Donnerstag, 13. Juli 2017

Logos und Rüttelmaschinen

23.6.2017
Heute habe ich in einer großen Aktion die Buchhaltung von Februar bis Mai gemacht. Jetzt bin ich ganz wirr im Kopf. So viele Zahlen, so viel herum Gesuche, so viel heften, wühlen, kopieren, nachdenken, organisieren. Aber immerhin ich bin jetzt fertig. Ich hab sogar überlegt, ob ich auch den Juni noch machen sollte, soweit der schon herum ist, aber das Schwirren in meinem Kopf hat mich davon überzeugt, dass eine andere Tätigkeit jetzt gut für mich sein könnte.

13.7.2017
Hier im Bahnhof laufen die Renovierungsarbeiten immer noch auf Hochtouren. Kürzlich lag ich noch mit meiner Katze zusammen im Bett und schlief trotz lärmender Bohrmaschinen und wildem Gehämmer, weil ich mal wieder ausschlafen wollte. Als ich dann so gegen halb Neun schließlich gähnend und in Unterwäsche gen Badezimmer taperte, entdeckte ich schockiert, dass die Handwerker IN meiner Wohnung fleißig damit beschäftigt waren, ein Fenster auszutauschen. Ups!
Ich floh erst mal zurück ins Wohnzimmer, um mich zu sammeln. Dann lugte ich vorsichtig um die Ecke und als gerade mal keiner hinschaute, schlüpfte ich rasch ins Bad, wo auch meine Kleidung lag. So was!

Inzwischen sind die drei Fenster zu den Bahnsteigen schon ausgewechselt. So richtig gefallen sie mir nicht. Sie haben sehr breite, wuchtige Fensterrahmen, auch in der Mitte und lassen darum viel weniger Licht herein als die alten. Dabei hat mir das doch gerade immer so viel bedeutet: Viel Licht in der Wohnung.

Heute treffen sich Jeannette und Nadine hier mit mir. Wir arbeiten weiter an den Waren. Wir müssen Entscheidungen treffen, welche Brötchen, welche Kuchen, welche Torten und welche Getränke wir denn nun wirklich bestellen wollen. Was die Süßigkeiten betrifft, so wurde mir diese Entscheidung abgenommen. Als ich kürzlich unten mein Dreirad besteigen wollte, sah ich zwei Frauen, die noch einen wahnsinnig süßen Zweijährigen an ihrer Seite hatten, mit dem Maßband Wände ausmessen. Ich sprach sie an und erfuhr, dass die beiden einen Kiosk im Bahnhof eröffnen, direkt gegenüber meinem Café.

Tja, da habe ich dann also Konkurrenz bekommen. Die beiden sind sehr nett und wir haben uns gleich ein wenig abgesprochen. Sie werden keine belegten Brötchen anbieten und ich keine Zeitschriften. Die Mars- und Snickers Riegel sind ja dann auch mehr etwas für den Kiosk als für das Café. Wir werden schon gut miteinander zurecht kommen.

Heute will ich auch Nadine und Jeannette fragen, was für Kleidergrößen sie haben. Ich habe im Internet einen Handel entdeckt, wo ich sehr günstig schwarze Polohemden bekomme. Dort will ich heute ein Probeshirt für jede von uns bestellen. Wenn die uns gut passen und auch ansonsten gut ausfallen, bestelle ich einen ganzen Satz für das Café. Jana, die Gute, näht noch an den Holstern und sie kümmert sich auch um das Logo.


Ich habe ein Logo über Fiverr bei einem Inder bestellt. Zumindest vermute ich, dass es sich um einen Mann handelt. Dem Bild nach müsste es eigentlich eine Frau sein, die sich Dewa nennt. Aber mir fiel auf, dass es dort auf Fiverr so viele wunderschöne indische Frauen gibt, die Logos machen. Ich vermute, es handelt sich um Männer, die einfach ein Bild von einer wunderschönen Frau benutzen. Vielleicht versprechen sie sich etwas davon. Dewa hat  mir bereits ein Logo gemacht, aber es waren Rechtschreibfehler darin. Bei der weiteren Kommunikation mit ihm/ihr hatte ich so viele Schwierigkeiten, dass ich die Aufgabe Jana übertrug. Sie bewältigt Computerprobleme viel besser als ich.

Ich will dann zunächst das Logo auf Buttons haben, die wir im Café tragen und bei der Eröffnung sollen auch solche Buttons verteilt werden. Das Logo kann auch auf Kaffeetassen gedruckt und verkauft werden. Es ist ein schönes, altmodisches Vintage Logo. Darüber sollten wir auch sprechen, solange wir noch nichts kaufen können. Die Renovierung ist in den letzten vier Wochen kaum voran gekommen. Unten ist alles Baustelle. Ich kann keinerlei Kühltruhen, Schränke oder Küchenmöbel hinstellen. Der Zugang zum Keller ist so klein, dass wir neulich schon bei einer Tischplatte dachten, wir kommen nicht durch. Mit der Tischplatte haben wir es dann trotzdem noch geschafft, aber größere Dinge lassen sich einfach nicht hinunter schaffen. Ich muss also warten.

In der Wartezeit können wir all jene Dinge erledigen, die keinen Platz benötigen. Wir können uns über Werbung Gedanken machen, über die Eröffnungsfeier, über die Kleidung, über das Geschirr, Tabletts, Servietten und all diese Dinge.
Ich bin auch gewaltig im Verzug mit meinem neuen Antrag auf Arbeitslosengeld. Mein Bewilligungszeitraum endete am 30. Juni. Inzwischen haben wir schon den 13. Juli. Ich habe so lange gebraucht, um mit der Buchhaltung für Juni fertig zu werden. Dazu kommt noch, dass mein Steuerberater jetzt in Urlaub ist. Er muss ja noch die BWA (Betriebswirtschaftliche Auswertung) für das letzte halbe Jahr machen und die EKS für mich ausfüllen. Andere Leute machen so etwas selbst, aber ehrlich, das übersteigt gnadenlos meinen Horizont und zwar fachlich, kompetenzmäßig und emotional.

Ich habe mich schon einmal selbst an einer EKS versucht, aber die Zahlen haben nie gestimmt. Hier möchte ich an meine Dyskalkulie erinnern. Bei der EKS trägt man alle seine Einnahmen und Ausgaben der letzten Monate ein und zwar untereinander und auch nebeneinander. Dann rechnet man das alles untereinander zusammen und nebeneinander auch. Im letzten Kästchen unten und rechts soll dann erscheinen, was man denn nun wirklich erwirtschaften hat. Bei mir sind da immer wieder andere Zahlen erschienen, jedes Mal wenn ich die Rechnung zur Kontrolle noch einmal durchgerechnet habe. Fünf, sechs verschiedene Kontrollen, immer neue und andere Zahlen, trotz Taschenrechner.

So war das früher auch, als wir das Kassenbuch noch von Hand ausgefüllt haben. Die Summen haben immer wieder eine andere Zahl ergeben  jedes Mal, wenn ich sie erneut zusammen gezählt habe. Heutzutage macht das Excel. So stimmt die Rechnung wenigstens. Aber Excel füllt mir nicht die EKS aus. Ich will, dass das der Steuerberater für mich tut. Der kommt erst am 24. wieder. Dumm gelaufen. Ich habe einmal versucht, das alles mit Nadine zusammen zu machen, aber es hat nicht so gut funktioniert. Während sie vier Stunden lang gearbeitet hat, schaffte ich in derselben Zeit nur den Februar. Im Grunde ist es echt Blödsinn, dass ich das mache.

Ich habe immer dafür plädiert, dass man möglichst das machen sollte, was man gut kann. Ich muss mich bei diesen Dingen so konzentrieren, brauche jedes Mal, wenn mich jemand durch eine Frage abgelenkt hat, wieder fünf Minuten, um ins Thema zurück zu kehren und noch einmal zu verstehen, was ich mir eben mit Mühe klar gemacht hatte und dann kommt die nächste Frage und ich bin wieder raus. Jeder vernünftige Chef würde sagen: "Um Gottes willen, lasst das jemand anderen machen!". Aber dummerweise bin ich ja hier die Chefin und ich habe niemanden, auf den ich das delegieren könnte. Zum Glück besteht das Geschäft nur zu einem geringen Prozentsatz aus Buchhaltung. Und den nimmt mir teilweise die Registrierkasse auch noch ab.

Nicht jeder ist für alles begabt und das ist überhaupt nicht schlimm. In der Zeit, in der ich einen Monat Buchhaltung mache, könnte ich statt dessen eine großartige Rede schreiben, die die Herzen aller berührt und voller tiefer Weisheit ist. Leider wird das im Café eher weniger gebraucht und ich will es auch weniger machen. Mir ist in den letzten Monaten, bevor ich mit dem Seminarhaus aufgehört habe, so viel Neid, Eifersucht und Missgunst entgegen geschlagen. Ich bin auch ein bisschen dafür verantwortlich, welche Reaktionen ich in den Menschen hervor locke. Ich glaube, Salzwedel verkraftet es zumindest im Moment nicht so gut, wenn ich so toll bin.

Ich wollte damit nur Gutes bewirken, wollte helfen, wollte der Welt und den Menschen meine einzigartige Qualität zum Geschenk machen, meinen Beitrag leisten. Aber der Beitrag war gar nicht gewollt, hat auch nichts Gutes bewirkt. Das macht mich zwar traurig, wirklich sehr, sehr traurig, aber ich sehe ja die Realitäten. Deshalb habe ich aufgehört De Wise Fru zu sein und werde nun Chefin eines Kultur Cafés. Ich freue mich auf dem Kultur Teil. Ich will ja auch TED Talk Veranstaltungen geben, werde aber selber wohl eher keine Rede halten. Nicht schon wieder. Die Menschen sollen das Café nicht verlassen und den Bauch voller Eifersucht haben, sondern voller Kuchen und guter Gefühle.

Nelson Mandela sagt zwar das Gegenteil, er hat in einer Rede einmal folgendes wunderbare Zitat gebracht:
Unsere tiefste Angst ist nicht,
dass wir unzureichend sind.
Unsere tiefste Angst ist,
dass wir über die Maßen machtvoll sind.
Es ist unser Licht,
nicht unsere Dunkelheit,
das uns am meisten ängstigt.

Wir fragen uns:
wer bin ich,
brillant zu sein, großartig, talentiert und sagenhaft?
Aber tatsächlich:
wer bist Du, es nicht zu sein?

Du bist ein Kind Gottes.
Dein Kochen auf kleiner Flamme dient der Welt nicht.
Es liegt nichts Erleuchtetes darin,
sich kleiner zu machen,
damit andere Menschen sich in Deiner Nähe nicht unsicher fühlen.

Wir sind geboren,
um die Herrlichkeit Gottes zu offenbaren,
die in uns ist.
Sie ist nicht nur in einigen von uns,
sie ist in allen!

Und indem wir unser eigenes Licht scheinen lassen,
geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis,
das gleiche zu tun.
Indem wir uns von unserer eigenen Angst befreit haben,
befreit unsere Gegenwart automatisch andere!

(Nelson Mandela, Antrittsrede 1994)

Das ist wundervoll, nicht wahr? Ich möchte das gern glauben, eigentlich glaube ich es auch. Ich habe wohl irgendwo etwas übersehen, so dass es für mich nicht funktioniert hat. Vielleicht ist es, weil ich keine Angst hatte? Angst ist es nicht, was mich dazu brachte aufzuhören, sondern die schlichten wirtschaftlichen Notwendigkeiten einerseits und andererseits die Erkenntnis, dass meine Qualitäten und meine Weisheit irgendwie nicht benötigt zu werden scheinen. Insgeheim habe ich die Hoffnung, dass sich das noch mal wieder ändert, dass sich irgendwie plötzlich eine Lücke zeigt, durch die ich schlüpfen kann und auf ein Feld oder Terrain geraten kann, wo meine Qualitäten doch gefragt sind.

Aber es ist bestimmt auch schön, ein Café zu machen. Dort kann ich auch Qualitäten entfalten. Ich nehme das Geschenk an, das mir durch diese Chance gegeben wurde. Jeannette und Nadine an meiner Seite werden eine großartige Unterstützung sein und dann versuchen wir mal herauszufinden, was denn nun eigentlich gebraucht wird und ob wir etwas davon zu geben haben.

Gestern habe ich einen Hörtest gemacht. Der Test zeigte deutlich, dass ein Teil meiner Hörfähigkeit sich aus dem Staub gemacht hat. Ich kann die höheren Töne nicht mehr gut hören. Ein Hörgerät könnte hier Abhilfe schaffen, deshalb muss ich mir jetzt noch einen Termin beim Ohrenarzt machen. Der Verkäufer setzte mir probeweise ein Hörgerät ein und auf einmal war alles so laut, auch meine eigene Stimme. Ich hatte das Gefühl, meine Stimme sofort dämpfen zu müssen, um andere nicht anzuschreien. Als er es mir dann wieder heraus nahm, konnte ich nicht einmal mehr den Regen hören.

Ich habe mir übrigens eine Rüttelmaschine gekauft, so ein Fitnessgerät, das einen durchrüttelt. Zuvor habe ich erst Mal ausführlich im Internet recherchiert. Dabei stellte ich fest, dass die Leute, die sich gegen so ein Gerät aussprechen, erstens selber gar kein solches Gerät besitzen und zweitens auch keine Argumente. Die sagen einfach nur: "Das funktioniert nicht." Sie haben keine Studien, auf die sie sich berufen können und auch keine eigenen Erfahrungen. Sie eifern nur herum, dass so etwas keine richtige Bewegung ersetzen könne. Das will ja auch keiner. Die Leute in den Foren, die selber so ein Gerät besaßen, waren alle der Meinung, einen guten Kauf getan zu haben. Sie beschrieben ihre Erfahrungen und fanden es toll.

Dann habe ich mich mit den Qualitäten und Problemen der Geräte auseinandergesetzt und mir schließlich so ein Ding gekauft. Das Gerät muss über 500 Watt haben, sonst bringt es nicht genügend. Einige bestehen nur aus einer Art Rüttelplatte, auf die man sich stellt. Das, was ich ausgewählt habe, hat auch Seitengriffe und das Display ist nicht am Boden, wo ich es nicht richtig sehen kann, sondern auf Höhe der Hände. Es war auch gar nicht so teuer und außerdem denke ich, dass eine Investition in meine Gesundheit sehr vernünftig ist. Ich bin schon sechzig und will ein neues Geschäft beginnen. Ich muss noch lange durchhalten.

Seit dem rüttle ich mich jedem Tag auf dem Ding und finde es klasse. Es wirkt euphorisierend. Und ich habe auch schon ein Kilo abgenommen. Das Gerät soll unter anderem auch bewirken, dass der Gesamtumsatz des Körpers sich erhöht. Man muss dann nur aufpassen und nicht auch mehr essen. Deshalb trage ich die Zeit auf dem Gerät nicht als Sportzeit in mein Handy ein. Anfangs fühlt man sich, als wäre man gerade 10 Kilometer gejoggt. Die Muskeln sind völlig erschöpft, aber das baut sich rasch auf. Meine Muskeln waren ja auch nicht total untrainiert, schließlich habe ich noch zwei andere Sportgeräte hier, die ich oft benutze.

Aber in den ersten 10 Tagen habe ich es mir gegönnt, die ganze Zeit mit dem Dreirad zu fahren, statt mit dem Fahrrad, so erschöpft fühlte ich mich. Inzwischen ist das schon vorbei und ich bin gestern auch mit dem Fahrrad zum Hörtest und zu Edeka gefahren. Ich halte mich ja brav an das, was ich gelesen habe: Der Vibrationstrimmer ersetzt keine echte Bewegung. Dabei fällt mir ein, dass ich noch nicht einmal Kekse für unser heutiges Treffen gekauft habe, Das muss ich gleich mal erledigen. Kekse sind eine gute Lösung für mich, da ich selbst absolut keine Kekse mag. Ich war schon immer Nicht Kekserin. Wenn ich also eine Dose schöner, leckerer Kekse für meine Gäste kaufe, besteht nicht die Gefahr, dass ich die Dinger alle selbst aufesse. Bei Schokolade sähe das schon anders aus.
Na dann schwinge ich mich mal aufs Rade. Bis bald Ihr Lieben.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen