sich hier auch das Thema Fake Müdigkeit heilt. Dessen bin ich mir noch nicht gewiss, aber ich vermute dies: Der Teil in mir, der Fake Müde ist, ist  frustriert, isoliert, einsam, verkannt, ungeliebt, ungesehen, ungewollt und deswegen auch resigniert, viel zu müde, um wütend zu sein, eher bereit zu sterben, als länger in diesem fiesen Zustand weiterleben zu müssen. (Oh, Oh, von so was kriegt man Krebs!) (Da hab ich ja noch Glück gehabt. Inzwischen habe ich ein Schreiben der Hamburger Schön Klinik bekommen, das mir bestätigt, dass die komplette Untersuchung und Auswertung meiner Schilddrüse und des Kalksteines, der sich darin gebildet hatte, keinerlei Hinweise auf Krebs ergeben hat! Ha!)

Wenn sich die Situation nun aber verändert, wenn ich langsam lerne, wie man es macht, dass Menschen mit mir in Resonanz gehen, dann bekommt dieser Teil in mir nachgeliefert, was ihm zusteht, wird sozusagen nachgenährt. Es wäre immerhin denkbar, dass er dann auch aufhört, sich so schrecklich zu fühlen.

Vor wenigen Tagen hatte ich dann einen Traum. Ich war wieder zurück in der WG, in der ich früher mal gewohnt habe. Dort lebte dieser unglaublich unreife Mann, der immer nur anderen für alles die Schuld geben konnte. Es war auch noch eine blonde Frau dort, die ich in Wirklichkeit nie getroffen habe. Aber im Traum war sie eine seiner Verflossenen. Ich dachte, er hätte sich geändert, aber dem war nicht so. Bei der ersten Gelegenheit bekam er einen irrationalen Wutanfall und rannte hinaus. Die Frau ging ihm nach und nach einiger Zeit tat ich das auch. Draußen sah ich etwas Überraschendes. Sie hatte ihm nämlich drei Pedelecs für sein Projekt geschenkt. Diese Elektrodreiräder waren wunderschön. Ich glaube nicht, dass es in Wirklichkeit solche Pedelecs gibt, aber die im Traum waren der Hammer. Sie hatten eine Außenhülle wie Autos, nur viel kleiner, so dass man mit ihnen auch auf dem Radweg fahren konnte. Die Hülle war orange und die Fahrzeige waren so nett und rundlich geformt, wie die Autos früher mal waren. Meine Eltern hatten ganz früher mal einen Mercedes, der diese Rundungen hatte. Ich kann es immer noch vor meinem inneren Auge sehen, wie schön die Pedelecs waren.
Fasziniert setzte ich mich in eines der Pedelecs hinein. Es war zu groß, aber man konnte es kleiner stellen. Ich fragte mich, ob ich wohl auch mit so einem Dreirad würde fahren dürfen. Der Mann war wieder ganz friedlich geworden.
 
Inzwischen verstehe ich diesen Traum. Der unreife Mann ist mein Symbol für jenen unentwickelten
Aspekt in mir, der die Fake Müdigkeit hervorruft. Ihm wird etwas geschenkt und zwar gleich in dreifacher Ausführung. Drei Pedelecs für sein Projekt. Und alle so wunderschön. Die Miniautos erinnern in ihrer Form an den alten Mercedes meiner Eltern. Hier geht es also um Kindheit. Die Farbe aber, ein gedämpftes Orange steht für Macht. Im Tarot ist es zumindest so. Im Tarot steht Gelb für Spiritualität und Rot für Kraft. Orange ist, wenn man ganz genau hinschaut und die Karte dicht an die Augen hält, ein mit roten Strichen gestreiftes Gelb oder umgekehrt ein mit gelben Strichen gestreiftes Rot. Hier vermischt sich kostbare Spiritualität mir großer Kraft und wird dadurch zu Macht.
 

Da ich ja wie immer alle Personen selber bin, die in meinen Träumen auftauchen, bin ich sowohl die blonde Frau, die ich als Entwicklungsengel interpretiere als auch der beschenkte Mann. Ich beschenke mich sozusagen selber, verleihe mir die Macht. Dreiräder stehen (zumindest in meiner Welt, einer Welt ohne Führerschein oder die Aussicht darauf je einen zu bekommen, weil Sehbehinderung) für Freiheit, Spaß, Lebensfreude und Möglichkeit. Heute Abend werde ich mit meinem Elektrodreirad selbst nach Benkendorf zu dem Auftritt fahren. Dank dieser wundervollen Erfindung ist es mir möglich, dies zu tun. Und es macht auch total Spaß. Elektrodreirad ist Fahrspaß pur. Also ein Symbol wie es positiver nicht hätte sein können. Und dann auch noch verbunden mit Schönheit und Macht.
 
Wenn ich von Macht spreche, meine ich natürlich nicht Macht über andere. Im Gegenteil, das würde alles verderben und kaputt machen. Die Resonanz, in die die Takadimis mit mir gegangen sind, würde zerbröseln wie ein altes Brötchen, wenn ich versuchen würde, auch nur die geringste Macht über jemanden auszuüben. Das macht alles kaputt und ich bin ganz sicher alt und erfahren genug, um keinen solchen Fehler zu begehen. Immerhin bin ich ja auch der Entwicklungsengel in dem Traum. Macht heißt für mich, die Macht, sich zu heilen, zu befreien, die Macht nicht mehr Opfer irgendwelcher Umstände zu sein, sondern das eigene Leben, die eigene Freude und die eigenen Heilungsprozesse nicht nur selbst in die Hand nehmen zu dürfen, sondern dies auch tatsächlich zu können. Wenn man das zwar will, aber nicht kann, dann ist das ja keine Macht.

 
Ist die Macht da, dann hat man alles in der Hand, was gebraucht wird. Ich habe die Macht, mich zu heilen, zu vervollständigen und glücklich zu machen. Das sehe ich in dem Traum. Ich habe keine Macht über andere und will auch keine. Freundschaft, echte Freundschaft ist mir tausendmal lieber. Sie öffnet mir die Türen zu all jenen wunderbaren Räumen, in denen wir Begeisterung, Inspiration, Lachen, Feiern, Gemeinschaft und Freude finden können.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 







Freitag, 9. Juni 2017

Das konnte das Schicksal nicht verhindern

9.6.2017
Heute Morgen ging es mir wieder besser. Die Kopfschmerzen sind über Nacht verschwunden. Beim Frühstück machte ich mir wieder einen Tagesplan, den ich heute so gut wie gar nicht eingehalten habe. Mein altes Orakelbuch fiel mir in die Hände. Man stellt eine Frage und klappt es dann irgendwo auf. Ich fragte nur so aus Spaß: Wie wird denn der heutige Tag so werden? Die Antwort lautet: Es wird verhindert werden. Nun ja, so im Nachhinein, kann ich das bestätigen. Es wurde verhindert, dass ich meinen Plan durchführe, was aber rein gar nichts macht.

Nach dem Kaffee ging ich dann gleich als erstes auf das Laufband und absolvierte dort meine 15 Minuten. Dann klingelte es an der Tür. Es war der Tischler, mit dem ich verabredet war. Er sollte das Aufmaß für das Podest im Café machen. Während wir unten im Café standen, gesellten sich die Elektriker zu uns und sagten: "Ach, soll da jetzt doch ein Podest hin?"
Echt, jeder ist hier gegen das Podest. Ich habe aber schon zu meinem Vermieter gesagt, ich will das unbedingt. Sonst bin ich ja in allen Punkten kompromissbereit, aber ich WILL das Podest. "Dann müssen wir das aber wissen, wegen der Steckdosen. Und wie hoch soll das sein?" Wir überlegten einen Moment zusammen und trafen dann eine Entscheidung, die René, der Tischler, aufgeschrieben hat, während ich die Zentimeterzahl schon wieder vergessen habe (Dyskalkulie, da vergisst man auch Zahlen).

Warum sind eigentlich alle gegen das Podest? Ich verstehe das nicht. Im Amadeus sind die Tische am Fenster auf dem Podest immer die, welche am schnellsten besetzt werden. Jeder will da sitzen. So wird es hier auch sein, zumal man dann auf den Bahnhof und die Gleise blicken kann. Das ist ein interessanter Ausblick. Als René wieder weg war, begab ich mich ins Büro mit der festen Absicht, heute die Buchhaltung zu machen und mich von nichts davon abhalten zu lassen. Aber wer bin ich, mich gegen die Mächte des Schicksals zu stellen? Das Orakelbuch hat ja schon gesagt, es wird verhindert werden und so war es dann auch.

Mir fiel auf, dass ich vor allem deshalb so schlecht arbeiten kann, weil es im Büro so wenig Tischfläche gibt. Mir steht hier nur ein halber Tisch zum Arbeiten zur Verfügung. Auf der anderen Hälfte stehen die beiden Drucker und der Rekorder für meine Fitness Musik. Daneben dann gleich das Laufband. Ist alles eng hier. Hinter mir steht ein Jurassic Computermonitor, so ein Riesenmonster, das ich ausgemustert habe. Da ich aber kein Auto habe und auch niemanden kenne, der mir das Ding mal nach Cheine auf den Recyclinghof fährt, steht es hier rum und nimmt Platz weg. Der Monitor ist tatsächlich so riesig, dass ich ihn selbst nicht die Treppe runtertragen kann und er ist auch zu groß, um mit dem Dreirad transportiert zu werden. Ich glaube, dafür ist er auch zu schwer.


Ich dachte so bei mir, wenn hier jetzt das Regal stünde, das ich gestern bei Netto gesehen habe, dann könnte ich ganz viel da hinein auslagern und würde hier Platz bekommen. Ich rang noch eine Weile mit mir weil, ich wollte mich doch nicht von der Büroarbeit abbringen lassen, aber dann entschied ich doch, mir schnell mal das Regal zu holen, sonst schnappt es mir noch jemand weg. Es war nämlich das letzte. Ich flitzte mit dem Dreirad los, wenn man bei der umständlichen Art, wie ich mein Dreirad heraushole von Flitzen reden kann. Zuerst muss ich die Haustür aufschließen und hinter mir wieder zu. Dann muss ich die Tür zum Schankraum aufschließen und hinter mir wieder zu. Dann muss ich die Tür zum DEVK Raum, in dem das Dreirad gerade untergebracht ist, aufschließen, das Dreirad rückwärts rausschieben und hinter mir wieder zuschließen. Dann muss ich die Tür zur Rampe aufschließen, die Flügeltür entriegeln, das System auf "Einmal aufschwingen" stellen, mit dem Rad hinausfahren und hinter mir die Flügeltür wieder verriegeln und die Türen abschließen. Der ganze Prozess dauert locker mal so 10 Minuten, nur um aus dem Gebäude zu kommen.

Aber dann flitzte ich wirklich los. Das Regal erwies sich als echt schwer. Ich schaffte es mit Müh und Not, das Paket in den Fahrradkorb zu stellen. Es kostete 17 Euro!!! Das ist ja echt nicht viel, oder? Der Kassierer fragte interessiert, ob es noch eines gäbe, aber dem war nicht so. Ein Glück, dass mir das noch keiner weggeschnappt hatte. Anschließend sauste ich schnell und zugleich sehr vorsichtig zurück zum Bahnhof, denn eigentlich ist das Dreirad mit etwas so Schwerem überladen. Zum Glück ist der Weg ja super kurz, 300 Meter oder so. Ich wollte Gottfried bitten, mir das Paket die Treppe hinauf zu tragen, doch an seiner Stelle saß ein ganz junger Mann im Fahrkartenschalter. Na gut, fragte ich eben den.

Der junge Mann trug mir dann auch wirklich das Paket mit dem Regal nach oben. Er erzählte mir, sein Name sei Ephraim und er sei die Ferienvertretung für Gottfried. Ich musste dann aber erst mal schnell los, weil ich noch eine Bankverabredung mit Nadine hatte. Ich war schon etwas zu spät, während Nadine - nanu - schon da war. Wo bleiben denn die 25 Minuten, die sie sonst immer zu spät kommt? Sie stand vor der Bank mit Sabine, Hilma und Hilmas Freund, dessen Namen ich vergessen habe. Sabine war wieder mit fliegenden Fahnen unterwegs. Wie gestern winkten wir uns nur kurz zu und weg war sie schon wieder. Die anderen beiden mussten aber auch rasch gehen zu ihren jeweiligen Terminen und wir ebenfalls.

Nach dem Banktermin gingen wir noch ins Café Holz essen. Da bekommt man nämlich auch Mittagessen und wir hatten Lust, wieder einmal etwas so richtig Deutsches zu essen. Heinrich kam nach und gesellte sich zu uns. Wir aßen alle drei Krustenbraten mit Salzkartoffeln und Rotkohl bzw. Sauerkraut. Eine Weile lang unterhielten wir uns über die gestrige Eröffnung von Heinrichs Ausstellung. Es war wohl ganz gut besucht und die Stimmung auch nicht schlecht. Wie ich hörte, hätte die Laudatio besser sein können. Tja, hätten sie mal mich gefragt. Ich kann so was ganz toll. Aber die Veranstalterin wollte jemand anderes fördern.

Ich kann wirklich ganz tolle Reden halten. Nachdem ich zum Beispiel die Beerdigungsrede für Andreas aus Altensalzwedel gehalten habe, sagte mir ein Pastor, er habe in seinem Leben schon sehr viele Beerdigungsreden mitbekommen, aber meine sei die beste, die er je gehört hätte. Na egal, ich hatte gestern ja eh Kopfschmerzen und war außerdem nicht einmal dort, was natürlich anders gewesen wäre, hätte ich einen Redeauftrag bekommen, Logisch. Heinrich und Nadine wirkten recht müde. Ist ja auch kein Wunder. Sie hatten gestern einen sehr langen Tag. Mehrere Bekannte grüßten uns im Vorübergehen, während wir vor dem Café auf den Holzbänken saßen und unser Mittagessen zu uns nahmen. Frau Holz, die Besitzerin des Cafés, ist die Schwiegermutter meines Vermieters und eine sehr nette Frau. Sie unterhielt sich noch kurz mit uns über die Fortschritte im Bahnhof und darüber wie großartig ihr Schwiegersohn ist. Dem kann ich nur beipflichten.

Nachdem wir wieder auseinander gegangen waren, fuhr ich noch etwas herum und erledigte ein paar Kleinigkeiten. Ich benötigte dringend ein Paar Turnschuhe. Durch das tägliche Laufen auf dem Laufband und das endlose Geschwinge auf dem Trampolin haben sich meine Turnschuhe so durchgelaufen, dass ich nach dem Sport immer gleich Fußschmerzen habe. Das darf nicht sein. Sport soll gesund machen, nicht kaputt. Ich wollte noch zu Deichmann, aber vorher machte ich einen kurzen Abstecher zu Fahrrad Rossi, weil mein rechter Hinterreifen so platt war. Ich dachte, vielleicht sei das Ventil undicht, aber Rossi meinte, wenn der Reifen alle vier Wochen neu aufgepumpt werden müsse, sei das völlig normal.

Mit Hochdruck pumpte er den Reifen wieder auf, was so etwa zwei Sekunden dauerte. Dafür musste ich auch nichts bezahlen. Dann konnte ich gleich weiter nach oben zur Altmark Passage, wo das Schuhgeschäft mit den günstigen Schuhen ist. Ich ließ mich zunächst ein wenig beraten, was für Turnschuhe gut für meine Zwecke sind und probierte mich dann mindestens eine Stunde lang durch die verschiedenen Turnschuhe. Es war gar nicht so einfach. Die Turnschuhe, die mir am besten gefielen, passten immer nicht so recht. Wenn die Ferse beim gehen immer im Schuh rauf und runter geht, dann ist das nicht gut und man bekommt auf die Dauer Blasen davon. Der Schuh muss fest am Fuß sitzen, ohne ihn einzuzwängen. Ich wollte vor allem auch gute Turnschuhe haben, mit Fuß Bett und so.

Da gibt es heutzutage schon die dollsten Erfindungen. Geleinlagen, Memory Foum und so weiter. Ich entschied mich schließlich für ein Paar sehr schöne Turnschuhe mit Memory Foum und sehr dicken Sohlen aus Gummi oder so, zum Reinschlüpfen ohne auf- und zuschnüren. Sie sitzen wie angegossen und fühlen sich echt gut an. Der Preis 28.90 ist ja auch nicht übel für so tolle Schuhe, oder? außerdem, was muss, das muss. Ich bin kein Schuh Junkey, ich brauchte einfach nur neue Turnschuhe.

Dann wollte ich einfach nicht nach Hause fahren. Es war so warm und so herrlich draußen. Ich fuhr also wieder einmal zu Obi und gönnte mir einen Kaffee dort. Es waren sogar einige Tische und Stühle nach draußen gestellt worden, so dass ich dort entspannt sitzen und das Wetter genießen konnte. Dabei zog sich der Himmel allerdings energisch zu, obwohl ich das doch nicht wollte. Tja, aber ich musste wohl doch nach Haus. Wieder etwas, das vom Schicksal verhindert wurde. Hier angekommen, wollte ich sofort damit beginnen, das Regal aufzubauen, aber plötzlich wurde mir schlecht. Ich merkte deutlich, das ist jetzt keine Fake Müdigkeit, ich muss mich jetzt wirklich mal ein paar Minuten hinlegen. Selina legte sich sofort zu mir. Katzen merken es immer, wenn ihr Mensch krank oder traurig ist.

Es dauerte aber nur 15 Minuten, dann ging es mir wieder besser. Ich machte mich dann an das Regal, musste aber sehr schnell kapitulieren. Trotz der einfach aussehenden Anleitung, kapierte ich nicht, was ich machen sollte. Ich rief René an. Der meinte, er könne so Ende nächster Woche mal vorbei kommen. "Waaaas?" Ich wollte das Regal doch morgen schon benutzen.
"Geht nicht, kann ich nicht, ist nicht."
So ist René. Das ist auch überhaupt nicht böse gemeint. Kein bisschen. Er ist einfach ein Mann, der wenig spricht und immer genau auf den Punkt bringt, was er will und was er nicht will. Eigentlich sehr vorbildlich nur gerade dumm für mich.

Ich durchsuchte meine Telefonlisten. Ist denn da niemand, der so was kann? Niemand den ich fragen kann? Das hat man davon, wenn man lauter Künstler und Musiker kennt. Einen Moment lang war ich echt gefrustet. Ich merkte, dass ich nicht bereit war, mich mit den Fakten abzufinden.
Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen. Von Entschlossenheit beflügelt schnappte ich mir energisch meinen Schlüsselbund vom Haken und ging hinunter auf den Busbahnhof, direkt vor meiner Haustür. Es fing gerade an sehr heftig zu gießen, aber über dem Busbahnhof ist ein Plastikdach oder vielleicht ist es auch aus Glas, keine Ahnung.

Da saßen drei junge Menschen und tranken Bier. Ich stellte mich einfach zu ihnen und fragte: "Könnt ihr ein Regal zusammen bauen?" Einer gab sich als Könner zu erkennen. Der andere, ein vielfach gepiercter junger Mann grinste fröhlich dazu. Der Freiwillige sagte, er hieße Matze und sei Handwerker, er könne solche Dinge. "Willst du dir nen Zwanni verdienen?"
"Ja, sofort, wenn du noch fünf Minuten warten kannst." Das war wegen Jenni. Jenni war das Mädel in der Runde. Ihr Bus sollte in fünf Minuten kommen, solange wollte Matze noch an ihrer Seite weilen. Sie musste schrecklich doll aufs Klo und ihr Bus würde eine Stunde lang mit ihr durch die Pampa fahren. Ich bot ihr an, ganz schnell zu mir hinauf zu flitzen, was sie dankbar annahm. Als wir wieder herunter kamen, war der Bus noch nicht da. Jenni ging zu den Jungs, ich setzte mich auf meine Treppe.

Nachdem Jenni und der Gepiercte sich verabschiedet hatten, nahm ich Matze und sein Bier mit zu mir nach oben. Wie es sich zeigte, konnte er wirklich so ein Regal zusammen bauen und das fast ohne Anleitung "Die Anleitung brauche ich nicht. Ich bin Handwerker." Er machte das wirklich sehr gut, es verzögerte sich nur immer alles, weil er mindestens genau so viel Zeit, wie er auf das Zusammenbauen des Regals verwendete, auch dazu brauchte, sich nach jedem Song von seinem Handy neue Musik herauszusuchen. Eine Stunde später war das Werk vollbracht.
Tja, DAS konnte das Schicksal nicht verhindert. Matze verabschiedete sich mit brüderlicher Umarmung glücklich mit seinem Zwanziger in der Hand.



Nun ist es schon fast 21 Uhr. Selina setzt sich immer wieder auf die Maus, um mir klar zu machen, dass es nun an der Zeit ist aufzuhören und sich zum Fernsehen hinzusetzen. Sie möchte nun auf meinen Schoß, Das ist doch ihr verbriefter Job hier in diesem Haus. Dem werde ich nun nachgeben und mich mit ihr hinsetzen.



























































































Donnerstag, 8. Juni 2017

Das Baustellenchaos in Hochform

8.6.2017
Puh, was für ein Tag! Also heute fühle ich mich nicht unterfordert, sondern eher durch Arbeit erschöpft, was ein gutes Gefühl ist, für mich zumindest.
Heute Morgen habe ich ausgeschlafen, konnte aber so ab 20 Minuten vor 9 einfach nicht mehr länger liegen. Ich brauchte beim Frühstückskaffe einige Zeit, um mich aus dem Koma zu reißen, aber dann machte ich mir gleich einen Tagesplan, den ich inzwischen fast - nicht zur Gänze - abgearbeitet habe. Das ist nicht weiter überraschend für mich. Ich mache mir gern solche Pläne und nicht selten, unternehme ich dann am Tag doch völlig andere Dinge. Das ist egal, solange am Ende doch alles erledigt wird. Man kann ruhig dem Lustprinzip folgen. Aber es macht Spaß, sich solche Pläne zu  machen.

Nach dem Frühstückskaffee, noch vor dem Frühstück, habe ich auf meiner Laufmaschine trainiert. Ich habe mir einen neuen Trainingsplan gemacht. Das darf man sich jetzt aber nicht irgendwie taff und knallhart vorstellen. Ich bin eine ältere Lady mit Muskelproblemen und trainiere entsprechend. Ich habe im Laufe der Zeit, seit ich älter bin, festgestellt, dass hartes Training mir nicht gut tut. Ich baue dann ab statt auf und außerdem geht immer gleich etwas kaputt. Wenn ich wirklich härter trainiere, gehe ich mit Hexenschuss oder Muskelzerrung daraus hervor. Das bringt mir ja gar nichts.

Der Schlüssel ist sanftes Aufbautraining und das sieht an der Laufmaschine seit heute so aus: Ich jogge 1 Minute, nur eine einzige Minute, mit dem Handy in der Hand, so dass ich genau eine Minute abpassen kann. Eine Minute kann man joggen, ohne außer Atem zu geraten und ohne dass sich schon irgendwelche Muskelschmerzen einstellen oder eine Sauerstoff Unterversorgung in den Muskeln. Dann gehe ich zwei Minuten, bis ich mich völlig wieder regeneriert habe. Anschließend jogge ich wieder eine Minute und gehe wieder zwei, bis 15 Minuten herum sind. Das bedeutet, ich habe insgesamt dann fünf Minuten tatsächlich gejoggt und bin 10 Minuten auf dem Laufband gegangen. Das reicht erst mal. Ob und wie ich das steigere, werde ich noch herausfinden.

Der Trick ist hier auch, sich nicht so zu fordern, dass Demotivation entsteht. Wenn man vor dem Sport nur noch das Gefühl hat, jetzt kommt eine üble Quälerei auf einen zu, dann dauert es nicht lange, bis man das Training unter irgendwelchen Vorwänden aufgibt. Das muss man mit berücksichtigen, wenn es funktionieren soll. Schließlich sind wir alle Menschen.
Anschließend habe ich einen schönen Salat gefrühstückt mit Tunfisch und danach bin ich noch 30 Minuten auf das Trampolin gegangen. Trampolin ist noch viel leichter als Laufband, wenn man nicht hüpft, sondern nur schwingt, wie es sich für eine Elder Lady ziemt. Bringt aber doch Kalorienverbrauch, schließlich ist man in Bewegung.

Und dass das so leicht anmutende Schwingen auf dem Trampolin doch Muskeln aufbaut, merkt man spätestens dann, wenn man in der Anfangsphase nicht mit fünf Minuten beginnt, sondern ohne Vorbereitung gleich 30 Minuten machen will. Dann bekommt man nämlich so schwere Rückenprobleme, dass man unter Umständen zwei, drei Monate gar nicht mehr auf das Trampolin gehen kann. Aber ich habe wirklich mit fünf Minuten begonnen und mich langsam hochgearbeitet. Mein Bauch hat sich dabei auch hochgearbeitet. Statt wie früher an mir herunter zu hängen, steht er jetzt, der Schwerkraft trotzend, stolz von mir ab. Weg ist er aber noch nicht.

Nach dem Trampolin war Büroarbeit dran, wenigstens ein bisschen. Hab ich gemacht. Mein in Indien bestelltes Logo ist fertig. Es sind aber noch Rechtschreibfehler drin, die korrigiert werden müssen. Im Moment steht auf dem Logo noch Café Anhalt - das Kultur Caf. Und weiter unten noch: Gutter Kaffee. Ich habe versucht mit Mrs. Dewa via Fivrr zu kommunizieren, bin aber an der Technik gescheitert. Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass sich hier in diesem Kultur Caf jemand finden wird, der mir da helfend unter die Arme greift.

Ich hab auch den Schuldtitel für das Amtsgericht Dessau-Roßlau eingetütet und das Formular dazu ausgefüllt und ein paar Dinge auf meinem Schreibtisch von einer Ecke in die andere geräumt. Dann bin ich losgefahren, mit dem Dreirad, denn es gab heute einiges zu transportieren. Kurz bevor ich losfuhr, entdeckte ich: Holla! Ich kann wieder aus dem Fenster sehen! Die hintere Fassade des Hauses ist fertig abgestrahlt und abgespritzt und die Fenster wurden wieder entpackt. Juhuu. Meine Zitronengeranie war schon dabei sich ins Jenseits zu verabschieden, so ganz ohne Tageslicht.


Als erstes fuhr ich zu Jürschick, einem Laden in Salzwedel, der Telefone repariert. Mein Handy
signalisierte mit seit einiger Zeit, die SD Karte sei kaputt. Was eine SD Karte ist, das weiß ich eigentlich gar nicht, aber ich war zuversichtlich, dass Jürschick es wissen würde. Der junge Mann untersuchte mein Smart Phone kurz und bestätigte, dass die Karte defekt sei. Die SD Karte ist eine Speicherkarte, auf die zum Beispiel die Fotos aufgespeichert werden können, so dass man sie nicht andauernd löschen muss, um wieder Speicherplatz auf den Handy zu schaffen. Ich kaufte eine neue und fuhr weiter zu Kaufland - ja schon wieder.

Heute wollte ich jene Dinge kaufen, die im Fahrradkorb immer so viel Platz wegnehmen wie etwa Geschirrspülmaschinen Tabs, Safttüten, Milchtüten, Swiffer Nasswischlappen. Das alles hat ein großes Volumen und ich kriege es schlecht mit dem Zweirad rangeschafft. Danach fuhr ich noch schnell zu McGeiz und sah nach, ob es dort aufklebbare Buchstaben gibt. Gab es nicht bzw. nur in Gold und Glitzer. Ich wollte aber Schwarz, um meinen Namen damit ganz groß auf den Briefkasten schreiben zu können. Hier im Bahnhof gibt es alle möglichen Leute und wir alle haben die Hausnummer 7. Das muss die Briefträger ja verwirren.

Da ich noch etwas Zeit vor meinem nächsten Termin hatte, fuhr ich mit dem Einkauf zum Bahnhof, um schon mal alles auszuladen. Hier waren wieder einmal alle Eingänge unpassierbar. Ich versuchte mich mit meinen Tüten an dem großen Schuttanhänger vorbeizudrücken, der direkt vor der Haustür stand. Etwas widerwillig und übellaunig - eigentlich völlig gegen seine Gewohnheit - nahm der junge Maurer mit die Türen ab und schleppte sie sogar nach oben zu meiner Wohnung. Toll! Vier Milchtüten und vier Safttüten wiegen ganz schön. Keine Ahnung, welche Laus ihm über die Leber gelaufen ist, aber ich hörte ihn von Weitem rummaulen: "Diese Frauen, immer müssen sie alles so umständlich machen, Mann, Mann, Mann!" (Müsste es nicht eigentlich heißen: Frau, Frau, Frau?)

Dann war es Zeit für meinen Banktermin. Mein Konto musste aufgelöst und neu gegründet werden. Das war aus rechtlichen Gründen notwendig. Bei einem Geschäftskonto dauert so etwas richtig lange. Hinzu kommt, dass die Bank ja kürzlich auf ein neues System umgestiegen ist und die Sachbearbeiter noch nicht alles so vollkommen durchschauen. Auf jedem Tisch standen kleine Aufsteller herum, auf denen die Menschen um Geduld und Verständnis für die Verzögerungen gebeten wurden. Ich habe Geduld und Verständnis auch, kein Problem. Während mein Sachbearbeiter sich durch endlose Listen im Computer quälte, starrte ich eine Stunde lang Löcher in die Luft und überlegte, ob es wohl sehr unhöflich wirken würde, wenn ich solange mein Handy heraushole und ein paar Runden Solitär spiele.

Als er einmal den Raum verließ, holte ich wirklich mein Handy heraus. Der Sachbearbeiter machte eine freundliche und lustige Bemerkung darüber, als er wieder herein kam und das Spiel auf meinem Display entdeckte. Ich habe das Handy dann doch lieber eingepackt. Nachdem alles geregelt war, fuhr ich durch die Burgstraße zu MacPaper, wo ich auch in Sachen Klebebuchstaben fündig wurde. Von Weitem erblickte ich Sabine, die vor ihrem Laden stand und etwas zu organisieren schien. Wir winkten uns kurz zu, aber ich ging nicht rüber. Sicher war sie auch viel zu beschäftigt, um sich zu unterhalten.

Jetzt hatte ich tatsächlich alles erledigt, es war fast 17 Uhr und ich fühlte mich kaputt und bekam Kopfschmerzen. Das lag mit Sicherheit auch am Wetterumschwung. Den ganzen Tag über war es eher kühl, bedeckt und windig gewesen und auf einmal kam die Sonne heraus und es wurde schlagartig warm. Ich fuhr ins Jeetze Cafe und setzte mich draußen auf die Terrasse. Da den anderen Gästen der plötzliche Wetterumschwung noch gar nicht aufgefallen war, konnte ich hier ganz alleine sitzen, mich entspannen und die Sonne genießen.

Um 18 Uhr hätte ich eigentlich noch Trommeln gehabt, aber wegen der Kopfschmerzen entschied ich mich, heute nicht hinzugehen. Wenn Nadine gegangen wäre, hätte ich mich vermutlich trotz Kopfschmerzen angeschlossen, aber Heinrich hat heute eine Ausstellungseröffnung in Osterburg oder so. Schöne Sache. Die beiden sind natürlich heute dort und eröffnen. Heinrich stellt wieder die lachenden tibetischen Mönche aus, die ja schon eine richtige Berühmtheit erlangt haben.

Als ich so gegen 18 Uhr das Cafe verließ - sie machten gerade zu - und zum Bahnhof fuhr, traf ich noch Gottfried, den Fahrkartenverkäufer an. Er erzählte mir, dass seine Frau gleich ankommen würde und fragte, ob er sich wieder mein Fahrrad ausleihen könne. Ja klar. Wir fuhren es noch schnell in sein Kabäuschen und ich machte ein paar Aufnahmen davon, wie das Café zur Zeit aussieht. Jede Hausfrau weiß, wenn das Chaos sich dem Höhepunkt nähert, nähert sich auch das Ende der Arbeit.








 


Und hier noch ein süßes Bild von Selinchen, die sich hinter meinem Rücken auf den Schrank geschlichen hat und hier munter aus der Brekkis Dose nascht. Dabei hat sie einen ganzen Teller voll mit gutem Futter unten stehen, aber am schönsten schmeckt`s doch immer noich wenn man es stibitzt.