Samstag, 22. Juli 2017

Ich im Arrest

22.7.2017
Heute ist Samstag. Gitta will mich nachher besuchen. Ich freue mich schon darauf. Jetzt wollte ich eigentlich noch einkaufen fahren, aber zurzeit regnet es wie aus Kübeln. Darum schreibe ich hier kurz ein wenig. Unten im Café geht die Arbeit endlich wieder voran. Die Wände sind inzwischen verputzt worden. Die Decke kommt vermutlich ab Montag dran. Ich habe unten auch eine neue Haustür bekommen, die gestern eingesetzt wurde.
Eben war hier ein ganz lautes Geräusch im Zimmer und ich kann nicht sehen, was herunter gefallen ist. Alles scheint noch an seinem Platz zu liegen. Na, das krieg ich später raus.
Selina sagt: "ich weiß es!"
 
Vorgestern wurden auch die vorderen Fenster in meiner Wohnung ausgetauscht. Das war erst einmal etwas lästig. Ich hatte mir schon zuvor überlegt, was ich mit Lienchen mache, damit es sie nicht so erschreckt, aber sie sorgte für sich selbst. Sie ist dermaßen intelligent! Am Morgen, noch bevor die Handwerker auftauchen, verließ sie die Wohnung und kehrte erst zurück, als alles erledigt war. Das war auch wirklich besser für sie, denn zeitweilig sah es in der Wohnung so aus:

 
Aber die Handwerker machten hinterher alles wieder sauber und stellten fast alles an seinen Platz zurück. Nur den schweren Tisch und den Nachttisch, den man so schlecht bewegen kann, ließen sie mir als sportliche Übung zurück (läster). Ich mache nur Spaß. Es war sicherlich Zufall, dass gerade diese beiden Dinge übrig geblieben sind.
Ich selbst habe auch fleißig geräumt und etwas entrümpelt. Ich habe mich noch weiter verkleinert und so einen ganzen Küchenschrank leer bekommen. Ein freundlicher Handwerker hat ihn nach unten in den Keller gebracht. Nächsten Monat ist hier Sperrmüll. Dann habe ich mir im sozialen Kaufhaus in Lüchow ganz günstig einen Küchentisch und drei Stühle besorgt. Die Stühle haben nur 5 Euro gekostet. Nun habe ich eine kleine Essecke in der Küche. Der Tisch dient zugleich auch als Arbeitsfläche. Die hat ja zuvor so sehr gefehlt.
 
 


Ist doch ganz nett, oder? Später, wenn ich die neuen Fliesen bekommen habe, werde ich die Küche auch streichen und dekorieren. Jetzt hat das noch keinen Sinn. Im sozialen Kaufhaus habe ich auch ein Schlafsofa entdeckt und mir geschnappt. Damit kann ich ganz toll Platz sparen. Bisher hatte ich ja immer einen Matratzenstapel im Hinterzimmer für Gäste vorgesehen und zugleich ein Sofa in der Fernsehecke. Jetzt habe ich das Sofa gegen das Schlafsofa ersetzt und den Matratzenstapel verschenkt. Dadurch ist Platz frei geworden, der hier dringend gefehlt hat.


Und ich habe mich ermannt bzw. erfraut, auch den riesigen alten Computer Monitor, der hier immer herumstand, mit den Dreirad nach Cheine zum Recyclinghof zu fahren.



Das ging wirklich gerade mal so eben. Ich glaube, das Ding wog glatt 30 Kilo. Ich konnte es kaum bewegen. Die Männer, die das Sofa herauf getragen haben, waren so lieb, mir das Monster die Treppe herunter zu tragen. Das hätte ich nicht gekonnt. Ich habe seit Monaten darauf gewartet, dass das mal jemand für mich tut. Jetzt war es endlich soweit. Das Dreirad war eigentlich ein wenig überladen mit dem schweren Ding. Ich fuhr ganz vorsichtig. Ich finde es ganz toll, dass ich selbst nach Cheine fahren kann und nicht darauf angewiesen bin, von jemandem mit dem Auto gefahren zu werden.

In Cheine gibt es zwei Restaurants quasi neben einander und die Auffahrt zum Recyclinghof ist dazwischen. Das eine heißt Mückes Imbiss. Dort habe ich mich auf die Terrasse gesetzt und mir noch einen Kaffee gegönnt.


Das ganze Areal ist von großen Bäumen umrundet. Sehr schön.
Als ich wieder zuhause war, bekam ich ein ernsthaftes Problem mit meiner Wohnungstür. Das war gestern. Da der Mann, der unten die Haustür eingebaut hat, sagte, er würde sich darum kümmern, dachte ich, es sei irgendetwas mit meiner Tür passiert. Ich probierte daher, hinter mir abzuschließen. Und das war einmal Zuschließen zu viel. Die Tür ging nicht mehr auf. Als ich losfahren wollte, weil ich bei Nadine und Heinrich zum Kaffee verabredet war, konnte ich die Wohnung nicht verlassen.
Letztes Mal, als das passierte, hat mir der Schwiegervater meines Vermieters geholfen, aber jetzt ist er in Urlaub. Was sollte ich machen? Alle Handwerker waren schon weg, denn es war ja Freitag. Ich stand in meiner Wohnung unter Arrest!

 
Ich sah überall zu den Fenstern heraus, soweit das mit den Baugerüsten davor halt geht, aber da war wirklich nirgendwo noch ein versprengter Handwerker zu sehen. Schließlich rief ich meinen Vermieter an und teilte ihm mit, dass ich in der Wohnung eingesperrt war. Das gefiel ihm gar nicht, denn am Montag soll ich eine neue Tür bekommen. Da wäre es doch wirklich blöd und rausgeworfenes Geld, wenn wir jetzt trotzdem noch einen Schlüsseldient kommen lassen müssen. Er hatte ich Idee, dass ich den Fahrkartenverkäufer rufen sollte und gab mir auch die Telefonnummer.
 
Gottfried ist zurzeit in Urlaub. Er wird von einem sehr jungen Mann namens Ephraim vertreten. Ephraim kam dann zu mir hoch. Ich reichte ihm den Schlüssel durch die Katzenklappe, aber auch von seiner Seite ließ sich die Tür nicht mehr schließen, egal wie wir auch rüttelten und es versuchten. Schließlich hatte er die Idee, das Schloss abzubauen. Zum Glück brauchte er dafür nur Schraubenzieher. Mehr habe ich nicht in der Wohnung. Das Werkzeug ist noch eingelagert. Ich reichte ihm die Schraubenzieher durch die Katzenklappe und er schaffte es tatsächlich, das Schloss zumindest zum Teil auszubauen.
 
Ich war wieder frei. Das bleibt jetzt einfach das Wochenende über so und Montag bekomme ich ja sowieso eine neue Tür. Natürlich ist es für mich etwas unheimlich, dass ich meine Tür nicht zuschließen kann. Gestern so gegen 19 Uhr hörte ich dann prompt auch Geräusche unten. Ich ging nachsehen und stöberte einen jungen Mann auf, der sich gerade im Herrenklo in der Baustelle wusch. Er sagte, er sei einer der Handwerker und sei eben erst fertig geworden (um 19 Uhr? Am Freitag?) Ich tat so, als würde ich ihm glauben (zu meiner Sicherheit) und schloss meine neue Haustür hinter ihm ab.
 
Die Haustür hatte ich selbst offen gelassen, weil ich noch jemanden erwartete, der mir hier mit den Gardinenstangen helfen sollte. Der kam aber nicht. Alle anderen Türen hatte ich selbst abgeschlossen. Der junge Mann hätte hier gar nicht drinnen sein sollen. Es war ein junger Ausländer. Ich vermute, dass er vielleicht keine ordentliche Waschgelegenheit hat und sich deshalb hier im Klo gewaschen hat. Es ist halt ein Bahnhof. Da kann man keine Türen offen lassen. Die Leute kommen wirklich rein. Es tut mir auch Leid für den jungen Mann. Ich bin ihm nicht böse, aber zulassen kann ich das auch nicht. Insbesondere nicht, wenn ich keine Möglichkeit habe, meine Wohnungstür abzuschließen. Dann muss wenigstens unten alles zu sein.
 
Meine Nichte hat gestern geheiratet. Sie hat es versäumt, mich davon zu unterrichten, aber sie hat Jana eingeladen, ihre beste Freundin und Trauzeugin. Es sollte wohl auch nur im aller engsten Familienkreis sein. Jana hat Maike das Kleid genäht. Kein weißes Kleid, sondern ein blaues. So hat sie es sich gewünscht. Ich finde es ist sehr schön geworden.
 
 
Jana und Manfred sind hingefahren. Jetzt ist Maike also verheiratet. Nun ja irgendjemand muss den Zweig ja weiterreichen. Jan und ich, wir sind ja verdorrende Äste der Barkmann Familie, unverheiratet und ohne Kinder. Ob ich den Feuerlöscher im Hintergrund als Symbol sehen sollte?
Offenbar ging es doch einigermaßen zünftig zu bei der Hochzeit, denn dieses Bild zeigt, das traditionelle Holz Sägen. Vor langer Zeit noch auf meinem Hof haben wir das geübt. Maike sieht ja auch wirklich eher entspannt dabei aus. Sie kann das sicherlich noch sehr gut.

 
 Jana und Manfred sind aber auch ein schönes Paar und sie haben sich an den Farbkodex gehalten und sind in Blau erschienen. Das Wetter war ja auch perfekt, wie ich sehe. Zum Glück haben sie nicht auf das Wochenende gewartet. Hier zumindest gießt es.
 


 
Inzwischen war ich rasch einkaufen und bin durchnässt worden. Macht aber nichts, es war gar nicht kalt. Gitta wollte so um 15 Uhr kommen. Jetzt ist es 14,19 Uhr. Ich werde die Wartezeit einfach mit Schreiben verbringen.
Heike, meine Schwägerin (besser bekannt als Aveta die Feuerfee) hat einen interessanten neuen Zweig in ihrer spirituellen Arbeit aufgenommen. Sie stellt kleine Männchen und Frauchen aus Ton für Liebesrituale her.

 
Auf Wunsch ihrer Klienten macht sie dann damit entweder Partnerfindungsrituale oder die Klienten lassen sich das Männchen schicken und vollziehen ihr Ritual selber. Sie hat erzählt, dass es ihr wirklich Spaß macht, diese Tonfiguren herzustellen. Es gibt ihr ein Gefühl von Frieden, Entspannung und Glück. Und die Klienten lieben es.
 
Für das Café habe ich anscheinend meine neue Mitarbeiterin schon wieder verloren. Wir wollten ja zuerst schon Angang Juli eröffnen, dann habe ich auf Anfang August verschoben. Als wir jetzt doch nicht eröffnen konnten, hat die Frau Panik bekommen und sich anscheinend in den erstbesten, freien Job gestürzt, der ihr angeboten wurde. Ich weiß jetzt noch nicht einmal genau, was eigentlich Sache ist. Hat sie sich nur vorübergehend eine Tätigkeit gesucht oder ist es fest? Ich habe sie das per SMS gefragt. Whatsapp hat sie nicht. Sie hat bis jetzt nicht geantwortet.
 
Damit hat sie ein perfektes Beispiel dafür geliefert, wie man es machen muss, dass sich die Träume und Wünsche, die man an das Leben richtet, auf keinen Fall verwirklichen:
 
Gerate in Panik!
Folge deiner Angst!
Vertraue keinesfalls!
Nimm keine Hilfe an!
Riskiere nichts!
Mach dir auch nicht die Mühe, mit Leuten, die sich auf dich verlassen, darüber zu sprechen.
Setze dich einfach ab und lasse nichts von dir hören.
Ach und eines noch: Sage erst in letzter Sekunde Bescheid, damit keiner mehr reagieren kann.
 
Nicht schön, oder? Ich wollte ihr schon vor zwei Wochen raten, sich arbeitslos zu melden und ich habe ein Schreiben für sie verfasst zur Vorlage beim Arbeitsamt, welches ihr bestätigt, dass sie als feste Mitarbeiterin für das Café Anhalt eingeplant ist. Ich habe auch selbst mit dem Arbeitsamt telefoniert, damit sie keine Sperre bekommt, da sie ja ihren letzten Job selbst gekündigt hat. Sie hat in gutem Glauben gehandelt und auf meine Aussage hin. Das hätte man nicht gegen sie ausgelegt.
 
Sie ist aber nicht zu dem Treffen gekommen. Da hat sie auch erst einige Minuten zuvor abgesagt. Als Nadine das hörte, sagte sie auch ab und das Treffen fand nicht statt. Jetzt, eine Woche später war das nächste Treffen. Ich habe ein festes wöchentliches Treffen verabredet, damit wir dort die wichtigen Dinge besprechen können. Diesmal hatten wir einen Termin zur Getränke Verkostung in Lüchow. Es ging um die Premium Cola, die ich auch im Café verkaufen will und andere Getränke. Ganz kurz vorher sagte sie wiederum ab. Sie schrieb mir, sie hätte sich etwas zur Aushilfe gesucht, müsse ihre Raten zahlen und so. Auf meine SMS reagierte sie nicht mehr. Ich schätze mal, sie ist weg. Das Schreiben für das Arbeitsamt hat sie sich jedenfalls nicht abgeholt.
 
Eben habe ich im Kaufland einen neuen Zettel aufgehängt, dass ich eine Teilzeitkraft für das Café Anhalt suche. Noch ist genug Zeit, ich finde schon die richtigen Leute. Ich will aber keine Mitarbeiter, die sich nur als Angestellte auffassen und ohne Mitverantwortung ihre Stunden abreißen. Ich will ein echtes Team. Das ist es, wonach ich jetzt suche. Es wäre auch ganz nett, wenn wir nicht nur Frauen wären. Der eine oder andere schnieke Mann würde sich im Café doch gut machen, oder? Ich sehe ja völlig ein, dass nicht jeder so entspannt und gelassen mit Krisen umgehen kann wie ich, aber Herrgott, muss man denn gleich in Panik verfallen?
 
Etwas krisenfest müssen wir alle sein. Das erwartet das Leben doch von uns. Wenn du so rein gar nichts riskierst, dann wird das Leben dich auch nicht beschenken. Wer träumen will, der muss auch etwas wagen. Sonst ist dein Leben gar kein Leben. Du schlägst nur die Zeit tot, bis zu deinem Tod.
 
Also spricht der weibliche Buddha
 

 
 

 

 
 
 
 
 
 

Donnerstag, 13. Juli 2017

Logos und Rüttelmaschinen

23.6.2017
Heute habe ich in einer großen Aktion die Buchhaltung von Februar bis Mai gemacht. Jetzt bin ich ganz wirr im Kopf. So viele Zahlen, so viel herum Gesuche, so viel heften, wühlen, kopieren, nachdenken, organisieren. Aber immerhin ich bin jetzt fertig. Ich hab sogar überlegt, ob ich auch den Juni noch machen sollte, soweit der schon herum ist, aber das Schwirren in meinem Kopf hat mich davon überzeugt, dass eine andere Tätigkeit jetzt gut für mich sein könnte.

13.7.2017
Hier im Bahnhof laufen die Renovierungsarbeiten immer noch auf Hochtouren. Kürzlich lag ich noch mit meiner Katze zusammen im Bett und schlief trotz lärmender Bohrmaschinen und wildem Gehämmer, weil ich mal wieder ausschlafen wollte. Als ich dann so gegen halb Neun schließlich gähnend und in Unterwäsche gen Badezimmer taperte, entdeckte ich schockiert, dass die Handwerker IN meiner Wohnung fleißig damit beschäftigt waren, ein Fenster auszutauschen. Ups!
Ich floh erst mal zurück ins Wohnzimmer, um mich zu sammeln. Dann lugte ich vorsichtig um die Ecke und als gerade mal keiner hinschaute, schlüpfte ich rasch ins Bad, wo auch meine Kleidung lag. So was!

Inzwischen sind die drei Fenster zu den Bahnsteigen schon ausgewechselt. So richtig gefallen sie mir nicht. Sie haben sehr breite, wuchtige Fensterrahmen, auch in der Mitte und lassen darum viel weniger Licht herein als die alten. Dabei hat mir das doch gerade immer so viel bedeutet: Viel Licht in der Wohnung.

Heute treffen sich Jeannette und Nadine hier mit mir. Wir arbeiten weiter an den Waren. Wir müssen Entscheidungen treffen, welche Brötchen, welche Kuchen, welche Torten und welche Getränke wir denn nun wirklich bestellen wollen. Was die Süßigkeiten betrifft, so wurde mir diese Entscheidung abgenommen. Als ich kürzlich unten mein Dreirad besteigen wollte, sah ich zwei Frauen, die noch einen wahnsinnig süßen Zweijährigen an ihrer Seite hatten, mit dem Maßband Wände ausmessen. Ich sprach sie an und erfuhr, dass die beiden einen Kiosk im Bahnhof eröffnen, direkt gegenüber meinem Café.

Tja, da habe ich dann also Konkurrenz bekommen. Die beiden sind sehr nett und wir haben uns gleich ein wenig abgesprochen. Sie werden keine belegten Brötchen anbieten und ich keine Zeitschriften. Die Mars- und Snickers Riegel sind ja dann auch mehr etwas für den Kiosk als für das Café. Wir werden schon gut miteinander zurecht kommen.

Heute will ich auch Nadine und Jeannette fragen, was für Kleidergrößen sie haben. Ich habe im Internet einen Handel entdeckt, wo ich sehr günstig schwarze Polohemden bekomme. Dort will ich heute ein Probeshirt für jede von uns bestellen. Wenn die uns gut passen und auch ansonsten gut ausfallen, bestelle ich einen ganzen Satz für das Café. Jana, die Gute, näht noch an den Holstern und sie kümmert sich auch um das Logo.


Ich habe ein Logo über Fiverr bei einem Inder bestellt. Zumindest vermute ich, dass es sich um einen Mann handelt. Dem Bild nach müsste es eigentlich eine Frau sein, die sich Dewa nennt. Aber mir fiel auf, dass es dort auf Fiverr so viele wunderschöne indische Frauen gibt, die Logos machen. Ich vermute, es handelt sich um Männer, die einfach ein Bild von einer wunderschönen Frau benutzen. Vielleicht versprechen sie sich etwas davon. Dewa hat  mir bereits ein Logo gemacht, aber es waren Rechtschreibfehler darin. Bei der weiteren Kommunikation mit ihm/ihr hatte ich so viele Schwierigkeiten, dass ich die Aufgabe Jana übertrug. Sie bewältigt Computerprobleme viel besser als ich.

Ich will dann zunächst das Logo auf Buttons haben, die wir im Café tragen und bei der Eröffnung sollen auch solche Buttons verteilt werden. Das Logo kann auch auf Kaffeetassen gedruckt und verkauft werden. Es ist ein schönes, altmodisches Vintage Logo. Darüber sollten wir auch sprechen, solange wir noch nichts kaufen können. Die Renovierung ist in den letzten vier Wochen kaum voran gekommen. Unten ist alles Baustelle. Ich kann keinerlei Kühltruhen, Schränke oder Küchenmöbel hinstellen. Der Zugang zum Keller ist so klein, dass wir neulich schon bei einer Tischplatte dachten, wir kommen nicht durch. Mit der Tischplatte haben wir es dann trotzdem noch geschafft, aber größere Dinge lassen sich einfach nicht hinunter schaffen. Ich muss also warten.

In der Wartezeit können wir all jene Dinge erledigen, die keinen Platz benötigen. Wir können uns über Werbung Gedanken machen, über die Eröffnungsfeier, über die Kleidung, über das Geschirr, Tabletts, Servietten und all diese Dinge.
Ich bin auch gewaltig im Verzug mit meinem neuen Antrag auf Arbeitslosengeld. Mein Bewilligungszeitraum endete am 30. Juni. Inzwischen haben wir schon den 13. Juli. Ich habe so lange gebraucht, um mit der Buchhaltung für Juni fertig zu werden. Dazu kommt noch, dass mein Steuerberater jetzt in Urlaub ist. Er muss ja noch die BWA (Betriebswirtschaftliche Auswertung) für das letzte halbe Jahr machen und die EKS für mich ausfüllen. Andere Leute machen so etwas selbst, aber ehrlich, das übersteigt gnadenlos meinen Horizont und zwar fachlich, kompetenzmäßig und emotional.

Ich habe mich schon einmal selbst an einer EKS versucht, aber die Zahlen haben nie gestimmt. Hier möchte ich an meine Dyskalkulie erinnern. Bei der EKS trägt man alle seine Einnahmen und Ausgaben der letzten Monate ein und zwar untereinander und auch nebeneinander. Dann rechnet man das alles untereinander zusammen und nebeneinander auch. Im letzten Kästchen unten und rechts soll dann erscheinen, was man denn nun wirklich erwirtschaften hat. Bei mir sind da immer wieder andere Zahlen erschienen, jedes Mal wenn ich die Rechnung zur Kontrolle noch einmal durchgerechnet habe. Fünf, sechs verschiedene Kontrollen, immer neue und andere Zahlen, trotz Taschenrechner.

So war das früher auch, als wir das Kassenbuch noch von Hand ausgefüllt haben. Die Summen haben immer wieder eine andere Zahl ergeben  jedes Mal, wenn ich sie erneut zusammen gezählt habe. Heutzutage macht das Excel. So stimmt die Rechnung wenigstens. Aber Excel füllt mir nicht die EKS aus. Ich will, dass das der Steuerberater für mich tut. Der kommt erst am 24. wieder. Dumm gelaufen. Ich habe einmal versucht, das alles mit Nadine zusammen zu machen, aber es hat nicht so gut funktioniert. Während sie vier Stunden lang gearbeitet hat, schaffte ich in derselben Zeit nur den Februar. Im Grunde ist es echt Blödsinn, dass ich das mache.

Ich habe immer dafür plädiert, dass man möglichst das machen sollte, was man gut kann. Ich muss mich bei diesen Dingen so konzentrieren, brauche jedes Mal, wenn mich jemand durch eine Frage abgelenkt hat, wieder fünf Minuten, um ins Thema zurück zu kehren und noch einmal zu verstehen, was ich mir eben mit Mühe klar gemacht hatte und dann kommt die nächste Frage und ich bin wieder raus. Jeder vernünftige Chef würde sagen: "Um Gottes willen, lasst das jemand anderen machen!". Aber dummerweise bin ich ja hier die Chefin und ich habe niemanden, auf den ich das delegieren könnte. Zum Glück besteht das Geschäft nur zu einem geringen Prozentsatz aus Buchhaltung. Und den nimmt mir teilweise die Registrierkasse auch noch ab.

Nicht jeder ist für alles begabt und das ist überhaupt nicht schlimm. In der Zeit, in der ich einen Monat Buchhaltung mache, könnte ich statt dessen eine großartige Rede schreiben, die die Herzen aller berührt und voller tiefer Weisheit ist. Leider wird das im Café eher weniger gebraucht und ich will es auch weniger machen. Mir ist in den letzten Monaten, bevor ich mit dem Seminarhaus aufgehört habe, so viel Neid, Eifersucht und Missgunst entgegen geschlagen. Ich bin auch ein bisschen dafür verantwortlich, welche Reaktionen ich in den Menschen hervor locke. Ich glaube, Salzwedel verkraftet es zumindest im Moment nicht so gut, wenn ich so toll bin.

Ich wollte damit nur Gutes bewirken, wollte helfen, wollte der Welt und den Menschen meine einzigartige Qualität zum Geschenk machen, meinen Beitrag leisten. Aber der Beitrag war gar nicht gewollt, hat auch nichts Gutes bewirkt. Das macht mich zwar traurig, wirklich sehr, sehr traurig, aber ich sehe ja die Realitäten. Deshalb habe ich aufgehört De Wise Fru zu sein und werde nun Chefin eines Kultur Cafés. Ich freue mich auf dem Kultur Teil. Ich will ja auch TED Talk Veranstaltungen geben, werde aber selber wohl eher keine Rede halten. Nicht schon wieder. Die Menschen sollen das Café nicht verlassen und den Bauch voller Eifersucht haben, sondern voller Kuchen und guter Gefühle.

Nelson Mandela sagt zwar das Gegenteil, er hat in einer Rede einmal folgendes wunderbare Zitat gebracht:
Unsere tiefste Angst ist nicht,
dass wir unzureichend sind.
Unsere tiefste Angst ist,
dass wir über die Maßen machtvoll sind.
Es ist unser Licht,
nicht unsere Dunkelheit,
das uns am meisten ängstigt.

Wir fragen uns:
wer bin ich,
brillant zu sein, großartig, talentiert und sagenhaft?
Aber tatsächlich:
wer bist Du, es nicht zu sein?

Du bist ein Kind Gottes.
Dein Kochen auf kleiner Flamme dient der Welt nicht.
Es liegt nichts Erleuchtetes darin,
sich kleiner zu machen,
damit andere Menschen sich in Deiner Nähe nicht unsicher fühlen.

Wir sind geboren,
um die Herrlichkeit Gottes zu offenbaren,
die in uns ist.
Sie ist nicht nur in einigen von uns,
sie ist in allen!

Und indem wir unser eigenes Licht scheinen lassen,
geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis,
das gleiche zu tun.
Indem wir uns von unserer eigenen Angst befreit haben,
befreit unsere Gegenwart automatisch andere!

(Nelson Mandela, Antrittsrede 1994)

Das ist wundervoll, nicht wahr? Ich möchte das gern glauben, eigentlich glaube ich es auch. Ich habe wohl irgendwo etwas übersehen, so dass es für mich nicht funktioniert hat. Vielleicht ist es, weil ich keine Angst hatte? Angst ist es nicht, was mich dazu brachte aufzuhören, sondern die schlichten wirtschaftlichen Notwendigkeiten einerseits und andererseits die Erkenntnis, dass meine Qualitäten und meine Weisheit irgendwie nicht benötigt zu werden scheinen. Insgeheim habe ich die Hoffnung, dass sich das noch mal wieder ändert, dass sich irgendwie plötzlich eine Lücke zeigt, durch die ich schlüpfen kann und auf ein Feld oder Terrain geraten kann, wo meine Qualitäten doch gefragt sind.

Aber es ist bestimmt auch schön, ein Café zu machen. Dort kann ich auch Qualitäten entfalten. Ich nehme das Geschenk an, das mir durch diese Chance gegeben wurde. Jeannette und Nadine an meiner Seite werden eine großartige Unterstützung sein und dann versuchen wir mal herauszufinden, was denn nun eigentlich gebraucht wird und ob wir etwas davon zu geben haben.

Gestern habe ich einen Hörtest gemacht. Der Test zeigte deutlich, dass ein Teil meiner Hörfähigkeit sich aus dem Staub gemacht hat. Ich kann die höheren Töne nicht mehr gut hören. Ein Hörgerät könnte hier Abhilfe schaffen, deshalb muss ich mir jetzt noch einen Termin beim Ohrenarzt machen. Der Verkäufer setzte mir probeweise ein Hörgerät ein und auf einmal war alles so laut, auch meine eigene Stimme. Ich hatte das Gefühl, meine Stimme sofort dämpfen zu müssen, um andere nicht anzuschreien. Als er es mir dann wieder heraus nahm, konnte ich nicht einmal mehr den Regen hören.

Ich habe mir übrigens eine Rüttelmaschine gekauft, so ein Fitnessgerät, das einen durchrüttelt. Zuvor habe ich erst Mal ausführlich im Internet recherchiert. Dabei stellte ich fest, dass die Leute, die sich gegen so ein Gerät aussprechen, erstens selber gar kein solches Gerät besitzen und zweitens auch keine Argumente. Die sagen einfach nur: "Das funktioniert nicht." Sie haben keine Studien, auf die sie sich berufen können und auch keine eigenen Erfahrungen. Sie eifern nur herum, dass so etwas keine richtige Bewegung ersetzen könne. Das will ja auch keiner. Die Leute in den Foren, die selber so ein Gerät besaßen, waren alle der Meinung, einen guten Kauf getan zu haben. Sie beschrieben ihre Erfahrungen und fanden es toll.

Dann habe ich mich mit den Qualitäten und Problemen der Geräte auseinandergesetzt und mir schließlich so ein Ding gekauft. Das Gerät muss über 500 Watt haben, sonst bringt es nicht genügend. Einige bestehen nur aus einer Art Rüttelplatte, auf die man sich stellt. Das, was ich ausgewählt habe, hat auch Seitengriffe und das Display ist nicht am Boden, wo ich es nicht richtig sehen kann, sondern auf Höhe der Hände. Es war auch gar nicht so teuer und außerdem denke ich, dass eine Investition in meine Gesundheit sehr vernünftig ist. Ich bin schon sechzig und will ein neues Geschäft beginnen. Ich muss noch lange durchhalten.

Seit dem rüttle ich mich jedem Tag auf dem Ding und finde es klasse. Es wirkt euphorisierend. Und ich habe auch schon ein Kilo abgenommen. Das Gerät soll unter anderem auch bewirken, dass der Gesamtumsatz des Körpers sich erhöht. Man muss dann nur aufpassen und nicht auch mehr essen. Deshalb trage ich die Zeit auf dem Gerät nicht als Sportzeit in mein Handy ein. Anfangs fühlt man sich, als wäre man gerade 10 Kilometer gejoggt. Die Muskeln sind völlig erschöpft, aber das baut sich rasch auf. Meine Muskeln waren ja auch nicht total untrainiert, schließlich habe ich noch zwei andere Sportgeräte hier, die ich oft benutze.

Aber in den ersten 10 Tagen habe ich es mir gegönnt, die ganze Zeit mit dem Dreirad zu fahren, statt mit dem Fahrrad, so erschöpft fühlte ich mich. Inzwischen ist das schon vorbei und ich bin gestern auch mit dem Fahrrad zum Hörtest und zu Edeka gefahren. Ich halte mich ja brav an das, was ich gelesen habe: Der Vibrationstrimmer ersetzt keine echte Bewegung. Dabei fällt mir ein, dass ich noch nicht einmal Kekse für unser heutiges Treffen gekauft habe, Das muss ich gleich mal erledigen. Kekse sind eine gute Lösung für mich, da ich selbst absolut keine Kekse mag. Ich war schon immer Nicht Kekserin. Wenn ich also eine Dose schöner, leckerer Kekse für meine Gäste kaufe, besteht nicht die Gefahr, dass ich die Dinger alle selbst aufesse. Bei Schokolade sähe das schon anders aus.
Na dann schwinge ich mich mal aufs Rade. Bis bald Ihr Lieben.