Samstag, 14. Oktober 2017

Gestern stand ich am Abgrund - heute bin ich einen Schritt weiter

14.10.2017
So langsam setzen sich alle Puzzleteile zusammen und ich verstehe, worum es bei all dem Ärger eigentlich wirklich ging. Heute Nacht hatte ich einen Traum. Ich arbeitete für die Weihnachtsfrau. In diesem Traum gab es keinen Weihnachtsmann, sondern eine Weihnachtsfrau. Ich und drei andere Personen waren ihre Diener. Sie war auch so ein bisschen wie Frau Holle. Alljährlich richteten wir vier in ihrem Auftrag Weihnachten für die Menschen aus. Aber eines Jahres wollte sie das nicht mehr. Wir Vier fanden das nicht richtig. Weihnachten kann doch nicht ausfallen. Das geht doch nicht. Also fingen wir an, es heimlich auszurichten.


Die Weihnachtsfrau erwischte uns aber dabei und gab uns Arbeiten auf, die uns beschäftigen sollten. Wir erledigten diese Arbeiten einfach ganz schnell und luschig und begannen erneut, Weihnachten auszurichten. Sie erwischte uns wieder und diesmal wollte sie uns bestrafen. Sie schickte jeden von uns in eine Zeitschleife, in der derjenige dasselbe immer und immer wieder erleben sollte. Die drei anderen wurden in dieser Zeitschleife wieder und wieder mit dem konfrontiert, was ihnen am meisten Angst machte. Zu mir sagte sie, das würde bei mir ja nichts nützen. Angst wäre kein Problem für mich, aber sie wüsste genau, was mein Problem sein, nämlich die Ewigkeit.

Sie wollte mich in eine Zeitschleife verbannen, in der ich für viele Jahre immer und immer wieder aufs Neue ihr Bett machen sollte und ein wenig aufräumen. Und sobald das getan ist, schwupps dreht sich die Zeit zurück und ich muss wieder von vorn anfangen. Vor Schreck fing ich an zu weinen und hoffte, sie mit meinen Tränen doch noch zu erweichen.

Gitta ist inzwischen wieder zurück aus Kiew und wir haben heute darüber telefoniert. Wie immer hatte sie einige ganz spannende Ideen nicht nur zu diesem Traum, sondern auch zu den Ereignissen von vorgestern und gestern. (Steht im Block vor diesem hier) Gestern ist eigentlich nichts weiter passiert, außer dass ich nicht die Hütte lasiert habe. Nadine wollte eigentlich bei sich die Hausfassade streichen und hatte ebenfalls so wenig Lust dazu, dass sie mich anrief und fragte, ob ich sie nach Bad Bevensen begleite. Sie hatte dort noch etwas abzuholen. Super! Gute Gelegenheit, sich zu drücken. Also fuhren wir zusammen nach Bad Bevensen. Das war durchaus schön. Wir klönten und unterhielten uns die ganze Zeit. Anschließend gingen wir noch in Uelzen zu Mittag Essen.

Alles gut soweit, aber ich fühlte mich die ganze Zeit über so müde und abgeschlagen. Ehrlich, ich hasse es, ich hasse es wie verrückt, mich so schwach zu fühlen. Solche Schwächezustände kann ich einfach nicht ausstehen. Ich kam und kam nicht davon runter. Später, als ich wieder zuhause war, ging ich auf meine Fitnessgeräte. Ich bin eine Stunde lang auf dem Laufband gewalkt und habe dazu noch 40 Minuten auf der Rüttelmaschine gerüttelt. Danach war mein Körper zwar etwas geschafft, aber ich fühlte mich besser, nicht mehr so schwach und abgeschlagen. Eineinhalb Stunden auf der Stelle wandern und rütteln ist aber schon auch ziemlich langweilig, selbst wenn man peppige Musik dabei hört.

Dann kam die Nacht mit dem oben geschilderten Traum. Wenn mein lieber Freitag mir so einen interessanten Traum schickt, dann ja nicht ohne Grund. Es war klar: Hier muss es Zusammenhänge geben. In dem Telefonat mit Gitta wurde dann einiges viel deutlicher.
Zum Beispiel jener seltsame Zombiezustand, in den ich vor zwei Tagen bei Kaufland geraten bin, den ich mir ja nicht hatte erklären können, (Letzter Post im Blog) zeigte auf einmal einen gewissen Sinn. Gitta meinte, es müsse sich um einen nachträglichen Schock gehandelt haben. Das war zwar einerseits ein sehr plausibler Gedanke, aber andererseits waren die Ereignisse doch gar nicht so schlimm gewesen. Also das war nur zehn Prozent so schlimm wie die ganze Wagen und Winnen Anstrengung gewesen war. Wieso also ein Schock?

Dann fiel mir auf, dass ich da etwas bemerkt hatte. Während ich auf der Ebene des alltäglichen Lebens mit der Situation umgegangen bin und auf alles reagiert habe, hat noch eine andere Kraft? Quelle? Wesenheit??? ganz in meiner Tiefe auch reagiert. Einerseits habe ich alles gut gehandelt und sogar zum Wohle aller Wesen geregelt, andererseits gibt es einen Teil in mir, einen tief sitzenden Aspekt meiner Persönlichkeit, der davon ausgehebelt und abgeschlagen wurde. Anders ausgedrückt: Jemand in mir hat mehr Angst als mein Ich. Jemand in mir, aber ganz tief in mir, empfindet die Situation als zutiefst bedrohlich, so bedrohlich wie es im Mittelalter war, wenn der Büttel kam und einen abgeholt hat.

Das war mehr als nur gefährlich. Da folgte dann zumeist intensive Angst, Folter, Schmerz und vielleicht auch Tod und dies auch, wenn man gar nichts Böses getan hatte. Kennt ihr den Ausdruck "Jemandem den Schneid abkaufen"? Das ist, wenn man jemandem entweder erfolgreich Angst machen kann oder ihm so effektiv Selbstzweifel verschafft, dass derjenige von sich aus dann den Mut verliert und nicht mehr daran glauben kann, dass er sich durchsetzen wird. So etwas geschieht zumeist durch entsprechende Worte. Während die Kim voller Mut, Kraft, Authentizität, Vertrauen und Humor ihre Belange gegenüber der Stadt und den Behörden durchsetzte, wurde jenem tief sitzenden Teil in mir der Schneid schon durch den bloßen Kontakt mit den Behördenvertretern abgekauft.

Vielleicht ist das auch ein Bisschen das Salzwedeler Feld, aber ich glaube schon, dass es auch ganz viel mit mir zu tun hat. Klingt das alles sehr verrückt? Schon ein wenig, oder? Aber ich habe es ja schon oft gesagt, wir Menschen sind keine flachen Pfützen. Wir sind tiefe Seen und mancher ist ein ganzes Meer. Wir bestehen auch vielen Ebenen zugleich und besitzen eine große Fülle an Eigenschaften, Qualitäten, Fähigkeiten, Wissen, Erfahrung, Kräften und natürlich auch Macken und Ego Strukturen. Das zieht nicht immer alles an einem Strang.

Der Schock, den ich im Kaufland auf einmal hatte, war nicht Kims Schock. Deshalb konnte der Kim Teil von mir das auch nicht verstehen. Jener andere Teil in mir war geschockt. Vielleicht handelt es sich um einen transpersonalen Anteil meiner Seele, einen der Teile, die nicht mit dem Tode einer Inkarnation vergehen und vergessen werden, sondern ihre Zustände weitertragen in das nächste Leben hinein. Unaufgelöste Themen werden mitunter auch wieder geboren, um diesmal gelöst zu werden. Auf das Konto dieses Seelenanteils von mir dürfte dann ja wohl auch die elendige Schwäche des gestrigen Tages gehen. Auf der Ebene wurde mir der Schneid angekauft.

Mir gefällt dieser Ausdruck, weil er irgendwie impliziert, dass ich mir meinen Schneid, also meinen Mut und meine Kraft wieder zurück holen kann. Vielleicht wurde mir in einem früheren Leben erfolgreich suggeriert, dass ich immer die Schwächere sein werde, dass ich niemals gewinnen kann, dass diese machtvollen Männer immer gewinnen werden und immer die Macht besitzen werden. Wenn ich das glaube, dann habe ich schon verloren. Wie bei einem Tennis Match. Wenn der Spieler sich schon vorher ein Urteil über sich selbst gebildet hat, dass er keinerlei Chancen hat, viel schlechter ist als der Gegner und nur verlieren kann, dann wird seine psychische Kraft nicht ausreichen, um das ungleiche Blatt doch noch zu wenden.

Ich hoffe nun, dass ich, da wir das Fass nun schon einmal aufgemacht haben, so langsam mit jenem Anteil in mir in Kontakt kommen kann. Im Moment bin ich noch zu weit davon weg. Wenn ich mir jetzt eine Visionsreise basteln würde, in der ich mich mit diesem Anteil unterhalte, oder dies in Form eines Prozesses versuchen würde, dann wäre das nur Fantasy. Klar kann ich mir diesen Anteil vorstellen und auch alle seine Ängste und Urteile, aber das wäre wirklich dann nur meine Vorstellungen. Ich muss es auch fühlen können, damit diese Arbeit greift. Aber soviel ist jetzt schon klar. Dieser tief sitzende Seelenanteil in mir will jetzt auch von sich aus mit mir in Kontakt kommen und hat aus der Tiefe heraus dieses ganze Szenario angezettelt. Es ist also jetzt Zeit dafür, dies aufzulösen.



Und der Traum? Alles daran verstehe ich noch nicht, aber ein paar Symbole kann ich deuten. Die Weihnachtsfrau ist ein Symbol für DIE Wille. Nicht DER Wille, der dem Ego angehört, sondern die Wille, jene gewaltige Willenskraft in uns, die die Macht besitzt, Wünsche zu erfüllen. Die vier Aspekte, die unbedingt das Weihnachtsfest ausrichten wollten, sind ein Symbol für den Ego Willen, der sich auch immer Wünsche erfüllen will, dies aber nur auf eine sehr anstrengende, unendlich Kraft zehrende Weise hinbekommt, wenn überhaupt. Auf Instagram sehe ich immer wieder viele solcher Sprüche, in denen propagiert wird, man müsse nur noch mehr ranklotzen, noch härter arbeiten, dann wird man irgendwann siegen. Das ist der Wille des Ego.


Ego kann sich nicht mehr vorstellen als das. Ego stellt sich einen Fiat Panda vor und meint, das sei wundervoll. Dann rät es dir, jetzt deine ganze Kraft daran zu setzen, dieses Auto zubekommen. DIE Wille möchte dir vielleicht einen Maybach schenken oder einen Rolls-Royce. Das gelingt aber nicht, weil DER Wille schon alle Kräfte für sich rekrutiert hat.
Okay, demnach sind die vier Diener die Vertreter des Egowillen und die Weihnachtsfrau/Frau Holle ist DIE Wille oder auch die Große Mutter. Tatsächlich gibt es in der Literatur Märchendeutungen, in denen Frau Holle als die große Mutter gesehen wird. Das habe ich hier nicht erfunden.


Als Strafe soll das Ego erfahren, wie es ist, wenn sich Dinge immer nur endlos wiederholen: Nochmal das Bett machen, nochmal das Bett machen, nochmal das Bett machen oder nochmal Weihnachten und nochmal Weihnachten und nochmal...DIE Wille will Bewegung in die Sache bringen und damit auch Entwicklung. Diese letztere Information habe ich bekommen, als ich mich probeweise in die Weihnachtsfrau hinein versetzt habe. Interessant und besonders lebendig fand ich jenen Moment am Ende des Traums, als ich geweint habe und hoffe, mit meinen Tränen die Weihnachtsfrau zu erweichen. In dem Moment, da ich im Traum weinte, war ich ganz weich, lebendig und flexibel. Ich fühlte viel mehr diese Lebendigkeit als die Angst.

Und wenn ich nun den Versuch unternehme, diese beiden Dinge mit einander in Verbindung zu bringen - so langsam wird es natürlich schon ein wenig hypothetisch - dann verkörpert die Wille jenen entwickelteren Teil von mir, der auch stets immer wieder auf Entwicklung aus ist. Die vier Diener verkörpern vielleicht jenen tief sitzenden Teil meiner Seele, dem der Schneid abgekauft worden ist und der sich daher nicht vorstellen kann, dass man Dinge auch mal anders macht als sonst. Dieser verängstigte Seelenanteil von mir ist unflexibel und statisch, hält das aber für seinen Willen. Die Begegnung mit der Angst verkörpert in der Drohung der Weihnachtsfrau, mich in eine endlose Zeitschleife zu verbannen, bringt wieder Bewegung in die Starre. Sie weint, Tränen fließen, also es fließt wieder. Aus Starre wird wieder Lebendigkeit.

Eigentlich klingt das alles ganz toll für mich. Gitta meint, dass die Schwäche, gegen die ich schon mein ganzes Leben lang ankämpfe, vielleicht aus dieser Quelle kommt. Wäre es nicht einfach traumhaft, wenn ich dies alte Problem endlich lösen könnte? Wenn wir hier richtig liege, dann verbirgt sich Angst hinter dieser Schwäche. Eine uralte Angst, die so transpersonal ist, dass ich sie nicht fühlen kann, außer wenn ich direkt mit den entsprechenden Auslösern konfrontiert werde. Im Traum hat die Große Mutter zu mir gesagt, Angst wäre kein Problem für mich.
Ja, für mich nicht, aber für andere Anteile von mir schon. Sie, die in einer Zeitschleife gefangen, immer wieder dieselben Ängste durchlaufen müssen, vielleicht schon seit mehreren Leben.

Sie sagte auch, mein Problem sei die Ewigkeit. Ewigkeit ist auch ein Symbol. Ich glaube, hier in diesem Traum ist Ewigkeit ein Symbol dafür, dass Dinge unbeweglich und starr endlos auf die gleiche Weise ablaufen. Das ist fast wie tot sein oder wie zu einem seelenlosen Roboter geworden zu sein, der mechanisch seine Aufgaben wahrnimmt. Keine Entwicklung, keine neue Bewegung. Ja, das ist wirklich etwas zutiefst Beängstigendes. Und warum sollte ich endlos ihr Bett machen? Hm, ja, nun ja. In Frau Holle sollen Pech Marie und Goldmarie doch immer das Federbett von Frau Holle ausschütteln (im Traum war es übrigens auch ein Federbett), damit es auf der Erde schneit. Auch das scheint mir ein Symbol für das ewig wiederkehrende zu sein. Die vier Jahreszeiten lösen einander ab in einem endlosen Reigen.

Wir waren vier Diener im Traum. Auch die Zahl Vier ist ein Symbol. Vielleicht für die vier Jahreszeiten. Vielleicht geht es die ganze Zeit um das sich ewig Wiederholende. Und dagegen dann das Neue, das sich Trauende, etwas Riskierende, etwas Wagende, etwas neues in die Welt bringende, das den Entwicklungsprozess Auslösende. Ego traut sich niemals das zu tun. Ego kann das auch gar nicht. Ego hat nicht die Fähigkeit, weit genug in die Zukunft zu blicken, um zu übersehen, ob das neue Element denn wirklich etwas Gutes auslöst oder am Ende doch nur Schaden anrichtet. DIE WILLE in uns kann das aber. Sie ist eine machtvolle, liebevolle und zugleich weise Instanz in unserer Seele.

Leider blockieren wir sie ja meistens durch unsere Ängste unser extremes Pflichtbewusstsein oder die zahlreichen Aktivitäten zu denen DER Wille uns ständig antreibt.
Dieser Satz hat mich eben gerade ein wenig ermutigt, das Hütte L
asieren auch heute wieder zu schwänzen. Ich hab so überhaupt keine Lust dazu. Die Hütte muss lasiert werden, aber wenn ich das mache, dann wirklich nur und ausschließlich aus Pflichtbewusstsein. Ach, geliebte Mutter Wille, kannst du mir nicht jemanden erschaffen, der das für mich tun?
Mehr folgt, sobald ich selbst mehr weiß.










Donnerstag, 12. Oktober 2017

Unser neuer Feiertag: Tag des Problems

12.Oktober 2017
Na das war ja ein Tag! Den 12. Oktober könnte man zum neuen Feiertag machen oder vielleicht eher Anti-Feiertag, der Tag des Problems! Ich hatte noch niemals so viele Probleme an einem einzigen Tag. Nicht zu fassen! Und das ging so:
Heute Morgen wurde so gegen 11 Uhr, wie zuvor verabredet, meine Verkaufshütte geliefert. Hier mal ein Bild davon:

 
Und da ging der Ärger gleich los. Ich stand vor dem Bahnhof und sah, wie der Gabelstapler vom Haagebau um die Ecke biegen wollte und gleichzeitig sah ich ein Polizeiauto (nein, warum muss der denn gerade jetzt hier vorbei fahren?) direkt auf den Gabelstapler zu fahren. Für ein paar Minuten kam alles zum Stillstand, ich konnte erkennen, dass Worte gewechselt wurden und ging hinüber, um meine Verantwortung zu übernehmen. Als ich dort ankam, sagte der Polizist gerade: "Die Straßenverkehrsordnung hat Vorrang. Und jetzt wollen sie wohl auch noch durch die Busspur fahren?" (Upps!)
 
Trotzdem ließ er dann zu, dass die Hütte abgeliefert werden konnte und blieb dabei, um das zu überwachen. Ich fragte den Verkäufer von Haagebau, ob wir jetzt Ärger kriegen, aber er meinte, das ginge wohl nochmal glatt. Na super. Ich fragte mich kurz, ob ich mir das erschaffen hatte und wodurch. Aber ich war ganz entspannt und heiter. Solche Dinge erschafft man sich eigentlich dadurch, dass man genervt ist, gestresst und in einer Opferhaltung, sprich, man erwartet auch nichts als Ärger von der Welt. Nichts davon traf oder trifft auf mich zu. Keine Ahnung, wieso das so war. Aber zu dem Zeitpunkt hatte ich ja auch noch keine Ahnung, dass der Tag so weitergeht.
 
 
Als ich die Treppe zu meiner Wohnung hinaufstieg, hörte ich das Telefon klingeln. Es war das Bürgerbüro. Mir wurde gesagt, ich hätte soeben eine Hütte ohne Genehmigung auf ein städtisches Grundstück gestellt.
Ich war erst mal verblüfft. Die Hütte stand da doch erst seit 10 Minuten und schon so ein Anruf? Dann erklärte ich, dass das Grundstück meinem Vermieter, dem Herrn Schulz gehöre, aber die Frau aus der Behörde beharrte darauf, sie habe die neuesten Unterlagen und das Grundstück gehöre der Stadt. Ich erzählte ihr, dass ich doch im Rathaus gewesen sei bei der netten Frau Schwerin. Dort hatten wir zusammen in den Computer geblickt und uns die Besitzverhältnisse des Grundstücks angeschaut. Egal, kommen sie am besten sofort mal vorbei.




Ui!?, Aufregung breitete sich in mir aus. Die Hütte ist eben erst aufgestellt worden und schon Ärger.
Rasch wollte ich Frau Schwerin anrufen, aber auf einmal ging mein Telefon nicht mehr. Ich eilte ins Hinterzimmer, um ihr eine Email vom PC aus zu senden, aber das funktionierte ebenfalls nicht mehr. Auch eine Whatsapp an den Vermieter ging nicht raus. Ich war offline. Ausgerechnet jetzt? Ich warf mir nur rasch den Mantel über, schnappte meine Handtasche und düste nach unten, um mein Dreirad startklar zu machen. Dabei suchte ich noch schnell den Techniker. Ich fand ihn auf einer Leiter. Er war überrascht, dass ich kein Telefon mehr hatte, versprach aber sich darum zu kümmern.
 
Ich vergaß vor Schreck meine Fitnessschuhe auszuziehen und fuhr so zum Bürgercenter. Ich hatte nämlich gerade auf meiner Rüttelmaschine gestanden, als Mr. Gardener anrief und sagte, sie kämen jetzt mit der Hütte vorbei. Im Bürgercenter wurde mir dann gesagt, ich hätte eine Baugenehmigung beantragen müssen, das müsse ein Architekt abzeichnen, da müssten Zeichnungen eingereicht werden und außerdem gäbe es keine Hausnummer. Ohne eine Hausnummer könne man keine Baugenehmigung bekommen, die müsse man also zuerst beantragen. Das könne mehrere Monate dauern. Da gäbe es auch kein Schnellverfahren. Ich müsse also in das Bauamt, und um 14 Uhr hätte sie mir einen Termin bei noch ner anderen Baubehörde gemacht. So ganz habe ich das nicht alles durchschaut, aber ich schrieb mir alle Adressen und Namen auf und war willens, das alles abzugrasen.
 
 
Da bis zu meinem Termin um 14 Uhr ja noch viel Zeit war, ging ich erst mal hinüber ins Bauamt, das liegt im gleichen Areal. Dort wusste man bereits bescheid. Die Chefin rief jemanden an, den sie Heiko nannte. Wer das eigentlich war, habe ich nicht herausgefunden, aber Heiko hat mir gut gefallen. Der hat Eindruck auf mich gemacht. Er trug eine schwarze Lederjacke und wirkte sehr smart, intelligent und humorvoll. Vielleicht war er eine Art Ordnungshüter oder Chef von irgendwas? Er sah mich und sagte: "Sie haben eine Hütte auf städtisches Gelände gestellt ohne Genehmigung". Der Chefin hielt er sein Handy hin, auf dem ich ein Foto von der Hütte sah, auf dem ich selbst auch deutlich sichtbar vor der Hütte stand.
 
Darüber musste ich dann plötzlich richtig doll lachen. Ich presste mir die Hand vor den Mund, weil keiner mit lachte, aber das war nun wirklich zu komisch. Ich wollte ja auch nicht unhöflich sein, aber dass es schon ein Foto von mir bei den Ordnungshütern gibt, das mich und meine "böse, widerrechtliche Hütte" zeigt, die grad mal eine halbe Stunde lang auf ihrem Platz steht, das war nun echt der Hammer. (Hier in Salzwedel stehen wir früher auf. Da sind die Fotos, die den Einbrecher auf frischer Tat zeigen, schon im Internet, während der noch ahnungslos am Klauen ist).
 
Dann aber begann alles, sich aufzulösen. Es war inzwischen herausgekommen, dass das betreffende Grundstück nicht der Stadt gehörte, sondern Herrn Schulz, von dem ich eine Genehmigung habe (selbstverständlich). Dann stellte sich als nächstes heraus, dass es eine Hausnummer gibt. Und schließlich wurde es auch klar, dass eine drei mal zwei Meter Hütte, die nicht fest mit dem Untergrund verankert ist, keiner Baugenehmigung bedarf. Es breitete sich richtig fröhliche Laune im Büro aus. Wir witzelten noch ein bisschen herum und ich äußerte die Vermutung, dass das Foto wohl von dem Polizisten gekommen sei, der uns heute erwischt hatte. Das bestätigte der Mann in der Lederjacke mir fröhlich und alle versicherten mir, dass sie mir ja nichts kaputt machen wollen. Und das glaube ich ihnen auch. Es gibt halt Gesetze.
 
 
 
Heiter, ja richtig gut gelaunt, verließ ich das Baubüro wieder. Aber wenn ich dachte, das sei es gewesen, dann hatte ich mich leider getäuscht. Es war noch lange nicht 14 Uhr, erst 12.30 Uhr. Darum fuhr ich zum art-Ort. Ist ja alles dicht bei einander hier in Salzwedel. Nadine und Heinrich saßen dort im Büro und waren fleißig bei der Arbeit. Wir gingen zusammen ins Amadeus und aßen dort zu Mittag. Anschließend bewegte ich mich per Dreirad Richtung Altmarkkreis in die andere Baubehörde. Dort wurde ich gar nicht mehr erwartet. Offenbar hatten sich schon alle per Telefon kurzgeschlossen und verständigt. Die dortige Dame war aber auch ausnehmend freundlich. Da ich nun schon einmal bei ihr im Büro saß, erklärte sie mir noch einmal, dass ich keinen Bauantrag stellen müsste. Okay alles gut (dachte ich - von wegen)
 
Jetzt brauchte ich erst mal einen Kaffee. Im Amadeus hatte ich mir keinen bestellt, weil die Zeit dafür nicht gereicht hätte und weil ich auch noch aufgeregt war, aber der Altmarkkreis ist ja ganz nahe bei Kaufland. Ich war ja schon quasi da. Deshalb überquerte ich die Straße, schloss mein Dreirad vor der Tür an und bestellte mir einen Milchkaffe bei Steinecke im Kauflandgebäude. Ich wollte von der Aufregung runter kommen, wollte in die innere Ruhe zurückkehren. Meine Stimmung war schon längst wieder oben. Insgesamt waren die Gespräche in den Behörden alle eher freundlich und lustig gewesen und kein einziges feindlich.
 
Aber irgendwie funktionierte das Abspannen nicht und ich habe keine Ahnung warum. Ich saß da mit meinem schönen Milchkaffee und wollte loslassen und runterkommen, aber irgendwas passierte in mir. Ich habe es nicht verstanden und nicht mitbekommen, aber statt entspannt war ich auf einmal wie ausgeschaltet. Warum denn nur? Der Stress war doch vorbei und war auch gar nicht so schlimm gewesen. Was war los? Ich fühlte mich fast wie ein Zombie, als hätte jemand die meisten meiner inneren Sicherungen rausgedreht, als würde ich nur noch aus meinem Körper und einem kleinen bisschen Denken bestehen. Wo war meine Seele abgeblieben, meine innere Fülle, mein Ich? Das fühlte sich so unangenehm an, dass ich den Kaffee nicht mehr austrinken wollte.
 
Ich ließ den Kaffee stehen und ging zu Kaufland rein, was ich aber fast sofort bereute. Eigentlich wollte ich noch einen schönen Roman für Heike zum Geburtstag kaufen. Sie hat nämlich heute Geburtstag. Aber ich hatte keinen Elan, keine Zielstrebigkeit, keine Absicht. Alles weg. Zombiefiziert ging ich glattweg an dem Bücherregal vorbei und wieder raus aus dem Laden. (Ob die ein Zombiefizierungsmittel in den Kaffee tun?) So etwas habe ich zuvor noch nie erlebt und ich verstehe nicht im Geringsten, was da mit mir los war. Aber es verließ mich wieder, sobald ich mit dem Dreirad  losfuhr.
 
Ich fuhr nach oben ans andere Ende der Stadt (etwa 10 Minuten hi hi) zum Tedi, denn ich hatte mir ein paar logistische Gedanken zu meiner neuen Buchhaltung gemacht und wollte mir die nötigen Zutaten dafür besorgen. Solche Dinge gibt es bei Tedi immer am günstigsten. Bücher gibt es da auch, zur Zeit sogar für 1 Euro das Stück. Ich kaufte einen kleinen Stapel für Heike. Manchmal sind diese Bücher echt schlecht, aber oft sind richtig gute, spannende oder lustige Romane darunter. Die Autoren haben die Geschichten ja nicht von vorn herein für den Ramschtisch geschrieben und sich vermutlich auch nicht träumen lassen, dass ihre Arbeit von Monaten hier für 1 Euro verscherbelt wird. Tja, das ist dann wohl Schicksal. Ich hab auch schon mal ein Buch von mir auf einem 1 Euro Tisch entdeckt. Das macht in Wirklichkeit keine Aussage über die Qualität des literarischen Machwerkes.
 
Dann fuhr ich zurück zum Bahnhof und dem Ärger direkt in die Arme. Dort vor der Tür stand nämlich mein Vermieter mit zwei Elektrikern. Zuerst erkundigten sie sich, ob mein Telefon nun wieder ginge. Ich probierte, mit dem Handy ins Internet zu kommen und ja, es gelang. Dann kamen wir auf die Stromversorgung der Hütte zu sprechen.
Wie es sich nun herausstellte, lässt sich unser Plan, den Strom einfach aus dem Bahnhofsgebäude zu beziehen, nicht verwirklichen.
 
 
 
Ich will mir nicht nachsagen lassen, ich hätte das nicht recherchiert, ich habe alles recherchiert. Die Avacon sagte mir, das sei möglich und nicht verboten. Herr Schulz war auch damit einverstanden. Der zuständige Elektriker hingegen meinte, dass sei unmöglich, weil wir das Kabel auf oder über dem Grundstück der Bundesbahn verlegen müssten und die würde das höchstvermutlich nicht genehmigen. Und falls doch, würde so ein Genehmigungsverfahren etliche Monate in Anspruch nehmen. Bis dahin ist das Café schon fertig und ich kann dort eröffnen. Dann brauche ich die Hütte nicht mehr.
 
Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder ich nehme die temporäre Baustromlösung, die die Avacon mir bereits angeboten hat (ca. 1000 Euro Kosten) oder ich nehme gleich einen richtigen Stromanschluss (etwa 1800 Euro Kosten). Und das, meine Lieben, ist nun wirklich ein Problem, denn ich habe nur noch 1060 Euro auf meinem Geschäftskonto. Naiv, wie ich halt so bin, hab ich Herrn Schulz gefragt, ob er sich nicht den Stromanschluss mit mir teilen will. (Man kann ja mal fragen, oder?) Aber das ist absurd, weil er je keinerlei Vorteile davon hat. Immerhin wäre er nicht dagegen, wenn ich das mache. Ich könnte dann nämlich die Hütte später dort stehen lassen und untervermieten. Vielleicht könnte ich damit ein wenig zusätzliches Geld verdienen. Ich weiß jetzt nicht, was ich machen soll.
 
Soll ich die Hütte jetzt wieder verscherbeln?
Soll ich die Baustromlösung nehmen und mein letztes Geld ausgeben?
Soll ich Gerard fragen, ob er mir noch etwas mehr Kredit gibt und die  Dauerlösung wählen?
 
Tja, das hat sich jetzt nicht in Wohlgefallen aufgelöst, wie die anderen Probleme. Ich muss darüber schlafen und ein paar Leute fragen. Mit Leuten zu reden ist immer gut. Andere Menschen haben immer noch so viele Ideen, auf die man selbst gar nicht gekommen ist. Andere Menschen sehen auch Dinge, die ich nicht gesehen habe (wie etwa das Wespennest in meiner Hütte. Das hat Herr Schulz entdeckt, als ich ihm vorhin die Hütte zeigte. Morgen mache ich es weg. Es sind um diese Jahreszeit auch keine Wespen mehr darin, oder? Vielleicht recherchier ich das lieber erst mal. Okay hab das eben schnell herausgefunden über Google. Um diese Jahreszeit befindet sich kein Leben mehr im Wespennest und die Wespen haben das Nest für immer verlassen.
 
Ich kann mich nicht erinnern, schon mal einen Tag erlebt zu haben mit so vielen sich auftürmenden Problemen. Ist ja echt ein Ding. Das reicht ja für ein ganzes Halbjahr. Inzwischen bin ich wieder hier in der Wohnung, habe noch kein Fitness gemacht - heute Morgen wurde ich ja unterbrochen - und rüste mich mit Selina zum Fernsehen. Mal sehen, wie das jetzt weitergeht.
 
Eben stieg in mir eine Erinnerung auf. Es hat doch schon mal einen Tag voller Probleme gegeben, damals als ich Ausbilderin beim Katastrophenschutz war im Landesverband des DRK Hamburg. Oh ja, das war ein übler Tag! Au Weia! Da hatten mein Kollege Gadschi und ich ein Wochenendseminar für junge Rotkreuzführer organisiert. Acht Stunden Unterricht pro Tag! Und dann ist keiner der Lehrer KEINER aufgetaucht. Einige meldeten sich krank, andere stellten sich einfach tot und waren nirgendwo zu erreichen auch nicht über ihre Pieper von der Leitstelle.
 
Die jungen Führer, die ja auch nicht so wirklich freiwillig ihr Wochenende dort verbrachten, wurden von Stunde zu Stunde ärgerlicher und ließen ihren Ärger rückhaltlos an uns aus. Ich war wie eine Fliege, die durch heftige Bewegungen versucht, aus dem Spinnennetz heraus zu kommen und sich gerade dadurch immer fester darin verstrickt. Je mehr und intensiver ich den ganzen Tag über versuchte, Problemlösungen zu finden, umso mehr ging schief. Alles ging schief, am Ende auch alle Details. Als am Ende des Tages dann auch noch der Lehrer anrief, der die letzte Stunde geben sollte und sich wegen Krankheit abmeldete, brach ich in völlig hysterisches Gekicher aus. Gadschi musste mir den Telefonhörer entreißen, um dem Lehrer zu erklären, was bei uns los war.
 
Ich hatte den ganzen Tag über am Telefon gehangen und Gott und die Welt angerufen, um Lösungen zu finden, ohne Erfolg. Als ich dann resigniert in den Kurs hinüber ging, um den Männern zu sagen, dass auch noch ihre letzte Stunde ausfällt, sie also völlig umsonst bereits sieben Stunden ihrer kostbaren Freizeit im Landesverband abgehangen hatten, da warfen sie mir vor, ich hätte ja den ganzen Tag über gar nichts getan. Da fing ich an zu weinen. Was zu viel ist, ist zu viel. Die Männer reagierten daraufhin mit sofortiger Kehrtwende. Sie verwandelten sich alle in tröstende Onkels und versicherten mir, dass sie mein Engagement zu schätzen wüssten.
 
Ja okay, der DRK war damals immer für eine Katastrophe gut. Das alles ist schon so lange her, dass ich es fast vergessen hatte. Wenn ich heute darüber nachdenke, finde ich es so absurd, dass es schon wieder lustig ist. Aber damals war ich noch eine ganz andere. Damals war ich ein Opfer. Opfern passieren solche Dinge und zwar dauernd. Inzwischen bin ich wieder entspannt. Ich mache jetzt Fitness und morgen sehe ich weiter. Aloha Leute.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Dienstag, 3. Oktober 2017

Flohmarkt, Knotenstöcke und Kaffee

2.10.2017
wieder so ein Tag, an dem die Ereignisse sich ein wenig überschlagen. Heute Morgen saß ich noch vor meinem Frühstückskaffee und versuchte vergeblich alle möglichen Behörden telefonisch zu erreichen, als es klingelte. Ich musste runter gehen, weil keine Handwerker im Haus waren und daher die Haustür noch verschlossen. Draußen stand der Handwerker, der mir einen Kostenvoranschlag für
das Podest machen soll, das ins Café kommt. Er hatte gerade Zeit, weil er wegen des Regens seinen eigentlichen Auftrag nicht erledigen konnte und er erinnerte mich daran, dass wir ja noch zusammen nach Haagebau wollten.

Spontan kann ich momentan gut. Das lernt man als Langzeitarbeitslose. Also sprang ich nur schnell ihn meine Schuhe und schob mich unter meine Mütze und dann marschierten wir los. Unterwegs erzählte ich ihm von dem Plan mit dem Coffe to go Stand. Ich zeigte ihm die Hütte, denn wir kamen ja direkt an ihr vorbei. Sie steht immer noch auf dem Platz von Mr. Garden gegenüber Haagebau. Ich erzählte ihm auch von meinen Bedenken, wegen dem Engpass, der zu der Terrasse führt. Wir gingen dann kurz mal rüber und maßen das Dach der Hütte aus. Das Dach steht nämlich über und ist breiter als zwei Meter.

Wir sprachen auch noch kurz mit den beiden Verkäufern über die Möglichkeit, die Hütte auseinander zu nehmen. Das sieht schlecht aus. Das geht nur, solange das Dach noch nicht mit Dachpappe eingedeckt ist. Daniel hatte auch die Idee, das Dach teilweise abzuschneiden und später wieder anzuschrauben, aber ein Kunde, der zufällig im Raum war, erklärte uns, er habe das schon einmal gemacht und es wäre nie wieder richtig geworden. Na gut. Da lauern Probleme.
Im Haagebau suchte ich mir Latten für das Geländer des Podestes aus und ich versprach Daniel später noch im Amadeus zu essen und ihm von dort aus ein Bild mit dem dortigen Podest und dem dazugehörigen Geländer zu senden. Am Bahnhof sahen wir uns noch einmal den Engpass an und Daniel meinte, der Gabelstapler könne die Hütte möglicherweise darüber heben, denn nach oben hin ist es nur etwa 2,80 Meter hoch und die Hütte müsse ja nur mit dem Dach höher gehoben werden. Das heißt, nicht die ganze Hütte muss dafür höher als 2,89 Meter gehoben werden. Hm, könnte gehen. Wir werden sehen.

Wieder zurück düste ich ganz schnell auf die andere Straßenseite zur Avacon. Ich hatte schon den ganzen Vormittag versucht alle möglichen Stellen anzutelefonieren, das Finanzamt, die Deutsche Bahn und auch die Avacon, aber ohne Erfolg. Heute war wohl kein guter Tag zum Telefonieren. Ich habe nirgendwo jemanden erreicht. Bei der Avacon lief ein Band, das mir mitteilte, es könne aufgrund einer internen Reparatur nicht telefoniert werden. Deshalb dachte ich, es würde mir etwas bringen, einfach mal kurz rüber zu laufen. Brachte es aber nicht, denn ein Zettel an der Tür verriet mir, dass wegen jener Reparatur die Avacon heute geschlossen habe. Hmpf! Das rote Backsteingebäude auf der anderen Seite ist das Avacon Gebäude

Schnell noch zu Netto, bevor Edit kommt, denn heute war ich mit Edit verabredet. Ich schnappte mir mein Dreirad aus dem Bahnhof, denn zu Fuß hätte ich es gar nicht mehr rechtzeitig geschafft. Bei Netto kaufte ich mir nur ganz schnell ein belegtes Brötchen. Irgendwie habe ich nicht aufgepasst und habe gar kein Essen im Haus, na jedenfalls nichts Gutes, nur Dosen. Als ich eilig in den Bahnhof zurückkehrte und mein Dreirad parkte, begrüßten mich zwei Frauen in der Halle, die ich im Gegenlicht zuerst gar nicht erkannte. Im Näherkommen erkannte ich Berit und eine Freundin von ihr. Es wäre unhöflich gewesen, nicht wenigstens kurz mit ihnen zu plaudern, obwohl ich langsam ernsthaft unter Zeitdruck stand.

Danach schaffte ich mich eilends die Treppe hinauf und begann oben zugleich damit Kaffee zu kochen. Edit kam wie immer pünktlich und wir sprachen dann zwei Stunden lang miteinander über allerlei wichtige Dinge, die es noch zu tun gibt. Anschließend gingen wir noch rasch im Amadeus eine Tasse Kaffee trinken, denn ich musste noch für den Handwerker, Daniel, das Geländer fotografieren, das dort um das Podest herum läuft. Edit musste dann zügig los. Deshalb ließ ich mich nicht von ihr zurück bringen, sondern wanderte alleine zum Bahnhof zurück. Dort angekommen, stellte ich mich erst mal ein paar Runden lang auf meine Rüttelmaschine. Dazu war ich nicht gar nicht gekommen. Kaum war ich damit fertig, klingelte es auch schon wieder an der Tür. Der ganze Tag verlief so. Es griff immer eine Sache in die nächste.

Sonntag war ein entspannter Tag. Ich war in Jeggeleben bei Heike und meinem Bruder und wir machten Flohmarkt und Haushaltsauflösung. Heikes Eltern sind ja beide kurz nacheinander verstorben. Es muss aber nicht nur ihr Haushalt aufgelöst werden, sondern auch ein Großteil von Heikes und Jans Kram soll weg. Die beiden planen ja auszuziehen in eine Wohnung. Da ist Verkleinerung angesagt. Ich habe mich freiwillig bereit erklärt, die beiden dabei zu unterstützen. Zum einen habe ich als Arbeitslose mehr Zeit, zum anderen finde ich es auch schön, zusammen etwas zu machen und Zeit zu verbringen. Und Flohmarkt macht sowieso immer Spaß.





Insgesamt gibt es eine Menge interessanter Dinge dort auf dem Flohmarkt in der Scheune. Zum Beispiel diese Hollywoodschaukel.


Sie soll für 50 Euro verkauft werden.
Bis auf einige Risse in der Oberdecke ist sie prima in Schuss und die Risse kann man einfach nähen. Dass sie sehr stabil und haltbar ist, beweise ich jetzt mit diesem Bild 😏:
 
Wenn mein mächtiger Bruder und zwei Hunde sich auf dem Ding herumflätzen können, ohne abzustürzen, dann hält das Ding was aus.
 
 
Ich hab hier noch ein paar interessante Bilder für Frauen, die sich für Mittelalterkleider interessieren. Da Heike mit der Zeit und vor allem, nachdem sie das Rauchen aufgegeben hat, etwas in die Üppigkeit gegangen ist, sind es Kleider in unterschiedlichen Größen, auch für mächtigere Frauen.  
Die Preise liegen so zwischen 15 und 40 Euro. Das sind echte Schnäppchen. Es gibt auch einige schöne alte Möbel, Ritualgegenstände, Figuren, Puppen, Therapieliegen, einen riesigen Hundetragekorb, Vorhänge und so vieles mehr. An unserem ersten Flohmarkttag, letzten Sonntag haben wir auch gleich ziemlich viel verkauft. Die Menschen kaufen die seltsamsten Dinge. Einige Dinge finde ich selbst ziemlich toll und hätte sie ganz gern, aber ich scheue den Aufwand. Da ist zum Beispiel der elektrische Fernsehsessel. Meinen musste ich beim Sperrmüll rausschmeißen, weil er echt hin war. Seit dem habe ich keinen Fernsehsessel mehr, sondern schiebe mir am Abend zwei normale Sessel zusammen.
 
 
 

Da ich ja klein bin, passe ich dann mit Selina zusammen in das Nest, aus diesem beiden Sesseln. Das ist auch schön und gemütlich. Wenn ich mir jetzt den Sessel von Heike kaufen würde, müsste ich wieder jemanden finden, der ihn mir transportiert und noch jemanden, der ihn mir die Treppe hochträgt. Wir haben in letzter Zeit, insbesondere bei Wagen und Winnen dermaßen viel transportiert, dass ich erst mal bedient bin. Also falls sich jemand dafür interessiert, hier ist der Sessel:
 
 
Und eine coole Sache will ich noch zeigen, weil das wirklich selten ist und außergewöhnlich. Jan hat eine ganze Sammlung von Knotenstöcken. Knotenstöcke entstehen in der Natur, wenn eine Schlingpflanze beginnt, sich um einen Baum oder Ast zu winden. Das kann durchaus den Tod des Baumes zur Folge haben. Der Baum wehrt sich, indem er versucht die Schlingpflanze zu umwuchern. So entstehen diese Spiralen und Knoten. Wenn der Baum gewinnt, gelingt es ihm, die Rankenpflanze komplett zu umschließen. Unter spirituellen Menschen gilt so ein Stock oder Stab daher als ein Symbol der Kraft oder des Sieges.
 
Um so einen Stock zu finden, muss man ein gutes Auge haben. Die meisten Menschen können tagelang im Wald herumlaufen und finden keinen. Mein Bruder findet sie immer wieder. Mit der Zeit hat er sich diese ganze Sammlung aufgebaut, von der er sich aber jetzt doch trennen will. Die Stäbe sind alle groß genug, um als Schamanenstab oder Wanderstab verwendet zu werden. Da sind wirklich einige echt coole Exemplare drunter.
 
 
Kleider waren da aber noch viel mehr, auch Mittelalterkleider. Und viele andere Dinge. Ich habe auch ganz viele Ebay Kleinanzeigen aufgegeben. Es ist schön, wenn man die Dinge verkaufen kann. Für mich selbst habe ich das ja auch gemacht, letztes Jahr um diese Zeit und ich habe es so sehr bedauert, dass ich am Ende dermaßen viele gute Dinge in den Müll werfen musste, weil sich kein Abnehmer gefunden hat. Das ist doch zu schade. Wer Lust hat und nicht so weit weg wohnt, kann ja am kommenden Sonntag oder an einem der nächsten Sonntage mal nach Jeggeleben zum Flohmarkt kommen. Die Adresse ist Jeggeleben 11 in 39624 Kalbe. Wir machen von 11 Uhr bis 16 Uhr und nen Kaffee gibt es auch.
 
 
 













 
 
 
 
 
 
 










Samstag, 30. September 2017

Cyber Cim von den Borg 😊

28.9.2017
Wieder gibt es Neuigkeiten und neue Ideen und das kam so:
Nach dem Wagen und Winnen Wochenende war und blieb ich kaputt. Das war irritierend. Eine Woche verging, zwei Wochen vergingen, drei Wochen...die innere Erschöpfung wollte sich nicht wieder legen. Ich war schließlich alarmiert. Körperlich erholte ich mich ganz schnell wieder, aber seelisch irgendwie nicht. Es schien soweit alles gut zu sein, aber sobald jemand irgendeine Leistung von mir forderte und sei es auch nur, eine Kanne Kaffee zu kochen, kam in mir so ein massives "Oh nein, ich kann nicht, mir ist alles zu viel" Gefühl hoch. Es war verwirrend. Ich brauchte eine Weile, bis ich dahinter kam. Ich prozessierte das, träumte darüber und gab mir redlich Mühe, herauszufinden, was denn eigentlich mit mir los war.

Soviel weiß ich aufgrund meiner früheren Tätigkeit als Schamanin und Coach: Es gibt eigentlich nur zwei Phänomene, die uns Menschen die Kraft nachhaltig rauben können: Angst und Selbstzweifel. Diese beiden wirken sich auf unsere Kräfte immer schwächend und auch nachhaltig schwächend aus. Da ist man nicht nur einmal kurz schwach und erstarkt dann wieder, sondern man wird immer schwächer. Die Kraft verlässt uns langsam, so wie die Luft ganz langsam aus einem Luftballon entweicht, der ein mikokleines Loch hat. Damit hatte ich zumindest eine Idee oder einen Ansatz dafür, wie und wo ich zu suchen hatte. Aber die Angst hatte sich versteckt. Sie wollte nicht gefunden werden.


Schließlich gelang es dennoch, die richtigen Ereignisse, Botschaften und Träume zu erleben, zu hören und zu bekommen und alles zusammenzusetzen. Dann war es auf einmal klar. Durch Wagen und Winnen bin ich mit etwas konfrontiert worden. Nicht nur während des Wochenendes, sondern schon beim Aufbau, angefangen mit dem Mittwoch zuvor und weiter mit dem Abbau hatte ich die ganze Zeit über permanent Angst, meine Kräfte würden nicht ausreichen. So etwas habe ich als jüngere Frau niemals erlebt. Da habe ich mich einfach kopfüber in die Dinge hineingeworfen wie Damon in den reißenden Fluss und mir gesagt, ich schwimme da schon irgendwie durch. Inzwischen habe ich aber meinen sechzigsten Geburtstag gefeiert und fühle mich nicht mehr so stark wie früher. Ich habe Angst, richtig fiese Angst davor, dass meine physischen Kräfte für das Unternehmen Café Anhalt nicht mehr ausreichen. Damit hatte ich aber nicht nur eines, sondern sogar beide schwächenden Phänomene zusammen: Angst, nicht mehr stark genug zu sein und Zweifel, es noch schaffen zu können. (Zwei zum Preis von einem, na toll)

Zum Thema Angst und Angstbewältigung hab ich ja selbst ein Buch geschrieben. Übrigens ein sehr lesenswertes: "Der Wendepunkt der Angst". Das kann ich sehr empfehlen. Man kann es zum Beispiel bei Amazon bestellen. Natürlich waren mir die Informationen aus diesem Buch präsent. Ich hätte mich gern der Angst gestellt, sprich, einfach angefangen mit dem Café, um mich selbst zu überzeugen, dass ich nicht zu schwach dafür geworden bin. Leider geht das nicht. Dem Vermieter ist kürzlich die Vermutung rausgerutscht, dass es noch ein halbes Jahr dauern wird.

Diese Angst war während des Wagen und Winnen Wochenendes ganz präsent gewesen, danach aber tief um Untergrund verschwunden, von wo aus sie mir Löcher in die Kraft bohrte, ebenso der Selbstzweifel. Immerhin habe ich es herausgefunden. Schon mal gut, schon mal ein halber Schritt. Aber wie geht es weiter? Leider war niemand in der Nähe, mit dem ich mich darüber austauschen konnte. Ich rief schließlich Jana an und sie half mir tatsächlich richtig gut. Wir sprachen darüber, dass ich ja inzwischen schon ein Jahr arbeitslos bin und dass solche Zustände auch damit zu tun haben. Eigentlich ist das sogar ein ziemlich typischer Zustand für eine langzeitarbeitslose Person. Das Selbstbewusstsein und die Leistungsfähigkeit schwinden.

 

Jana erzählte mir, dass es beim Arbeitsamt Maßnahmen gibt, in denen die Langzeitarbeitslosen erst einmal nur zwei Stunden pro Tag arbeiten. Dann wird die Arbeitszeit allmählich gesteigert. Das kam mir ziemlich gut vor. Zwei bis vier Stunden pro Tag zu arbeiten, kann ich mir noch vorstellen, ohne Angst zu bekommen. Wir hatten auch die Idee, dass ich vielleicht in einem der hiesigen Cafés jobben könnte. Das gefiel mir aber nicht so gut. Da setzen gleich meine Ängste ein, ich könne womöglich den dortigen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. (Oh Mann, es wurde Zeit, auf dies Problem aufmerksam zu werden.) Dann hatten wir die zündende Idee: Ein Coffe to go Stand vor dem Bahnhof als Übergangslösung, bis ich wirklich mit dem Café beginnen kann.

Das ist natürlich eine gute Möglichkeit, mich der Angst zu stellen. Schon allein die Idee ließ mir Kraft zuströmen. Das vorherige "Oh nein, ich kann nicht, mir ist alles zu viel" Gefühl war wie weggeblasen. Ich wurde gleich mal aktiv und begann mit telefonieren. Damit fängt heutzutage immer jedes Vorhaben an. Ich suchte im Internet nach einem geeigneten Stand oder Wagen oder Zelt oder was auch immer.  Die Dame vom Amt für Hygiene war so lieb. Ich schickte ihr den Link zu jenen Angeboten und wir betrachteten sie am Telefon zusammen. Sie konnte mir dann jeweils sagen, was da möglich ist, was gefordert wird und was inakzeptabel ist. Schon wieder was gelernt.

Als nächstes whatsappte ich mit meinem Vermieter, dem Besitzer des Bahnhofs. Er muss ja auch einverstanden sein. Er hatte nichts dagegen, dass ich so einen Stand aufmache. Als Standort schlug er die hintere Terrasse vor. Das ist zwar nicht optimal, aber dafür machbar. Inzwischen war ich schon im Rathaus und habe dort zusammen mit Frau Schwerin - was für eine tolle und nette Frau! - den Lageplan angeschaut. Das umgebende Grundstück gehört fast vollständig der Bahn. Ich glaube nicht, dass es großen Sinn macht, bei der Bahn um den Platz am Giebel zu ersuchen. Die Bahn ist wirklich sehr umständlich und bürokratisch. Außerdem wird sie mir eine hohe Standmiete aufdrücken. Ich kann ja trotzdem mal einen Versuch starten, aber die Terrasse hinter dem Bahnhof gehört zu Herrn Schulz, dem Bahnhofsbesitzer.

Ich sprach erst einmal mit ein paar Leuten in der Hoffnung auf Anregungen, die auch prompt kamen. Die Idee, nach so einer Holzhütte zu suchen, wie man sie auf Weihnachtsmärkten sieht, gefielt mir am besten. Wer vermietet solche Hütten? Was kostet das? Es stellte sich heraus, dass der Märchenpark, der offenbar früher immer solche Hütten vermietet hat, dies nicht mehr tut. Auch die früheren Hütten sind alle verkauft. Die Stadt hat nur zwei Hütten, die für den Weihnachtsmarkt gebraucht werden. Ich fragte Frau Schwerin im Rathaus, ob sie eine Idee hat. Gerade, als wir darüber sprachen, kam Herr Kupfer, ein hiesiger Unternehmer, zur Tür herein. Frau Schwerin verwickelte ihn charmant in unser Gespräch und Herr Kupfer, selbst ebenfalls sehr charmant, ließ sich auch verwickeln.

Er hängte sich ans Telefon und fragte ein wenig herum wegen so einer Holzhütte. Am Ende schien es die beste Idee zu sein, so eine Hütte einfach beim Haagebau zu kaufen. Ich fuhr dann auch sofort dort hin und schaute mir die Möglichkeiten an. In der Tat gab es dort eine Verkaufshütte aus Holz mit aufklappbaren Fenstern genau passend für mein Anliegen. Der Preis, der mir genannt wurde, war aber viel zu hoch. Da waren wir mit dem Zubehör und dem Aufbauen schon weit über tausend Euro. Ich habe nicht mehr so viel Geld von Gerards Kredit. Ich will nicht alles, was noch da ist für diese Hütte ausgeben, zumal ich auch noch einige Dinge für das Café benötigen werde, die ich jetzt noch nicht habe.


Die ganzen großen und teuren Anschaffungen habe ich schon alle getätigt. Der ganze Krempel ist jetzt drüben im grauen Haus eingelagert. Aber wenn es dann schließlich soweit ist, werden noch viele kleine Dinge fehlen wie Lampen, Deko, irgendwelche Töpfe, an die ich noch nicht gedacht habe, Küchenzubehör, was weiß ich noch alles. Man sollte niemals unterschätzen, was einen all die kleinen Anschaffungen noch kosten. Außerdem muss ich ja auch noch das Essen bezahlen. Es war nicht meine Absicht, diese Geld jetzt auszugeben, eher will ich es jetzt ein wenig vermehren.

Dann erzählte mir der Händler, die Hütte stünde ja seit dem Frühjahr aufgebaut als Anschauungsobjekt dort auf dem Hof. Ich meinte, dann sei sie ja eigentlich gebraucht und fragte nach einem Preis für diese gebrauchte Hütte. Schließlich willigte er ein, mir die fertige Hütte für 500 Euro zu geben und sie wollten dann auch versuchen, die Hütte mit einem Gabelstapler zu mir rüber zu bringen. Haagebau ist ja bei uns in Salzwedel direkt neben dem Bahnhof. Neulich hat mir einer der Verkäufer auch schon einmal drei Paletten mal eben mit dem Gabelstapler rübergefahren. Also das ist ein Schnäppchen! Keine Transport- und Aufbaukosten und die fertige Hütte vor die Tür! Super!!!

Ich bat darum, mir die Hütte ein paar Tage zu reservieren, denn ich wollte nicht noch einmal so voreilig und dumm handeln, wie ich es bei der teuren Kaffeemaschine getan hatte. Diesen Fehler bedaure ich sehr, zumal er mich so schrecklich viel Geld gekostet hat. Diesmal wollte ich es richtig machen. Zuerst telefonierte ich noch einmal mit dem Amt für Hygiene und erkundigte mich nach den Notwendigkeiten, die für eine Holzhütte gelten. Ich benötige einen Glühweinkocher, um heißes Wasser darin zu machen. Das ist Pflicht, da ich keinen direkten Wasseranschluss habe. Offenbar ist diese Regelung neu. Die Dame erzählte mir, dass im letzten Jahr auf dem Weihnachtsmarkt die Stromversorgung zusammengebrochen sei, weil sich alle Aussteller gleichzeitig so ein Ding zulegen mussten. Hm. Das muss ich bedenken.

Ich hab schon mal im Internet und auch bei der Metro geschaut, was solche Dinger kosten. Die gibt es schon für 40 bis 50 Euro, kein Weltuntergang also. Für die to go Becher gibt es große Preisunterschiede, aber - wie Nadine einwandte - auch große Qualitätsunterschiede. Die geriffelten, die Nadine am besten findet, weil man sich nie die Finger verbrennt, sehen leider so unprofessionell aus. Eigentlich möchte ich lieber die bunten aus Pappe. Mal sehen. Ich muss mir jetzt wohl mal ein paar Coffe to go kaufen, um einen Eindruck zu bekommen. Herr Schulz, mein Vermieter ist einverstanden mit der Hütte, begeistert ist er allerdings nicht davon. Er findet, dass sei Geldverschwendung.

Er sagte mir auf Whatsapp mehrfach, dass ich doch nur noch ein klein wenig warten muss und dann könnte ich mich im Bahnhof aufstellen zum Beispiel in der Haupthalle oder am Fenster im Café, also in einer Ecke, in der nicht mehr gebaut wird. Natürlich hat die Idee, nicht im Freien frieren zu müssen, etwas Bestechendes, aber hier sehe ich auch unüberwindliche Nachteile. Ich will ja nicht den ganzen Tag über schon Kaffee verkaufen, sondern erst mal nur stundenweise. Das ist ja meine persönliche Arbeitstherapie für mich selbst. Wenn ich fertig bin, dann kann ich die Bude einfach absperren und alles drinnen lassen, wie es ist.

Wenn ich aber einen Verkaufsstand oder Verkaufstisch drinnen habe, was mache ich dann mit all den Sachen, wenn ich fertig bin? Das müsste ich ja dann alles wegräumen und wegschließen: Den Kaffeeautomaten, die Kaffeemaschine, die Becher, Filtertüten, Rührstäbchen, Handtücher usw. Und der Kühlschrank ist nicht abschließbar. Diese ganze Räumarbeit will ich mir nicht nochmal zumuten. Alles Bewegliche müsste dann jeden Tag einmal herangeschafft und später wieder weggestaut werden, und gerade Tragen ist ein Problem für mich. Wenn ich den Stand tatsächlich im Café aufmache, könnte ich vielleicht abschließen, also theoretisch. Praktisch aber nicht wegen der Handwerker.

Selbst wenn der Café Raum selber fertig ist, muss ja noch der Personalraum und die Personaltoilette gemacht werden und ebenso auch der Unterbringungsraum für die Vorräte. In diesen Bereichen ist noch lange nicht fertig renoviert. Damit ist aber auch der Gedanke gestorben, dass ich überhaupt schon im Café stehen könnte. Die Handwerker werden da ständig durchgehen und Dreck verursachen. Im Unterbringungsraum und in meinem Flur müssen noch die Fliesen herausgestemmt werden. Das macht richtig Baustaub. Die Handwerker werden auch ihre Werkzeuge und anderen Kram im Café lagern. Irgendwo muss das Zeugs ja hin und sie wollen auch einen abschließbaren Raum für wertvolle Werkzeuge haben.

Ich würde mitten in einer Baustelle stehen und zwar in einer aktiven Baustelle. Das allerdings erlaubt das Amt für Hygiene nicht. Mir wurde heute am Telefon dazu gesagt, ich könne mich nur in einem Raum aufstellen, in dem nicht mehr gearbeitet würde. Herr Schulz sagte mir, dass das Café sehr bald fertig sein würde und riet mir, jetzt schon mit den Überlegungen für die Küche zu beginnen. Er würde das vermutlich wirklich so machen, aber ich kann das nicht. Das habe ich in meinem Leben immer wieder festgestellt, ich kann mir das nicht VORSTELLEN. Wenn Leute mir irgendwelche Sofas oder Schränke bewegt haben, mussten sie sie immer wieder von einer Ecke in die andere stellen, bis ich schließlich den perfekten Platz dafür gefunden hatte.


Ehrlich gesagt glaube ich, dass es den meisten Menschen so geht, auch denen, die meinen, es sei bei ihnen nicht so. Es gibt vermutlich nur ganz wenige wirklich begnadete Menschen, die einen Raum tatsächlich in der Theorie einrichten können, so dass es in der Praxis auch wirklich schön und gemütlich ist. Nach meiner Beobachtung haben viele Menschen einfach nur kein Gefühl für Gemütlichkeit. Sie richten ihre Zimmer im Computer ein und es geht dabei nur um Platz und Licht, eventuell noch um Steckdosenzugang. Aber wie man sich am Ende FÜHLT, wenn man sich dann in dem so eingerichteten Raum befindet, das berücksichtigen sie weder vorher noch überhaupt. In solchen Wohnungen bin ich schon so oft gewesen, wenn ich zum Beispiel Klienten besucht habe. Da steht dann zum Beispiel der Computertisch in einer Ecke an der Wand mit dem Rücken zum Raum.

Jeder Fachmann wird bestätigen, dass es in der Natur des Menschen liegt, mit dem Gesicht zum Raum und der Wand im Rücken zu arbeiten. Es ist ein uraltes Sicherheitsbedürfnis aus gefährlicheren Zeiten, in denen man alles im Blick haben musste, um Feinde rechtzeitig kommen zu sehen. Nur ein Theoretiker kann so etwas vergessen. Ich habe auch Wohnungen gesehen, in denen man immer erst über einen Sessel oder ein Sofa krabbeln musste, um an irgend etwas heranzukommen. Anderenorts befanden sich die Dinge, die man immer zusammen braucht, weit von einander entfernt. Etwa die Dosen mit dem Katzenfutter in der Vorratskammer, welche sich nicht direkt an die Küche anschloss, sondern einen ganzen Flur weiter war, der fest installierte Dosenöffner an der Küchenwand und die Futterstelle für die Katzen in der Tenne.

Einmal war ich in einer sehr nobel eingerichteten Wohnung, alles vom Feinsten, in der es keinen einzigen bequemen Stuhl oder Sessel gab, nur Rückenbrecher. So etwas passiert nicht, wenn man den Raum aktiv gestaltet und einrichtet. Nicht, dass ich Fachfrau dafür wäre, keineswegs, aber ich verstehe etwas von Gemütlichkeit und Wohlgefühl. Wenn ich in Altensalzwedel einen Raum eingerichtet habe, dann habe ich immer damit angefangen, einen einzigen Stuhl in den Raum zu bringen. Diesen Stuhl habe ich so lange hin und her bewegt und mich darauf gesetzt, bis ich den perfekten Platz für diesen Stuhl gefunden hatte - fühlend gefunden hatte, nicht optisch. Es geht nicht darum, wie der Stuhl im Raum aussieht, sondern wie es sich anfühlt, an diesem Platz im Raum zu sitzen. Und wenn der perfekte Standort für den Stuhl gefunden war, habe ich den Raum so nach und nach drum herum aufgebaut - immer mit dem Fokus auf das Gefühl gerichtet.

Mein Aufenthaltsraum in Altensalzwedel

Sicher, gut aussehen muss es am Ende schon auch noch, besonders im Café, aber ich erachte das tatsächlich als zweitranging hinter dem guten Gefühl. Und es spricht nichts dagegen, beides herzustellen. In meiner künftigen Küche muss ich es ebenso machen. Ich werde jene Küchenmöbel, die an einen festen Standort gebunden sind, als erstes hinstellen. Dann sehe ich, wo noch Platz ist und wie viel. Und dann baue ich alles so drum herum, das es so logistisch wie nur irgend möglich wird. Logistisch soll in meinem Fall aber nicht so sehr effizient heißen, sondern mehr Kräfte sparend, was aber mehr oder weniger auf dasselbe hinausläuft. Wenn ich das jetzt theoretisch mache, muss ich es später nur noch einmal machen, weil es ja dann doch nicht passt oder uns etwas auffällt, was zuvor nicht bedacht wurde.

 
Ein Bekannter von mir hat einmal seinen Raum ausgemessen und sich ein Sofa gekauft, das genau in die Ecke passte. Dabei hat er leider nicht bedacht, dass die Wände noch nicht verputzt waren. Nach dem Verputzen der Wände hat das Sofa nicht mehr in die Ecke gepasst. Jana erzählte mir heute am Telefon, sie würde sich auch vorher ihre Räume mit Papierschnitzeln auf einer Lageskizze zurechtlegen. Als ich sie dann fragte, ob die Räume dann hinterher auch wirklich so eingerichtet worden sind wie auf der Skizze, da gab sie lachend zu, dass dies niemals der Fall gewesen sei.

Außerdem, wenn ich jetzt in der Theorie mit der Küche anfange, wird mir klar, ich brauche noch dies oder das. Dann gehe ich ins Internet und finde das Gesuchte vielleicht heute besonders günstig und will es gleich haben. Und schon hab ich noch ein Möbelstück oder Gerät, von dem ich nicht weiß, wohin damit. Ich mache das, wenn es soweit ist. Aber ich weiß die Fürsorge meines Vermieters zu schätzen. Er meint es gut mit mir. Er selbst würde bestimmt auch so vorgehen, sich alles in der Theorie oder in einem Computerprogramm schon einmal aufzubauen. Leider kann ich mir keinen Küchenprofi leisten. Aber irgendwie kriege ich das auch selbst hin. Herr Schulz findet, ich vergeude meine Energie mit der Hütte und anschließend muss die Hütte wieder verkauft werden. Vielleicht ist er auch besorgt, dass die Hütte dann noch monatelang vor der Tür herumsteht.

Wieder verkaufen muss ich sie wohl. Eigentlich schade. Es ist so eine coole Hütte. Sicher könnte man sie auch weiterhin gebrauchen für Events und so. (Und falls ich pleite gehe, könnte ich darin hausen) (Das war nur ein Witz) Aber ich habe nun einmal keinerlei Grundstück mehr, wo ich sie lagern könnte und ich habe auch keine eigene Transportmöglichkeit.
Vorhin bin ich zu Nadine und Heinrich gefahren, um noch einmal über die Idee zu sprechen und auch über die Bedenken von Herrn Schulz. Es schadet nicht, die Überlegungen anderer einzubeziehen. Das ist Einbindung von Fremdkompetenz. Ich werde die Hütte aber jetzt kaufen. Mein Gefühl will es.

Es gibt da noch einige Dinge zu erledigen, ich weiß noch nicht einmal genau, mit wem ich jetzt alles noch sprechen muss. Ach und die Hütte muss noch lasiert werden. Dazu hab ich ja so was von keine Lust. Puh! Ächts! (Selina fängt andauernd die Computermaus. Sie möchte, dass ich jetzt langsam aufhöre und mich ihr widme). Aber in Gottes Namen, dann lasiere ich die Hütte eben noch. Ich wünschte, jemand anderes würde mir das abnehmen, aber ich habe jetzt kein Geld mehr, jemand anderes zu bezahlen. Innen muss ich noch abwischbare Farbe anstreichen an den Stellen, wo es evtl. Spritzer geben könnte, hinter der Kaffeemaschine zum Beispiel. Das ist auch eine Auflage der Hygiene. Wegen der Farbe frag ich morgen noch im Haagebau nach.

Jetzt schlabbert Selina mir die Finger ab, weil ich die Maus in der Hand halte. Katzen haben es drauf, uns von der Arbeit abzuhalten. Vermutlich muss ich noch beim Finanzamt Bescheid sagen, eine Versicherung brauche ich auch und das Arbeitsamt bekommt noch die Veränderungsmitteilung. Das aber erst, wenn die Veränderung da ist. Noch bin ich in den Vorbereitungen. Jetzt muss ich erst einmal nachgeben. Selina will mit mir fernsehen.

 
30.9.2017
So, heute habe ich Nägel mit Köpfen gemacht und die Hütte bei Haagebau gekauft. Jetzt bin ich wieder Besitzerin eines Eigenheims. (hi hi)
 
 
Noch steht die Hütte bei Haagebau auf dem Platz. Lasur habe ich auch gleich gekauft. Nächste Woche will der Vermieter wieder nach Salzwedel kommen, dann müssen wir noch einmal über den Stellplatz reden. Ich habe schon gesehen, dass es da Probleme geben wird. Quer kann die Hütte wohl nicht stehen, weil da ein Laternenpfahl im Weg steht. Außerdem ist es fraglich, ob der Gabelstapler sie überhaupt um die Ecke kriegt. Der Zugang ist eh schmal und durch das Baugerüst ist da noch weniger Platz. Am Ende muss ich vielleicht doch auf den kleinen Platz ausweichen, auf dem die öffentliche Toilette aufgebaut gewesen ist. Der kleine Platz gehört auch meinem Vermieter. Ich glaube aber, das ein ehemaliger Toilettenbereich kein gutes Karma für einen Kaffeestand bietet. Hm mal sehen, wie wir das lösen.
  
Was gibt es sonst noch so Neues? Ach ja, ich habe jetzt ein Hörgerät. Ich benötige es kaum, eigentlich nur in speziellen Situationen, wo viele Nebengeräusche sind. Da allerdings muss ich es immer auf volle Lautstärke stellen. Die Dinger sind nämlich auch verstellbar. Es gibt verschiedene Programme. Programm 3 ist für Situationen mit lauten Nebengeräuschen. So ist es zum Beispiel in der Trommelgruppe. Man kann nicht 10 Leute vor Trommeln setzen und davon ausgehen, dass sie  ihre Hände still halten. Ein oder zwei Leute dreschen immer gerade auf der Trommel herum. In der Gruppe sind die Nebengeräusche immer laut und die Leute immer extrem leise. Als ich das erste Mal mit meinem Hörgerät dorthin gekommen bin, habe ich zum ersten Mal mitgekriegt, worüber die eigentlich so reden. Das Gerät selbst ist fast unsichtbar.
 
 
Man sieht nur ein kleines Kabel. Aber wenn dann in der Gruppe getrommelt wird, muss ich das Hörgerät ganz schnell aus den Ohren zupfen, sonst fallen sie mir ab. Auch bei der Finisage von Wagen und Winnen hat mir das Hörgerät gute Dienste geleistet.
 
 
Da saßen knapp zwanzig Personen um den Tisch herum und hielten eine Nachbesprechung des Wagen und Winnen Wochenendes ab. Ohne Hörgerät hätte ich da gar nichts mitgekriegt, aber so verstand ich alles. Das ist großartig. Da ich vor ein paar Tagen auch eine neue Brücke in den Mund bekommen habe, wo die letzten 20 Jahre nur Zahnlücken waren, darf man mich jetzt Cyber Cim nennen, oder vielleicht Kim von den Borg. 😊
 
Morgen mache ich mit Heike Hofflohmarkt in Jeggeleben. Jan und Heike planen mittelfristig dort auszuziehen und wollen sich schon einmal von all den vielen Sachen trennen, die sich auf so einem großen Hof so ansammeln. Heikes Eltern, die sie dort gepflegt hat, sind dieses Jahr gestorben, mein Vater wird ihnen sicher bald folgen. Dann wollen sie das Haus vermieten. Das ist immerhin ein Plan. Morgen werde ich früh mit dem Dreirad losfahren, denn nach Jeggeleben sind es zwanzig Kilometer von hier aus. Ich habe schon gesehen, dass es dort eine Menge interessanter Dinge gibt. Ich werde meinen Lap Top mitnehmen und damit noch alle größeren Objekte bei Ebay Kleinanzeigen einstellen. Damit habe ich auch sehr gute Erfahrungen gemacht, als ich letztes Jahr um diese Zeit meinen eigenen Räumungsflohmarkt gemacht habe.
 
Die Leute sind von überall her gekommen, um die Sachen zu kaufen, die ich dort eingestellt hatte. Dadurch ist genügend Geld für meinen Umzug herein gekommen. Das war sehr praktisch.
Und jetzt begebe ich mich auf mein Laufband, wo ich in einem bescheidenen Umfange meinen persönlichen leider nicht so bescheidenen Umfang in Bewegung bringen werde.