Montag, 22. Oktober 2018

Vier am selben Tisch

22.10.2018
Heute hab ich etwas sehr Spannendes zu berichten, ich war nämlich in Hamburg zu einer Spieleveranstaltung. Wir haben das Spiel Cash Flow gespielt. Das Spiel gehört zu einem Buch, in dem es darum geht, wie arme Menschen und wie reiche Menschen über Geld denken. Man kann über Geld auf eine Weise denken, die Wohlstand verunmöglicht und man kann so darüber denken, dass sich Türen öffnen. Jana und ich, wir lesen das Buch beide gerade und sie ist auf die Veranstaltung in Hamburg aufmerksam geworden. Ich hab mir kurzerhand bei Gottfried in der Breiten Straße ein Zugticket nach Hamburg gekauft und bin gestern dort hingefahren, gleich nach dem Frühstücksbuffet im Café Frida, das übrigens rappelvoll und sensationell war. Also wirklich super. Hier mal einige Bilder davon zum Appetit Anregen.





 
Bei diesem Spiel geht es nicht darum zu gewinnen und schon gar nicht, sich gegen andere durchzusetzen. So ist das Spiel gar nicht aufgebaut. Es geht überhaupt nichts ums Gewinnen, sondern darum, etwas über sich selber zu lernen. Als Lehrerin wusste ich natürlich Bescheid über den Wert guter Lernspiele, aber ich war doch schwer beeindruckt, wie umfassend die Einsichten und Erkenntnisse sind, die mir das Spiel über mich selbst, mein Verhalten in der Welt im Allgemeinen und im Umgang mit Geld im besonderen vermittelt hat. Es ist nachgerade faszinierend.
Da sitzen wie in unserem Fall vier Personen um einen Tisch herum und spielen. Wir sitzen im selben Raum, zur selben Zeit, an demselben Tisch und spielen dasselbe Spiel. Und trotzdem machen wir alle völlig unterschiedliche Erfahrungen.

Das Spiel ist ein wenig wie Monopoly nur viel raffinierter und auch anspruchsvoller. Man muss die ganze Zeit über seine Buchhaltung machen. Das war schon mal ein Riesenproblem für mich. Weißt du, ich bin in manchen Dingen sehr schnell, eine Schnellschreiberin, Schnelldenkerin, Schnelllernerin, wohl auch eine Schnellsprecherin. Auf meinen eigenen Gebieten bin ich so schnell, dass andere sich das mitunter gar nicht erklären können. Wie hast du es denn geschafft, diesen 16 Seiten langen Essay in zwei Stunden zu schreiben? Aber wie alles, so hat auch das seine Kehrseite. Dafür gibt es nämlich Gebiete, auf denen ich viel, viel langsamer bin als der Durchschnitt. Du müsstest mich mal erleben, wenn ich meine Buchhaltung mache. Das fällt mir so was von schwer. Da bin ich wie ein Zombie und ich muss mir alles laut vorsagen - gaaanz langsam.

Was muss ich jetzt machen? Minutenlanges Nachdenken -  ACH..............JA...............JETZT................MUSS......................ICH.......................MEINE
......................BELEGE.......................AUFKLEBEN
Ich bewege mich in Zeitlupe hin und her, hole alle Belege ins das hellere Zimmer und verbringe eine Stunde damit, die wenigen Belege, die ich habe, aufzukleben, das Datum anzumarkern und sie nach Datum zu sortieren. Ein normaler Menschen könne meine gesamte Buchhaltung locker in 45 Minuten erledigen, da es ja eigentlich nur ganz wenig ist und ein Buchhalter würde das in Zehn Minuten schaffen. Ich brauche fünf Stunden. Zwischendrin verliere ich immer wieder die Orientierung und muss lange nachdenken, um mich wieder zurecht zu finden.

Wenn mich jemand, der mich nicht kennt, dabei beobachten würde, käme er zu dem Schluss, dass ich behindert sein müsse. Wahrscheinlich bin ich das auch, ich bin Buchhaltungsbehindert. Ob man da Prozente auf den Schwerbehindertenausweis bekommt? Na ja, für mich ist das nicht schlimm, da ich ja andere Gebiete habe, auf denen ich glänzen und auf die ich mein Selbstbewusstsein aufbauen kann. Ich fühle mich wirklich sehr mit Gaben gesegnet und kann völlig akzeptieren, dass ja wohl keiner erwarten kann, von Gott mit allen Qualitäten und Fähigkeiten gesegnet worden zu sein. Aber in dem Spiel, da mussten wir die ganze Zeit unsere Buchhaltung machen und alle unsere Spielschritte darin darlegen. Ächtz.

Deswegen habe ich schon gleich zu Beginn vieles nicht verstanden und konnte nicht folgen. Es gab auch noch andere Dinge, die ich nicht verstanden habe. Das führte dazu, dass ich das Spiel gar nicht so richtig spielen konnte. Es sammelte sich bei mir so einiges an Spielgeld an, aber ich konnte es nicht ins Spiel hinein bringen, obwohl ich wusste und verstanden hatte, dass es darauf ankam. Das Geld sollte für mich arbeiten, aber mein Geld lag reglos auf dem Tisch. Dann hatte ich auch noch echt schlechte Karten. Dreimal war ich arbeitslos und musste jeweils zwei Runden aussetzen und etwas von meinem Geld an die Kasse zahlen. Die Spielleiterin unterstützte mich gar nicht, dafür unterstützte sie aber die Frau neben mir. Sie war auch zum ersten Mal dabei und machte sich einfach großartig. Sie ist auch aus dem im Spiel so genannten Hamsterrad ausgestiegen. Toll!

Ich wartete auf eine Chance für einen Deal, um mein Geld ins Spiel zu bringen. Dabei verpasste ich eine richtig gute Chance, die ich hätte ergreifen können, aber das hatte ich nicht verstanden. Während der Spielleiter an Janas Tisch den Leuten so etwas erklärte, bevor sie den Deal abgelehnt hatten, wartete unsere Spielleiterin, bis es zu spät war, um uns hinterher zu belehren, was wir gerade versiebt hatten. Sie sprach auch von Möglichkeiten, die wir hätten, ohne uns zu erklären, welche das waren und forderte uns auf, einander zu unterstützen, ohne dass ich begriff, wie denn. Ich bin eine tollte Unterstützerin, aber mir war nicht klar, was ich da hätte tun können. Das alles war echt hart für mich. Nach einer halben Stunde fragte ich mich, wie ich die restlichen Stunden überstehen sollte.

Aber ich bin Kim und Kim ist keine Lusche. Kim gibt nicht auf und rennt nicht weg, sie beklagt sich nicht und geht in keine Opferrolle (mehr). Kim stellt sich und gibt ihr bestes. Ha!
Wenn es einen Verlierer bei dem Spiel geben würde, wäre ich das wohl gewesen. Aber - ich darf an meine Worte von oben erinnern: Es geht ja gar nicht darum, bei dem Spiel zu gewinnen. Es geht darum, etwas über sich selbst zu begreifen und wow! Da sehe ich mich als große Siegerin.
Es konnte meiner Aufmerksamkeit ja gar nicht entgehen, dass ich mich im Leben auch immer genau so fühle. Ich warte auf eine Chance, werde von so gut wie niemandem unterstützt und habe sehr oft schlechte Karten.

Jana wird immer von allen Seiten unterstützt und so war es für sie dann auch in dem Spiel. Jetzt geht es hier aber nicht darum zu meckern, sich zu beklagen und zu jammern, das wäre nämlich eine Opferrolle und die wiederum ist eine Falle. Nein, die Frage lautet doch:
Okay, Kim, dann sag mir doch mal, WIE machst du es, dass du schlechte Karten bekommst, nicht unterstützt wirst und keine Chancen bekommst?
Und das Spiel hat mir darauf einige tolle Antworten geliefert, die ich zuvor nicht hatte. Zum Beispiel.

Warum hab ich so viel gewartet und so wenig gehandelt, obwohl ich doch ein Tatmensch bin? Weil ich nicht verstanden hatte und meinte, ich muss erst verstehen, um zu handeln. Ich habe aber gar nichts unternommen, um schneller oder mehr zu verstehen. Warum nicht? Weil ich gemerkt hatte, dass alle anderen es bereits voll kapiert hatten und ich wollte sie nicht mit meinen dummen Fragen (Was ist eigentlich eine Hypothek genau?) aufhalten. Ich habe mich zurück genommen und zwar zu sehr, viel zu sehr. Das mache ich im Leben auch, immer, immer, immer.
Nicht, dass Rücksicht auf andere etwas Falsches wäre, gewiss nicht und ich will auch ganz sicher kein rücksichtsloser Mensch werden. Ich habe so lange daran gearbeitet, die liebenswerte, rücksichtsvolle, freundliche Kim zu werden. Das soll schon so bleiben.

Aber die Rücksicht muss ihre Grenze haben und zwar genau da, wo ich anfange, mir selbst mit meiner Rücksicht auf andere zu schaden. Die Leute an unserem Spieltisch waren alle total nett. Ich glaube nicht, dass sie es mir verübelt hätten, wenn ich sie ein wenig aufgehalten hätte. Sie hätten mir das nachgesehen. Warum mache ich das nur immer? Ich hatte das Gefühl, meine Mankos sind zu schlimm, das kann ich den anderen nicht zumuten. Auch ein altes Muster bei mir. Ich habe also nicht gefragt, ich habe nichts erbeten oder eingefordert, obwohl ich sehr deutlich bemerkte, dass ich hier mit reiner Beobachtung nicht weiterkam.

Da habe ich nicht gehandelt. Tatmensch hin oder hier, hier fehlte die Tat. Ich glaube, da bin ich etwas zu fatalistisch, nehme Situationen als gegeben hin, die sich in Wirklichkeit verändern lassen. Ich habe nicht einmal versucht, mir etwas auszudenken, eine Lösung. Dabei ist Problemlösungskreativität eine meiner größten Fähigkeiten. Ich konnte sie nicht einsetzen, weil mein Denken von dem Urteil - Das kann ich nicht - blockiert war. Interessant, nicht wahr? Und wie kam es, dass die Frau neben mir wertvolle Unterstützung bekam und ich nicht? Das kam auch durch meine Passivität. Die andere Frau hat laufend gehandelt, hat einfach was ausprobiert, also gab es auch etwas, wobei man sie unterstützen konnte. Bei was soll man jemanden unterstützen, der schweigend und still dasitzt?

Es sind die Mutigen, die Aktiven, die Unterstützungsbereitschaft in anderen auslösen. Wenn jemand von sich aus gar nichts tut, dann denken die anderen, ach, die will ja gar nicht.
Im Leben habe ich auch oft das Gefühl, nicht zum Zuge zu kommen. Ich glaube, ich nehme auch hier zu viele Dinge als gegeben hin, die veränderbar sind. Zum Beispiel habe ich nie gehandelt, wenn ich irgendwo etwas kaufte. Der mir genannte Preis war der Preis. Dass man ihn verändern könnte, oft sogar in richtig guten Läden, war mir nie in den Sinn gekommen. Vorhin habe ich das gleich mal anders gemacht. Als ich aus Hamburg zurückkam, bin ich ins Café Frida gefahren, das am Montag ja geschlossen hat. Aber Nadine wollte für das Personal und die Helfer ein Resteessen veranstalten. Es war ja noch ganz viel von dem gestrigen Buffet übrig, das nicht mehr verkauft werden kann.

Da ich zwei Stunden zu früh war, schlug Nadine vor, dass wir nach Lüchow ins soziale Kaufhaus fahren. Sie wollte gern noch mehr von den schönen, altmodischen Frühstückstellern finden. So etwas gibt es dort fast immer. Als ich so durch den Laden schnerkte, entdeckte ich eine echte Arzt Personenwaage. So ein Teil wollte ich schon lange gern haben. Ich bin ja gerade dabei zu erblinden, hab den grauen Star auf beiden Augen. Im kommenden Jahr wird das operiert, aber bis dahin habe ich ziemliche Probleme. Ich kann auf meiner Personenwaage die Skala nicht mehr ablesen. Ich bin immer mit meinem kleinen Opernglas auf die Waage gestiegen. Und die war dann auch noch so ungenau, dass sie das Opernglas, das vermutlich etwa ein Pfund wiegt, überhaupt nicht angezeigt hat.

Diese altmodischen Arztwaagen sind viel genauer und außerdem ist die Skala nicht am Boden, sondern bei mir fast auf Brusthöhe. Das kann ich gut lesen. Da stand da so ein Teil herum, wie ich mir schon lange gewünscht hatte und sollte immerhin 40 Euro kosten. Das ist im sozialen Kaufhaus schon ein hochpreisiger Artikel. Da habe ich mit der Verkäuferin gehandelt und die Waage immerhin für fünf Euro weniger bekommen. Ich hab versucht, meine Behinderung in die Waagschale zu werden, aber das hat nicht funktioniert. Mein erster Versuch, meine Welt zu verändern, statt sie als gegeben hinzunehmen.

 
Das Spiel war wirklich ein Spiegel meines Lebens, so wie ich es erlebe. Und die erste große Einsicht bekam ich schon gleich zu Anfang. Jeder hat im Spiel einen Auditor, also eine Person, die den Buchhaltungszettel des anderen überprüft und wohl auch so helfen und unterstützen soll. Eigentlich müsste es doch echt Pech sein, wenn nun jemand ausgerechnet mich als Auditor bekommt. Aber nein, ich war die Auditorin jener Frau, die sich so großartig gemacht hat. Sie beweist mir, dass schlechte Startchancen nicht bedeuten müssen, dass wir nirgendwohin kommen.
Ich bemerkte auf ihrem Zettel, dass sie meinen Namen als ihre Auditorin nicht angegeben hatte und fragte die Spielleiterin, ob ich das für die Frau eintragen sollte.

 
Daraufhin sagte sie: "Tu nichts für einen anderen, das derjenige auch selber tun könnte."
Wow! Was für ein Satz. Das hab ich mein ganzes Leben lang falsch gemacht. Natürlich war mir der Grundgedanke bereits bekannt und eine Freundin hatte es einst so formuliert: Kim, die anderen müssen sich für ihre Entwicklung selbst abstrampeln, so wie du dich für deine.
Ich hatte das zwar grundsätzlich kapiert, aber diese Formulierung wirft ja so viele unbeantwortete Fragen auf: Kann der andere sich hier selbst abstrampeln, fehlt ihm noch etwas dazu? Sollte ich hier unterstützen oder die Finger davon lassen? Ist das überhaupt sein Thema?

Bis du das alles beantwortet hast und zu einer inneren Entscheidung gelangt bist, ob oder wie du unterstützen willst und kannst, ist die Situation schon längst vorbei. Die Art hingegen, wie meine Auditorin es formuliert hat, wirft grundsätzlich immer nur eine Frage auf: Kann der andere das selbst tun oder nicht? Wann immer ich diese Frage mit Ja beantworte, Finger weg.
Kann Person x sich zu dem Seminar selbst anmelden? Ja klar. Dann sollte sie das auch selbst tun. Kann das Kind y schon selbst sein Taschengeld verwalten? Ja? Dann lass es auch machen. Kann Person x es zeitlich hinkriegen, den Einkauf nach der Arbeit zu erledigen? Nein? Dann finde eine Lösung.  Oder wie wäre es mit dem hier:

Kann der kranke Mann es bewältigen, mit seinem Kind die Hausaufgaben zu machen? Er sagt nein, dann sollte es ihm auch nicht aufgebürdet werden.
Oder der hier: Kann der junge Mann es schaffen, sein Zimmer selbst zu streichen, obwohl er behauptet, es nicht zu können? Ja, das kann er, denn es gibt keinen ersichtlichen Grund, warum er das nicht können sollte. Dann sollte man es auch nicht für ihn tun.
Wir müssen nur fair bleiben. Das ist wichtig. Wenn jemand zum Beispiel eine Phobie hat und deswegen sagt, er kann nicht alleine mit dem Bus fahren, dass muss das auch gelten. Eine Phobie ist eine Krankheit, die sich nicht dadurch heilen lässt, dass man die Menschen einfach zu dem zwingt, was sie fürchten. Viele meiner Klienten, die sich das aufgrund der Weisung ihrer Ärzte und Psychologen angetan haben, berichten, dass sie ihre Phobie auch nach Jahren immer noch nicht los sind, obwohl sie sich immer gezwungen haben, das Gefürchtete trotzdem zu tun. Grausamkeit sich selbst oder anderen gegenüber ist KEIN Weg.

Vorhin beim Resteessen, erzählte ich das Uri, unserem Bandleader bei den Takadimis. Er war auch eingeladen, weil er und sein Kumpel ja die Musik bei dem Frühstück gemacht haben. Ich berichtete den beiden Männern, dass ich fürchterlich dazu neige, Dinge für andere zu erledigen, die sie auch selbst tun könnten. Im nächsten Augenblick erhob ich mich, trat an die Kaffeekanne und fragte: Soll ich dir einen Kaffee einschenken? Die Männer mokierten sich und sagten, das könne Uri doch selbst. Zuerst habe ich mich fast erschrocken, weil es ja stimmt. Schon wieder wollte ich gewohnheitsmäßig etwas für einen anderen tun, was der ja auch selbst tun kann. Aber dann musste ich doch auch selbst sehr darüber lachen. Es ist nicht so leicht, Gewohnheiten abzulegen.

Außerdem gebe ich Uri Recht, der sagte, es sei ja schließlich auch eine schöne, freundliche Geste. Die müsse man ja nun auch nicht gleich abschaffen. Ja, das stimmt. Wir wollen es nicht übertreiben.
Ich glaube, ich werde noch ein paar Mal nach Hamburg fahren und an dem Spiel teilnehmen. Ich habe noch längst nicht alles verstanden. Außerdem lernt man dort nette und interessante Menschen kennen. Das ist auch toll. Es war auch schön, mal wieder Jana zu besuchen. An diesem Wochenende waren die Kinder bei ihrem Vater und wir hatten Zeit. Nach dem Spiel haben wir noch so lange geklönt, wie es ging und morgens bin ich mit ihr zusammen vor sechs Uhr aufgestanden. So konnten wir im Bus noch eine halbe Stunde weiter klönen.


Wir wollten doch alles besprechen, was wir bei dem Spiel erlebt und begriffen hatten. Ich will wirklich gern aus der Falle herauskommen und mir mehr finanzielle Freiheit erarbeiten. Dazu muss man aber kein skrupelloser Ellbogenmensch werden. So funktioniert das nämlich gar nicht. Kluge Leute unterstützen sich gegenseitig, statt sich wegzuschubsen. Das kann ich schon mal. Jetzt muss ich noch die anderen Sachen lernen. Ob mein Traum, von dem ich im vorgestrigen Post berichtet habe, diese Spielergebnisse gemeint hat? Ich bekam doch das große Geschenk des Sehens im Traum. Ob gemeint war, dass ich mich selbst "sehen" werde? Könnte so stimmen. Aber in aller Unbescheidenheit: Ich will noch viel mehr sehen.
Ich werde dann weiter berichten, was sich so entwickelt.










Samstag, 20. Oktober 2018

Zeit der Ahnen

 
20.10.2018
Heute Nacht habe ich sehr schlecht geschlafen. Mitten in der Nacht wachte ich davon auf, dass der Mieter oder die Mieterin über mir die ganze Zeit in dem Zimmer über mir herumging. Es war mindestens schon 3 Uhr nachts. Ich fragte mich, was er oder sie, meinem Gefühl nach er, da oben wohl machte. Was für eine Tätigkeit bringt es mit sich, die ganze Zeit immer hin und her zu gehen? Konnte da oben jemand nicht schlafen? Hatte da oben jemand vielleicht eine Panik Attacke? Zwischendrin schlief ich immer mal wieder ein, wurde aber sogleich wieder von den Schritten geweckt. Später dann wachte ich wieder auf, diesmal war es schon 6 Uhr morgens und ich hatte selbst eine Angst-Energie-Welle.
 
Das beeindruckt mich nicht besonders, schließlich kenne ich mich gut mit dem Thema aus. Ich legte mich auf den Rücken und begann entspannt, die Energie von Angst in mein Herz zu atmen. Die Schritte über mit waren verstummt. Vielleicht möchtest du fragen, wovor ich denn Angst hatte, aber das weiß ich nicht, kann ich gar nicht sagen. Es war mehr die Energie als ein Thema. Übrigens habe ich dazu ein Buch geschrieben. "Der Wendepunkt der Angst" nur zur Info.
Als ich schließlich wieder einschlief, hatte ich einen Traum.
 
 
Im Traum war ich wieder auf dem Hof meines Vaters, aber der Hof war riesig und alles total marode. Ich war auf dem Hof dabei umzuziehen. Vorher hatte ich in irgendwelchen völlig kaputten dunklen Kellergewölben gewohnt, jetzt bekam ich einige Zimmer oben. Einige Freunde halfen mir beim Umräumen. Meine ganzen Möbel, mein gesamter Besitz bestand nur aus Sperrmüll. Im Keller öffneten sich immer neue Räume, die auch wieder voll mit Gerümpel waren. Ich sagte zu meinen Freunden, dass wir das jetzt nicht alles hochschleppen müssten. Das würde ich demnächst alles auf den Sperrmüll stellen. Jetzt wollte ich nur einige unverzichtbare Dinge nach oben in meine neuen Räume nehmen. Wir packten alle fleißig an. Irgendwann war ich wieder einmal dabei, riesige, zugemüllte, dunkle, kaputte Schuppen zu durchqueren, um nach unten zu gelangen, da fiel mir auf, dass ich meine Brille verloren hatte.
 
Ich erschrak sehr darüber. Wie sollte ich in dieser Dunkelheit und all diesem Gerümpel denn meine Brille wiederfinden? (Ohne Brille bin ich blind) Als ich aus dem Schuppen heraustrat, um meine Freunde um Hilfe zu bitten, bemerkte ich, dass ich sehen konnte auch ohne Brille. Zunächst konnte ich das gar nicht glauben. Ich hielt es für einen Irrtum oder einen Zufall, und vermutete, dass dies Phänomen nicht andauern würde. Aber es blieb dabei, ich konnte sehen ohne Brille. Das Wunder verschwand nicht wieder. Das haute mich um. Ich war von der Größe dieses Geschenkes überwältigt und fing an zu weinen, nicht aus Traurigkeit, sondern vor Ergriffenheit.
 
Meine (eine?) Mutter kam und nahm mich in den Arm. Meine Freunde kamen auch dazu, aber nach einiger Zeit wandten sie sich wieder um und räumten weiter. Ich konnte nicht sofort weitermachen, ich war völlig aufgelöst und weinte immer noch ein kathartisches Weinen. Ich setzte mich auf das Holzgerüst, auf dem ich gerade war und schaute den Nachbarn zu, die drüben auf ihrem Grundstück auch am Räumen waren. Es war nicht meine Absicht, sie zu beobachten, aber ich wollte sehen, wollte meine neue Fähigkeit benutzen. Immer noch war ich überwältigt davon, dass mir ein solches Geschenk zuteil geworden war.
 
Als ich aufwachte, noch im Halbschlaf, kam mir die Einsicht, dass das Thema hier nicht meine Vergangenheit war, sondern meine Herkunft. Papa steht in diesem Traum nicht für Dinge aus meiner Kindheit oder für unbewältigte Themen oder so, sondern es geht in diesem Traum um meine Herkunft, meine Ahnen und auch die Themen, die zu der gesellschaftlichen Schicht gehören, aus der ich stamme. Soweit wir in unserer Familie zurückblicken können, stammten alle Familienmitglieder aus der Unterschicht. Da gab es Bäckergesellen, Handwerker, Küchenmädchen, Köchinnen, Kutscher...ich wüsste von keinem, der nennenswerten Besitz gehabt oder in der Gesellschaft einen höheren Rang bekleidet hätte. Das sind meine Ahnen. Das ist meine Herkunft.
 
Nebenbei bemerkt passt dieses Thema ja auch in diesen Monat. Der Oktober ist der Halloween Monat. Im Oktober und November feierten unsere Vorfahren drei Ahnenfeste, die sich auch heute noch im Kirchenjahr wiederfinden. Halloween ist eines davon. Es ist das Fest, bei dem man die geliebten Ahnen einlädt, das Haus zu besuchen und mit der Familie zu feiern. In früheren Zeiten, als es bei uns noch gar keine Kürbisse gab (die kommen aus Amerika), da haben die Kinder Rüben ausgehöhlt, Kerzenstummel hineingesteckt und mit diesen Rübenlampen den Weg von der Begräbnisstätte bis zum Haus der Familie markiert, damit die Ahnen den Weg auch finden.
 
In einigen Tagen werde ich mit meiner Montagsgruppe ein kleines Halloween Ritual begehen. Wir bereiten uns schon darauf vor. Deshalb ist es auch stimmig, wenn ich gerade jetzt so einen Traum bekomme, der etwas mit meiner familiären Herkunft zu tun hat. Dass alles so marode und baufällig aussah, hat vermutlich auch eine Bedeutung. Ich sehe es als Symbol dafür, dass diese Dinge alt sind, erledigt, fertig. Das kann nun alles in sich zusammen fallen wie die Ruinen einer fernen Vergangenheit. Der Sperrmüll ist ein Symbol dafür, dass so viele Dinge, an denen ich früher hing, die mir früher wichtig und bedeutsam waren, jetzt erledigt sind. Die geliebten Objekte von einst, sind heute nur noch Sperrmüll, werden nicht mehr gebraucht, können entsorgt werden.
 
Damit sind vermutlich nicht nur ausschließlich Dinge gemeint, sondern auch Themen, Probleme von früher, Sorgen, Wünsche, Sehnsüchte von früher. All das ist bewältigt, erledigt und kann nun auf den Sperrmüll der Zeit.
 
Die fleißigen Freunde in diesem Traum sehe ich als Symbol für Kräfte, die ich mir im Laufe des Lebens zugelegt habe. Früher war ich in vielen, vielen Dingen ein Opfer. Meine Eigenschaften und Kräfte haben daher auch oft gegen mich gearbeitet. Jetzt mit 61 Jahren bin ich kein Opfer mehr und meine natürlichen Fähigkeiten und Eigenschaften arbeiten jetzt auf meiner Seite und für mich, wie es auch sein soll. Das einzige, was ich nicht wirklich verstehe, ist das Geschenk. Es war so überwältigend so wundervoll im Traum. Ist Sehen auch als Symbol zu verstehen? Was könnte es dann bedeuten? Eine neue Sicht auf die Dinge scheint mir zu klein. Im Traum hat es mich so überwältigt. Was könnte denn ein so großes Geschenk sein, dass es so etwas in mir auslöst?
Tatsächlich weiß ich das nicht. Vielleicht wird sich noch etwas zeigen. Ich beschreite zwar gerade wieder völlig neue Wege, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass diese neuen Wege so große Veränderungen nach sich ziehen.
 
Zumindest war es ein toller Traum und ich bin beglückt aufgewacht. Nach meiner Erfahrung mit Träumen bekommt man im realen Leben auch immer ein Geschenk, wenn man im Traum beschenkt wurde. Meistens handelt es sich dabei aber nicht um konkrete Dinge, sondern um Energien oder Kräfte. Ich bin offen dafür. Mal schauen, ob da was kommt. Wenn ja, berichte ich darüber.
 
Heute Morgen habe ich mir dann aber erlaubt, ziemlich spät aufzustehen, so gegen 9 Uhr. Immerhin habe ich die halbe Nacht nicht geschlafen. Mein Körper fühlt sich auch entsprechend. Zwar habe ich trotzdem gnadenlos meine Stunde Fitness durchgezogen, aber es fiel mir schwerer als sonst. Beim Frühstückskaffee habe ich über eine Stunde mit meiner Freundin, Gitta telefoniert. Sie ist gerade von einem längeren Seminaraufenthalt aus Kairo zurückgekommen. Das war wohl ganz wunderbar, sehr intensiv und spannend.
 
  1. Danach bin ich in die Altmarkpassage gefahren und habe bei Edeka Dorbritz einen Milchkaffee getrunken und eine Schokoeiche gegessen. Schokoeiche - ein wahr gewordener Traum! Hmmmm!            Dabei habe ich meine ehemaligen Nachbarn aus Altensalzwedel getroffen und wir haben uns unterhalten. Sie haben mir auch Fotos davon gezeigt, wie mein ehemaliges Haus jetzt aussieht. Es ist jetzt eine große Baustelle. Die neuen Besitzer renovieren es von Grund auf. Am Ende werde ich es nicht mehr wiedererkennen. Aber ist ja auch egal. Es gehört mir ja nicht mehr.
Heute Abend um 18 Uhr bin ich noch im Café Frida verabredet, um Nadine zu helfen. Morgen, am Sonntag ist da ja das Frühstücksbuffet mit Lifemusik. Da gibt es viel zu tun und viel vorzubereiten. Ich habe versprochen hinzukommen und dabei mitzuhelfen. Nadine ist schon die ganze Woche leicht aus dem Häuschen deswegen. Es ist ihr erstes Frühstücksbuffet, seit sie das Café hat.
Daher ist auch alles neu und will gut überlegt werden.
 
Hier Café Frida in Salzwedel
 
Hier zum Abschluss noch zwei süße Bilder von meiner Selina, wie sich in unserem gemeinsamen Fernsehnest kuschelt. Und als Info nochmal der Hinweis auf das Buch zum Thema Angst und Panik für alle, die Interesse an dieser Thematik haben. 
 
 
 
 
Selina schaut gespannt in den Fernseher. Vermutlich wurden da gerade Tiere gezeigt.
 
Alles Liebe und bis bald.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Freitag, 19. Oktober 2018

Dann schienst du das Bein mit einem Besenstiel und ein wenig Band.

19.10.2018
Vor ein paar Tagen habe ich einen kleinen Text auf Facebook gepostet, in dem es um Coaching ging. Daraufhin antwortete eine Frau mir und schrieb, ihrer Ansicht nach sei jeder Mensch grundsätzlich in der Lage, sich selbst zu heilen. Damit hat sie mir ein interessantes Thema gegeben für diesen Blog. Es ist dieser Frau bestimmt nicht bewusst, aber diese Vorstellung, dass wir uns allein helfen sollen, alles alleine schaffen, es als Einzelkämpfer zu etwas bringen, diese Vorstellung entspricht dem Denken der Unterschicht. Ich darf das hier mal sagen, denn ich selbst bin auch ein Kind der Unterschicht und ich bin dieser irrigen Vorstellung auch ganz lange erlegen.

Dieser Gedanke ist weit verbreitet. Ich hatte einmal eine Klientin mit Krebs in einem sehr fortgeschrittenen Stadium. Sie wollte deswegen zu einer Sitzung kommen, sagte diese aber kurz vorher wieder ab mit den Worten, sie habe das Gefühl, sie müsse ganz allein durch diese Sache hindurch. Das ist Wahnsinn! Reiner Wahnsinn! Wenn ein Mensch schon mit so einer schlimmen Sache geschlagen ist, warum um alles in der Welt, soll er sich dann auch noch ganz alleine damit auseinandersetzen und keine Hilfe annehmen, nicht einmal die des Arztes? Welcher Pokal soll den hier gewonnen werden? Was soll damit bewiesen werden? Wer will hier eigentlich wem etwas beweisen ?Wozu ist das denn gut?

Selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass sie es tatsächlich geschafft hat, den Krebs einsam und alleine zu besiegen - ich zweifle das an und gehe davon aus, dass ihr Ego sie ins Grab gebracht hat - aber selbst für den Fall, dass ich mich irre und diese Frau hat es alleine geschafft, sich zu heilen und wieder gesund zu werden. Wozu ist das gut? Klar, sie kann sich selbst auf die Schulter klopfen und sagen: "Ha ha, das habe ich ganz allein geschafft". Aber was ist denn das für eine unsoziale Einstellung? All die vielen anderen Menschen auf der Welt sind doch nicht dazu da, ignoriert zu werden.
 





Mir wurde auch schon von Menschen gesagt, ich solle mir doch selbst helfen. Stelle dir das mal vor. Sagen wir mal, du hast dir ein Bein gebrochen. Warum heilst du dich nicht selbst? Du könntest zur nächsten Heizung kriechen, deinen Fuß darunter klemmen und das Bein mit einem kräftigen Ruck stecken. Ja okay, das tut weh. Stell dich nicht so an. Dann schienst du das Bein mit einem Besenstiel und ein wenig Band. Im Mittelalter haben die Menschen das auch so gemacht. Geht also.
Aber das bedeutet eine völlig unnötige Grausamkeit gegen sich selbst. Ich möchte mir das ganz sicher nicht antun.

Und wenn es um emotionale oder soziale Themen geht, ist es sogar noch wichtiger, Hilfe anzunehmen. In den Bereichen Psychologie oder Mediation haben die Menschen in den letzten zwanzig Jahres faszinierende Fortschritte gemacht und diese Bereiche haben sich in ein breites Spektrum ausgefaltet. Da gibt es ganz viele tolle Methoden, Techniken und Wege des Umgangs mit Problemen. Jemand, der nicht in diesen Bereichen arbeitet, kann das alles doch gar nicht wissen. Also kann er sich all diese großartigen Möglichkeiten auch nicht zunutze machen, wenn er versucht, allein durch sein Thema hindurch zu gehen. Ich glaube, ein Beispiel wäre hier ganz hilfreich.

Als ich damals in das Seminarhaus in Altensalzwedel gezogen bin, mussten wir alle Stromleitungen neu verlegen. Ich wollte oben auf dem langen Flur neben jedem Zimmer einen Lichtschalter haben. Jeder Lichtschalter sollte das ganze Flurlicht einschalten und es sollte auch an jedem Schalter wieder ausgeschaltet werden können. Auf diese Weise hatte jeder Übernachtungsgast die Möglichkeit, wenn er vielleicht in der Nacht auf die Toilette wollte, sich das Flurlicht ein und auch wieder auszuschalten, ohne erst durch den halben dunklen Flur tappen zu müssen. Mein Bruder verlegte diese Leitungen für mich. Er dachte ausführlich darüber nach, wie das funktionieren könnte und fand eine wirkungsvolle Lösung.

Später, als einmal ein Elektriker etwas bei mir reparierte, sagte der Mann zu mir: "So macht man das aber schon lange nicht mehr. Es gibt inzwischen entsprechende Lichtschalter dafür. Sie hätten sich damit Hunderte von Metern an Kabel sparen können". Warum hat mein Bruder das nicht gewusst? Weil er kein Elektriker ist. Das ist Fachwissen. Das kennen Fachleute. Laien haben auch gute Ideen und können dieses "Rad" auch noch einmal erfinden, aber Fachleute haben schon viel länger darüber nachgedacht und die alten Lösungen inzwischen schon viel weiter entwickelt. Mein Bruder ist ohne Zweifel ein kluger Mann, aber keiner weiß alles und keiner kennt die Fachinterna aller Berufe.

In der Psychologie gibt es inzwischen etliche neue Unterbereiche und jeder einzelne Bereich hat seine eigenen Techniken und Methoden. Nur weil wir uns mit menschlichen Themen beschäftigen heißt das doch nicht, dass unser Wissen so gering und unsere Arbeit so platt und flach ist, dass jede Hausfrau mit ein wenig Menschenkenntnis das auch kann. Und die Zeiten, wo der Klient auf dem Sofa liegend einfach nur so vor sich hin geredet hat und der Psychiater hat nur zugehört, gehören schon lange der Vergangenheit an. Sigmund Freud ist schon 1939 verstorben. Wir kennen inzwischen Zusammenhänge, die früher noch ganz unbekannt waren.

In meinem gestrigen Post zum Beispiel habe ich den Zusammenhang zwischen Angst und Kraft beschrieben. Es gibt auch Zusammenhänge zwischen Flexibilität und Armut, Konflikt und Liebe, Gesundheit und Mut. Arnold Mindell, der große Schamane hat Methoden entwickelt, die den Menschen helfen ganz leicht und mit geringem Kraftaufwand über ihre sie behindernden inneren Grenzen zu gehen. Ebenfalls von ihm sind einige Methoden, mit deren Hilfe wir Symptome quasi "übersetzen" können in eine Sprache, die der Betroffene besser verstehen kann. Im Bereich der Visionsreisen gibt es verschiedene Ansätze und Arbeitsformen, die zu unterschiedlichen spannenden Ergebnissen führen. Und noch ein interessantes Beispiel: Traumdeutung. Selbstverständlich blättern wir da schon lange nicht mehr in dem großen Lexikon der Traumsymbolik.

Die Idee, dass bestimmte Symbole für alle dasselbe bedeuten, hat spätestens C.G. Jung ein für allemal relativiert. Aber kanntest du den Ansatz, nachdem du alle in deinen Träumen auftretenden Gestalten und auch Tiere als Teil deiner Selbst deutest. Wenn du deine Träume einmal spaßeshalber auf diese Weise betrachtest, gelangst du zu ganz neuen faszinierenden Ergebnissen. Ich selbst zum Beispiel hatte kürzlich einen Traum, in dem ich eine schlechte und unbegabte Schülerin war. Die anderen Schüler und der Meister konnten alle fliegen nur ich nicht. Als ich aufwachte fühlte ich mich zuerst nicht gut mit dem Traum. Er kam mir wie ein Versagertraum vor. Aber meine Freundin erinnerte mich daran (du weißt schon, wenn man selbst betroffen ist, sieht man oft den Wald vor lauter Bäumen nicht), dass ich ja auch der fliegende Meister bin und alle anderen Schüler der Klasse.

So gesehen enthält der Traum eine ganz andere Botschaft. Er sagt mir nicht, ich sei unfähig. Er sagt mir, dass es in mir einen Teil meiner Selbst gibt, den ich vernachlässige oder sogar verachte. Das ist die Kim, die im Traum als einzige nicht fliegen konnte. Sie fühlt sich traurig und allein gelassen. Aber ich bin ja auch der fliegende Meister aus meinem Traum. Es gibt also auch eine starke, überlegene Kim, zu der noch eine Reihe interessanter Eigenschaften gehören, das sind die anderen Schüler. Sie alle können sich einmal umdrehen und sich der vergessenen Kim annehmen. Der Traum sagt mir also nicht, dass ich eine Lusche bin, sondern dass ich mich noch um etwas in mir kümmern sollte, einen vergessenen Anteil meiner Selbst, der versucht auf sich aufmerksam zu machen.

Das war nur ein Beispiel dafür, dass es so viele interessante Methoden gibt, die den Laien logischerweise nicht bekannt sind. Wir kennen uns in unserem eigenen Beruf gut aus, aber doch nicht in allen anderen Berufen auch. Da es all diese Dinge gibt und dazu hilfreiche wunderbare Menschen, die sich nicht über andere stellen, sondern auf Augenhöhe mit ihnen kommunizieren - das ist nämlich der große, zukunftsträchtige Trend, der sich in allen Neuentwicklungen auf dem breiten Gebiet der Arbeit mit Menschen abzeichnet - dann wäre es doch einfach schade, auf all dies zu verzichten und einsam und allein das harte Brot zu kauen.


Okay, das war jetzt aber genug zu dem Thema. Vielleicht noch ein wenig privates. Kürzlich war ich mit einer Freundin und ihren Kindern in Wolfsburg im Phaeno Museum. Das ist echt empfehlenswert, wenn du Kinder hast. Überall standen Experimente herum, die die Kinder durchführen konnten. Sie durften alles anfassen, alles selber machen und ausprobieren. Die beiden Kinder meiner Freundin verschwanden augenblicklich im Raum und wir beide hatten Zeit, ganz gemütlich im Bistro Kaffee zu trinken. Später haben wir uns dann auch ein wenig umgeschaut. Der Roboter hat mir am besten gefallen.
 
Es gab ein Schaltpult mir vielen Knöpfen und die Kinder konnten den Roboter damit bedienen, konnten mit ihm reden, ihn Witze oder Geschichten erzählen oder ihn sich bewegen lassen. Er ist wohl auch das Prunkstück der Ausstellung. Aber auch die vielen anderen Experimente haben die Kinder sehr fasziniert. Später sind wir noch ein wenig durch die Wolfsburger Innenstadt gewandert. Meine Freundin wollte mir einen Hut oder eine Mütze suchen. Leider stehen mir Hüte nicht. Das finde ich sehr schade. Ich würde nämlich gern Hüte tragen.
 
Aber ich sehe mit Hüten immer aus, wie eine Vollidiotin. Immerhin steht mir die Mütze, die ich immer draußen trage. Die meisten Menschen wissen gar nicht, was uns ältere Damen eigentlich veranlasst, diese Schirmmützen zu tragen, die ja anscheinend völlig aus der Mode sind, zumindest bekommt man sie nirgendwo mehr zu kaufen. Das hat mit den Augen zu tun. Bei vielen älteren Menschen entwickeln die Augen im Alter eine erhöhte Lichtempfindlichkeit. Der Schirm, an der Mütze ist da hilfreich.
 
 
Hier ist noch ein cooles Bild von meiner Oma mit Hütchen. Leider werden diese uralten Bilder mit der Zeit irgendwie immer unschärfer.
 
 
Mein Bruder hat gerade eine Vielzahl alter Familienfotos digitalisiert und seine Frau hat mir ein paar davon auf Whatsapp geschickt. Darunter auch dieses Bild von meiner Schwester, rechts, meiner Oma und mir.
Hier ist noch eines aus dem Phaeno Museum,
 
 
Alles Liebe und bis bald.
 
 












Donnerstag, 18. Oktober 2018

Ach, doch lieber nicht.

18.10.2018
Schon wieder habe ich eine ganze Weile nicht gepostet. Das lag durchaus auch an dem guten Wetter. Da wollte ich lieber mit dem Dreirad in der Gegend herumfahren oder auf dem Balkon sitzen. Das war aber nicht der ganze Grund. Irgendwie hat mich das alles gestört. Ich sollte mir einen professionellen Blog anlegen, der so und so aussehen muss und die und die Beiträge enthält und natürlich sehr häufig gefüttert werden muss. Und prompt hatte ich keine Lust mehr. Warum muss sich immer alles der Zweckmäßigkeit und den Gesetzen des Geldverdienens unterordnen? Vielleicht funktioniert es ja auch anders.

Ich mache es jetzt in Zukunft so: Ich schreibe einfach, was ich will und erschaffe auf diese Weise Texte, die zu schreiben mich entweder entspannt oder mir Spaß macht. Und vielleicht stellt es sich ja heraus, dass es einige Menschen gibt, die das auch gerne lesen möchten. Könnte doch sein, oder? Wer Lust hat, kann sich auch gern dazu äußern. Aber du kannst auch einfach schweigen. Sei du selbst. Das hab ich ja auch jetzt vor. Okay, worüber möchte ich denn jetzt erzählen bzw. was möchte jetzt gerade aus mir heraus geschrieben werden?

Ich freue mich immer noch über meine tolle Wohnung. Ich wohne ja erst seit dem 1. Juni offiziell hier. Das heißt, ich habe diesen legendären, unendlich warmen, nicht enden wollenden Sommer hier verbracht, da der ja im Mai schon begann. Ich zeige euch mal meinen Balkon, mal sehen, ob das mit dem kleinen Video klappt. Erst mal zwei Fotos:







 
Könnte sein, dass es funktioniert hat. Eigentlich habe ich noch viel mehr Videos auf dem Balkon gemacht, aber die meisten davon erschienen mach dem Übertragen in den PC auf der Seite liegend. Keine Ahnung, wieso. Gemacht habe ich alle aus derselben Position. Manchmal hat die Technik anscheinend ihren eigenen Willen.  
 
Und dies hier ist mein neuer Coaching Raum:
 
Wie man vielleicht erkennen kann, führt die Balkontür direkt hinaus auf die Terrasse. Auch direkt aus dem Coaching Raum kommt man in die große Küche, die ich bei der Arbeit als Teeküche verwende. Schaut mal, ist die Küche nicht traumhaft? Sooo viel Platz.
 
 
 
In Kürze wollen wir dort vor dem Halloween Ritual mit einer kleinen Gruppe von Teilnehmern Kürbisse ausschnitzen. Zwei Teilnehmerinnen haben mich danach gefragt. Ja klar machen wir das, jetzt wo ich wieder eine entsprechende Küche habe. Die Kürbisse habe ich auch schon. Auf dem Weg von Salzwedel nach Lüchow, ich weiß leider nicht genau, auf welcher Höhe, da steht auf der rechten Seite ein Holzwagen mit Kürbissen in unterschiedlicher Größe. Ich war mit einer Freundin dort und wir haben einige Kürbisse gekauft. Sie sind dort auch wirklich sehr preiswert. Eine Kasse ist direkt am Wagen angeschweißt und man wirft das Geld dort hinein. Haben wir natürlich gemacht. Versteht sich. Bisher habe ich noch gar nicht wirklich in der Küche gekocht, höchstens mal ein Ei gebraten. Ich freue mich schon auf das Ritual.
 
Wir werden es direkt in dem Wald machen, der uns umgibt. Kann man das auf dem Foto vom Balkon sehen? Der Wald steht direkt vor meiner Terrasse. Hier nochmal ein Bild, das ich direkt auf dem Balkon geschossen habe:
 
Und hier bin ich zu sehen, auch im Coaching Raum:
 
Nu ja, man wird nicht jünger. Ich wurde letzten Monat 61 Jahre alt, fühle mich aber prima. Schließlich mache ich auch jeden Tag eine Stunde Fitness. In meinem Schlafzimmer habe ich vier Fitnessgeräte: Ein Laufband, eine Rüttelmaschine, ein Trampolin und einen Stepper. Ich benutze sie täglich. Leider habe ich das Trampolin kaputt getrampelt. Mehrere der Gummizüge sind inzwischen gerissen und gegenwärtig kann ich es nicht riskieren, darauf herumzuhopsen. Das fehlt mir sehr, aber ein Freund meinte, er könne es reparieren.  Einfach mal eben so ein neues kaufen, geht nicht. Ich bin ja jetzt wieder selbständig, zumindest teilweise und da muss ich mit den Einnahmen zuerst die Ausgaben decken, bevor ich etwas extra kaufen kann.
 
Das hier ist definitiv meine Terrasse, aber nicht meine Katze. Das ist Peach, eine Katze, die hier in der Siedlung wohnt. Hier gibt es drei Katzen und alle kommen nachts, manchmal auch tagsüber durch Selinas Katzenklappe und futtern das Futter weg. Wenn sie sich dabei in der Wohnung begegnen, geht eine Rauferei los, von der Lienchen und ich natürlich wach werden. Als wir kürzlich aus dem Bett sprangen und ins Wohnzimmer sprinteten, fanden wir den Fußboden übersäht mit roten Haarbüscheln. Arme Peach. die waren wohl alle von ihr. Ich muss da etwas unternehmen, aber ich denke noch darüber nach. Es fällt mir schwer, hier eine Entscheidung zu fällen.
 
Die Lösung wäre gar nicht so schwer. Inzwischen gibt es Katzenklappen, die auf einen Chip reagieren, den man der Katze vom Tierarzt implantieren lässt, also kein Halsband mehr, an dem sie sich aufhängen können, nur ein winziger Chip unter der Haut. Dann könnte außer Lienchen keine Katze mehr durch die Klappe. Nur finde ich die anderen auch so süß und habe sie schon in mein Herz geschlossen (Selina hat das nicht. Sie will die Kollegen lieber loswerden.) Ich muss nachdenken.
Das hier ist meine Selina, wie sie auf dem Terrassenzaun herumturnt.
 
 
Gestern hatte ich Sprechstunde. Ich mache jetzt jeden Mittwoch Nachmittag von 15 Uhr bis 17 Uhr eine kostenlose Sprechstunde im Café Frida in Salzwedel. Es war verblüffend voll. Sechs Personen wollten mit mir sprechen. Ich habe dann überzogen. Eigentlich schließt das Frida schon um 17 Uhr, aber wir durften noch bleiben, solange Nadine noch aufgeräumt und geputzt hat. Aber so gegen 19.30 Uhr ging dann direkt über unserem Tisch das Licht aus. Ich meinte: "Nadine will uns wohl etwas sagen." Meine letzte Klientin und ich gingen dann auch brav und begaben uns ins Amadeus, wo wir weiter redeten. Wenn jemand gerade in einer Krise steckt, lässt man ihn nicht hängen. Anschließend sind wir sogar noch zu mir nach Haus gefahren und haben zusammen einen Film geschaut.
"Lady in the water" ein ganz wundervoller Film des Regisseurs M. Night Shyamalan.

Angst und Panik Attacken waren ein Thema in letzter Zeit. Das betraf mehrere Klienten. Ich habe ihnen erzählt, dass Angst eigentlich Kraft ist, eine Kraft, die wir noch nicht verstehen und sie deswegen ausschließen wollen. Stelle dir vor, du hättest ein Problem und bittest Gott um Hilfe. Und Gott schickt dir einen Riesen. Du machst deine Tür auf und siehst den Riesen auf dich zukommen. Erschrocken knallst du die Tür wieder zu, stemmst dich dagegen und schreist: "Warum denn das auch noch? Hab ich nicht genug Probleme?" Du fürchtest dich vor dem Riesen, weil du nicht erkannt hast, dass er kommt, um dich zu unterstützen. So ist es mit diesen scheinbar plötzlich auftretenden Panik Attacken auch. Bei ihnen handelt es sich um große Kraft, die Einlass begehrt, um ein Teil von dir zu werden.

Da wir aber instinktiv versuchen, die Angst loszuwerden, von uns weg zu schieben (ich habe sogar gehört, dass einige Therapeuten ihren Klienten geraten haben, die Angst auszuatmen), lassen wir diese Kräfte gar nicht zu uns herein. Wir können die Angst nicht loswerden. Sobald sie einmal da ist, ist sie ein Teil von uns, hat auf dieser Erde kein anderes Zuhause, zu dem sie gehen könnte als uns und wird nicht aufhören, gegen die Tür zu klopfen.
Wenn wir damit beginnen, die Energie der Angst in kleinen behutsamen Schritten in uns einzuatmen (EIN, nicht aus), kann die Kraft sich in unserer Seele etablieren.
Das allerdings führt dann unweigerlich zu einigen Veränderungen. Etwas in uns beginnt zu wachsen und der Tag wird kommen, wo du plötzlich keine Bereitschaft mehr hast, ja zu sagen, wenn du nein denkst. Auf einmal hast du keine Geduld mehr, nein zu sagen, wenn du eigentlich ja fühlst.

Da will etwas in dir deine zu engen Grenzen sprengen. Wenn du dann nicht mitspielst und dich auf Teufel komm Raus disziplinierst, auch weiterhin der gleiche zu sein, das gleiche für richtig zu halten und die gleichen Grenzen um dich herum zu akzeptieren, wirst du dich bald fühlen wie ein Luftballon, der demnächst platzt. Bei diesem ganzen Prozess geht es um Entwicklung, Expansion deiner Seele. Du musst dann neue ethische Grundsätze finden, die dich nicht mehr so sehr begrenzen. Auch darum ging es gestern in den Gesprächen. Manchen Menschen erscheint die Vorstellung, etwas einfach für sich zu tun schon egoistisch. Sie sind viel mehr für andere da als für sich. Das ist eine viel zu enge Grenze.

Manchen Menschen erscheint es völlig inakzeptabel einer kranken Person die Wahrheit zu sagen. Egal wie übel sich die Kranke auch aufführt, sie reagieren mit Geduld und Liebe darauf, weil sie meinen, das müsse so sein. Liebe ist ja auch nicht verkehrt. Liebe kann die Grundlage und auch die Form sein, mit der die Wahrheit präsentiert wird, etwa so: "Ich verstehe, wie schlecht du dich fühlst und wie elend es dir geht, aber dennoch verletzt mich dein Verhalten und ich will nicht mehr so von dir behandelt werden." Das geht auch noch 'nen Zacken schärfer natürlich: "Auch als Mensch in Krankheit und Leid steht es dir nicht zu, mich wie Dreck zu behandeln und laufend meine Gefühle zu verletzen".

Es gibt auch noch andere Themen, aber immer geht es um Sprengen von inneren Grenzen. Die Angst, welche sich in Kraft verwandelt, will uns zum Wachsen bringen. Das aber bedeutet Veränderung. Wir können uns nicht verwandeln, ohne dass sich dabei auch etwas ändert. Das ist ein spannendes Thema nicht wahr? Ich habe sehr vieles darüber in meinem Buch "Der Wendepunkt der Angst" geschrieben. Insbesondere dieser Thematik, wie wir herausfinden können, um welchen inneren Wachstumsprozess es geht und wie wir diesen Prozess unterstützen können, ist in dem Buch ein sehr ausführliches Kapitel gewidmet. Jeder Mensch hat ja seinen eigenen Prozess und seine eigenen Themen. Viele wissen gar nicht, was eigentlich inneres Wachstum ist.

Neulich erst sagte eine Klientin zu mir, sie würde sehr gern bestimmte, geführte Meditationen hören, bei denen sie immer ganz friedlich und sanftmütig werde. Wann immer sie heftige Energien verspüre wie Wut oder Zorn, würde sie sich sogleich hinlegen und ihre Erzengel Meditation hören und werde wieder ganz sanft. Sie könne richtig merken, wie sie an dieser Meditation wachse.
Das ist ein fataler Irrtum. Sie wächst nicht, sie wird kleiner. Wut und Zorn sind machtvolle Kräfte in uns, sie sind wie die massiven Wurzeln, die den Baum in der Erde festhalten. Oder wie dicke Äste am Baum unseres Lebens. Sie immer und immer wieder zugunsten bevorzugter anderer Emotionen abzuschneiden, verhindert das Wachstum. Wir werden zum Bonsai. Diese kostbaren Kräfte darf man nicht wie Unkraut behandeln und sie immer wieder ausreißen.

Sie sind kein Unkraut. Sie sind die Kräfte, die uns stark, tatkräftig, mutig, wehrhaft und aufrecht sein lassen. Ohne sie werden wir immer nur Opfer sein, immer herumgeschuppst werden und nie unsere Ziele erreichen. Harmonie und Sanftmut sind auch wichtig, sie sollen ja auch nicht wie Unkraut entfernt werden. Aber ein Garten, in dem nichts anderes blüht als Veilchen, ist auch irgendwie langweilig. Natürlich müssen wir lernen, mit unserer Wut richtig umzugehen. Der Kernfehler, den viele begehen, besteht darin, dass sie ihre Wut an anderen auslassen. Also dazu ist die Wut nicht da. Das Feuer ist nicht dazu da, dass du deinen Nächsten damit verbrennst, sondern dein Haus wärmst. Zu diesem Thema habe ich übrigens auch ein Buch geschrieben "Keine Liebe ohne Hoffnung". Darin geht es um die vielfältigen Wachstumsprozesse, die sich zum Beispiel aus Konflikten ergeben können. Falls das gerade dein Thema ist, meine Bücher gibt es bei Amazon aber auch überall im Buchhandel.


Am Sonntag ist im Café Frida ein Frühstücksbuffet mit Lifemusik. Ich habe mich dazu angemeldet und freue mich schon darauf. Unser Band Leader Thorsten Urban spielt und noch jemand. Anschließend fahre ich dann mit dem Zug nach Hamburg und besuche Jana. Wir wollen zusammen eine Veranstaltung besuchen. Mal sehen, wie es wird. Ich kann ja anschließend darüber berichten. Für heute lasse ich es gut sein. Zum Schluss noch ein cooles Bild von mir aus meiner Frühkindheit. Bin ich nicht ein moppeliges, süßes Baby? Das Bild dürfte so um 1958 aufgenommen worden sein. Tschüss bis bald.