Samstag, 2. September 2017

Wagen und Winnen 2017

29.8.2017
Gerade komme ich vom Trommeln mit dem Percussion Ensemble "Die Takadimis" nach Hause. Heute ist Dienstag und es war ein Tag, der von Stunde zu Stunde wärmer wurde. Bevor ich eben von der Schule losfahren konnte, wo wir unsere Übungsstunden abhalten, musste ich erst mal eine kleine Erfindung für meine Fahrradlampe machen. Irgendetwas scheint von der Lampenhalterung abgebrochen zu sein, denn die Lampe hat keinen Halt. Ich habe sie dann mit einem meiner Spanngurte festgebunden.


Bis ich damit fertig war, hatten sich schon alle verabschiedet und ich war allein auf der Straße. Ich schwang mich auf mein Zweirad und radelte entspannt durch die laue Nacht. Auf den Straßen waren nicht mehr viele Autos, aber überall gab es noch Straßenlaternen und leuchtende Werbungen. Plötzlich wurde mir bewusst, dass es sich alles so anfühlt, als wäre ich wieder jung. Wie oft bin ich als Mädchen und später als junge Frau in lauen Sommernächten von irgendeiner Sportveranstaltung kommend entspannt durch die Straßen geradelt.

Damals war mein Körper gesund und sportlich. So war es aber heute auch. Statt einer Judoveranstaltung oder Jazz Gymnastik ist es heute Trommeln. Eben noch eine fröhliche Gruppe verlassen und ganz frei und heiter allein durch die Nacht. Als wäre ich nicht alt geworden. Was für ein Geschenk, sich noch einmal so fühlen zu dürfen!



Das Trommeln macht mir immer mehr Spaß. Inzwischen habe ich auch viel geübt und gelernt und habe nicht mehr vor jedem neuen Lied Angst, den anderen alles zu verderben. Es geht mir nicht so sehr darum, mich nicht zu blamieren. Das kann man ruhig mal machen. Aber ich möchte nicht so schlecht sein, dass die anderen, die sich ja schon viel länger kennen, keinen Spaß mehr am Trommeln haben. Für mich ist das zur Zeit noch ein ganz schön anspruchsvolles Programm. Ich schaffe mir alle Lieder der Takadimis drauf, mit allem Rhythmen allen Wechseln und allen Einsätzen. Das ist viel.

Aber ich werde besser. Heute habe ich nur noch bei einem Lied so richtig geloost.
Deshalb hat unser musikalische Leiter Thorsten Urban, es lieber von der Liste jener Lieder genommen, die wir am Freitag, den 8. September bei der Eröffnung von Wagen und Winnen spielen. Mit der Zeit werde ich das Lied aber auch noch hinkriegen. Heute hat es so richtig Spaß gemacht. besonders ein Lied, bei dem noch jemand mit mir an den Basstrommeln steht. Wir spielen zusammen auf zwei Trommeln den gleichen Rhythmus.

Wenn zwei Trommeln dasselbe spielen, dann müssen sie aber auch ganz synchron sein, sonst hört man das sofort. Der Mann hat so richtig drauf gehauen und sehr pointiert und rhythmisch gespielt. Das gefiel mir gut und ich habe mich daran angepasst, bis ich das Gefühl hatte, wir spielen zusammen wie auf einer einzigen Trommel. Das war toll. Dabei war es allerdings extrem warm in dem Raum und wir müssen die Fenster geschlossen halten, um die Nachbarn nicht zu stören.

Am Freitag, den 8. September wird das große Kunstfestival Wagen und Winnen im Bahnhof Salzwedel mit Musik und Party eröffnet. Ich eröffne zu diesem Anlass mein Café schon mal provisorisch in der Bahnhofsbaustelle. Damit bin ich zur Zeit sehr beschäftigt. Ich kaufe Kühltruhen, eine Haubenspülmaschine, ein Gerät um Würstchen warm zu halten, Geschirr und Besteck und etliche andere Dinge, die ich dann später für das Café Anhalt auch brauchen werde.

Ich organisiere, dass jemand kommt und alles mit mir aufbaut. Dazu benötige ich einen Handwerker und zwar einen zuverlässigen. Jemand muss den Ofen anschließen, die Spüle und die Spülmaschine und auch den Kühltresen. Ich miete einen Tresen für diesen Anlass, schaffe alle Tische und Stühle aus dem Keller nach oben, überlege mir, welche Snacks ich bei der Abendveranstaltung verkaufen werde und wie ich das Zeug ranschaffe.

Am Samstag und Sonntag gibt es dann Künstlerfrühstück im Bahnhof und eine offene Bühne, auf der jeder etwas zum besten geben kann, der das will. Dafür habe ich heute einen Flyer hergestellt und ihn in die Kreismusikschule gebracht. Dort war ich vorher noch nie. Die haben einen sehr schönen, extrem gepflegten Garten, in dem sie Buchsbäume so beschnitten haben, dass sie wie Notenschlüssel aussehen. Finde ich sehr witzig.

Ich selbst werde auch etwas ausstellen im zentralen Ausstellungsort am Bahnhof. Ich habe mir einen ganz kleinen Kellerraum ausgesucht, in dem ich schamanische Schilde und Stäbe ausstellen will. Dafür muss ich aber nicht nur den Raum selbst säubern, sondern auch das Treppenhaus und den Kellerflur. Außerdem soll ich im Bahnhof endlich Plakate aufhängen. Das wollte ich eigentlich heute auch tun, aber mir ist die Zeit davon gelaufen (na so was). Mach ich dann morgen.

Das Gebäude war zwanzig Jahre lang leerstehend, Niemand konnte es betreten. Und weil es überall Fenstergitter gibt, konnte auch niemand irgendwie eindringen. Alles darinnen ist heil, nur sehr schmutzig halt. Ich will auch eine Matratze dort hinlegen und einen Rekorder. Auf dem Rekorder spielen - sagen wir - Texte, die aus schamanischen Seminaren von mir stammen. Der Besucher kann sich zwischen all die Schilde legen und die Kraft der Schilde auf sich wirken lassen.

Der Fußboden wird mit Laub bedeckt, wofür ich mir heute extra eine Rosenschere besorgt habe.
Der Organisationsaufwand ist auf einmal riesig. Das war natürlich zu erwarten, aber trotzdem ist es heftig. Nachdem ich vorher so lange nicht wirklich viel tun konnte, muss nun auf einmal alles gleichzeitig geschehen. Und trotzdem habe ich zwischendrin noch ein paar Gedichte geschrieben.

Am Samstag, den 9. September wird nämlich im Bahnhof Salzwedel ein Poetry Slam stattfinden. Daran wollte ich schon lange mal teilnehmen, konnte es aber bisher immer nicht, weil die Veranstaltung zu weit weg war. Nun ist es bei mir im selben Haus. Das ist meine Chance. Es wird allerdings ein langer heftiger Tag. Zuerst Künstlerfrühstück und offene Bühne von 10 Uhr bis 18 Uhr, dann schnell nach Benkendorf fahren, wo die Takadimis einen Auftritt haben, danach wieder zurück zum Poetry Slam. Hoffentlich mache ich da nicht schlapp.

Andererseits haben wir bei unseren Seminaren in Altensalzwedel auch immer ganz schön viel geleistet. Bei einem Seminarwochenende gab es auch nie wirklich so etwas wie Pausen. Klar, offiziell gab es die, aber da wir ja mit unseren Teilnehmern zusammen gegessen haben, waren wir trotzdem aktiv und voll im Einsatz. Und ebenso am Abend dann. Wir haben immer mindestens bis 22 Uhr mit den Teilnehmern zusammen gesessen, bis wir uns rausgezogen haben. Jana, Manfred und ich haben dann immer noch ein wenig zusammen fern gesehen. Dabei sind wir aber meistens eingeschlafen.

Und am anderen Morgen ging es ab 8 Uhr gleich wieder los. Sobald wir nach unten in die Küche kamen, tummelten sich die Seminarteilnehmer um uns herum. Das konnte mal ganz toll sein und mal auch furchtbar anstrengend, je nach Seminar. So einen Megaeinsatz machen wir jetzt bei Wagen und Winnen auch. Wenn es mir nicht so viel Spaß machen würde, würde ich es mir vermutlich nicht mehr zutrauen. Ich wünschte mir wirklich so sehr, ich hätte Helfer, habe ich aber nicht. Alle müssen arbeiten. Mein Handwerker kommt schon am Mittwoch, weil er Donnerstag nicht kann. Ich hoffe, das geht klar, denn offiziell verlassen die Handwerker die Baustelle ja erst am Donnerstag.

Ich habe aber keine Wahl. Ich kann die Küche nicht allein aufbauen, also muss ich mich nach meinem Handwerker richten. Leider sind wir beide dann nur zu zweit. Das wird sehr heftig.
Wir müssen die ganzen Stühle wieder zusammenbauen, die beim Anstreichen von ihren Polstern getrennt wurden und ebenso die Tische, die auch auseinander genommen worden sind. Von der Küche ganz zu schweigen, die aus lauter Einzelteilen besteht, die ich gar nicht zuordnen kann.

Dann baut mir der junge Mann noch eine kleine Bühne aus drei Paletten und ich bekomme dafür von Sabine ihre Musikanlage ausgeliehen, die sie für Familienfeiern benutzt. Andere Leute bauen dann am Freitag noch einen weiteren Tresen im selben Raum auf, an dem auch Alkohol ausgeschenkt wird. Ach ja, ich muss noch das Formular für die Gestattung abgeben, darf ich nicht vergessen. Dann fahre ich mit irgendjemandem einkaufen und schaffe all die Nahrungsmittel ran, die ich für das Wochenende brauche. Da ich nicht gleich so gewaltige Massen haben will, bestelle ich noch nicht, sondern kaufe es erst mal selber bei der Metro.

Elke will mir noch einen Gefrierschrank schenken, der muss dann auch am Donnerstag oder Freitag geliefert werde. Das aber wird schwierig, weil Elke genau da keine Zeit hat. Sie besitzt das Eiscafé in Pretzier und das hat im Sommer immer von Donnerstag bis Sonntag geöffnet. Wenn wir aber den Gefrierschrank schon vorher holen, dann steht er in der Baustelle, wo die Maurer noch Wände durchbrechen und Türstürze einbauen. Das würde die Handwerker ernsthaft stören und es könnte auch dem Gerät schaden, wenn es so einstaubt.

Na ja, so ist das eben und es ist ja auch toll, so lebendig, so spannend, so intensiv.
Wollt ihr mal eine Kostprobe von dem, was ich beim Poetry Slam lese?
Ich lese den Drachentöter Zyklus, ein Frühwerk von mir. Es geht um den alten Mythos (altes Klischee) vom Drachentöter, der die Prinzessin rettet. Es beginnt immer gleich und hat jedes Mal ein anderes unerwartetes Ende.


Der Drachentöter, Variante 13

Prinz Richard, ein noch junger Mann
wagt sich an einen Drachen ran.
Brüllt: „Friss den Stahl, du Untier du“
Da zwinkert ihm der Drache zu.

Und sagt ihm, lass die Waffen schweigen.
Ich muss dir erst mal hier was zeigen.
Als Richard folgt ihm zu der Höhle,
erschallt ein trunkenes Gegröle.

Das kann nicht sein, das ist ein Traum
Randvoll mit Rittern ist der Raum
Es feiern feste hier die Recken
Und reiern auch mal in die Ecken

Mittenmang die Kunigunde
Schmettert Liedgut in die Runde
Und wie er da noch steht und wundert
Tritt zu ihm einer von den Hundert

"Prinz zu sein, das ist doch qualvoll
Hier haben wir nen ganzen Saal voll
Wer will denn schon als Held rumlaufen
Hier kannst du mit uns täglich saufen."

Prinz Richard sieht den Recken an.
Es blickt der Recke auf den Mann
Er schnappt sich einen Gral voll Bier
"Das ist ja wie Walhalla hier!"

Nun der Schluss ist rasch erzählt
Es ist ja klar, was er gewählt
Der Recken Glück kennt keine Wende
So feiern sie bis an ihr Ende.

Komm du doch auch zu Wagen und Winnen. Du kannst es bequem mit dem Zug erreichen, da die Hauptausstellung und die Eröffnungsparty ja im Bahnhof stattfindet.
Am Freitag, den 8. September wird um 19 Uhr mit einer Party eröffnet. Dann sind alle Ausstellungen das ganze Wochenende immer von 11 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Die zentrale Ausstellung ist im Bahnhof und dort ist auch mein provisorisches Café Zwischenhalt. Bei mir gibt es Samstag und Sonntag ab 10 Uhr Künstlerfrühstück mit offener Bühne und natürlich auch Kaffee und Kuchen. Spaß inbegriffen. Das solltest du dir nicht entgehen lassen.



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