Sonntag, 17. September 2017

Ich bin zu alt für diesen Sch...

12.9.2017
Wow! War das ein anstrengendes Wochenende! Aber es hat sich gelohnt. Mir sind jetzt viele Dinge deutlich geworden und ich weiß jetzt auch, worum ich mich als nächstes kümmern muss: Logistik! Mit einer guten Logistik wäre alles wesentlich weniger anstrengend gewesen. Natürlich ließ sich das jetzt erst mal gar nicht verwirklichen. Wir haben das Café in der Baustelle provisorisch aufgebaut und vieles war jetzt noch anders, als es später sein wird. Ich habe mich schon an unseren Vermieter gewendet und ihm gesagt, dass ich später unbedingt noch einen weiteren Raum im Bahnhof mieten will, den ich erreichen kann, ohne irgendwelche Treppen überwinden zu müssen.

Darin lag eines meiner Hauptprobleme an diesem Wochenende. Meine Möbel befanden sich in Räumen, zu denen Treppen führten und es hat mich einiges an Geld gekostet, diese transportieren zu lassen. Später will ich einfach einen guten, stabilen Transportwagen haben und alles selber von A nach B transportieren können ohne Treppen und ohne extra Personal, das mich nur Geld kostet. Jetzt sind meine Möbel wieder eingelagert im Nebengebäude, zu dem Stufen hinauf führen. Später, wenn wir hier Events machen, will ich eine ausgeklügelte Logistik haben, mit deren Hilfe ich alle Eventmöbel, Gartengestühl, Bühne, Beleuchtung und so weiter, routiniert herbeischaffen und wieder wegräumen kann.

Dasselbe gilt für die Küche. Jetzt, nach der Generalprobe, weiß ich eigentlich erst, worauf ich achten muss. David D hat mir Hilfe angeboten, die ich sehr gern annehme. Alles muss griffbereit und leicht zu erreichen sein. Es müssen Müllgefäße da stehen, wo der Müll entsteht und entsorgt wird. Es muss ermittelt werden, welcher Bereich vorn sein sollte und welcher eher hinten sein kann. Es ist sehr eng in unserer Küche und wir sollten uns nicht im Weg stehen. In diesen Überlegungen liegen Möglichkeiten zu einer gesunden Vereinfachung, weniger Stress und weniger Kosten. Ich weiß jetzt auch, dass ich noch günstiger einkaufen kann. Mir wurden einige gute Tipps am Wochenende gegeben, was Einkauf betrifft.

Es was ein schönes Wochenende mit viel Spaß und vielen guten Gesprächen. Jana hat hinter dem Tresen ihre Berufung gefunden. Dabei war sie vorher der Meinung, sie könne das überhaupt nicht. Seit jener ersten Erfahrung, die damals so in die Hose ging, hat sie sich aber enorm weiter entwickelt. Sie hat die ganze Zeit über immer neue Brötchen geschmiert und neue Dekos dazu erfunden. Dazu lauter gute Ideen gehabt und bekam auch gutes Trinkgeld von den Leuten.

 
Als ich am Mittwoch mit dem Aufbau des provisorischen Cafés begann, da sah hier alles so aus:
 




Während wir verzweifelt versuchten, die Möbel alle ranzuschaffen, die Stühle wieder mit ihren Sitzpolstern zu vereinigen, aus dem großen Tische Einzelteil Puzzle wieder zusammengehörige Tischmöbel zu machen, wuselten die Handwerker um uns herum und ließen es sich nicht nehmen, ihre Arbeit zu machen. Da dachte ich: "Es ist unmöglich. Ich schaffe es nicht." Dieser Gedanke stresste mich ungemein. (Was heißt hier ungemein, der Gedanke stresste mich sogar sehr gemein!)
 

Es ist erstaunlich, wie viel Macht so ein Gedanke besitzt. Ich wollte mich die ganze Zeit über hinsetzen und das prozessieren, um meine Kraft zurück zu holen, aber es gab einfach keine Zeit zum Hinsetzen. Also machte ich weiter und verdrängte meine Ängste in den Hintergrund. Trotz meiner Panik, sorgte ich für gute Stimmung bei den Helfern und versuchte auch die Handwerker so gut wie möglich zu trösten. Darauf kann ich durchaus stolz sein. Das war eine ziemliche Leistung.
 

Wir schleppten die Spüle und den Spülen Schrank herbei, der vom Klempner angeschlossen wurde. Als wir aber die große Haubenspülmaschine anschließen wollten, stellte sich heraus, dass sie Starkstrom benötigte. Das war jetzt dumm. Ich habe natürlich Starkstrom in der Küche, aber ich habe den Strom auf der einen Seite und die Wasseranschlüsse auf der anderen. Aus diesem Grunde konnten wir die Haubenspülmaschine diesmal nicht verwenden. Es wird jetzt noch eine weitere Starkstromleitung auf die andere Seite gelegt, aber das war nicht mehr für dieses Wochenende zu schaffen.

 
Am Donnerstag war der eigentliche Aufbautag. Das hat den Maurer aber nicht daran gehindert hinter mir noch eine Mauer hochzuziehen. Wieder hatte ich den ganzen Tag lang diese fiese Panik im Bauch. Ich war mir wirklich nicht sicher, ob ich es schaffen kann. Dagegen hilft normalerweise die "Worst Case" Methode. Ich hätte mir vorstellen sollen, dass ich es nicht schaffe, den schlimmsten Fall, dass alles nicht klappt und mich dann damit abfinden, es loslassen. Das nimmt die Angst weg. Aber es war so viel zu tun, dass ich mich nicht mal für 10 Minuten ausklinken konnte.
 
 
An diesem Vormittag bekam ich zwei Anrufe vom Gesundheitsamt. Das versetzte mich in noch mehr Panik. Normalerweise gelten für solche Kunstveranstaltungen andere Regeln als für einen normalen Caféhausbetrieb. Aber auf einmal hieß es, ich bräuchte doch zwei Wachbecken und all diese Dinge. Das wusste ich natürlich, aber ich dachte, das gilt erst, wenn ich wirklich eröffne. Als die beiden Damen dann aber später zu uns kamen, stellte sich das Ganze doch als Irrtum heraus. Weil dieser Event zufällig mit der Erlangung meines Gewerbescheines zusammenfiel, hatte man angenommen, dies sei meine richtige Eröffnung.
 
 
Ich telefonierte, organisierte, verhandelte, diskutierte, räumte, plante, bastelte, entwickelte Lösungen und lief und lief und lief und lief. Als Heinrich und Nadine dann später die großen Bilder von Heinrichs Kunst an die Wände hängten, begann auf einmal alles richtig toll auszusehen trotz der Baustelle und trotz des permanenten Feinstaubs, der sich überall hinlegte und unweigerlich auch in den Haaren klebte. Kaum hatte man irgendetwas angefasst, fühlten sich die Hände sofort komisch an, staubig irgendwie.
 

 
Plötzlich hatte alles Flair und das blieb auch so während des gesamten Wochenendes. Ich hatte ja auch vorher schon eine Menge zu organisieren gehabt. So war es mir gelungen, auf den letzten Drücker noch ein zweites Schlafsofa von der Awo zu ergattern. Eines hatte ich mir ja schon vor einiger Zeit im sozialen Kaufhaus besorgt. Darauf schliefen an diesem Wochenende Jana und Manfred, die beide gekommen waren, um mich bei diesem Wochenende zu unterstützen. Ihre Unterstützung war auch mehr als willkommen und hat alles bereichert.
 
Aber Gitta wollte auch kommen und bei mir übernachten. Darum brauchte ich noch ein zweites Schlafsofa für das Wohnzimmer. Das habe ich dann beider Awo auch gefunden und mir gekauft, aber es gefällt mir bei der Awo nicht besonders. Dort fühlt man sich wie ein armer Bittsteller. Ich musste auf dem Flur sitzen und warten, bis ich drankam. Dann musste ich mich vor einen Schreibtisch setzen und mit der Frau reden. Es war erforderlich, dass ich mit viel innerer Kraft gegenan arbeitete, um mir dieses Bittsteller Gefühl nicht reindrücken zu lassen. Das ist im sozialen Kaufhaus und übrigens auch bei unserer Möbelbörse ganz anders. Da sind alle so nett und heiter und achten darauf, dass sich die Kunden nie schlecht fühlen müssen, weil sie gezwungen sind, aus zweiter Hand zu kaufen.
 
 
Wie man sieht, ist es dasselbe Sofa wie auch im Hinterzimmer schon. Diese Art Schlafsofas sind einfach praktisch und sehen auch gut aus. Meine Schwester, Andy, hatte ich ebenfalls eingeladen. Sie konnte aber nicht bei mir übernachten wegen ihrer extremen Katzenallergie. Sonst wacht sie morgens auf und ist tot. Sie konnte kein Zimmer finden, zumindest kein preisgünstiges. Sie wollte nur höchstens 45 Euro dafür ausgeben. Ich telefonierte eine Weile lang vergeblich herum, bis Heinrich mir den Link zu einer sehr ausführlichen Unterkunftsliste von Salzwedel gab. Da waren wirklich alle enthalten.
 
In dieser Liste fand ich schließlich einen Pension, die Zimmer für 32 Euro die Nacht anbot. Ich buchte Andy gleich mal ein Zimmer, bevor die auch ausverkauft sein würden. Das war ein Glücksgriff. Außerdem besorgte ich auch ganz viel Dekoration für die Tische und die Fensterbänke, die es übrigens nicht gab. Ich fand so kleine Mini Lichterketten mit zwanzig Lichtern. Davon legte ich in jedes Fenster eine. Sie wurden dann noch mit Zweigen ausgelegt, so dass die Lichter durch die Zweige schimmerten. Das sah gut aus.
 





Dazu kaufte ich noch große Einmachgläser und Dekogranulat. Dann habe ich immer die Batterie zu so einer Lichterkette in das Einmachglas gelegt, sie mir Granulat bedeckt und den Rest der Lichterkette ins Glas gestopft. Eigentlich wollte ich auch noch einen kleinen Zweig dazu stopfen, aber dazu kam ich gar nicht mehr. In die kleinen Windlichter legte ich künstliche Kerzen, die brannten die ganzen drei Tage lang unermüdlich weiter. Am Ende wurde alles so viel, dass ich nicht mehr wusste, wie ich das alles bewältigen sollte.
 
 
Freitag Nachmittag musste ich noch schnell zu Kaufland, weil mir aufgefallen, war, dass mir noch einiges fehlte. Ich hatte noch gar kein Obst und keine Gurken und Tomaten für die Brötchen. Elke war schon zuvor, am Donnerstag mit mir zur Metro und zu Kaufland gefahren, aber das Gemüse wollte ich ganz frisch kaufen. Ein Glück, dass ich Elke hatte. In ihr großes Auto geht schön viel hinein und wir machten einen ganz entspannten Großeinkauf. Aber am Freitag musste ich dringend  nochmal los. Als ich zurück kam, war es bereits 18 Uhr und um 19 Uhr sollte es losgehen. Jana und Manfred trudelten ein und halfen mir.

 
Wir mussten die Snacks fertig machen, die es zur Eröffnung geben sollte. Keine Zeit, mich noch einmal umzuziehen, einfach rein ins Gefecht so, wie ich war. Irgendwann hörte ich das Didgeridu von den Takadimis nach mir rufen. Ich verließ meinen Tresen und eilte durch die Menschenmenge, die sich inzwischen eingefunden hatte, zu der Bühne in der Bahnhofshalle. Die Trommelgruppe hatte sich bereits aufgebaut. Es wurde noch nervös dies und das getuschelt und nachgefragt, dann ging es los. Wir spielten drei Lieder, wie wir es geplant hatten. Ich war richtig gut und machte fast keine Fehler. Die kleinen Einsatzfehler, die ich trotzdem noch gemacht habe, bemerkte niemand.

 
Heinrich hielt anschließend noch die Eröffnungsrede und dann ging es los. Es war wirklich ein Segen, dass ich Helfer hatte. Sie verbrachten fast das ganze Wochenende hinter dem Tresen. Manfred betätigte sich als Kaffee Ausschenker und Andy nahm sich den Abwasch vor. Jana wurde immer kreativer im Erfinden neuer Brötchendekorationen. Sabine hatte uns dafür einen Gurkenanspitzer gegeben. Das Gerät funktioniert nach demselben Prinzip wie ein Bleistiftanspitzer, nur dass man eben Gurke damit anspitzt. Das Abfallprodukt, hauchfeine Gurkenscheiben, wird dann als Dekor benutzt. Sehr praktisch und es sieht toll aus.

 
Die Eröffnungsfeier am Freitag wurde später dann sehr laut, als die Punkrockgruppe Wladiwostok zu spielen begann und überhaupt nicht mehr wieder damit aufhörte. Um 23 Uhr schlug ich vor, dass wir das Café schließen und nach oben gehen. Eigentlich wollten wir uns unterhalten, aber wir waren zu erschöpft und gingen statt dessen doch gleich zu Bett. Bis 3 Uhr nachts drehte ich mich im Bett um, weil Wladiwostok mich nicht einschlafen ließ. Aber was soll's? Einmal im Jahr kann man auch mal auf seinen Schlaf verzichten.
 
Am Samstag und Sonntag hatten wir dann Caféhausbetrieb. Es war sehr schön. Die offene Bühne wurde genutzt. Auch Manfred spielte mehrfach ausdauernd für uns. Er hat ein sehr schönes Programm aus klassischer Gitarre mit anderen Elementen dazu. Das ist ein Style, der alles veredelt. Ein Highlight entstand als Stefan mit seiner Gitarre ankam. Zuerst spiele er ein wenig alleine, dann ließen er und Manfred ihre alte Band "Mojo Brothers" wieder aufleben und spielten uns Mojo Blues vor, wobei sie einen dritten Musiker integrierten, der auch für die offene Bühne gekommen war. Das war wirklich super und lockte eine Menge Menschen ins Cafè.
 
 
Es kamen auch eine Menge sehr interessanter Menschen ins Cafè, Autoren, Künstler, Musiker, Philosophen. Einige waren auf der Durchreise und gerieten zufällig in unser provisorisches Café, andere waren direkt von Wagen und Winnen angelockt worden. Ich habe fast die ganze Zeit über die interessantesten Gespräche mit Leuten gehabt.
 
 
Am Samstag Abend hatten die Takadimis in Benkendorf einen Auftritt. Benkendorf ist nur so etwa 15 Kilometer entfernt. Manfred fuhr mich hin. Jana übernahm solange die Caféhaus Geschäfte. Aber das mit dem Auftritt, war nun wirklich ne Ecke zu viel Stress. Ich habe unzählige Einsätze verpasst und mir ist sogar ZWEIMAL während des Auftrittes einer der Trommelstöcke aus der Hand geflogen. Beim ersten Mal fiel er mir direkt vor die Füße und ich konnte ihn selbst aufheben, aber beim zweiten Mal fiel er vor die Sitzreihe, hinter der die Basstrommeln aufgebaut waren. Ich wäre da gar nicht durch gekommen.
 
Zum Glück konnte Nadine ihn erreichen. Sie sammelte ihn auf und gab ihn mir, musste dafür aber für einen Moment die Glocke vernachlässigen, die sie bei dem Lied gerade spielte. Ich musste darüber ziemlich grinsen, fühlte aber auch deutlich, wie mir mein ganzer Kopf heiß wurde. Manfred sagte später tröstend, das würde selbst den größten Trommlern passieren. Gut! Dann stehe ich jetzt in einer Reihe mit den ganz großen Trommlern (hi hi).
 
 
 
Dann war am Samstag um 21 Uhr in der Bahnhofshalle Salzwedel noch der Poetry Slam. Poetry Slam ist eine Veranstaltung, bei der jeder seine Texte vorlesen oder vortragen kann. Es gibt ein paar Regeln und eine vorgegebene Maximalzeit, mit der es aber auch nicht so genau genommen wird.
Daran wollte ich schon ganz lange mal teilnehmen, hatte aber bisher immer Schwierigkeiten, dahin zu kommen, so ohne Auto. Nun war es im Bahnhof. Ich las meine alten Drachentöter Gedichte. Das sind lustige Gedichte, die auch lustig gereimt sind. Im letzten Post hab ich ja auch schon eine Variante veröffentlicht, hier sind mal noch zwei davon.

Der Drachentöter, Variante 14

Der Drache, ein noch junges Tier

Wünscht sich mal wieder ein Turnier.

Er sucht nach einem Menschensohn

mit auch zuviel Testosteron.

 

Sieht Menschen sich mit Arbeit plagen,

fliegt gleich mal hin, um sie zu fragen.

„Wo findet man denn hier die Recken,

die in den Blechkostümen stecken?“

 

Wirft in die Brust sich Beifall heischend,

da fliehen alle Menschen kreischend.

Er stapft nach Hause: „Grummel, grant“,

denkt: „Neue Männer braucht das Land“.

 

Der Drachentöter, Variante 15

 

Prinz Richard, ein noch junger Mann

Wagt sich an einen Drachen ran.

Voll Leidenschaft und Kampfesmut

Bringt er das gute Tier in Wut

 

Brüllt: „Friss den Stahl, du Untier du“

Da schnappt die Falle für ihn zu.

Der Prinz, er schwankt und wird aschfahl

Als hochbeamt ihn ein Traktorstrahl

 

Ein Raumschiff, das da oben weilt,

hat ihn als Beute angepeilt.

Die grünen Männchen freu`n sich schon

über den neuen Menschensohn

 

Prinz Richard will sein Schwert erheben

Doch erst muss er sich übergeben

Der Drache grinst, der Ritter pöbelt

Zu gern hätt` er das Tier vermöbelt.
 

So was zu machen ist nicht fair

Der Drache winkt ihm hinterher

Der Prinz, er wird zum Souvenier

Denn Aliens, die waren hier.
 
12 Varianten davon habe ich während meiner Studienzeit geschrieben und die letzten drei kürzlich hinzugefügt, damit ich auch eine Zugabe machen kann, wenn es gewünscht wird. Ich habe den Poetry Slam übrigens gewonnen, obwohl die Texte der anderen auch sehr gut und zum Teil auch sehr lustig waren. Mein Preis war diese "edle" Mütze:
 
 
Dazu noch das Ohr aus Plastik und zwei oder drei antiquarische Bücher. Die ganze Veranstaltung nimmt sich selbst nicht so ernst.
Am Sonntag Abend dann kamen Nadine und Heinrich und wir mussten alles, ALLES, alles wieder zurück bauen. Zum Glück fand sich bei mir ein sehr netter Handwerker ein, der mir fast alle Möbel 'rüber getragen hat in das Nebengebäude. Ich habe unterdessen alle anderen Dinge, Geschirr, Bestecke und überhaupt den ganzen endlosen Kram, den man für so eine Café braucht, immer wieder auf meinen neuen Servierwagen geladen und 'rübergekarrt. Hier unten auf dem nächsten Bild, sieht man den Servierwagen rechts.
 
 
Es war eine unglaubliche Arbeit und ich war sehr erstaunt darüber, dass mein Rücken das so lange mitgemacht hat. Vor der Treppe musste ich natürlich immer anhalten und die Sachen dann von Hand weiter ins Gebäude tragen. Der Handwerker und ich, wir haben sehr gut gestaut, haben alles immer aufeinander und ineinander gelagert, damit möglichst alles in den Raum hinein passt. Der junge Mann (Mein Held der Arbeit) ist nicht weggegangen, bis nicht wirklich alles drüben war, was wir an dem Tag bewegen konnten.
 
Übrig blieben die großen Möbel. Eine riesige Kühltruhe, einen Kühlschrank, eine Spüle und solche Sachen. Die kann der Handwerker nicht ganz alleine tragen. Das ließen wir dann für den nächsten Tag stehen, wo ich auf mein Glück hoffte. Während der ganzen Räumerei hatte ich so nach und nach alles auf die Treppe gelegt, was nach oben zu mir in die Wohnung sollte. Es erwies sich, dass dies doch sehr viel war. Eigentlich war es wie ein Umzug. Da denkt man auch, so die letzten paar Sachen nehm ich mal eben auf den Arm und dann sind es noch drei Autoladungen.
 
Am Ende war die ganze Treppe voll mit Kram, der aus der Wohnung stammte und auch wieder dahin zurück sollte. Das alles hat der Bub mir dann auch noch nach oben geschleppt. (Ich sah mich schon die nächsten drei Wochen die Sachen so nach und nach immer mit nach oben nehmen). Am Montag wurde ich dann schon um 7 Uhr nach unten gerufen, um die Tür aufzuschließen. Der Künstler Sven Strauß war schon super fleißig damit beschäftigt, die Bühne abzubauen und aufzuladen.
 
Die Handwerker waren der Meinung, sie müssten unbedingt jetzt sofort und auf der Stelle die Decke verspachteln. Das war echt Quatsch. An dem Montag wuselten sie die ganze Zeit um uns herum und den ganzen Rest der Woche war die Baustelle leer. Sie hätten uns einfach noch diesen Tag geben sollen. Es kamen einige Helfer und halfen mir auch einiges abzubauen, aber nicht alles. Es wurde eng, ich geriet wieder in Angst und Stress. "Was soll ich machen? Wie kriege ich die Sachen wieder aus der Baustelle raus?"
 
Schließlich setzte ich mich auf die Bank vor den Fahrkartenschalter und wartete auf Männer, die sich Fahrkarten kaufen wollten. Ich sprach jeden einzelnen an und jeder trug mir zumindest das eine oder andere Teil nach drüben ins andere Gebäude. Auch den Getränkelieferanten sprach ich an, die die Kisten und die geliehenen Tresen wieder abholte. Er war auch sehr nett und beförderte das eine oder andere ins Nebengebäude. Am Ende blieb die Spüle. Sie steht immer noch in der Baustelle. Niemand hat sie bewegt. Ich kann es nicht. Und es blieben auch eine Reihe von Stühlen, die Nadine mir geschenkt hat. Die hatte ich völlig vergessen, weil sie nicht im Café, sondern in der Bahnhofshalle standen.
 
 
Auf die Stühle wurde ich erst dadurch aufmerksam, dass ein Ehepaar bei mir klingelte und fragte, ob sie mir vier davon abkaufen dürften. Ihnen gefiele der DDR Schick. Inzwischen sind aber auch die Stühle im Nebengebäude angekommen. Es ist ja schon wieder eine Woche herum.
An diesem Wochenende war die Ausstellung im Nebengebäude wieder offen. Ich hatte das ganz vergessen und bin zufällig über die Künstlerinnen gestolpert, die Türöffnungsdient machten, als ich zur Mülltonne ging.
 
 
Eine Künstlerin hatte ihre Harfe mit und spielte uns draußen vor der Tür etwas vor. Das war gestern. Heute bekam ich schon am Vormittag einen Anruf, weil die Frau, die die Ausstellung öffnen wollte, die Tür nicht aufbekam. Damit ist sie nicht die einzige. Die Tür geht etwas schwer. Später bin ich dann hinunter gegangen und wir haben in der Sonne gesessen und Kaffee getrunken. Es kamen eine ganze Menge Menschen, die in die Ausstellung wollten. Ich kochte mehrfach Kaffee. Den habe ich gesponsert. Irgendwann tauchten einige Frauen auf, die Pech mit ihrem Zug gehabt hatten. Sie waren unterwegs nach Uelzen gewesen, als ihr Zug wegen eines Weichenstellproblems wieder zurück fahren musste.
 
Sie setzten sich zu uns und bekamen auch Kaffee. Ich bin immer noch etwas "traumatisiert" oder nennen wir es gaga von den Anstrengungen des Wagen und Winnen Wochenendes. Ich wollte auch keinerlei Leistungen bringen. Deshalb war es mir ganz recht, den Nachmittag Kaffee trinkend mit den anderen vor der Ausstellung zu verbringen. Es schien die Sonne und wir hatten es warm dort. Mehrere Leute haben sich im Datum geirrt und mir am 14. Geburtstagsgeschenke geschickt. Ich bekam Blumen, Pralinen, Bücher und ein Manuskript.
 

 
Das richtige Datum ist der 21. September, also kommenden Donnerstag. Da werde ich nun also endlich wirklich 60 Jahre, nachdem ich schon ein halbes Jahr lang behaupte 60 zu sein. Das ist so eine Familienmacke. Das machen wir Barkmanns alle. Unten im Bahnhof und auch hier oben im hinteren Bereich wurden erneut alle Fenster zugeklebt. Jetzt ist es im Café echt finster.
 
 
Es sieht fast aus wie in der Nacht, dabei schien draußen hell die Sonne. In der Küche habe ich momentan zwei Lampen an, weil es darin so duster ist. Außerdem hatten die Handwerker die hintere Tür, die zur Rampe führt, fest zugeklebt. Ich bin am Freitag extra noch mit dem Zweirad gefahren, weil ich das vorn die Treppe hinunter bekomme. Ich dachte auch, wenn sie dann Feierabend haben, machen sie die Tür wieder auf. Aber sie sind ins Wochenende gefahren und haben alles so zugeklebt gelassen. Mir blieb gar nichts anderes übrig, als die Plane selbst von der Tür abzumachen, denn ich konnte nicht ins Wochenende gehen, ohne eingekauft zu haben.
 
Ich brauchte vor allem Getränke und die transportiere ich mit dem Dreirad. Das ist ja sonst alles viel zu schwer und passt nicht in den Fahrradkorb. Das Dreirad kann ich aber nicht die Treppe hoch und hinuntertragen. Immerhin wiegt es 60 Kilo. Da muss ich dann die Rampe nehmen und durch die hintere Tür kommen. Morgen ist schon wieder Montag. Nicht zu fassen. Ich bin immer noch nicht wieder ganz hergestellt von Wagen und Winnen. Um mal ein Filmzitat aus dem Film "Lethal Weapon" zu zitieren;: "Ich bin zu alt für diesen Scheiß." Wenn das nächste Mal die Möbel aus dem Raum geholt werden, dann um für Gut ins Café gestellt zu werden. So eine provisorische Nummer übersteigt meine Kräfte (immerhin bin ich 60. Hi hi).
 
Abends baue ich mir immer ein Nest, indem ich zwei Sessel vor dem Fernseher zusammenschiebe. Im Moment muss ich dann auch noch zwei Wolldecken nehmen, denn es ist ziemlich kalt im Haus. Der Vermieter wollte schon die Heizung anstellen lassen, aber es geht momentan nicht, weil die Leitungen wegen der Bauarbeiten unterbrochen sind. Selina kommt dann gern zu mir ins Nest. Sie hat auch nicht so viel Spaß daran in der Kälte draußen herum zu stromern. Hier zum Abschluss noch ein schönes Bild von meiner Selina in unserem Nest.
 
 
 
 
 

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