Samstag, 30. September 2017

Cyber Cim von den Borg 😊

28.9.2017
Wieder gibt es Neuigkeiten und neue Ideen und das kam so:
Nach dem Wagen und Winnen Wochenende war und blieb ich kaputt. Das war irritierend. Eine Woche verging, zwei Wochen vergingen, drei Wochen...die innere Erschöpfung wollte sich nicht wieder legen. Ich war schließlich alarmiert. Körperlich erholte ich mich ganz schnell wieder, aber seelisch irgendwie nicht. Es schien soweit alles gut zu sein, aber sobald jemand irgendeine Leistung von mir forderte und sei es auch nur, eine Kanne Kaffee zu kochen, kam in mir so ein massives "Oh nein, ich kann nicht, mir ist alles zu viel" Gefühl hoch. Es war verwirrend. Ich brauchte eine Weile, bis ich dahinter kam. Ich prozessierte das, träumte darüber und gab mir redlich Mühe, herauszufinden, was denn eigentlich mit mir los war.

Soviel weiß ich aufgrund meiner früheren Tätigkeit als Schamanin und Coach: Es gibt eigentlich nur zwei Phänomene, die uns Menschen die Kraft nachhaltig rauben können: Angst und Selbstzweifel. Diese beiden wirken sich auf unsere Kräfte immer schwächend und auch nachhaltig schwächend aus. Da ist man nicht nur einmal kurz schwach und erstarkt dann wieder, sondern man wird immer schwächer. Die Kraft verlässt uns langsam, so wie die Luft ganz langsam aus einem Luftballon entweicht, der ein mikokleines Loch hat. Damit hatte ich zumindest eine Idee oder einen Ansatz dafür, wie und wo ich zu suchen hatte. Aber die Angst hatte sich versteckt. Sie wollte nicht gefunden werden.


Schließlich gelang es dennoch, die richtigen Ereignisse, Botschaften und Träume zu erleben, zu hören und zu bekommen und alles zusammenzusetzen. Dann war es auf einmal klar. Durch Wagen und Winnen bin ich mit etwas konfrontiert worden. Nicht nur während des Wochenendes, sondern schon beim Aufbau, angefangen mit dem Mittwoch zuvor und weiter mit dem Abbau hatte ich die ganze Zeit über permanent Angst, meine Kräfte würden nicht ausreichen. So etwas habe ich als jüngere Frau niemals erlebt. Da habe ich mich einfach kopfüber in die Dinge hineingeworfen wie Damon in den reißenden Fluss und mir gesagt, ich schwimme da schon irgendwie durch. Inzwischen habe ich aber meinen sechzigsten Geburtstag gefeiert und fühle mich nicht mehr so stark wie früher. Ich habe Angst, richtig fiese Angst davor, dass meine physischen Kräfte für das Unternehmen Café Anhalt nicht mehr ausreichen. Damit hatte ich aber nicht nur eines, sondern sogar beide schwächenden Phänomene zusammen: Angst, nicht mehr stark genug zu sein und Zweifel, es noch schaffen zu können. (Zwei zum Preis von einem, na toll)

Zum Thema Angst und Angstbewältigung hab ich ja selbst ein Buch geschrieben. Übrigens ein sehr lesenswertes: "Der Wendepunkt der Angst". Das kann ich sehr empfehlen. Man kann es zum Beispiel bei Amazon bestellen. Natürlich waren mir die Informationen aus diesem Buch präsent. Ich hätte mich gern der Angst gestellt, sprich, einfach angefangen mit dem Café, um mich selbst zu überzeugen, dass ich nicht zu schwach dafür geworden bin. Leider geht das nicht. Dem Vermieter ist kürzlich die Vermutung rausgerutscht, dass es noch ein halbes Jahr dauern wird.

Diese Angst war während des Wagen und Winnen Wochenendes ganz präsent gewesen, danach aber tief um Untergrund verschwunden, von wo aus sie mir Löcher in die Kraft bohrte, ebenso der Selbstzweifel. Immerhin habe ich es herausgefunden. Schon mal gut, schon mal ein halber Schritt. Aber wie geht es weiter? Leider war niemand in der Nähe, mit dem ich mich darüber austauschen konnte. Ich rief schließlich Jana an und sie half mir tatsächlich richtig gut. Wir sprachen darüber, dass ich ja inzwischen schon ein Jahr arbeitslos bin und dass solche Zustände auch damit zu tun haben. Eigentlich ist das sogar ein ziemlich typischer Zustand für eine langzeitarbeitslose Person. Das Selbstbewusstsein und die Leistungsfähigkeit schwinden.

 

Jana erzählte mir, dass es beim Arbeitsamt Maßnahmen gibt, in denen die Langzeitarbeitslosen erst einmal nur zwei Stunden pro Tag arbeiten. Dann wird die Arbeitszeit allmählich gesteigert. Das kam mir ziemlich gut vor. Zwei bis vier Stunden pro Tag zu arbeiten, kann ich mir noch vorstellen, ohne Angst zu bekommen. Wir hatten auch die Idee, dass ich vielleicht in einem der hiesigen Cafés jobben könnte. Das gefiel mir aber nicht so gut. Da setzen gleich meine Ängste ein, ich könne womöglich den dortigen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. (Oh Mann, es wurde Zeit, auf dies Problem aufmerksam zu werden.) Dann hatten wir die zündende Idee: Ein Coffe to go Stand vor dem Bahnhof als Übergangslösung, bis ich wirklich mit dem Café beginnen kann.

Das ist natürlich eine gute Möglichkeit, mich der Angst zu stellen. Schon allein die Idee ließ mir Kraft zuströmen. Das vorherige "Oh nein, ich kann nicht, mir ist alles zu viel" Gefühl war wie weggeblasen. Ich wurde gleich mal aktiv und begann mit telefonieren. Damit fängt heutzutage immer jedes Vorhaben an. Ich suchte im Internet nach einem geeigneten Stand oder Wagen oder Zelt oder was auch immer.  Die Dame vom Amt für Hygiene war so lieb. Ich schickte ihr den Link zu jenen Angeboten und wir betrachteten sie am Telefon zusammen. Sie konnte mir dann jeweils sagen, was da möglich ist, was gefordert wird und was inakzeptabel ist. Schon wieder was gelernt.

Als nächstes whatsappte ich mit meinem Vermieter, dem Besitzer des Bahnhofs. Er muss ja auch einverstanden sein. Er hatte nichts dagegen, dass ich so einen Stand aufmache. Als Standort schlug er die hintere Terrasse vor. Das ist zwar nicht optimal, aber dafür machbar. Inzwischen war ich schon im Rathaus und habe dort zusammen mit Frau Schwerin - was für eine tolle und nette Frau! - den Lageplan angeschaut. Das umgebende Grundstück gehört fast vollständig der Bahn. Ich glaube nicht, dass es großen Sinn macht, bei der Bahn um den Platz am Giebel zu ersuchen. Die Bahn ist wirklich sehr umständlich und bürokratisch. Außerdem wird sie mir eine hohe Standmiete aufdrücken. Ich kann ja trotzdem mal einen Versuch starten, aber die Terrasse hinter dem Bahnhof gehört zu Herrn Schulz, dem Bahnhofsbesitzer.

Ich sprach erst einmal mit ein paar Leuten in der Hoffnung auf Anregungen, die auch prompt kamen. Die Idee, nach so einer Holzhütte zu suchen, wie man sie auf Weihnachtsmärkten sieht, gefielt mir am besten. Wer vermietet solche Hütten? Was kostet das? Es stellte sich heraus, dass der Märchenpark, der offenbar früher immer solche Hütten vermietet hat, dies nicht mehr tut. Auch die früheren Hütten sind alle verkauft. Die Stadt hat nur zwei Hütten, die für den Weihnachtsmarkt gebraucht werden. Ich fragte Frau Schwerin im Rathaus, ob sie eine Idee hat. Gerade, als wir darüber sprachen, kam Herr Kupfer, ein hiesiger Unternehmer, zur Tür herein. Frau Schwerin verwickelte ihn charmant in unser Gespräch und Herr Kupfer, selbst ebenfalls sehr charmant, ließ sich auch verwickeln.

Er hängte sich ans Telefon und fragte ein wenig herum wegen so einer Holzhütte. Am Ende schien es die beste Idee zu sein, so eine Hütte einfach beim Haagebau zu kaufen. Ich fuhr dann auch sofort dort hin und schaute mir die Möglichkeiten an. In der Tat gab es dort eine Verkaufshütte aus Holz mit aufklappbaren Fenstern genau passend für mein Anliegen. Der Preis, der mir genannt wurde, war aber viel zu hoch. Da waren wir mit dem Zubehör und dem Aufbauen schon weit über tausend Euro. Ich habe nicht mehr so viel Geld von Gerards Kredit. Ich will nicht alles, was noch da ist für diese Hütte ausgeben, zumal ich auch noch einige Dinge für das Café benötigen werde, die ich jetzt noch nicht habe.


Die ganzen großen und teuren Anschaffungen habe ich schon alle getätigt. Der ganze Krempel ist jetzt drüben im grauen Haus eingelagert. Aber wenn es dann schließlich soweit ist, werden noch viele kleine Dinge fehlen wie Lampen, Deko, irgendwelche Töpfe, an die ich noch nicht gedacht habe, Küchenzubehör, was weiß ich noch alles. Man sollte niemals unterschätzen, was einen all die kleinen Anschaffungen noch kosten. Außerdem muss ich ja auch noch das Essen bezahlen. Es war nicht meine Absicht, diese Geld jetzt auszugeben, eher will ich es jetzt ein wenig vermehren.

Dann erzählte mir der Händler, die Hütte stünde ja seit dem Frühjahr aufgebaut als Anschauungsobjekt dort auf dem Hof. Ich meinte, dann sei sie ja eigentlich gebraucht und fragte nach einem Preis für diese gebrauchte Hütte. Schließlich willigte er ein, mir die fertige Hütte für 500 Euro zu geben und sie wollten dann auch versuchen, die Hütte mit einem Gabelstapler zu mir rüber zu bringen. Haagebau ist ja bei uns in Salzwedel direkt neben dem Bahnhof. Neulich hat mir einer der Verkäufer auch schon einmal drei Paletten mal eben mit dem Gabelstapler rübergefahren. Also das ist ein Schnäppchen! Keine Transport- und Aufbaukosten und die fertige Hütte vor die Tür! Super!!!

Ich bat darum, mir die Hütte ein paar Tage zu reservieren, denn ich wollte nicht noch einmal so voreilig und dumm handeln, wie ich es bei der teuren Kaffeemaschine getan hatte. Diesen Fehler bedaure ich sehr, zumal er mich so schrecklich viel Geld gekostet hat. Diesmal wollte ich es richtig machen. Zuerst telefonierte ich noch einmal mit dem Amt für Hygiene und erkundigte mich nach den Notwendigkeiten, die für eine Holzhütte gelten. Ich benötige einen Glühweinkocher, um heißes Wasser darin zu machen. Das ist Pflicht, da ich keinen direkten Wasseranschluss habe. Offenbar ist diese Regelung neu. Die Dame erzählte mir, dass im letzten Jahr auf dem Weihnachtsmarkt die Stromversorgung zusammengebrochen sei, weil sich alle Aussteller gleichzeitig so ein Ding zulegen mussten. Hm. Das muss ich bedenken.

Ich hab schon mal im Internet und auch bei der Metro geschaut, was solche Dinger kosten. Die gibt es schon für 40 bis 50 Euro, kein Weltuntergang also. Für die to go Becher gibt es große Preisunterschiede, aber - wie Nadine einwandte - auch große Qualitätsunterschiede. Die geriffelten, die Nadine am besten findet, weil man sich nie die Finger verbrennt, sehen leider so unprofessionell aus. Eigentlich möchte ich lieber die bunten aus Pappe. Mal sehen. Ich muss mir jetzt wohl mal ein paar Coffe to go kaufen, um einen Eindruck zu bekommen. Herr Schulz, mein Vermieter ist einverstanden mit der Hütte, begeistert ist er allerdings nicht davon. Er findet, dass sei Geldverschwendung.

Er sagte mir auf Whatsapp mehrfach, dass ich doch nur noch ein klein wenig warten muss und dann könnte ich mich im Bahnhof aufstellen zum Beispiel in der Haupthalle oder am Fenster im Café, also in einer Ecke, in der nicht mehr gebaut wird. Natürlich hat die Idee, nicht im Freien frieren zu müssen, etwas Bestechendes, aber hier sehe ich auch unüberwindliche Nachteile. Ich will ja nicht den ganzen Tag über schon Kaffee verkaufen, sondern erst mal nur stundenweise. Das ist ja meine persönliche Arbeitstherapie für mich selbst. Wenn ich fertig bin, dann kann ich die Bude einfach absperren und alles drinnen lassen, wie es ist.

Wenn ich aber einen Verkaufsstand oder Verkaufstisch drinnen habe, was mache ich dann mit all den Sachen, wenn ich fertig bin? Das müsste ich ja dann alles wegräumen und wegschließen: Den Kaffeeautomaten, die Kaffeemaschine, die Becher, Filtertüten, Rührstäbchen, Handtücher usw. Und der Kühlschrank ist nicht abschließbar. Diese ganze Räumarbeit will ich mir nicht nochmal zumuten. Alles Bewegliche müsste dann jeden Tag einmal herangeschafft und später wieder weggestaut werden, und gerade Tragen ist ein Problem für mich. Wenn ich den Stand tatsächlich im Café aufmache, könnte ich vielleicht abschließen, also theoretisch. Praktisch aber nicht wegen der Handwerker.

Selbst wenn der Café Raum selber fertig ist, muss ja noch der Personalraum und die Personaltoilette gemacht werden und ebenso auch der Unterbringungsraum für die Vorräte. In diesen Bereichen ist noch lange nicht fertig renoviert. Damit ist aber auch der Gedanke gestorben, dass ich überhaupt schon im Café stehen könnte. Die Handwerker werden da ständig durchgehen und Dreck verursachen. Im Unterbringungsraum und in meinem Flur müssen noch die Fliesen herausgestemmt werden. Das macht richtig Baustaub. Die Handwerker werden auch ihre Werkzeuge und anderen Kram im Café lagern. Irgendwo muss das Zeugs ja hin und sie wollen auch einen abschließbaren Raum für wertvolle Werkzeuge haben.

Ich würde mitten in einer Baustelle stehen und zwar in einer aktiven Baustelle. Das allerdings erlaubt das Amt für Hygiene nicht. Mir wurde heute am Telefon dazu gesagt, ich könne mich nur in einem Raum aufstellen, in dem nicht mehr gearbeitet würde. Herr Schulz sagte mir, dass das Café sehr bald fertig sein würde und riet mir, jetzt schon mit den Überlegungen für die Küche zu beginnen. Er würde das vermutlich wirklich so machen, aber ich kann das nicht. Das habe ich in meinem Leben immer wieder festgestellt, ich kann mir das nicht VORSTELLEN. Wenn Leute mir irgendwelche Sofas oder Schränke bewegt haben, mussten sie sie immer wieder von einer Ecke in die andere stellen, bis ich schließlich den perfekten Platz dafür gefunden hatte.


Ehrlich gesagt glaube ich, dass es den meisten Menschen so geht, auch denen, die meinen, es sei bei ihnen nicht so. Es gibt vermutlich nur ganz wenige wirklich begnadete Menschen, die einen Raum tatsächlich in der Theorie einrichten können, so dass es in der Praxis auch wirklich schön und gemütlich ist. Nach meiner Beobachtung haben viele Menschen einfach nur kein Gefühl für Gemütlichkeit. Sie richten ihre Zimmer im Computer ein und es geht dabei nur um Platz und Licht, eventuell noch um Steckdosenzugang. Aber wie man sich am Ende FÜHLT, wenn man sich dann in dem so eingerichteten Raum befindet, das berücksichtigen sie weder vorher noch überhaupt. In solchen Wohnungen bin ich schon so oft gewesen, wenn ich zum Beispiel Klienten besucht habe. Da steht dann zum Beispiel der Computertisch in einer Ecke an der Wand mit dem Rücken zum Raum.

Jeder Fachmann wird bestätigen, dass es in der Natur des Menschen liegt, mit dem Gesicht zum Raum und der Wand im Rücken zu arbeiten. Es ist ein uraltes Sicherheitsbedürfnis aus gefährlicheren Zeiten, in denen man alles im Blick haben musste, um Feinde rechtzeitig kommen zu sehen. Nur ein Theoretiker kann so etwas vergessen. Ich habe auch Wohnungen gesehen, in denen man immer erst über einen Sessel oder ein Sofa krabbeln musste, um an irgend etwas heranzukommen. Anderenorts befanden sich die Dinge, die man immer zusammen braucht, weit von einander entfernt. Etwa die Dosen mit dem Katzenfutter in der Vorratskammer, welche sich nicht direkt an die Küche anschloss, sondern einen ganzen Flur weiter war, der fest installierte Dosenöffner an der Küchenwand und die Futterstelle für die Katzen in der Tenne.

Einmal war ich in einer sehr nobel eingerichteten Wohnung, alles vom Feinsten, in der es keinen einzigen bequemen Stuhl oder Sessel gab, nur Rückenbrecher. So etwas passiert nicht, wenn man den Raum aktiv gestaltet und einrichtet. Nicht, dass ich Fachfrau dafür wäre, keineswegs, aber ich verstehe etwas von Gemütlichkeit und Wohlgefühl. Wenn ich in Altensalzwedel einen Raum eingerichtet habe, dann habe ich immer damit angefangen, einen einzigen Stuhl in den Raum zu bringen. Diesen Stuhl habe ich so lange hin und her bewegt und mich darauf gesetzt, bis ich den perfekten Platz für diesen Stuhl gefunden hatte - fühlend gefunden hatte, nicht optisch. Es geht nicht darum, wie der Stuhl im Raum aussieht, sondern wie es sich anfühlt, an diesem Platz im Raum zu sitzen. Und wenn der perfekte Standort für den Stuhl gefunden war, habe ich den Raum so nach und nach drum herum aufgebaut - immer mit dem Fokus auf das Gefühl gerichtet.

Mein Aufenthaltsraum in Altensalzwedel

Sicher, gut aussehen muss es am Ende schon auch noch, besonders im Café, aber ich erachte das tatsächlich als zweitranging hinter dem guten Gefühl. Und es spricht nichts dagegen, beides herzustellen. In meiner künftigen Küche muss ich es ebenso machen. Ich werde jene Küchenmöbel, die an einen festen Standort gebunden sind, als erstes hinstellen. Dann sehe ich, wo noch Platz ist und wie viel. Und dann baue ich alles so drum herum, das es so logistisch wie nur irgend möglich wird. Logistisch soll in meinem Fall aber nicht so sehr effizient heißen, sondern mehr Kräfte sparend, was aber mehr oder weniger auf dasselbe hinausläuft. Wenn ich das jetzt theoretisch mache, muss ich es später nur noch einmal machen, weil es ja dann doch nicht passt oder uns etwas auffällt, was zuvor nicht bedacht wurde.

 
Ein Bekannter von mir hat einmal seinen Raum ausgemessen und sich ein Sofa gekauft, das genau in die Ecke passte. Dabei hat er leider nicht bedacht, dass die Wände noch nicht verputzt waren. Nach dem Verputzen der Wände hat das Sofa nicht mehr in die Ecke gepasst. Jana erzählte mir heute am Telefon, sie würde sich auch vorher ihre Räume mit Papierschnitzeln auf einer Lageskizze zurechtlegen. Als ich sie dann fragte, ob die Räume dann hinterher auch wirklich so eingerichtet worden sind wie auf der Skizze, da gab sie lachend zu, dass dies niemals der Fall gewesen sei.

Außerdem, wenn ich jetzt in der Theorie mit der Küche anfange, wird mir klar, ich brauche noch dies oder das. Dann gehe ich ins Internet und finde das Gesuchte vielleicht heute besonders günstig und will es gleich haben. Und schon hab ich noch ein Möbelstück oder Gerät, von dem ich nicht weiß, wohin damit. Ich mache das, wenn es soweit ist. Aber ich weiß die Fürsorge meines Vermieters zu schätzen. Er meint es gut mit mir. Er selbst würde bestimmt auch so vorgehen, sich alles in der Theorie oder in einem Computerprogramm schon einmal aufzubauen. Leider kann ich mir keinen Küchenprofi leisten. Aber irgendwie kriege ich das auch selbst hin. Herr Schulz findet, ich vergeude meine Energie mit der Hütte und anschließend muss die Hütte wieder verkauft werden. Vielleicht ist er auch besorgt, dass die Hütte dann noch monatelang vor der Tür herumsteht.

Wieder verkaufen muss ich sie wohl. Eigentlich schade. Es ist so eine coole Hütte. Sicher könnte man sie auch weiterhin gebrauchen für Events und so. (Und falls ich pleite gehe, könnte ich darin hausen) (Das war nur ein Witz) Aber ich habe nun einmal keinerlei Grundstück mehr, wo ich sie lagern könnte und ich habe auch keine eigene Transportmöglichkeit.
Vorhin bin ich zu Nadine und Heinrich gefahren, um noch einmal über die Idee zu sprechen und auch über die Bedenken von Herrn Schulz. Es schadet nicht, die Überlegungen anderer einzubeziehen. Das ist Einbindung von Fremdkompetenz. Ich werde die Hütte aber jetzt kaufen. Mein Gefühl will es.

Es gibt da noch einige Dinge zu erledigen, ich weiß noch nicht einmal genau, mit wem ich jetzt alles noch sprechen muss. Ach und die Hütte muss noch lasiert werden. Dazu hab ich ja so was von keine Lust. Puh! Ächts! (Selina fängt andauernd die Computermaus. Sie möchte, dass ich jetzt langsam aufhöre und mich ihr widme). Aber in Gottes Namen, dann lasiere ich die Hütte eben noch. Ich wünschte, jemand anderes würde mir das abnehmen, aber ich habe jetzt kein Geld mehr, jemand anderes zu bezahlen. Innen muss ich noch abwischbare Farbe anstreichen an den Stellen, wo es evtl. Spritzer geben könnte, hinter der Kaffeemaschine zum Beispiel. Das ist auch eine Auflage der Hygiene. Wegen der Farbe frag ich morgen noch im Haagebau nach.

Jetzt schlabbert Selina mir die Finger ab, weil ich die Maus in der Hand halte. Katzen haben es drauf, uns von der Arbeit abzuhalten. Vermutlich muss ich noch beim Finanzamt Bescheid sagen, eine Versicherung brauche ich auch und das Arbeitsamt bekommt noch die Veränderungsmitteilung. Das aber erst, wenn die Veränderung da ist. Noch bin ich in den Vorbereitungen. Jetzt muss ich erst einmal nachgeben. Selina will mit mir fernsehen.

 
30.9.2017
So, heute habe ich Nägel mit Köpfen gemacht und die Hütte bei Haagebau gekauft. Jetzt bin ich wieder Besitzerin eines Eigenheims. (hi hi)
 
 
Noch steht die Hütte bei Haagebau auf dem Platz. Lasur habe ich auch gleich gekauft. Nächste Woche will der Vermieter wieder nach Salzwedel kommen, dann müssen wir noch einmal über den Stellplatz reden. Ich habe schon gesehen, dass es da Probleme geben wird. Quer kann die Hütte wohl nicht stehen, weil da ein Laternenpfahl im Weg steht. Außerdem ist es fraglich, ob der Gabelstapler sie überhaupt um die Ecke kriegt. Der Zugang ist eh schmal und durch das Baugerüst ist da noch weniger Platz. Am Ende muss ich vielleicht doch auf den kleinen Platz ausweichen, auf dem die öffentliche Toilette aufgebaut gewesen ist. Der kleine Platz gehört auch meinem Vermieter. Ich glaube aber, das ein ehemaliger Toilettenbereich kein gutes Karma für einen Kaffeestand bietet. Hm mal sehen, wie wir das lösen.
  
Was gibt es sonst noch so Neues? Ach ja, ich habe jetzt ein Hörgerät. Ich benötige es kaum, eigentlich nur in speziellen Situationen, wo viele Nebengeräusche sind. Da allerdings muss ich es immer auf volle Lautstärke stellen. Die Dinger sind nämlich auch verstellbar. Es gibt verschiedene Programme. Programm 3 ist für Situationen mit lauten Nebengeräuschen. So ist es zum Beispiel in der Trommelgruppe. Man kann nicht 10 Leute vor Trommeln setzen und davon ausgehen, dass sie  ihre Hände still halten. Ein oder zwei Leute dreschen immer gerade auf der Trommel herum. In der Gruppe sind die Nebengeräusche immer laut und die Leute immer extrem leise. Als ich das erste Mal mit meinem Hörgerät dorthin gekommen bin, habe ich zum ersten Mal mitgekriegt, worüber die eigentlich so reden. Das Gerät selbst ist fast unsichtbar.
 
 
Man sieht nur ein kleines Kabel. Aber wenn dann in der Gruppe getrommelt wird, muss ich das Hörgerät ganz schnell aus den Ohren zupfen, sonst fallen sie mir ab. Auch bei der Finisage von Wagen und Winnen hat mir das Hörgerät gute Dienste geleistet.
 
 
Da saßen knapp zwanzig Personen um den Tisch herum und hielten eine Nachbesprechung des Wagen und Winnen Wochenendes ab. Ohne Hörgerät hätte ich da gar nichts mitgekriegt, aber so verstand ich alles. Das ist großartig. Da ich vor ein paar Tagen auch eine neue Brücke in den Mund bekommen habe, wo die letzten 20 Jahre nur Zahnlücken waren, darf man mich jetzt Cyber Cim nennen, oder vielleicht Kim von den Borg. 😊
 
Morgen mache ich mit Heike Hofflohmarkt in Jeggeleben. Jan und Heike planen mittelfristig dort auszuziehen und wollen sich schon einmal von all den vielen Sachen trennen, die sich auf so einem großen Hof so ansammeln. Heikes Eltern, die sie dort gepflegt hat, sind dieses Jahr gestorben, mein Vater wird ihnen sicher bald folgen. Dann wollen sie das Haus vermieten. Das ist immerhin ein Plan. Morgen werde ich früh mit dem Dreirad losfahren, denn nach Jeggeleben sind es zwanzig Kilometer von hier aus. Ich habe schon gesehen, dass es dort eine Menge interessanter Dinge gibt. Ich werde meinen Lap Top mitnehmen und damit noch alle größeren Objekte bei Ebay Kleinanzeigen einstellen. Damit habe ich auch sehr gute Erfahrungen gemacht, als ich letztes Jahr um diese Zeit meinen eigenen Räumungsflohmarkt gemacht habe.
 
Die Leute sind von überall her gekommen, um die Sachen zu kaufen, die ich dort eingestellt hatte. Dadurch ist genügend Geld für meinen Umzug herein gekommen. Das war sehr praktisch.
Und jetzt begebe ich mich auf mein Laufband, wo ich in einem bescheidenen Umfange meinen persönlichen leider nicht so bescheidenen Umfang in Bewegung bringen werde.
 

 
 

















Sonntag, 17. September 2017

Ich bin zu alt für diesen Sch...

12.9.2017
Wow! War das ein anstrengendes Wochenende! Aber es hat sich gelohnt. Mir sind jetzt viele Dinge deutlich geworden und ich weiß jetzt auch, worum ich mich als nächstes kümmern muss: Logistik! Mit einer guten Logistik wäre alles wesentlich weniger anstrengend gewesen. Natürlich ließ sich das jetzt erst mal gar nicht verwirklichen. Wir haben das Café in der Baustelle provisorisch aufgebaut und vieles war jetzt noch anders, als es später sein wird. Ich habe mich schon an unseren Vermieter gewendet und ihm gesagt, dass ich später unbedingt noch einen weiteren Raum im Bahnhof mieten will, den ich erreichen kann, ohne irgendwelche Treppen überwinden zu müssen.

Darin lag eines meiner Hauptprobleme an diesem Wochenende. Meine Möbel befanden sich in Räumen, zu denen Treppen führten und es hat mich einiges an Geld gekostet, diese transportieren zu lassen. Später will ich einfach einen guten, stabilen Transportwagen haben und alles selber von A nach B transportieren können ohne Treppen und ohne extra Personal, das mich nur Geld kostet. Jetzt sind meine Möbel wieder eingelagert im Nebengebäude, zu dem Stufen hinauf führen. Später, wenn wir hier Events machen, will ich eine ausgeklügelte Logistik haben, mit deren Hilfe ich alle Eventmöbel, Gartengestühl, Bühne, Beleuchtung und so weiter, routiniert herbeischaffen und wieder wegräumen kann.

Dasselbe gilt für die Küche. Jetzt, nach der Generalprobe, weiß ich eigentlich erst, worauf ich achten muss. David D hat mir Hilfe angeboten, die ich sehr gern annehme. Alles muss griffbereit und leicht zu erreichen sein. Es müssen Müllgefäße da stehen, wo der Müll entsteht und entsorgt wird. Es muss ermittelt werden, welcher Bereich vorn sein sollte und welcher eher hinten sein kann. Es ist sehr eng in unserer Küche und wir sollten uns nicht im Weg stehen. In diesen Überlegungen liegen Möglichkeiten zu einer gesunden Vereinfachung, weniger Stress und weniger Kosten. Ich weiß jetzt auch, dass ich noch günstiger einkaufen kann. Mir wurden einige gute Tipps am Wochenende gegeben, was Einkauf betrifft.

Es was ein schönes Wochenende mit viel Spaß und vielen guten Gesprächen. Jana hat hinter dem Tresen ihre Berufung gefunden. Dabei war sie vorher der Meinung, sie könne das überhaupt nicht. Seit jener ersten Erfahrung, die damals so in die Hose ging, hat sie sich aber enorm weiter entwickelt. Sie hat die ganze Zeit über immer neue Brötchen geschmiert und neue Dekos dazu erfunden. Dazu lauter gute Ideen gehabt und bekam auch gutes Trinkgeld von den Leuten.

 
Als ich am Mittwoch mit dem Aufbau des provisorischen Cafés begann, da sah hier alles so aus:
 




Während wir verzweifelt versuchten, die Möbel alle ranzuschaffen, die Stühle wieder mit ihren Sitzpolstern zu vereinigen, aus dem großen Tische Einzelteil Puzzle wieder zusammengehörige Tischmöbel zu machen, wuselten die Handwerker um uns herum und ließen es sich nicht nehmen, ihre Arbeit zu machen. Da dachte ich: "Es ist unmöglich. Ich schaffe es nicht." Dieser Gedanke stresste mich ungemein. (Was heißt hier ungemein, der Gedanke stresste mich sogar sehr gemein!)
 

Es ist erstaunlich, wie viel Macht so ein Gedanke besitzt. Ich wollte mich die ganze Zeit über hinsetzen und das prozessieren, um meine Kraft zurück zu holen, aber es gab einfach keine Zeit zum Hinsetzen. Also machte ich weiter und verdrängte meine Ängste in den Hintergrund. Trotz meiner Panik, sorgte ich für gute Stimmung bei den Helfern und versuchte auch die Handwerker so gut wie möglich zu trösten. Darauf kann ich durchaus stolz sein. Das war eine ziemliche Leistung.
 

Wir schleppten die Spüle und den Spülen Schrank herbei, der vom Klempner angeschlossen wurde. Als wir aber die große Haubenspülmaschine anschließen wollten, stellte sich heraus, dass sie Starkstrom benötigte. Das war jetzt dumm. Ich habe natürlich Starkstrom in der Küche, aber ich habe den Strom auf der einen Seite und die Wasseranschlüsse auf der anderen. Aus diesem Grunde konnten wir die Haubenspülmaschine diesmal nicht verwenden. Es wird jetzt noch eine weitere Starkstromleitung auf die andere Seite gelegt, aber das war nicht mehr für dieses Wochenende zu schaffen.

 
Am Donnerstag war der eigentliche Aufbautag. Das hat den Maurer aber nicht daran gehindert hinter mir noch eine Mauer hochzuziehen. Wieder hatte ich den ganzen Tag lang diese fiese Panik im Bauch. Ich war mir wirklich nicht sicher, ob ich es schaffen kann. Dagegen hilft normalerweise die "Worst Case" Methode. Ich hätte mir vorstellen sollen, dass ich es nicht schaffe, den schlimmsten Fall, dass alles nicht klappt und mich dann damit abfinden, es loslassen. Das nimmt die Angst weg. Aber es war so viel zu tun, dass ich mich nicht mal für 10 Minuten ausklinken konnte.
 
 
An diesem Vormittag bekam ich zwei Anrufe vom Gesundheitsamt. Das versetzte mich in noch mehr Panik. Normalerweise gelten für solche Kunstveranstaltungen andere Regeln als für einen normalen Caféhausbetrieb. Aber auf einmal hieß es, ich bräuchte doch zwei Wachbecken und all diese Dinge. Das wusste ich natürlich, aber ich dachte, das gilt erst, wenn ich wirklich eröffne. Als die beiden Damen dann aber später zu uns kamen, stellte sich das Ganze doch als Irrtum heraus. Weil dieser Event zufällig mit der Erlangung meines Gewerbescheines zusammenfiel, hatte man angenommen, dies sei meine richtige Eröffnung.
 
 
Ich telefonierte, organisierte, verhandelte, diskutierte, räumte, plante, bastelte, entwickelte Lösungen und lief und lief und lief und lief. Als Heinrich und Nadine dann später die großen Bilder von Heinrichs Kunst an die Wände hängten, begann auf einmal alles richtig toll auszusehen trotz der Baustelle und trotz des permanenten Feinstaubs, der sich überall hinlegte und unweigerlich auch in den Haaren klebte. Kaum hatte man irgendetwas angefasst, fühlten sich die Hände sofort komisch an, staubig irgendwie.
 

 
Plötzlich hatte alles Flair und das blieb auch so während des gesamten Wochenendes. Ich hatte ja auch vorher schon eine Menge zu organisieren gehabt. So war es mir gelungen, auf den letzten Drücker noch ein zweites Schlafsofa von der Awo zu ergattern. Eines hatte ich mir ja schon vor einiger Zeit im sozialen Kaufhaus besorgt. Darauf schliefen an diesem Wochenende Jana und Manfred, die beide gekommen waren, um mich bei diesem Wochenende zu unterstützen. Ihre Unterstützung war auch mehr als willkommen und hat alles bereichert.
 
Aber Gitta wollte auch kommen und bei mir übernachten. Darum brauchte ich noch ein zweites Schlafsofa für das Wohnzimmer. Das habe ich dann beider Awo auch gefunden und mir gekauft, aber es gefällt mir bei der Awo nicht besonders. Dort fühlt man sich wie ein armer Bittsteller. Ich musste auf dem Flur sitzen und warten, bis ich drankam. Dann musste ich mich vor einen Schreibtisch setzen und mit der Frau reden. Es war erforderlich, dass ich mit viel innerer Kraft gegenan arbeitete, um mir dieses Bittsteller Gefühl nicht reindrücken zu lassen. Das ist im sozialen Kaufhaus und übrigens auch bei unserer Möbelbörse ganz anders. Da sind alle so nett und heiter und achten darauf, dass sich die Kunden nie schlecht fühlen müssen, weil sie gezwungen sind, aus zweiter Hand zu kaufen.
 
 
Wie man sieht, ist es dasselbe Sofa wie auch im Hinterzimmer schon. Diese Art Schlafsofas sind einfach praktisch und sehen auch gut aus. Meine Schwester, Andy, hatte ich ebenfalls eingeladen. Sie konnte aber nicht bei mir übernachten wegen ihrer extremen Katzenallergie. Sonst wacht sie morgens auf und ist tot. Sie konnte kein Zimmer finden, zumindest kein preisgünstiges. Sie wollte nur höchstens 45 Euro dafür ausgeben. Ich telefonierte eine Weile lang vergeblich herum, bis Heinrich mir den Link zu einer sehr ausführlichen Unterkunftsliste von Salzwedel gab. Da waren wirklich alle enthalten.
 
In dieser Liste fand ich schließlich einen Pension, die Zimmer für 32 Euro die Nacht anbot. Ich buchte Andy gleich mal ein Zimmer, bevor die auch ausverkauft sein würden. Das war ein Glücksgriff. Außerdem besorgte ich auch ganz viel Dekoration für die Tische und die Fensterbänke, die es übrigens nicht gab. Ich fand so kleine Mini Lichterketten mit zwanzig Lichtern. Davon legte ich in jedes Fenster eine. Sie wurden dann noch mit Zweigen ausgelegt, so dass die Lichter durch die Zweige schimmerten. Das sah gut aus.
 





Dazu kaufte ich noch große Einmachgläser und Dekogranulat. Dann habe ich immer die Batterie zu so einer Lichterkette in das Einmachglas gelegt, sie mir Granulat bedeckt und den Rest der Lichterkette ins Glas gestopft. Eigentlich wollte ich auch noch einen kleinen Zweig dazu stopfen, aber dazu kam ich gar nicht mehr. In die kleinen Windlichter legte ich künstliche Kerzen, die brannten die ganzen drei Tage lang unermüdlich weiter. Am Ende wurde alles so viel, dass ich nicht mehr wusste, wie ich das alles bewältigen sollte.
 
 
Freitag Nachmittag musste ich noch schnell zu Kaufland, weil mir aufgefallen, war, dass mir noch einiges fehlte. Ich hatte noch gar kein Obst und keine Gurken und Tomaten für die Brötchen. Elke war schon zuvor, am Donnerstag mit mir zur Metro und zu Kaufland gefahren, aber das Gemüse wollte ich ganz frisch kaufen. Ein Glück, dass ich Elke hatte. In ihr großes Auto geht schön viel hinein und wir machten einen ganz entspannten Großeinkauf. Aber am Freitag musste ich dringend  nochmal los. Als ich zurück kam, war es bereits 18 Uhr und um 19 Uhr sollte es losgehen. Jana und Manfred trudelten ein und halfen mir.

 
Wir mussten die Snacks fertig machen, die es zur Eröffnung geben sollte. Keine Zeit, mich noch einmal umzuziehen, einfach rein ins Gefecht so, wie ich war. Irgendwann hörte ich das Didgeridu von den Takadimis nach mir rufen. Ich verließ meinen Tresen und eilte durch die Menschenmenge, die sich inzwischen eingefunden hatte, zu der Bühne in der Bahnhofshalle. Die Trommelgruppe hatte sich bereits aufgebaut. Es wurde noch nervös dies und das getuschelt und nachgefragt, dann ging es los. Wir spielten drei Lieder, wie wir es geplant hatten. Ich war richtig gut und machte fast keine Fehler. Die kleinen Einsatzfehler, die ich trotzdem noch gemacht habe, bemerkte niemand.

 
Heinrich hielt anschließend noch die Eröffnungsrede und dann ging es los. Es war wirklich ein Segen, dass ich Helfer hatte. Sie verbrachten fast das ganze Wochenende hinter dem Tresen. Manfred betätigte sich als Kaffee Ausschenker und Andy nahm sich den Abwasch vor. Jana wurde immer kreativer im Erfinden neuer Brötchendekorationen. Sabine hatte uns dafür einen Gurkenanspitzer gegeben. Das Gerät funktioniert nach demselben Prinzip wie ein Bleistiftanspitzer, nur dass man eben Gurke damit anspitzt. Das Abfallprodukt, hauchfeine Gurkenscheiben, wird dann als Dekor benutzt. Sehr praktisch und es sieht toll aus.

 
Die Eröffnungsfeier am Freitag wurde später dann sehr laut, als die Punkrockgruppe Wladiwostok zu spielen begann und überhaupt nicht mehr wieder damit aufhörte. Um 23 Uhr schlug ich vor, dass wir das Café schließen und nach oben gehen. Eigentlich wollten wir uns unterhalten, aber wir waren zu erschöpft und gingen statt dessen doch gleich zu Bett. Bis 3 Uhr nachts drehte ich mich im Bett um, weil Wladiwostok mich nicht einschlafen ließ. Aber was soll's? Einmal im Jahr kann man auch mal auf seinen Schlaf verzichten.
 
Am Samstag und Sonntag hatten wir dann Caféhausbetrieb. Es war sehr schön. Die offene Bühne wurde genutzt. Auch Manfred spielte mehrfach ausdauernd für uns. Er hat ein sehr schönes Programm aus klassischer Gitarre mit anderen Elementen dazu. Das ist ein Style, der alles veredelt. Ein Highlight entstand als Stefan mit seiner Gitarre ankam. Zuerst spiele er ein wenig alleine, dann ließen er und Manfred ihre alte Band "Mojo Brothers" wieder aufleben und spielten uns Mojo Blues vor, wobei sie einen dritten Musiker integrierten, der auch für die offene Bühne gekommen war. Das war wirklich super und lockte eine Menge Menschen ins Cafè.
 
 
Es kamen auch eine Menge sehr interessanter Menschen ins Cafè, Autoren, Künstler, Musiker, Philosophen. Einige waren auf der Durchreise und gerieten zufällig in unser provisorisches Café, andere waren direkt von Wagen und Winnen angelockt worden. Ich habe fast die ganze Zeit über die interessantesten Gespräche mit Leuten gehabt.
 
 
Am Samstag Abend hatten die Takadimis in Benkendorf einen Auftritt. Benkendorf ist nur so etwa 15 Kilometer entfernt. Manfred fuhr mich hin. Jana übernahm solange die Caféhaus Geschäfte. Aber das mit dem Auftritt, war nun wirklich ne Ecke zu viel Stress. Ich habe unzählige Einsätze verpasst und mir ist sogar ZWEIMAL während des Auftrittes einer der Trommelstöcke aus der Hand geflogen. Beim ersten Mal fiel er mir direkt vor die Füße und ich konnte ihn selbst aufheben, aber beim zweiten Mal fiel er vor die Sitzreihe, hinter der die Basstrommeln aufgebaut waren. Ich wäre da gar nicht durch gekommen.
 
Zum Glück konnte Nadine ihn erreichen. Sie sammelte ihn auf und gab ihn mir, musste dafür aber für einen Moment die Glocke vernachlässigen, die sie bei dem Lied gerade spielte. Ich musste darüber ziemlich grinsen, fühlte aber auch deutlich, wie mir mein ganzer Kopf heiß wurde. Manfred sagte später tröstend, das würde selbst den größten Trommlern passieren. Gut! Dann stehe ich jetzt in einer Reihe mit den ganz großen Trommlern (hi hi).
 
 
 
Dann war am Samstag um 21 Uhr in der Bahnhofshalle Salzwedel noch der Poetry Slam. Poetry Slam ist eine Veranstaltung, bei der jeder seine Texte vorlesen oder vortragen kann. Es gibt ein paar Regeln und eine vorgegebene Maximalzeit, mit der es aber auch nicht so genau genommen wird.
Daran wollte ich schon ganz lange mal teilnehmen, hatte aber bisher immer Schwierigkeiten, dahin zu kommen, so ohne Auto. Nun war es im Bahnhof. Ich las meine alten Drachentöter Gedichte. Das sind lustige Gedichte, die auch lustig gereimt sind. Im letzten Post hab ich ja auch schon eine Variante veröffentlicht, hier sind mal noch zwei davon.

Der Drachentöter, Variante 14

Der Drache, ein noch junges Tier

Wünscht sich mal wieder ein Turnier.

Er sucht nach einem Menschensohn

mit auch zuviel Testosteron.

 

Sieht Menschen sich mit Arbeit plagen,

fliegt gleich mal hin, um sie zu fragen.

„Wo findet man denn hier die Recken,

die in den Blechkostümen stecken?“

 

Wirft in die Brust sich Beifall heischend,

da fliehen alle Menschen kreischend.

Er stapft nach Hause: „Grummel, grant“,

denkt: „Neue Männer braucht das Land“.

 

Der Drachentöter, Variante 15

 

Prinz Richard, ein noch junger Mann

Wagt sich an einen Drachen ran.

Voll Leidenschaft und Kampfesmut

Bringt er das gute Tier in Wut

 

Brüllt: „Friss den Stahl, du Untier du“

Da schnappt die Falle für ihn zu.

Der Prinz, er schwankt und wird aschfahl

Als hochbeamt ihn ein Traktorstrahl

 

Ein Raumschiff, das da oben weilt,

hat ihn als Beute angepeilt.

Die grünen Männchen freu`n sich schon

über den neuen Menschensohn

 

Prinz Richard will sein Schwert erheben

Doch erst muss er sich übergeben

Der Drache grinst, der Ritter pöbelt

Zu gern hätt` er das Tier vermöbelt.
 

So was zu machen ist nicht fair

Der Drache winkt ihm hinterher

Der Prinz, er wird zum Souvenier

Denn Aliens, die waren hier.
 
12 Varianten davon habe ich während meiner Studienzeit geschrieben und die letzten drei kürzlich hinzugefügt, damit ich auch eine Zugabe machen kann, wenn es gewünscht wird. Ich habe den Poetry Slam übrigens gewonnen, obwohl die Texte der anderen auch sehr gut und zum Teil auch sehr lustig waren. Mein Preis war diese "edle" Mütze:
 
 
Dazu noch das Ohr aus Plastik und zwei oder drei antiquarische Bücher. Die ganze Veranstaltung nimmt sich selbst nicht so ernst.
Am Sonntag Abend dann kamen Nadine und Heinrich und wir mussten alles, ALLES, alles wieder zurück bauen. Zum Glück fand sich bei mir ein sehr netter Handwerker ein, der mir fast alle Möbel 'rüber getragen hat in das Nebengebäude. Ich habe unterdessen alle anderen Dinge, Geschirr, Bestecke und überhaupt den ganzen endlosen Kram, den man für so eine Café braucht, immer wieder auf meinen neuen Servierwagen geladen und 'rübergekarrt. Hier unten auf dem nächsten Bild, sieht man den Servierwagen rechts.
 
 
Es war eine unglaubliche Arbeit und ich war sehr erstaunt darüber, dass mein Rücken das so lange mitgemacht hat. Vor der Treppe musste ich natürlich immer anhalten und die Sachen dann von Hand weiter ins Gebäude tragen. Der Handwerker und ich, wir haben sehr gut gestaut, haben alles immer aufeinander und ineinander gelagert, damit möglichst alles in den Raum hinein passt. Der junge Mann (Mein Held der Arbeit) ist nicht weggegangen, bis nicht wirklich alles drüben war, was wir an dem Tag bewegen konnten.
 
Übrig blieben die großen Möbel. Eine riesige Kühltruhe, einen Kühlschrank, eine Spüle und solche Sachen. Die kann der Handwerker nicht ganz alleine tragen. Das ließen wir dann für den nächsten Tag stehen, wo ich auf mein Glück hoffte. Während der ganzen Räumerei hatte ich so nach und nach alles auf die Treppe gelegt, was nach oben zu mir in die Wohnung sollte. Es erwies sich, dass dies doch sehr viel war. Eigentlich war es wie ein Umzug. Da denkt man auch, so die letzten paar Sachen nehm ich mal eben auf den Arm und dann sind es noch drei Autoladungen.
 
Am Ende war die ganze Treppe voll mit Kram, der aus der Wohnung stammte und auch wieder dahin zurück sollte. Das alles hat der Bub mir dann auch noch nach oben geschleppt. (Ich sah mich schon die nächsten drei Wochen die Sachen so nach und nach immer mit nach oben nehmen). Am Montag wurde ich dann schon um 7 Uhr nach unten gerufen, um die Tür aufzuschließen. Der Künstler Sven Strauß war schon super fleißig damit beschäftigt, die Bühne abzubauen und aufzuladen.
 
Die Handwerker waren der Meinung, sie müssten unbedingt jetzt sofort und auf der Stelle die Decke verspachteln. Das war echt Quatsch. An dem Montag wuselten sie die ganze Zeit um uns herum und den ganzen Rest der Woche war die Baustelle leer. Sie hätten uns einfach noch diesen Tag geben sollen. Es kamen einige Helfer und halfen mir auch einiges abzubauen, aber nicht alles. Es wurde eng, ich geriet wieder in Angst und Stress. "Was soll ich machen? Wie kriege ich die Sachen wieder aus der Baustelle raus?"
 
Schließlich setzte ich mich auf die Bank vor den Fahrkartenschalter und wartete auf Männer, die sich Fahrkarten kaufen wollten. Ich sprach jeden einzelnen an und jeder trug mir zumindest das eine oder andere Teil nach drüben ins andere Gebäude. Auch den Getränkelieferanten sprach ich an, die die Kisten und die geliehenen Tresen wieder abholte. Er war auch sehr nett und beförderte das eine oder andere ins Nebengebäude. Am Ende blieb die Spüle. Sie steht immer noch in der Baustelle. Niemand hat sie bewegt. Ich kann es nicht. Und es blieben auch eine Reihe von Stühlen, die Nadine mir geschenkt hat. Die hatte ich völlig vergessen, weil sie nicht im Café, sondern in der Bahnhofshalle standen.
 
 
Auf die Stühle wurde ich erst dadurch aufmerksam, dass ein Ehepaar bei mir klingelte und fragte, ob sie mir vier davon abkaufen dürften. Ihnen gefiele der DDR Schick. Inzwischen sind aber auch die Stühle im Nebengebäude angekommen. Es ist ja schon wieder eine Woche herum.
An diesem Wochenende war die Ausstellung im Nebengebäude wieder offen. Ich hatte das ganz vergessen und bin zufällig über die Künstlerinnen gestolpert, die Türöffnungsdient machten, als ich zur Mülltonne ging.
 
 
Eine Künstlerin hatte ihre Harfe mit und spielte uns draußen vor der Tür etwas vor. Das war gestern. Heute bekam ich schon am Vormittag einen Anruf, weil die Frau, die die Ausstellung öffnen wollte, die Tür nicht aufbekam. Damit ist sie nicht die einzige. Die Tür geht etwas schwer. Später bin ich dann hinunter gegangen und wir haben in der Sonne gesessen und Kaffee getrunken. Es kamen eine ganze Menge Menschen, die in die Ausstellung wollten. Ich kochte mehrfach Kaffee. Den habe ich gesponsert. Irgendwann tauchten einige Frauen auf, die Pech mit ihrem Zug gehabt hatten. Sie waren unterwegs nach Uelzen gewesen, als ihr Zug wegen eines Weichenstellproblems wieder zurück fahren musste.
 
Sie setzten sich zu uns und bekamen auch Kaffee. Ich bin immer noch etwas "traumatisiert" oder nennen wir es gaga von den Anstrengungen des Wagen und Winnen Wochenendes. Ich wollte auch keinerlei Leistungen bringen. Deshalb war es mir ganz recht, den Nachmittag Kaffee trinkend mit den anderen vor der Ausstellung zu verbringen. Es schien die Sonne und wir hatten es warm dort. Mehrere Leute haben sich im Datum geirrt und mir am 14. Geburtstagsgeschenke geschickt. Ich bekam Blumen, Pralinen, Bücher und ein Manuskript.
 

 
Das richtige Datum ist der 21. September, also kommenden Donnerstag. Da werde ich nun also endlich wirklich 60 Jahre, nachdem ich schon ein halbes Jahr lang behaupte 60 zu sein. Das ist so eine Familienmacke. Das machen wir Barkmanns alle. Unten im Bahnhof und auch hier oben im hinteren Bereich wurden erneut alle Fenster zugeklebt. Jetzt ist es im Café echt finster.
 
 
Es sieht fast aus wie in der Nacht, dabei schien draußen hell die Sonne. In der Küche habe ich momentan zwei Lampen an, weil es darin so duster ist. Außerdem hatten die Handwerker die hintere Tür, die zur Rampe führt, fest zugeklebt. Ich bin am Freitag extra noch mit dem Zweirad gefahren, weil ich das vorn die Treppe hinunter bekomme. Ich dachte auch, wenn sie dann Feierabend haben, machen sie die Tür wieder auf. Aber sie sind ins Wochenende gefahren und haben alles so zugeklebt gelassen. Mir blieb gar nichts anderes übrig, als die Plane selbst von der Tür abzumachen, denn ich konnte nicht ins Wochenende gehen, ohne eingekauft zu haben.
 
Ich brauchte vor allem Getränke und die transportiere ich mit dem Dreirad. Das ist ja sonst alles viel zu schwer und passt nicht in den Fahrradkorb. Das Dreirad kann ich aber nicht die Treppe hoch und hinuntertragen. Immerhin wiegt es 60 Kilo. Da muss ich dann die Rampe nehmen und durch die hintere Tür kommen. Morgen ist schon wieder Montag. Nicht zu fassen. Ich bin immer noch nicht wieder ganz hergestellt von Wagen und Winnen. Um mal ein Filmzitat aus dem Film "Lethal Weapon" zu zitieren;: "Ich bin zu alt für diesen Scheiß." Wenn das nächste Mal die Möbel aus dem Raum geholt werden, dann um für Gut ins Café gestellt zu werden. So eine provisorische Nummer übersteigt meine Kräfte (immerhin bin ich 60. Hi hi).
 
Abends baue ich mir immer ein Nest, indem ich zwei Sessel vor dem Fernseher zusammenschiebe. Im Moment muss ich dann auch noch zwei Wolldecken nehmen, denn es ist ziemlich kalt im Haus. Der Vermieter wollte schon die Heizung anstellen lassen, aber es geht momentan nicht, weil die Leitungen wegen der Bauarbeiten unterbrochen sind. Selina kommt dann gern zu mir ins Nest. Sie hat auch nicht so viel Spaß daran in der Kälte draußen herum zu stromern. Hier zum Abschluss noch ein schönes Bild von meiner Selina in unserem Nest.
 
 
 
 
 

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Samstag, 2. September 2017

Wagen und Winnen 2017

29.8.2017
Gerade komme ich vom Trommeln mit dem Percussion Ensemble "Die Takadimis" nach Hause. Heute ist Dienstag und es war ein Tag, der von Stunde zu Stunde wärmer wurde. Bevor ich eben von der Schule losfahren konnte, wo wir unsere Übungsstunden abhalten, musste ich erst mal eine kleine Erfindung für meine Fahrradlampe machen. Irgendetwas scheint von der Lampenhalterung abgebrochen zu sein, denn die Lampe hat keinen Halt. Ich habe sie dann mit einem meiner Spanngurte festgebunden.


Bis ich damit fertig war, hatten sich schon alle verabschiedet und ich war allein auf der Straße. Ich schwang mich auf mein Zweirad und radelte entspannt durch die laue Nacht. Auf den Straßen waren nicht mehr viele Autos, aber überall gab es noch Straßenlaternen und leuchtende Werbungen. Plötzlich wurde mir bewusst, dass es sich alles so anfühlt, als wäre ich wieder jung. Wie oft bin ich als Mädchen und später als junge Frau in lauen Sommernächten von irgendeiner Sportveranstaltung kommend entspannt durch die Straßen geradelt.

Damals war mein Körper gesund und sportlich. So war es aber heute auch. Statt einer Judoveranstaltung oder Jazz Gymnastik ist es heute Trommeln. Eben noch eine fröhliche Gruppe verlassen und ganz frei und heiter allein durch die Nacht. Als wäre ich nicht alt geworden. Was für ein Geschenk, sich noch einmal so fühlen zu dürfen!



Das Trommeln macht mir immer mehr Spaß. Inzwischen habe ich auch viel geübt und gelernt und habe nicht mehr vor jedem neuen Lied Angst, den anderen alles zu verderben. Es geht mir nicht so sehr darum, mich nicht zu blamieren. Das kann man ruhig mal machen. Aber ich möchte nicht so schlecht sein, dass die anderen, die sich ja schon viel länger kennen, keinen Spaß mehr am Trommeln haben. Für mich ist das zur Zeit noch ein ganz schön anspruchsvolles Programm. Ich schaffe mir alle Lieder der Takadimis drauf, mit allem Rhythmen allen Wechseln und allen Einsätzen. Das ist viel.

Aber ich werde besser. Heute habe ich nur noch bei einem Lied so richtig geloost.
Deshalb hat unser musikalische Leiter Thorsten Urban, es lieber von der Liste jener Lieder genommen, die wir am Freitag, den 8. September bei der Eröffnung von Wagen und Winnen spielen. Mit der Zeit werde ich das Lied aber auch noch hinkriegen. Heute hat es so richtig Spaß gemacht. besonders ein Lied, bei dem noch jemand mit mir an den Basstrommeln steht. Wir spielen zusammen auf zwei Trommeln den gleichen Rhythmus.

Wenn zwei Trommeln dasselbe spielen, dann müssen sie aber auch ganz synchron sein, sonst hört man das sofort. Der Mann hat so richtig drauf gehauen und sehr pointiert und rhythmisch gespielt. Das gefiel mir gut und ich habe mich daran angepasst, bis ich das Gefühl hatte, wir spielen zusammen wie auf einer einzigen Trommel. Das war toll. Dabei war es allerdings extrem warm in dem Raum und wir müssen die Fenster geschlossen halten, um die Nachbarn nicht zu stören.

Am Freitag, den 8. September wird das große Kunstfestival Wagen und Winnen im Bahnhof Salzwedel mit Musik und Party eröffnet. Ich eröffne zu diesem Anlass mein Café schon mal provisorisch in der Bahnhofsbaustelle. Damit bin ich zur Zeit sehr beschäftigt. Ich kaufe Kühltruhen, eine Haubenspülmaschine, ein Gerät um Würstchen warm zu halten, Geschirr und Besteck und etliche andere Dinge, die ich dann später für das Café Anhalt auch brauchen werde.

Ich organisiere, dass jemand kommt und alles mit mir aufbaut. Dazu benötige ich einen Handwerker und zwar einen zuverlässigen. Jemand muss den Ofen anschließen, die Spüle und die Spülmaschine und auch den Kühltresen. Ich miete einen Tresen für diesen Anlass, schaffe alle Tische und Stühle aus dem Keller nach oben, überlege mir, welche Snacks ich bei der Abendveranstaltung verkaufen werde und wie ich das Zeug ranschaffe.

Am Samstag und Sonntag gibt es dann Künstlerfrühstück im Bahnhof und eine offene Bühne, auf der jeder etwas zum besten geben kann, der das will. Dafür habe ich heute einen Flyer hergestellt und ihn in die Kreismusikschule gebracht. Dort war ich vorher noch nie. Die haben einen sehr schönen, extrem gepflegten Garten, in dem sie Buchsbäume so beschnitten haben, dass sie wie Notenschlüssel aussehen. Finde ich sehr witzig.

Ich selbst werde auch etwas ausstellen im zentralen Ausstellungsort am Bahnhof. Ich habe mir einen ganz kleinen Kellerraum ausgesucht, in dem ich schamanische Schilde und Stäbe ausstellen will. Dafür muss ich aber nicht nur den Raum selbst säubern, sondern auch das Treppenhaus und den Kellerflur. Außerdem soll ich im Bahnhof endlich Plakate aufhängen. Das wollte ich eigentlich heute auch tun, aber mir ist die Zeit davon gelaufen (na so was). Mach ich dann morgen.

Das Gebäude war zwanzig Jahre lang leerstehend, Niemand konnte es betreten. Und weil es überall Fenstergitter gibt, konnte auch niemand irgendwie eindringen. Alles darinnen ist heil, nur sehr schmutzig halt. Ich will auch eine Matratze dort hinlegen und einen Rekorder. Auf dem Rekorder spielen - sagen wir - Texte, die aus schamanischen Seminaren von mir stammen. Der Besucher kann sich zwischen all die Schilde legen und die Kraft der Schilde auf sich wirken lassen.

Der Fußboden wird mit Laub bedeckt, wofür ich mir heute extra eine Rosenschere besorgt habe.
Der Organisationsaufwand ist auf einmal riesig. Das war natürlich zu erwarten, aber trotzdem ist es heftig. Nachdem ich vorher so lange nicht wirklich viel tun konnte, muss nun auf einmal alles gleichzeitig geschehen. Und trotzdem habe ich zwischendrin noch ein paar Gedichte geschrieben.

Am Samstag, den 9. September wird nämlich im Bahnhof Salzwedel ein Poetry Slam stattfinden. Daran wollte ich schon lange mal teilnehmen, konnte es aber bisher immer nicht, weil die Veranstaltung zu weit weg war. Nun ist es bei mir im selben Haus. Das ist meine Chance. Es wird allerdings ein langer heftiger Tag. Zuerst Künstlerfrühstück und offene Bühne von 10 Uhr bis 18 Uhr, dann schnell nach Benkendorf fahren, wo die Takadimis einen Auftritt haben, danach wieder zurück zum Poetry Slam. Hoffentlich mache ich da nicht schlapp.

Andererseits haben wir bei unseren Seminaren in Altensalzwedel auch immer ganz schön viel geleistet. Bei einem Seminarwochenende gab es auch nie wirklich so etwas wie Pausen. Klar, offiziell gab es die, aber da wir ja mit unseren Teilnehmern zusammen gegessen haben, waren wir trotzdem aktiv und voll im Einsatz. Und ebenso am Abend dann. Wir haben immer mindestens bis 22 Uhr mit den Teilnehmern zusammen gesessen, bis wir uns rausgezogen haben. Jana, Manfred und ich haben dann immer noch ein wenig zusammen fern gesehen. Dabei sind wir aber meistens eingeschlafen.

Und am anderen Morgen ging es ab 8 Uhr gleich wieder los. Sobald wir nach unten in die Küche kamen, tummelten sich die Seminarteilnehmer um uns herum. Das konnte mal ganz toll sein und mal auch furchtbar anstrengend, je nach Seminar. So einen Megaeinsatz machen wir jetzt bei Wagen und Winnen auch. Wenn es mir nicht so viel Spaß machen würde, würde ich es mir vermutlich nicht mehr zutrauen. Ich wünschte mir wirklich so sehr, ich hätte Helfer, habe ich aber nicht. Alle müssen arbeiten. Mein Handwerker kommt schon am Mittwoch, weil er Donnerstag nicht kann. Ich hoffe, das geht klar, denn offiziell verlassen die Handwerker die Baustelle ja erst am Donnerstag.

Ich habe aber keine Wahl. Ich kann die Küche nicht allein aufbauen, also muss ich mich nach meinem Handwerker richten. Leider sind wir beide dann nur zu zweit. Das wird sehr heftig.
Wir müssen die ganzen Stühle wieder zusammenbauen, die beim Anstreichen von ihren Polstern getrennt wurden und ebenso die Tische, die auch auseinander genommen worden sind. Von der Küche ganz zu schweigen, die aus lauter Einzelteilen besteht, die ich gar nicht zuordnen kann.

Dann baut mir der junge Mann noch eine kleine Bühne aus drei Paletten und ich bekomme dafür von Sabine ihre Musikanlage ausgeliehen, die sie für Familienfeiern benutzt. Andere Leute bauen dann am Freitag noch einen weiteren Tresen im selben Raum auf, an dem auch Alkohol ausgeschenkt wird. Ach ja, ich muss noch das Formular für die Gestattung abgeben, darf ich nicht vergessen. Dann fahre ich mit irgendjemandem einkaufen und schaffe all die Nahrungsmittel ran, die ich für das Wochenende brauche. Da ich nicht gleich so gewaltige Massen haben will, bestelle ich noch nicht, sondern kaufe es erst mal selber bei der Metro.

Elke will mir noch einen Gefrierschrank schenken, der muss dann auch am Donnerstag oder Freitag geliefert werde. Das aber wird schwierig, weil Elke genau da keine Zeit hat. Sie besitzt das Eiscafé in Pretzier und das hat im Sommer immer von Donnerstag bis Sonntag geöffnet. Wenn wir aber den Gefrierschrank schon vorher holen, dann steht er in der Baustelle, wo die Maurer noch Wände durchbrechen und Türstürze einbauen. Das würde die Handwerker ernsthaft stören und es könnte auch dem Gerät schaden, wenn es so einstaubt.

Na ja, so ist das eben und es ist ja auch toll, so lebendig, so spannend, so intensiv.
Wollt ihr mal eine Kostprobe von dem, was ich beim Poetry Slam lese?
Ich lese den Drachentöter Zyklus, ein Frühwerk von mir. Es geht um den alten Mythos (altes Klischee) vom Drachentöter, der die Prinzessin rettet. Es beginnt immer gleich und hat jedes Mal ein anderes unerwartetes Ende.


Der Drachentöter, Variante 13

Prinz Richard, ein noch junger Mann
wagt sich an einen Drachen ran.
Brüllt: „Friss den Stahl, du Untier du“
Da zwinkert ihm der Drache zu.

Und sagt ihm, lass die Waffen schweigen.
Ich muss dir erst mal hier was zeigen.
Als Richard folgt ihm zu der Höhle,
erschallt ein trunkenes Gegröle.

Das kann nicht sein, das ist ein Traum
Randvoll mit Rittern ist der Raum
Es feiern feste hier die Recken
Und reiern auch mal in die Ecken

Mittenmang die Kunigunde
Schmettert Liedgut in die Runde
Und wie er da noch steht und wundert
Tritt zu ihm einer von den Hundert

"Prinz zu sein, das ist doch qualvoll
Hier haben wir nen ganzen Saal voll
Wer will denn schon als Held rumlaufen
Hier kannst du mit uns täglich saufen."

Prinz Richard sieht den Recken an.
Es blickt der Recke auf den Mann
Er schnappt sich einen Gral voll Bier
"Das ist ja wie Walhalla hier!"

Nun der Schluss ist rasch erzählt
Es ist ja klar, was er gewählt
Der Recken Glück kennt keine Wende
So feiern sie bis an ihr Ende.

Komm du doch auch zu Wagen und Winnen. Du kannst es bequem mit dem Zug erreichen, da die Hauptausstellung und die Eröffnungsparty ja im Bahnhof stattfindet.
Am Freitag, den 8. September wird um 19 Uhr mit einer Party eröffnet. Dann sind alle Ausstellungen das ganze Wochenende immer von 11 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Die zentrale Ausstellung ist im Bahnhof und dort ist auch mein provisorisches Café Zwischenhalt. Bei mir gibt es Samstag und Sonntag ab 10 Uhr Künstlerfrühstück mit offener Bühne und natürlich auch Kaffee und Kuchen. Spaß inbegriffen. Das solltest du dir nicht entgehen lassen.