Samstag, 22. Juli 2017

Ich im Arrest

22.7.2017
Heute ist Samstag. Gitta will mich nachher besuchen. Ich freue mich schon darauf. Jetzt wollte ich eigentlich noch einkaufen fahren, aber zurzeit regnet es wie aus Kübeln. Darum schreibe ich hier kurz ein wenig. Unten im Café geht die Arbeit endlich wieder voran. Die Wände sind inzwischen verputzt worden. Die Decke kommt vermutlich ab Montag dran. Ich habe unten auch eine neue Haustür bekommen, die gestern eingesetzt wurde.
Eben war hier ein ganz lautes Geräusch im Zimmer und ich kann nicht sehen, was herunter gefallen ist. Alles scheint noch an seinem Platz zu liegen. Na, das krieg ich später raus.
Selina sagt: "ich weiß es!"
 
Vorgestern wurden auch die vorderen Fenster in meiner Wohnung ausgetauscht. Das war erst einmal etwas lästig. Ich hatte mir schon zuvor überlegt, was ich mit Lienchen mache, damit es sie nicht so erschreckt, aber sie sorgte für sich selbst. Sie ist dermaßen intelligent! Am Morgen, noch bevor die Handwerker auftauchen, verließ sie die Wohnung und kehrte erst zurück, als alles erledigt war. Das war auch wirklich besser für sie, denn zeitweilig sah es in der Wohnung so aus:

 
Aber die Handwerker machten hinterher alles wieder sauber und stellten fast alles an seinen Platz zurück. Nur den schweren Tisch und den Nachttisch, den man so schlecht bewegen kann, ließen sie mir als sportliche Übung zurück (läster). Ich mache nur Spaß. Es war sicherlich Zufall, dass gerade diese beiden Dinge übrig geblieben sind.
Ich selbst habe auch fleißig geräumt und etwas entrümpelt. Ich habe mich noch weiter verkleinert und so einen ganzen Küchenschrank leer bekommen. Ein freundlicher Handwerker hat ihn nach unten in den Keller gebracht. Nächsten Monat ist hier Sperrmüll. Dann habe ich mir im sozialen Kaufhaus in Lüchow ganz günstig einen Küchentisch und drei Stühle besorgt. Die Stühle haben nur 5 Euro gekostet. Nun habe ich eine kleine Essecke in der Küche. Der Tisch dient zugleich auch als Arbeitsfläche. Die hat ja zuvor so sehr gefehlt.
 
 


Ist doch ganz nett, oder? Später, wenn ich die neuen Fliesen bekommen habe, werde ich die Küche auch streichen und dekorieren. Jetzt hat das noch keinen Sinn. Im sozialen Kaufhaus habe ich auch ein Schlafsofa entdeckt und mir geschnappt. Damit kann ich ganz toll Platz sparen. Bisher hatte ich ja immer einen Matratzenstapel im Hinterzimmer für Gäste vorgesehen und zugleich ein Sofa in der Fernsehecke. Jetzt habe ich das Sofa gegen das Schlafsofa ersetzt und den Matratzenstapel verschenkt. Dadurch ist Platz frei geworden, der hier dringend gefehlt hat.


Und ich habe mich ermannt bzw. erfraut, auch den riesigen alten Computer Monitor, der hier immer herumstand, mit den Dreirad nach Cheine zum Recyclinghof zu fahren.



Das ging wirklich gerade mal so eben. Ich glaube, das Ding wog glatt 30 Kilo. Ich konnte es kaum bewegen. Die Männer, die das Sofa herauf getragen haben, waren so lieb, mir das Monster die Treppe herunter zu tragen. Das hätte ich nicht gekonnt. Ich habe seit Monaten darauf gewartet, dass das mal jemand für mich tut. Jetzt war es endlich soweit. Das Dreirad war eigentlich ein wenig überladen mit dem schweren Ding. Ich fuhr ganz vorsichtig. Ich finde es ganz toll, dass ich selbst nach Cheine fahren kann und nicht darauf angewiesen bin, von jemandem mit dem Auto gefahren zu werden.

In Cheine gibt es zwei Restaurants quasi neben einander und die Auffahrt zum Recyclinghof ist dazwischen. Das eine heißt Mückes Imbiss. Dort habe ich mich auf die Terrasse gesetzt und mir noch einen Kaffee gegönnt.


Das ganze Areal ist von großen Bäumen umrundet. Sehr schön.
Als ich wieder zuhause war, bekam ich ein ernsthaftes Problem mit meiner Wohnungstür. Das war gestern. Da der Mann, der unten die Haustür eingebaut hat, sagte, er würde sich darum kümmern, dachte ich, es sei irgendetwas mit meiner Tür passiert. Ich probierte daher, hinter mir abzuschließen. Und das war einmal Zuschließen zu viel. Die Tür ging nicht mehr auf. Als ich losfahren wollte, weil ich bei Nadine und Heinrich zum Kaffee verabredet war, konnte ich die Wohnung nicht verlassen.
Letztes Mal, als das passierte, hat mir der Schwiegervater meines Vermieters geholfen, aber jetzt ist er in Urlaub. Was sollte ich machen? Alle Handwerker waren schon weg, denn es war ja Freitag. Ich stand in meiner Wohnung unter Arrest!

 
Ich sah überall zu den Fenstern heraus, soweit das mit den Baugerüsten davor halt geht, aber da war wirklich nirgendwo noch ein versprengter Handwerker zu sehen. Schließlich rief ich meinen Vermieter an und teilte ihm mit, dass ich in der Wohnung eingesperrt war. Das gefiel ihm gar nicht, denn am Montag soll ich eine neue Tür bekommen. Da wäre es doch wirklich blöd und rausgeworfenes Geld, wenn wir jetzt trotzdem noch einen Schlüsseldient kommen lassen müssen. Er hatte ich Idee, dass ich den Fahrkartenverkäufer rufen sollte und gab mir auch die Telefonnummer.
 
Gottfried ist zurzeit in Urlaub. Er wird von einem sehr jungen Mann namens Ephraim vertreten. Ephraim kam dann zu mir hoch. Ich reichte ihm den Schlüssel durch die Katzenklappe, aber auch von seiner Seite ließ sich die Tür nicht mehr schließen, egal wie wir auch rüttelten und es versuchten. Schließlich hatte er die Idee, das Schloss abzubauen. Zum Glück brauchte er dafür nur Schraubenzieher. Mehr habe ich nicht in der Wohnung. Das Werkzeug ist noch eingelagert. Ich reichte ihm die Schraubenzieher durch die Katzenklappe und er schaffte es tatsächlich, das Schloss zumindest zum Teil auszubauen.
 
Ich war wieder frei. Das bleibt jetzt einfach das Wochenende über so und Montag bekomme ich ja sowieso eine neue Tür. Natürlich ist es für mich etwas unheimlich, dass ich meine Tür nicht zuschließen kann. Gestern so gegen 19 Uhr hörte ich dann prompt auch Geräusche unten. Ich ging nachsehen und stöberte einen jungen Mann auf, der sich gerade im Herrenklo in der Baustelle wusch. Er sagte, er sei einer der Handwerker und sei eben erst fertig geworden (um 19 Uhr? Am Freitag?) Ich tat so, als würde ich ihm glauben (zu meiner Sicherheit) und schloss meine neue Haustür hinter ihm ab.
 
Die Haustür hatte ich selbst offen gelassen, weil ich noch jemanden erwartete, der mir hier mit den Gardinenstangen helfen sollte. Der kam aber nicht. Alle anderen Türen hatte ich selbst abgeschlossen. Der junge Mann hätte hier gar nicht drinnen sein sollen. Es war ein junger Ausländer. Ich vermute, dass er vielleicht keine ordentliche Waschgelegenheit hat und sich deshalb hier im Klo gewaschen hat. Es ist halt ein Bahnhof. Da kann man keine Türen offen lassen. Die Leute kommen wirklich rein. Es tut mir auch Leid für den jungen Mann. Ich bin ihm nicht böse, aber zulassen kann ich das auch nicht. Insbesondere nicht, wenn ich keine Möglichkeit habe, meine Wohnungstür abzuschließen. Dann muss wenigstens unten alles zu sein.
 
Meine Nichte hat gestern geheiratet. Sie hat es versäumt, mich davon zu unterrichten, aber sie hat Jana eingeladen, ihre beste Freundin und Trauzeugin. Es sollte wohl auch nur im aller engsten Familienkreis sein. Jana hat Maike das Kleid genäht. Kein weißes Kleid, sondern ein blaues. So hat sie es sich gewünscht. Ich finde es ist sehr schön geworden.
 
 
Jana und Manfred sind hingefahren. Jetzt ist Maike also verheiratet. Nun ja irgendjemand muss den Zweig ja weiterreichen. Jan und ich, wir sind ja verdorrende Äste der Barkmann Familie, unverheiratet und ohne Kinder. Ob ich den Feuerlöscher im Hintergrund als Symbol sehen sollte?
Offenbar ging es doch einigermaßen zünftig zu bei der Hochzeit, denn dieses Bild zeigt, das traditionelle Holz Sägen. Vor langer Zeit noch auf meinem Hof haben wir das geübt. Maike sieht ja auch wirklich eher entspannt dabei aus. Sie kann das sicherlich noch sehr gut.

 
 Jana und Manfred sind aber auch ein schönes Paar und sie haben sich an den Farbkodex gehalten und sind in Blau erschienen. Das Wetter war ja auch perfekt, wie ich sehe. Zum Glück haben sie nicht auf das Wochenende gewartet. Hier zumindest gießt es.
 


 
Inzwischen war ich rasch einkaufen und bin durchnässt worden. Macht aber nichts, es war gar nicht kalt. Gitta wollte so um 15 Uhr kommen. Jetzt ist es 14,19 Uhr. Ich werde die Wartezeit einfach mit Schreiben verbringen.
Heike, meine Schwägerin (besser bekannt als Aveta die Feuerfee) hat einen interessanten neuen Zweig in ihrer spirituellen Arbeit aufgenommen. Sie stellt kleine Männchen und Frauchen aus Ton für Liebesrituale her.

 
Auf Wunsch ihrer Klienten macht sie dann damit entweder Partnerfindungsrituale oder die Klienten lassen sich das Männchen schicken und vollziehen ihr Ritual selber. Sie hat erzählt, dass es ihr wirklich Spaß macht, diese Tonfiguren herzustellen. Es gibt ihr ein Gefühl von Frieden, Entspannung und Glück. Und die Klienten lieben es.
 
Für das Café habe ich anscheinend meine neue Mitarbeiterin schon wieder verloren. Wir wollten ja zuerst schon Angang Juli eröffnen, dann habe ich auf Anfang August verschoben. Als wir jetzt doch nicht eröffnen konnten, hat die Frau Panik bekommen und sich anscheinend in den erstbesten, freien Job gestürzt, der ihr angeboten wurde. Ich weiß jetzt noch nicht einmal genau, was eigentlich Sache ist. Hat sie sich nur vorübergehend eine Tätigkeit gesucht oder ist es fest? Ich habe sie das per SMS gefragt. Whatsapp hat sie nicht. Sie hat bis jetzt nicht geantwortet.
 
Damit hat sie ein perfektes Beispiel dafür geliefert, wie man es machen muss, dass sich die Träume und Wünsche, die man an das Leben richtet, auf keinen Fall verwirklichen:
 
Gerate in Panik!
Folge deiner Angst!
Vertraue keinesfalls!
Nimm keine Hilfe an!
Riskiere nichts!
Mach dir auch nicht die Mühe, mit Leuten, die sich auf dich verlassen, darüber zu sprechen.
Setze dich einfach ab und lasse nichts von dir hören.
Ach und eines noch: Sage erst in letzter Sekunde Bescheid, damit keiner mehr reagieren kann.
 
Nicht schön, oder? Ich wollte ihr schon vor zwei Wochen raten, sich arbeitslos zu melden und ich habe ein Schreiben für sie verfasst zur Vorlage beim Arbeitsamt, welches ihr bestätigt, dass sie als feste Mitarbeiterin für das Café Anhalt eingeplant ist. Ich habe auch selbst mit dem Arbeitsamt telefoniert, damit sie keine Sperre bekommt, da sie ja ihren letzten Job selbst gekündigt hat. Sie hat in gutem Glauben gehandelt und auf meine Aussage hin. Das hätte man nicht gegen sie ausgelegt.
 
Sie ist aber nicht zu dem Treffen gekommen. Da hat sie auch erst einige Minuten zuvor abgesagt. Als Nadine das hörte, sagte sie auch ab und das Treffen fand nicht statt. Jetzt, eine Woche später war das nächste Treffen. Ich habe ein festes wöchentliches Treffen verabredet, damit wir dort die wichtigen Dinge besprechen können. Diesmal hatten wir einen Termin zur Getränke Verkostung in Lüchow. Es ging um die Premium Cola, die ich auch im Café verkaufen will und andere Getränke. Ganz kurz vorher sagte sie wiederum ab. Sie schrieb mir, sie hätte sich etwas zur Aushilfe gesucht, müsse ihre Raten zahlen und so. Auf meine SMS reagierte sie nicht mehr. Ich schätze mal, sie ist weg. Das Schreiben für das Arbeitsamt hat sie sich jedenfalls nicht abgeholt.
 
Eben habe ich im Kaufland einen neuen Zettel aufgehängt, dass ich eine Teilzeitkraft für das Café Anhalt suche. Noch ist genug Zeit, ich finde schon die richtigen Leute. Ich will aber keine Mitarbeiter, die sich nur als Angestellte auffassen und ohne Mitverantwortung ihre Stunden abreißen. Ich will ein echtes Team. Das ist es, wonach ich jetzt suche. Es wäre auch ganz nett, wenn wir nicht nur Frauen wären. Der eine oder andere schnieke Mann würde sich im Café doch gut machen, oder? Ich sehe ja völlig ein, dass nicht jeder so entspannt und gelassen mit Krisen umgehen kann wie ich, aber Herrgott, muss man denn gleich in Panik verfallen?
 
Etwas krisenfest müssen wir alle sein. Das erwartet das Leben doch von uns. Wenn du so rein gar nichts riskierst, dann wird das Leben dich auch nicht beschenken. Wer träumen will, der muss auch etwas wagen. Sonst ist dein Leben gar kein Leben. Du schlägst nur die Zeit tot, bis zu deinem Tod.
 
Also spricht der weibliche Buddha
 

 
 

 

 
 
 
 
 
 

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