So langsam setzen sich alle Puzzleteile zusammen und ich verstehe, worum es bei all dem Ärger eigentlich wirklich ging. Heute Nacht hatte ich einen Traum. Ich arbeitete für die Weihnachtsfrau. In diesem Traum gab es keinen Weihnachtsmann, sondern eine Weihnachtsfrau. Ich und drei andere Personen waren ihre Diener. Sie war auch so ein bisschen wie Frau Holle. Alljährlich richteten wir vier in ihrem Auftrag Weihnachten für die Menschen aus. Aber eines Jahres wollte sie das nicht mehr. Wir Vier fanden das nicht richtig. Weihnachten kann doch nicht ausfallen. Das geht doch nicht. Also fingen wir an, es heimlich auszurichten.
Die Weihnachtsfrau erwischte uns aber dabei und gab uns Arbeiten auf, die uns beschäftigen sollten. Wir erledigten diese Arbeiten einfach ganz schnell und luschig und begannen erneut, Weihnachten auszurichten. Sie erwischte uns wieder und diesmal wollte sie uns bestrafen. Sie schickte jeden von uns in eine Zeitschleife, in der derjenige dasselbe immer und immer wieder erleben sollte. Die drei anderen wurden in dieser Zeitschleife wieder und wieder mit dem konfrontiert, was ihnen am meisten Angst machte. Zu mir sagte sie, das würde bei mir ja nichts nützen. Angst wäre kein Problem für mich, aber sie wüsste genau, was mein Problem sein, nämlich die Ewigkeit.
Sie wollte mich in eine Zeitschleife verbannen, in der ich für viele Jahre immer und immer wieder aufs Neue ihr Bett machen sollte und ein wenig aufräumen. Und sobald das getan ist, schwupps dreht sich die Zeit zurück und ich muss wieder von vorn anfangen. Vor Schreck fing ich an zu weinen und hoffte, sie mit meinen Tränen doch noch zu erweichen.
Gitta ist inzwischen wieder zurück aus Kiew und wir haben heute darüber telefoniert. Wie immer hatte sie einige ganz spannende Ideen nicht nur zu diesem Traum, sondern auch zu den Ereignissen von vorgestern und gestern. (Steht im Block vor diesem hier) Gestern ist eigentlich nichts weiter passiert, außer dass ich nicht die Hütte lasiert habe. Nadine wollte eigentlich bei sich die Hausfassade streichen und hatte ebenfalls so wenig Lust dazu, dass sie mich anrief und fragte, ob ich sie nach Bad Bevensen begleite. Sie hatte dort noch etwas abzuholen. Super! Gute Gelegenheit, sich zu drücken. Also fuhren wir zusammen nach Bad Bevensen. Das war durchaus schön. Wir klönten und unterhielten uns die ganze Zeit. Anschließend gingen wir noch in Uelzen zu Mittag Essen.
Alles gut soweit, aber ich fühlte mich die ganze Zeit über so müde und abgeschlagen. Ehrlich, ich hasse es, ich hasse es wie verrückt, mich so schwach zu fühlen. Solche Schwächezustände kann ich einfach nicht ausstehen. Ich kam und kam nicht davon runter. Später, als ich wieder zuhause war, ging ich auf meine Fitnessgeräte. Ich bin eine Stunde lang auf dem Laufband gewalkt und habe dazu noch 40 Minuten auf der Rüttelmaschine gerüttelt. Danach war mein Körper zwar etwas geschafft, aber ich fühlte mich besser, nicht mehr so schwach und abgeschlagen. Eineinhalb Stunden auf der Stelle wandern und rütteln ist aber schon auch ziemlich langweilig, selbst wenn man peppige Musik dabei hört.
Dann kam die Nacht mit dem oben geschilderten Traum. Wenn mein lieber Freitag mir so einen interessanten Traum schickt, dann ja nicht ohne Grund. Es war klar: Hier muss es Zusammenhänge geben. In dem Telefonat mit Gitta wurde dann einiges viel deutlicher.
Zum Beispiel jener seltsame Zombiezustand, in den ich vor zwei Tagen bei Kaufland geraten bin, den ich mir ja nicht hatte erklären können, (Letzter Post im Blog) zeigte auf einmal einen gewissen Sinn. Gitta meinte, es müsse sich um einen nachträglichen Schock gehandelt haben. Das war zwar einerseits ein sehr plausibler Gedanke, aber andererseits waren die Ereignisse doch gar nicht so schlimm gewesen. Also das war nur zehn Prozent so schlimm wie die ganze Wagen und Winnen Anstrengung gewesen war. Wieso also ein Schock?
Dann fiel mir auf, dass ich da etwas bemerkt hatte. Während ich auf der Ebene des alltäglichen Lebens mit der Situation umgegangen bin und auf alles reagiert habe, hat noch eine andere Kraft? Quelle? Wesenheit??? ganz in meiner Tiefe auch reagiert. Einerseits habe ich alles gut gehandelt und sogar zum Wohle aller Wesen geregelt, andererseits gibt es einen Teil in mir, einen tief sitzenden Aspekt meiner Persönlichkeit, der davon ausgehebelt und abgeschlagen wurde. Anders ausgedrückt: Jemand in mir hat mehr Angst als mein Ich. Jemand in mir, aber ganz tief in mir, empfindet die Situation als zutiefst bedrohlich, so bedrohlich wie es im Mittelalter war, wenn der Büttel kam und einen abgeholt hat.
Das war mehr als nur gefährlich. Da folgte dann zumeist intensive Angst, Folter, Schmerz und vielleicht auch Tod und dies auch, wenn man gar nichts Böses getan hatte. Kennt ihr den Ausdruck "Jemandem den Schneid abkaufen"? Das ist, wenn man jemandem entweder erfolgreich Angst machen kann oder ihm so effektiv Selbstzweifel verschafft, dass derjenige von sich aus dann den Mut verliert und nicht mehr daran glauben kann, dass er sich durchsetzen wird. So etwas geschieht zumeist durch entsprechende Worte. Während die Kim voller Mut, Kraft, Authentizität, Vertrauen und Humor ihre Belange gegenüber der Stadt und den Behörden durchsetzte, wurde jenem tief sitzenden Teil in mir der Schneid schon durch den bloßen Kontakt mit den Behördenvertretern abgekauft.
Vielleicht ist das auch ein Bisschen das Salzwedeler Feld, aber ich glaube schon, dass es auch ganz viel mit mir zu tun hat. Klingt das alles sehr verrückt? Schon ein wenig, oder? Aber ich habe es ja schon oft gesagt, wir Menschen sind keine flachen Pfützen. Wir sind tiefe Seen und mancher ist ein ganzes Meer. Wir bestehen auch vielen Ebenen zugleich und besitzen eine große Fülle an Eigenschaften, Qualitäten, Fähigkeiten, Wissen, Erfahrung, Kräften und natürlich auch Macken und Ego Strukturen. Das zieht nicht immer alles an einem Strang.
Der Schock, den ich im Kaufland auf einmal hatte, war nicht Kims Schock. Deshalb konnte der Kim Teil von mir das auch nicht verstehen. Jener andere Teil in mir war geschockt. Vielleicht handelt es sich um einen transpersonalen Anteil meiner Seele, einen der Teile, die nicht mit dem Tode einer Inkarnation vergehen und vergessen werden, sondern ihre Zustände weitertragen in das nächste Leben hinein. Unaufgelöste Themen werden mitunter auch wieder geboren, um diesmal gelöst zu werden. Auf das Konto dieses Seelenanteils von mir dürfte dann ja wohl auch die elendige Schwäche des gestrigen Tages gehen. Auf der Ebene wurde mir der Schneid angekauft.
Mir gefällt dieser Ausdruck, weil er irgendwie impliziert, dass ich mir meinen Schneid, also meinen Mut und meine Kraft wieder zurück holen kann. Vielleicht wurde mir in einem früheren Leben erfolgreich suggeriert, dass ich immer die Schwächere sein werde, dass ich niemals gewinnen kann, dass diese machtvollen Männer immer gewinnen werden und immer die Macht besitzen werden. Wenn ich das glaube, dann habe ich schon verloren. Wie bei einem Tennis Match. Wenn der Spieler sich schon vorher ein Urteil über sich selbst gebildet hat, dass er keinerlei Chancen hat, viel schlechter ist als der Gegner und nur verlieren kann, dann wird seine psychische Kraft nicht ausreichen, um das ungleiche Blatt doch noch zu wenden.
Ich hoffe nun, dass ich, da wir das Fass nun schon einmal aufgemacht haben, so langsam mit jenem Anteil in mir in Kontakt kommen kann. Im Moment bin ich noch zu weit davon weg. Wenn ich mir jetzt eine Visionsreise basteln würde, in der ich mich mit diesem Anteil unterhalte, oder dies in Form eines Prozesses versuchen würde, dann wäre das nur Fantasy. Klar kann ich mir diesen Anteil vorstellen und auch alle seine Ängste und Urteile, aber das wäre wirklich dann nur meine Vorstellungen. Ich muss es auch fühlen können, damit diese Arbeit greift. Aber soviel ist jetzt schon klar. Dieser tief sitzende Seelenanteil in mir will jetzt auch von sich aus mit mir in Kontakt kommen und hat aus der Tiefe heraus dieses ganze Szenario angezettelt. Es ist also jetzt Zeit dafür, dies aufzulösen.
Ego kann sich nicht mehr vorstellen als das. Ego stellt sich einen Fiat Panda vor und meint, das sei wundervoll. Dann rät es dir, jetzt deine ganze Kraft daran zu setzen, dieses Auto zubekommen. DIE Wille möchte dir vielleicht einen Maybach schenken oder einen Rolls-Royce. Das gelingt aber nicht, weil DER Wille schon alle Kräfte für sich rekrutiert hat.
Okay, demnach sind die vier Diener die Vertreter des Egowillen und die Weihnachtsfrau/Frau Holle ist DIE Wille oder auch die Große Mutter. Tatsächlich gibt es in der Literatur Märchendeutungen, in denen Frau Holle als die große Mutter gesehen wird. Das habe ich hier nicht erfunden.
Als Strafe soll das Ego erfahren, wie es ist, wenn sich Dinge immer nur endlos wiederholen: Nochmal das Bett machen, nochmal das Bett machen, nochmal das Bett machen oder nochmal Weihnachten und nochmal Weihnachten und nochmal...DIE Wille will Bewegung in die Sache bringen und damit auch Entwicklung. Diese letztere Information habe ich bekommen, als ich mich probeweise in die Weihnachtsfrau hinein versetzt habe. Interessant und besonders lebendig fand ich jenen Moment am Ende des Traums, als ich geweint habe und hoffe, mit meinen Tränen die Weihnachtsfrau zu erweichen. In dem Moment, da ich im Traum weinte, war ich ganz weich, lebendig und flexibel. Ich fühlte viel mehr diese Lebendigkeit als die Angst.
Und wenn ich nun den Versuch unternehme, diese beiden Dinge mit einander in Verbindung zu bringen - so langsam wird es natürlich schon ein wenig hypothetisch - dann verkörpert die Wille jenen entwickelteren Teil von mir, der auch stets immer wieder auf Entwicklung aus ist. Die vier Diener verkörpern vielleicht jenen tief sitzenden Teil meiner Seele, dem der Schneid abgekauft worden ist und der sich daher nicht vorstellen kann, dass man Dinge auch mal anders macht als sonst. Dieser verängstigte Seelenanteil von mir ist unflexibel und statisch, hält das aber für seinen Willen. Die Begegnung mit der Angst verkörpert in der Drohung der Weihnachtsfrau, mich in eine endlose Zeitschleife zu verbannen, bringt wieder Bewegung in die Starre. Sie weint, Tränen fließen, also es fließt wieder. Aus Starre wird wieder Lebendigkeit.
Eigentlich klingt das alles ganz toll für mich. Gitta meint, dass die Schwäche, gegen die ich schon mein ganzes Leben lang ankämpfe, vielleicht aus dieser Quelle kommt. Wäre es nicht einfach traumhaft, wenn ich dies alte Problem endlich lösen könnte? Wenn wir hier richtig liege, dann verbirgt sich Angst hinter dieser Schwäche. Eine uralte Angst, die so transpersonal ist, dass ich sie nicht fühlen kann, außer wenn ich direkt mit den entsprechenden Auslösern konfrontiert werde. Im Traum hat die Große Mutter zu mir gesagt, Angst wäre kein Problem für mich.
Ja, für mich nicht, aber für andere Anteile von mir schon. Sie, die in einer Zeitschleife gefangen, immer wieder dieselben Ängste durchlaufen müssen, vielleicht schon seit mehreren Leben.
Sie sagte auch, mein Problem sei die Ewigkeit. Ewigkeit ist auch ein Symbol. Ich glaube, hier in diesem Traum ist Ewigkeit ein Symbol dafür, dass Dinge unbeweglich und starr endlos auf die gleiche Weise ablaufen. Das ist fast wie tot sein oder wie zu einem seelenlosen Roboter geworden zu sein, der mechanisch seine Aufgaben wahrnimmt. Keine Entwicklung, keine neue Bewegung. Ja, das ist wirklich etwas zutiefst Beängstigendes. Und warum sollte ich endlos ihr Bett machen? Hm, ja, nun ja. In Frau Holle sollen Pech Marie und Goldmarie doch immer das Federbett von Frau Holle ausschütteln (im Traum war es übrigens auch ein Federbett), damit es auf der Erde schneit. Auch das scheint mir ein Symbol für das ewig wiederkehrende zu sein. Die vier Jahreszeiten lösen einander ab in einem endlosen Reigen.
Wir waren vier Diener im Traum. Auch die Zahl Vier ist ein Symbol. Vielleicht für die vier Jahreszeiten. Vielleicht geht es die ganze Zeit um das sich ewig Wiederholende. Und dagegen dann das Neue, das sich Trauende, etwas Riskierende, etwas Wagende, etwas neues in die Welt bringende, das den Entwicklungsprozess Auslösende. Ego traut sich niemals das zu tun. Ego kann das auch gar nicht. Ego hat nicht die Fähigkeit, weit genug in die Zukunft zu blicken, um zu übersehen, ob das neue Element denn wirklich etwas Gutes auslöst oder am Ende doch nur Schaden anrichtet. DIE WILLE in uns kann das aber. Sie ist eine machtvolle, liebevolle und zugleich weise Instanz in unserer Seele.
Leider blockieren wir sie ja meistens durch unsere Ängste unser extremes Pflichtbewusstsein oder die zahlreichen Aktivitäten zu denen DER Wille uns ständig antreibt.
Dieser Satz hat mich eben gerade ein wenig ermutigt, das Hütte L
asieren auch heute wieder zu schwänzen. Ich hab so überhaupt keine Lust dazu. Die Hütte muss lasiert werden, aber wenn ich das mache, dann wirklich nur und ausschließlich aus Pflichtbewusstsein. Ach, geliebte Mutter Wille, kannst du mir nicht jemanden erschaffen, der das für mich tun?
Mehr folgt, sobald ich selbst mehr weiß.













































