Heute konnte ich mal wieder ausschlafen. In letzter Zeit hatte ich immer irgendwelche Termine, die mich aus dem Bett getrieben haben. Während ich auf meiner Rüttelmaschine gestanden habe, gingen ständig Handwerker auf dem Baugerüst vor meinem Fenster entlang, aber man gewöhnt sich an alles.
Gestern hatten wir hier einen Verkostungstermin, der total baden gegangen ist. Eigentlich sollten wir Brötchen, Kuchen und Torten von der Firma Edna verkosten, aber der Vertreter kam mit einem ganzen Backofen. Bei den Brötchen handelt es sich um Ware, die aufgebacken werden muss.
Es gab überhaupt keinen Platz, wo wir den Ofen aufstellen konnten. Das Café ist doch immer noch eine Baustelle. Da kann ich nicht einfach etwas hinstellen. Es ist sicher für die Handwerker schon lästig genug, dass sie dauernd mein Dreirad und mein Fahrrad wegschieben müssen. Dann ist der Vertreter lieber ganz schnell wieder los gefahren, solange die Ware noch nicht aufgetaut war. Ich habe daraufhin Bettina und Marlies, die später im Café mitarbeiten wollen und die extra zur Verkostung gekommen waren, spontan ins Café eingeladen.
Das hat Spaß gemacht, wir konnten uns näher kennenlernen. Beide sagten: "Du brauchst uns doch jetzt nicht einzuladen." Aber ich finde, dass ich das als Chefin durchaus mal tun sollte. Wir unterhielten uns sehr gut und gingen die ersten Schritte dahin, dass aus uns ein Team wird. Ich hoffe, es klappt mit den beiden. Ich mag sie beide gern, aber was mir da noch fehlt, ist der positive Geist. Sie sind beide so zurückhaltend und abwartend. Nicht, dass ich ihnen das verübeln könnte angesichts der Situation. Wir wissen ja nicht mal, ob wir denn nun im Oktober wirklich anfangen können.
Aber ich wünsche mir, dass sie mehr Vertrauen entwickeln. Vertrauen in das Projekt, in das Leben in unsere gemeinsame Kraft. Das Leben ist nicht so ein Jammertal, wie die Menschen immer denken. Das Leben gibt uns, was wir wünschen, wenn wir nur fähig werden, glücklich zu sein. Unsere Fähigkeit, Glück zu empfinden und zu erleben, ist sehr entscheidend dafür, welche Erlebnisse wir im Leben haben. Hier um mich herum gibt es so viele Menschen, die das ganze Leben negativ sehen und überall nur Probleme wittern.
Eben gerade, der Postbote fragte mich, was denn hier aus der Baustelle werden solle. Ich sagte: "Hier wird alles renoviert und schön gemacht", und er antwortete: "Na das gibt ja dann auch ne schöne Miete." Das ist ein ganz typischer Wort Beitrag zumindest für diese Region. Keine Lebensfreude, keine Begeisterungsfähigkeit (kein Mut nur mal so nebenbei bemerkt), dafür aber immer negative Gedanken. Das muss aber anders werden. Ich finde es ganz schön schwer, die anderen so ganz alleine hoch zu hieven. Ich wünschte mir sehr, ich hätte Unterstützung.
Da fällt mir meine neue Türglocke ein. Ich habe mir eine Türglocke gekauft, so ein nettes Gebamsel, das ich über der Tür aufgehängt habe. Diese Glocke habe ich rituell zur Wunschglocke erklärt. Wenn die Glocke bimmelt - und zwar überraschend, nicht wenn ich es erwartet habe - dann wird mir ein Wunsch erfüllt. Jeden Morgen, zumindest wenn ich daran denke, fühle ich in mich hinein, was da für Wünsche sind. Dann spreche ich meinen Wunsch aus und begehe den Tag. Tatsächlich läutet die Glocke recht häufig unerwartet, zumindest in letzter Zeit.
Heute Morgen, als ich in mich hinein spürte, um meinen heutigen Wunsch zu erkennen, da fühlte ich, dass ich mir Unterstützung wünsche, echte Unterstützung für mein Café Projekt. Ich wollte das gerade meinem Schutzengel/Pädagogen Team erzählen, als mein innerer Moralapostel sich zu Wort meldete und sagte, das dürfe ich nicht wünschen. Damit begann ein innerer Dialog.
Ich: "Wieso sagst du das?"
Er: "Weil es vielleicht wichtig ist, dass du dies Projekt alleine bewältigst."
Ich: "Warum könnte das von Bedeutung sein?"
Er: "Es geht ja darum, immer freier zu werden, alle Kraft aus sich selbst zu gewinnen und sich von allen Abhängigkeiten zu befreien. Vielleicht musst du jetzt beweisen, dass du es alleine schaffst."
Ich: "Hm"
Gefühle von Unwohlsein, leichter Frust. Dann:
Ich: "Aber das habe ich doch schon viele, viele Male in meinem Leben bewiesen. Ich habe doch immer alles allein gemacht. Ich glaube nicht, dass ich diesen Beweis noch einmal erbringen muss."
Er: "Aber das war doch die alte Kim. Jetzt bist du aber die neue Kim."
Ich: "War es nicht kennzeichnend für das Leben der neuen Kim, dass es hier Unterstützung gibt, anders als früher?"
Jetzt er: "Hm"
Schutzengel flüstert: "Wie fühlt es dich denn an, wenn du dir Unterstützung vorstellst?"
Kleine Einsichtsexplosion. Buuum!
Ich: "Es fühlt sich total richtig an, so was von richtig, also so was von richtig, genau richtig. Ganz genau richtig".
Was sich dermaßen richtig anfühlt, kann unmöglich falsch sein. Aus dieser ewigen Einzelkämpferei kann nichts entstehen, alle Kräfte werden verschwendet, laufen gegen die Wand, werden sinnlos aufgebraucht. Ich fühle, wie Dinge machbar werden, eine Chance bekommen zu wachsen, zu gedeihen, andere zu inspirieren, wenn es Unterstützung und Gemeinsamkeit gibt".
"Danke Engel. Vielen, vielen Dank."
Schutzengel: "hi hi, ... äh ehem."
Also habe ich mir das für heute gewünscht. Ich wünsche mir echte Unterstützung für das Café Projekt. Und eben hat die Glocke gebimmelt, als ich unerwartet ein Päckchen bekam. Dann wird nun etwas auf mich zukommen. Ich bin gespannt und halte euch auf dem Laufenden.
Wir immer mit unserem inneren Moralapostel! Selbst wenn man bereits genau weiß, dass der Moralapostel nie Recht hat, ist es trotzdem schwierig, ihm nicht zu glauben.




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