Wieder gibt es Neuigkeiten und neue Ideen und das kam so:
Nach dem Wagen und Winnen Wochenende war und blieb ich kaputt. Das war irritierend. Eine Woche verging, zwei Wochen vergingen, drei Wochen...die innere Erschöpfung wollte sich nicht wieder legen. Ich war schließlich alarmiert. Körperlich erholte ich mich ganz schnell wieder, aber seelisch irgendwie nicht. Es schien soweit alles gut zu sein, aber sobald jemand irgendeine Leistung von mir forderte und sei es auch nur, eine Kanne Kaffee zu kochen, kam in mir so ein massives "Oh nein, ich kann nicht, mir ist alles zu viel" Gefühl hoch. Es war verwirrend. Ich brauchte eine Weile, bis ich dahinter kam. Ich prozessierte das, träumte darüber und gab mir redlich Mühe, herauszufinden, was denn eigentlich mit mir los war.
Soviel weiß ich aufgrund meiner früheren Tätigkeit als Schamanin und Coach: Es gibt eigentlich nur zwei Phänomene, die uns Menschen die Kraft nachhaltig rauben können: Angst und Selbstzweifel. Diese beiden wirken sich auf unsere Kräfte immer schwächend und auch nachhaltig schwächend aus. Da ist man nicht nur einmal kurz schwach und erstarkt dann wieder, sondern man wird immer schwächer. Die Kraft verlässt uns langsam, so wie die Luft ganz langsam aus einem Luftballon entweicht, der ein mikokleines Loch hat. Damit hatte ich zumindest eine Idee oder einen Ansatz dafür, wie und wo ich zu suchen hatte. Aber die Angst hatte sich versteckt. Sie wollte nicht gefunden werden.
Schließlich gelang es dennoch, die richtigen Ereignisse, Botschaften und Träume zu erleben, zu hören und zu bekommen und alles zusammenzusetzen. Dann war es auf einmal klar. Durch Wagen und Winnen bin ich mit etwas konfrontiert worden. Nicht nur während des Wochenendes, sondern schon beim Aufbau, angefangen mit dem Mittwoch zuvor und weiter mit dem Abbau hatte ich die ganze Zeit über permanent Angst, meine Kräfte würden nicht ausreichen. So etwas habe ich als jüngere Frau niemals erlebt. Da habe ich mich einfach kopfüber in die Dinge hineingeworfen wie Damon in den reißenden Fluss und mir gesagt, ich schwimme da schon irgendwie durch. Inzwischen habe ich aber meinen sechzigsten Geburtstag gefeiert und fühle mich nicht mehr so stark wie früher. Ich habe Angst, richtig fiese Angst davor, dass meine physischen Kräfte für das Unternehmen Café Anhalt nicht mehr ausreichen. Damit hatte ich aber nicht nur eines, sondern sogar beide schwächenden Phänomene zusammen: Angst, nicht mehr stark genug zu sein und Zweifel, es noch schaffen zu können. (Zwei zum Preis von einem, na toll)
Zum Thema Angst und Angstbewältigung hab ich ja selbst ein Buch geschrieben. Übrigens ein sehr lesenswertes: "Der Wendepunkt der Angst". Das kann ich sehr empfehlen. Man kann es zum Beispiel bei Amazon bestellen. Natürlich waren mir die Informationen aus diesem Buch präsent. Ich hätte mich gern der Angst gestellt, sprich, einfach angefangen mit dem Café, um mich selbst zu überzeugen, dass ich nicht zu schwach dafür geworden bin. Leider geht das nicht. Dem Vermieter ist kürzlich die Vermutung rausgerutscht, dass es noch ein halbes Jahr dauern wird.
Diese Angst war während des Wagen und Winnen Wochenendes ganz präsent gewesen, danach aber tief um Untergrund verschwunden, von wo aus sie mir Löcher in die Kraft bohrte, ebenso der Selbstzweifel. Immerhin habe ich es herausgefunden. Schon mal gut, schon mal ein halber Schritt. Aber wie geht es weiter? Leider war niemand in der Nähe, mit dem ich mich darüber austauschen konnte. Ich rief schließlich Jana an und sie half mir tatsächlich richtig gut. Wir sprachen darüber, dass ich ja inzwischen schon ein Jahr arbeitslos bin und dass solche Zustände auch damit zu tun haben. Eigentlich ist das sogar ein ziemlich typischer Zustand für eine langzeitarbeitslose Person. Das Selbstbewusstsein und die Leistungsfähigkeit schwinden.
Jana erzählte mir, dass es beim Arbeitsamt Maßnahmen gibt, in denen die Langzeitarbeitslosen erst einmal nur zwei Stunden pro Tag arbeiten. Dann wird die Arbeitszeit allmählich gesteigert. Das kam mir ziemlich gut vor. Zwei bis vier Stunden pro Tag zu arbeiten, kann ich mir noch vorstellen, ohne Angst zu bekommen. Wir hatten auch die Idee, dass ich vielleicht in einem der hiesigen Cafés jobben könnte. Das gefiel mir aber nicht so gut. Da setzen gleich meine Ängste ein, ich könne womöglich den dortigen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. (Oh Mann, es wurde Zeit, auf dies Problem aufmerksam zu werden.) Dann hatten wir die zündende Idee: Ein Coffe to go Stand vor dem Bahnhof als Übergangslösung, bis ich wirklich mit dem Café beginnen kann.
Das ist natürlich eine gute Möglichkeit, mich der Angst zu stellen. Schon allein die Idee ließ mir Kraft zuströmen. Das vorherige "Oh nein, ich kann nicht, mir ist alles zu viel" Gefühl war wie weggeblasen. Ich wurde gleich mal aktiv und begann mit telefonieren. Damit fängt heutzutage immer jedes Vorhaben an. Ich suchte im Internet nach einem geeigneten Stand oder Wagen oder Zelt oder was auch immer. Die Dame vom Amt für Hygiene war so lieb. Ich schickte ihr den Link zu jenen Angeboten und wir betrachteten sie am Telefon zusammen. Sie konnte mir dann jeweils sagen, was da möglich ist, was gefordert wird und was inakzeptabel ist. Schon wieder was gelernt.
Als nächstes whatsappte ich mit meinem Vermieter, dem Besitzer des Bahnhofs. Er muss ja auch einverstanden sein. Er hatte nichts dagegen, dass ich so einen Stand aufmache. Als Standort schlug er die hintere Terrasse vor. Das ist zwar nicht optimal, aber dafür machbar. Inzwischen war ich schon im Rathaus und habe dort zusammen mit Frau Schwerin - was für eine tolle und nette Frau! - den Lageplan angeschaut. Das umgebende Grundstück gehört fast vollständig der Bahn. Ich glaube nicht, dass es großen Sinn macht, bei der Bahn um den Platz am Giebel zu ersuchen. Die Bahn ist wirklich sehr umständlich und bürokratisch. Außerdem wird sie mir eine hohe Standmiete aufdrücken. Ich kann ja trotzdem mal einen Versuch starten, aber die Terrasse hinter dem Bahnhof gehört zu Herrn Schulz, dem Bahnhofsbesitzer.
Ich sprach erst einmal mit ein paar Leuten in der Hoffnung auf Anregungen, die auch prompt kamen. Die Idee, nach so einer Holzhütte zu suchen, wie man sie auf Weihnachtsmärkten sieht, gefielt mir am besten. Wer vermietet solche Hütten? Was kostet das? Es stellte sich heraus, dass der Märchenpark, der offenbar früher immer solche Hütten vermietet hat, dies nicht mehr tut. Auch die früheren Hütten sind alle verkauft. Die Stadt hat nur zwei Hütten, die für den Weihnachtsmarkt gebraucht werden. Ich fragte Frau Schwerin im Rathaus, ob sie eine Idee hat. Gerade, als wir darüber sprachen, kam Herr Kupfer, ein hiesiger Unternehmer, zur Tür herein. Frau Schwerin verwickelte ihn charmant in unser Gespräch und Herr Kupfer, selbst ebenfalls sehr charmant, ließ sich auch verwickeln.
Er hängte sich ans Telefon und fragte ein wenig herum wegen so einer Holzhütte. Am Ende schien es die beste Idee zu sein, so eine Hütte einfach beim Haagebau zu kaufen. Ich fuhr dann auch sofort dort hin und schaute mir die Möglichkeiten an. In der Tat gab es dort eine Verkaufshütte aus Holz mit aufklappbaren Fenstern genau passend für mein Anliegen. Der Preis, der mir genannt wurde, war aber viel zu hoch. Da waren wir mit dem Zubehör und dem Aufbauen schon weit über tausend Euro. Ich habe nicht mehr so viel Geld von Gerards Kredit. Ich will nicht alles, was noch da ist für diese Hütte ausgeben, zumal ich auch noch einige Dinge für das Café benötigen werde, die ich jetzt noch nicht habe.
Die ganzen großen und teuren Anschaffungen habe ich schon alle getätigt. Der ganze Krempel ist jetzt drüben im grauen Haus eingelagert. Aber wenn es dann schließlich soweit ist, werden noch viele kleine Dinge fehlen wie Lampen, Deko, irgendwelche Töpfe, an die ich noch nicht gedacht habe, Küchenzubehör, was weiß ich noch alles. Man sollte niemals unterschätzen, was einen all die kleinen Anschaffungen noch kosten. Außerdem muss ich ja auch noch das Essen bezahlen. Es war nicht meine Absicht, diese Geld jetzt auszugeben, eher will ich es jetzt ein wenig vermehren.
Dann erzählte mir der Händler, die Hütte stünde ja seit dem Frühjahr aufgebaut als Anschauungsobjekt dort auf dem Hof. Ich meinte, dann sei sie ja eigentlich gebraucht und fragte nach einem Preis für diese gebrauchte Hütte. Schließlich willigte er ein, mir die fertige Hütte für 500 Euro zu geben und sie wollten dann auch versuchen, die Hütte mit einem Gabelstapler zu mir rüber zu bringen. Haagebau ist ja bei uns in Salzwedel direkt neben dem Bahnhof. Neulich hat mir einer der Verkäufer auch schon einmal drei Paletten mal eben mit dem Gabelstapler rübergefahren. Also das ist ein Schnäppchen! Keine Transport- und Aufbaukosten und die fertige Hütte vor die Tür! Super!!!
Ich bat darum, mir die Hütte ein paar Tage zu reservieren, denn ich wollte nicht noch einmal so voreilig und dumm handeln, wie ich es bei der teuren Kaffeemaschine getan hatte. Diesen Fehler bedaure ich sehr, zumal er mich so schrecklich viel Geld gekostet hat. Diesmal wollte ich es richtig machen. Zuerst telefonierte ich noch einmal mit dem Amt für Hygiene und erkundigte mich nach den Notwendigkeiten, die für eine Holzhütte gelten. Ich benötige einen Glühweinkocher, um heißes Wasser darin zu machen. Das ist Pflicht, da ich keinen direkten Wasseranschluss habe. Offenbar ist diese Regelung neu. Die Dame erzählte mir, dass im letzten Jahr auf dem Weihnachtsmarkt die Stromversorgung zusammengebrochen sei, weil sich alle Aussteller gleichzeitig so ein Ding zulegen mussten. Hm. Das muss ich bedenken.
Ich hab schon mal im Internet und auch bei der Metro geschaut, was solche Dinger kosten. Die gibt es schon für 40 bis 50 Euro, kein Weltuntergang also. Für die to go Becher gibt es große Preisunterschiede, aber - wie Nadine einwandte - auch große Qualitätsunterschiede. Die geriffelten, die Nadine am besten findet, weil man sich nie die Finger verbrennt, sehen leider so unprofessionell aus. Eigentlich möchte ich lieber die bunten aus Pappe. Mal sehen. Ich muss mir jetzt wohl mal ein paar Coffe to go kaufen, um einen Eindruck zu bekommen. Herr Schulz, mein Vermieter ist einverstanden mit der Hütte, begeistert ist er allerdings nicht davon. Er findet, dass sei Geldverschwendung.
Er sagte mir auf Whatsapp mehrfach, dass ich doch nur noch ein klein wenig warten muss und dann könnte ich mich im Bahnhof aufstellen zum Beispiel in der Haupthalle oder am Fenster im Café, also in einer Ecke, in der nicht mehr gebaut wird. Natürlich hat die Idee, nicht im Freien frieren zu müssen, etwas Bestechendes, aber hier sehe ich auch unüberwindliche Nachteile. Ich will ja nicht den ganzen Tag über schon Kaffee verkaufen, sondern erst mal nur stundenweise. Das ist ja meine persönliche Arbeitstherapie für mich selbst. Wenn ich fertig bin, dann kann ich die Bude einfach absperren und alles drinnen lassen, wie es ist.
Wenn ich aber einen Verkaufsstand oder Verkaufstisch drinnen habe, was mache ich dann mit all den Sachen, wenn ich fertig bin? Das müsste ich ja dann alles wegräumen und wegschließen: Den Kaffeeautomaten, die Kaffeemaschine, die Becher, Filtertüten, Rührstäbchen, Handtücher usw. Und der Kühlschrank ist nicht abschließbar. Diese ganze Räumarbeit will ich mir nicht nochmal zumuten. Alles Bewegliche müsste dann jeden Tag einmal herangeschafft und später wieder weggestaut werden, und gerade Tragen ist ein Problem für mich. Wenn ich den Stand tatsächlich im Café aufmache, könnte ich vielleicht abschließen, also theoretisch. Praktisch aber nicht wegen der Handwerker.
Selbst wenn der Café Raum selber fertig ist, muss ja noch der Personalraum und die Personaltoilette gemacht werden und ebenso auch der Unterbringungsraum für die Vorräte. In diesen Bereichen ist noch lange nicht fertig renoviert. Damit ist aber auch der Gedanke gestorben, dass ich überhaupt schon im Café stehen könnte. Die Handwerker werden da ständig durchgehen und Dreck verursachen. Im Unterbringungsraum und in meinem Flur müssen noch die Fliesen herausgestemmt werden. Das macht richtig Baustaub. Die Handwerker werden auch ihre Werkzeuge und anderen Kram im Café lagern. Irgendwo muss das Zeugs ja hin und sie wollen auch einen abschließbaren Raum für wertvolle Werkzeuge haben.
Ich würde mitten in einer Baustelle stehen und zwar in einer aktiven Baustelle. Das allerdings erlaubt das Amt für Hygiene nicht. Mir wurde heute am Telefon dazu gesagt, ich könne mich nur in einem Raum aufstellen, in dem nicht mehr gearbeitet würde. Herr Schulz sagte mir, dass das Café sehr bald fertig sein würde und riet mir, jetzt schon mit den Überlegungen für die Küche zu beginnen. Er würde das vermutlich wirklich so machen, aber ich kann das nicht. Das habe ich in meinem Leben immer wieder festgestellt, ich kann mir das nicht VORSTELLEN. Wenn Leute mir irgendwelche Sofas oder Schränke bewegt haben, mussten sie sie immer wieder von einer Ecke in die andere stellen, bis ich schließlich den perfekten Platz dafür gefunden hatte.
Ehrlich gesagt glaube ich, dass es den meisten Menschen so geht, auch denen, die meinen, es sei bei ihnen nicht so. Es gibt vermutlich nur ganz wenige wirklich begnadete Menschen, die einen Raum tatsächlich in der Theorie einrichten können, so dass es in der Praxis auch wirklich schön und gemütlich ist. Nach meiner Beobachtung haben viele Menschen einfach nur kein Gefühl für Gemütlichkeit. Sie richten ihre Zimmer im Computer ein und es geht dabei nur um Platz und Licht, eventuell noch um Steckdosenzugang. Aber wie man sich am Ende FÜHLT, wenn man sich dann in dem so eingerichteten Raum befindet, das berücksichtigen sie weder vorher noch überhaupt. In solchen Wohnungen bin ich schon so oft gewesen, wenn ich zum Beispiel Klienten besucht habe. Da steht dann zum Beispiel der Computertisch in einer Ecke an der Wand mit dem Rücken zum Raum.
Jeder Fachmann wird bestätigen, dass es in der Natur des Menschen liegt, mit dem Gesicht zum Raum und der Wand im Rücken zu arbeiten. Es ist ein uraltes Sicherheitsbedürfnis aus gefährlicheren Zeiten, in denen man alles im Blick haben musste, um Feinde rechtzeitig kommen zu sehen. Nur ein Theoretiker kann so etwas vergessen. Ich habe auch Wohnungen gesehen, in denen man immer erst über einen Sessel oder ein Sofa krabbeln musste, um an irgend etwas heranzukommen. Anderenorts befanden sich die Dinge, die man immer zusammen braucht, weit von einander entfernt. Etwa die Dosen mit dem Katzenfutter in der Vorratskammer, welche sich nicht direkt an die Küche anschloss, sondern einen ganzen Flur weiter war, der fest installierte Dosenöffner an der Küchenwand und die Futterstelle für die Katzen in der Tenne.
Einmal war ich in einer sehr nobel eingerichteten Wohnung, alles vom Feinsten, in der es keinen einzigen bequemen Stuhl oder Sessel gab, nur Rückenbrecher. So etwas passiert nicht, wenn man den Raum aktiv gestaltet und einrichtet. Nicht, dass ich Fachfrau dafür wäre, keineswegs, aber ich verstehe etwas von Gemütlichkeit und Wohlgefühl. Wenn ich in Altensalzwedel einen Raum eingerichtet habe, dann habe ich immer damit angefangen, einen einzigen Stuhl in den Raum zu bringen. Diesen Stuhl habe ich so lange hin und her bewegt und mich darauf gesetzt, bis ich den perfekten Platz für diesen Stuhl gefunden hatte - fühlend gefunden hatte, nicht optisch. Es geht nicht darum, wie der Stuhl im Raum aussieht, sondern wie es sich anfühlt, an diesem Platz im Raum zu sitzen. Und wenn der perfekte Standort für den Stuhl gefunden war, habe ich den Raum so nach und nach drum herum aufgebaut - immer mit dem Fokus auf das Gefühl gerichtet.
Mein Aufenthaltsraum in Altensalzwedel
Sicher, gut aussehen muss es am Ende schon auch noch, besonders im Café, aber ich erachte das tatsächlich als zweitranging hinter dem guten Gefühl. Und es spricht nichts dagegen, beides herzustellen. In meiner künftigen Küche muss ich es ebenso machen. Ich werde jene Küchenmöbel, die an einen festen Standort gebunden sind, als erstes hinstellen. Dann sehe ich, wo noch Platz ist und wie viel. Und dann baue ich alles so drum herum, das es so logistisch wie nur irgend möglich wird. Logistisch soll in meinem Fall aber nicht so sehr effizient heißen, sondern mehr Kräfte sparend, was aber mehr oder weniger auf dasselbe hinausläuft. Wenn ich das jetzt theoretisch mache, muss ich es später nur noch einmal machen, weil es ja dann doch nicht passt oder uns etwas auffällt, was zuvor nicht bedacht wurde.
Ein Bekannter von mir hat einmal seinen Raum ausgemessen und sich ein Sofa gekauft, das genau in die Ecke passte. Dabei hat er leider nicht bedacht, dass die Wände noch nicht verputzt waren. Nach dem Verputzen der Wände hat das Sofa nicht mehr in die Ecke gepasst. Jana erzählte mir heute am Telefon, sie würde sich auch vorher ihre Räume mit Papierschnitzeln auf einer Lageskizze zurechtlegen. Als ich sie dann fragte, ob die Räume dann hinterher auch wirklich so eingerichtet worden sind wie auf der Skizze, da gab sie lachend zu, dass dies niemals der Fall gewesen sei.
Außerdem, wenn ich jetzt in der Theorie mit der Küche anfange, wird mir klar, ich brauche noch dies oder das. Dann gehe ich ins Internet und finde das Gesuchte vielleicht heute besonders günstig und will es gleich haben. Und schon hab ich noch ein Möbelstück oder Gerät, von dem ich nicht weiß, wohin damit. Ich mache das, wenn es soweit ist. Aber ich weiß die Fürsorge meines Vermieters zu schätzen. Er meint es gut mit mir. Er selbst würde bestimmt auch so vorgehen, sich alles in der Theorie oder in einem Computerprogramm schon einmal aufzubauen. Leider kann ich mir keinen Küchenprofi leisten. Aber irgendwie kriege ich das auch selbst hin. Herr Schulz findet, ich vergeude meine Energie mit der Hütte und anschließend muss die Hütte wieder verkauft werden. Vielleicht ist er auch besorgt, dass die Hütte dann noch monatelang vor der Tür herumsteht.
Wieder verkaufen muss ich sie wohl. Eigentlich schade. Es ist so eine coole Hütte. Sicher könnte man sie auch weiterhin gebrauchen für Events und so. (Und falls ich pleite gehe, könnte ich darin hausen) (Das war nur ein Witz) Aber ich habe nun einmal keinerlei Grundstück mehr, wo ich sie lagern könnte und ich habe auch keine eigene Transportmöglichkeit.
Vorhin bin ich zu Nadine und Heinrich gefahren, um noch einmal über die Idee zu sprechen und auch über die Bedenken von Herrn Schulz. Es schadet nicht, die Überlegungen anderer einzubeziehen. Das ist Einbindung von Fremdkompetenz. Ich werde die Hütte aber jetzt kaufen. Mein Gefühl will es.
Es gibt da noch einige Dinge zu erledigen, ich weiß noch nicht einmal genau, mit wem ich jetzt alles noch sprechen muss. Ach und die Hütte muss noch lasiert werden. Dazu hab ich ja so was von keine Lust. Puh! Ächts! (Selina fängt andauernd die Computermaus. Sie möchte, dass ich jetzt langsam aufhöre und mich ihr widme). Aber in Gottes Namen, dann lasiere ich die Hütte eben noch. Ich wünschte, jemand anderes würde mir das abnehmen, aber ich habe jetzt kein Geld mehr, jemand anderes zu bezahlen. Innen muss ich noch abwischbare Farbe anstreichen an den Stellen, wo es evtl. Spritzer geben könnte, hinter der Kaffeemaschine zum Beispiel. Das ist auch eine Auflage der Hygiene. Wegen der Farbe frag ich morgen noch im Haagebau nach.
Jetzt schlabbert Selina mir die Finger ab, weil ich die Maus in der Hand halte. Katzen haben es drauf, uns von der Arbeit abzuhalten. Vermutlich muss ich noch beim Finanzamt Bescheid sagen, eine Versicherung brauche ich auch und das Arbeitsamt bekommt noch die Veränderungsmitteilung. Das aber erst, wenn die Veränderung da ist. Noch bin ich in den Vorbereitungen. Jetzt muss ich erst einmal nachgeben. Selina will mit mir fernsehen.
30.9.2017
So, heute habe ich Nägel mit Köpfen gemacht und die Hütte bei Haagebau gekauft. Jetzt bin ich wieder Besitzerin eines Eigenheims. (hi hi)
Noch steht die Hütte bei Haagebau auf dem Platz. Lasur habe ich auch gleich gekauft. Nächste Woche will der Vermieter wieder nach Salzwedel kommen, dann müssen wir noch einmal über den Stellplatz reden. Ich habe schon gesehen, dass es da Probleme geben wird. Quer kann die Hütte wohl nicht stehen, weil da ein Laternenpfahl im Weg steht. Außerdem ist es fraglich, ob der Gabelstapler sie überhaupt um die Ecke kriegt. Der Zugang ist eh schmal und durch das Baugerüst ist da noch weniger Platz. Am Ende muss ich vielleicht doch auf den kleinen Platz ausweichen, auf dem die öffentliche Toilette aufgebaut gewesen ist. Der kleine Platz gehört auch meinem Vermieter. Ich glaube aber, das ein ehemaliger Toilettenbereich kein gutes Karma für einen Kaffeestand bietet. Hm mal sehen, wie wir das lösen.
Was gibt es sonst noch so Neues? Ach ja, ich habe jetzt ein Hörgerät. Ich benötige es kaum, eigentlich nur in speziellen Situationen, wo viele Nebengeräusche sind. Da allerdings muss ich es immer auf volle Lautstärke stellen. Die Dinger sind nämlich auch verstellbar. Es gibt verschiedene Programme. Programm 3 ist für Situationen mit lauten Nebengeräuschen. So ist es zum Beispiel in der Trommelgruppe. Man kann nicht 10 Leute vor Trommeln setzen und davon ausgehen, dass sie ihre Hände still halten. Ein oder zwei Leute dreschen immer gerade auf der Trommel herum. In der Gruppe sind die Nebengeräusche immer laut und die Leute immer extrem leise. Als ich das erste Mal mit meinem Hörgerät dorthin gekommen bin, habe ich zum ersten Mal mitgekriegt, worüber die eigentlich so reden. Das Gerät selbst ist fast unsichtbar.
Man sieht nur ein kleines Kabel. Aber wenn dann in der Gruppe getrommelt wird, muss ich das Hörgerät ganz schnell aus den Ohren zupfen, sonst fallen sie mir ab. Auch bei der Finisage von Wagen und Winnen hat mir das Hörgerät gute Dienste geleistet.
Da saßen knapp zwanzig Personen um den Tisch herum und hielten eine Nachbesprechung des Wagen und Winnen Wochenendes ab. Ohne Hörgerät hätte ich da gar nichts mitgekriegt, aber so verstand ich alles. Das ist großartig. Da ich vor ein paar Tagen auch eine neue Brücke in den Mund bekommen habe, wo die letzten 20 Jahre nur Zahnlücken waren, darf man mich jetzt Cyber Cim nennen, oder vielleicht Kim von den Borg. 😊
Morgen mache ich mit Heike Hofflohmarkt in Jeggeleben. Jan und Heike planen mittelfristig dort auszuziehen und wollen sich schon einmal von all den vielen Sachen trennen, die sich auf so einem großen Hof so ansammeln. Heikes Eltern, die sie dort gepflegt hat, sind dieses Jahr gestorben, mein Vater wird ihnen sicher bald folgen. Dann wollen sie das Haus vermieten. Das ist immerhin ein Plan. Morgen werde ich früh mit dem Dreirad losfahren, denn nach Jeggeleben sind es zwanzig Kilometer von hier aus. Ich habe schon gesehen, dass es dort eine Menge interessanter Dinge gibt. Ich werde meinen Lap Top mitnehmen und damit noch alle größeren Objekte bei Ebay Kleinanzeigen einstellen. Damit habe ich auch sehr gute Erfahrungen gemacht, als ich letztes Jahr um diese Zeit meinen eigenen Räumungsflohmarkt gemacht habe.
Die Leute sind von überall her gekommen, um die Sachen zu kaufen, die ich dort eingestellt hatte. Dadurch ist genügend Geld für meinen Umzug herein gekommen. Das war sehr praktisch.
Und jetzt begebe ich mich auf mein Laufband, wo ich in einem bescheidenen Umfange meinen persönlichen leider nicht so bescheidenen Umfang in Bewegung bringen werde.












































